Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 111 (1.11.1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 10 DIE NEUE WELT Nr. iif Die Frauen der zum Tode Verurteilten gegen den Mufti. Jerusalem, 22. Oktober. (J. T. A.) Die Annahme, daß die im Zusammenhang mit den Unruhen zu Scha den gekommenen Araber die Führer für ihr Unglück verantwortlich machen werden, hat sich in dem Falle der zum Tode verurteilten drei Araber aus S a f e d bestätigt. Die Frauen der Verurteilten u m ringten das Haus des Mufti in Safed eine ganze Nacht hindurdi mit Schreien und Anklagen. Die Demonstration machte starken Eindruck. In Palästina erwartet man allgemein den Ausbruch, einer Blutfehde zwischen der Familie von Mousa Hadib aus Hebron, der, weil er den Jerusalemer Großmufti bekämpfte, meuchlings ermordet worden war, und der Familie Husseini, der der Großmufti angehört. Die Verwandten von Mousa Hadib, der ein Führer der arabischen Bauernpartei war, haben der Familie Husseini und besonders dem Großmufti Rache geschworen. Freisprechung von sieben Arabern aus Gaza. J e r u s a i e m, 23. Oktober. (J. T. A.) Vor dem Gericht in Jaffa hatten sich sieben Araber aus Gaza wegen Aufreizung zu Gewalttaten und Teilnahme an den Angriffen auf die Juden in Gaza in den Unruhetagen zu verantworten. Obwohl elf Zeugen für die , Angeklagten belastend aussagten, sprach sie Richter.Stubbs frei, mit der Begründung, das Gericht sei nicht in der Lage gewesen, den Zeugen Glauben zu schenken. Urteil im zweiten Safeder Mordprozeß. — Die vier Angeklagten zu je zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Haifa, 23. Oktober. (J. T. A.) Das Gericht in Haifa hat die vier Araber aus Safed, die angeklagt waren, an der Ermordung der sechzigjährigen sephardischen Jüdin Lülä Farajöun während des Safeder Pogroms beteiligt ge* wesen zu sein, zu je zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht fand, daß das Beweismaterial nicht genug gravie» rend ist, um die Todesstrafe zu rechtfertigen. Die Ange* klagten wurden nicht wegen Mordes, sondern wegen Be* teüigung an Gewalttaten und der Bedrohung jüdischen Lebens und Eigentums verurteilt. Der Einfluß des Jiddischen auf die englische Sprache. . Vor kurzem fand an der Yale-Univer&ifcät Mi New York' eine .Tagung, der Abteilung für Philologie und Linguistik; des .Verbandes wissenschaftlicher Organisationen in Amerika statt. Der Zweck dieser Tagung war die Feststellung aller in Am«Vifca'gespro'di'eheW"'englischen'Dialekte uifd des Einflusses der einzelnen nichteng-iisohen Sprachen auf die Entwicklung und die Aussprache des Englischen in Amerika. Eine Kommission der bekanntesten amerikanischen Philologen , wurde beauftragt, einen „englisch en'.S pra ch en a tl as" anzulegen. In den Beratungen wurde festgestellt,, daß vielleicht keine der Einwanderergrupipen die englische Sprache in so einschneidendem Maße beeinflußt, hat und noch beeinflußt> wie die jiddische Sprache. Charakteristisch hiefür ist (zum Beispiel die Aussprache von englischen Worten wie „Mrst, Bird" und ähnlicher Wortbildung. Der jüdische Einwanderer, dem die richtige, Aussprache solcher'Worter'sicntlich Schwierigkeiten bereitete, half sich damit, daß et es. wie „Foist, Bold" usw. aussprach, und dabei den Buchstaben „r" fast gänzlich verschwinden Heß. Der Einwanderer, empfand, daß er auf diese Weise der in Amerika üblichen Ausspräche der betreffenden Wörter am nächsten kam. Nun machte Profesor Kurat in.der Philologentaguiig die interessante Buchhandlung R. Lö wit A. Mejstrlk) Wien, f., WolUeiie 6 Versand-Abteilung: Wien, I., Fleischmarkt 1 Unsere 5 billigen Schlager! Tadellos neue Bücher in erstklassiger Ausstattung zu tief herabgesetzten Preisen 1 Die Bibel in Bildern von Abel Pann 24 fajbige Tafeln, Text deutsch oder englisch, französisch, englisch-französisch, hebräisch-englisch. Format 31X36 crh. 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Fast um die gleiche Zeit, in der die amerikanisch-englischen Philologem ihre Tagung abhielten, .fand eine nicht minder ernste Konferenz von jiddischen Journalisten, Schriftstellern und Lehrern statt, welche von der jüdischen Kulturgeseliisohaft einberufen wurde. Den Hauptpunkt des Programmes bildeten die Ausarbeitung einer einheitlichen Orthographie der jiddischen Sprache und die Frage, welche englischen Worte und Redewendungen sanktioniert, welche eliminiert werden sollen. Natürlich gab es auch hier die übliche scharfe Auseinandersetzung zwischen denPurifisten der jiddischen Sprache und dem anderen Flügel, der auf dem Standpunkt steht, daß man sich der Entwicklung einer Sprache infolge des Einflusses der Sprachen der Umwelt nicht mit Erfolg entgegenstellen könne. Dies könne gerade bei der jiddischen Sprache um so weniger Erfolg haben, als das amerikanische Jiddisch allmählich über die Grenzen Amerikas hinaus durch die Wechselwirkung zwischen den Einwanderern in Amerika und den Juden in den alten H&iima'tländem auch die Volkssprache im Osten-und Südostein Europas bereits beeinflußt. Zweifellos werden die Ergebnisse dieser beiden Sprachforschungen, der amerikanisch-englischen Dialektforschung und der amerikanisch-jiddischen Sprachuntersuchungen, nicht dhne Wirkung aufeinander'bleiben.- ro. Todesfall. Am 22L Oktober ist an Krakau; Frau "Ethel Ch a jes, die Wd'twie des 'in. weiten'.Gelehrtewkreisen bekannten Brodyer Oberraibbiners Isaac Cajes, im Alter von 85-Jahren verschieden.fiptebttenfoaus Chajes, das am Ende des, vorigen' Jahrh^n|el^-/.'e'ih Zentrum der jüdischen Wissenschaft für nahm und fern bildete, fand in der Verstorbenen eine fürsorgliche Vorsteherin und liebevolle Mutter. Aus ihrem edfen Hause ist auch ihr Neffe, der W i e n er Ob e r r a b bi n e r s. Ca j e s, hervorgegangen. Die Verblichene ist die 'Mutter*'def&Ärchlvars der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, des Herrn Saul Chajes. Theater und Kunst. ■• Baruch Agadati. Als Agadati vor zwei Jahren zum erstenmal vor das Wiener Publikum trat, lösten seine Tänze nicht nur Bewunderung, sondern auch Befremden aus: Bewunderung für sein absolutes Können, Befremden gegenüber einer Formgestaltung, die sehr ,wenig mit dem gemein hat, was den Inbegriff des europäischen Ausdruckstanzes ausmacht.. Aber gerade aus dieser Gegensätzlichkeit, aus diesem Widerspruch heraus, wurde es möglich, Agadatis Bestrebungen als die Resultate eigener, individueller Studien zu erkennen, die darauf hinausgehen, die in Vergessenheit geratenen jüdischen Tänze intuitiv zu rekonstruieren. Agadatis studierte, die Bewegungen des. heutigen jüdischen Menschen in Rußland (Ohassidim) und in Palästina (Jemeniten) und spürte alle Formen, ihres Gefühlsausdruckes auf. So gelang es ihm, die jüdische Bewegungsskala zu entdecken1 und sie sinnbildlich hinzustellen/ Am 13. November wird er im- Großen Konzerthaussaal seine neuen Tänze vorführen. < Jüdische Künstlerspiele. Dienstag, den 29. Oktober fand die Erstaufführung der Komödie „Scharlatan" von J. Gordin stallt Im Mittelpunkt der Aufführung stand 5. Fostel, der^ne ausgezeichnete Oharakterstudie bot. Freitag, den 2. November Aufführung einer Novität mit Frau B. Liebigold in der werblichen, S. Fostel in der männlichen Hauptrolle. Neues Jüdisches Theater (Pratevstr. 60). Vom 1. bis 6. November: „Gesetz und Liebe", ein Lebensbild mit Ge* sang von L. Libin. Täglich Auftreten der Artistentruppe „Polonia". Jüdische Bühne. Das Gastspiel des jüdischen Theaters aus Bukarest ist in jeder Hinsicht als Erfolg zu bezeichnen. Was' diese Künstler, wie Sevilla Pastor, Erna Siegler und die Herren Pastor, Siegler und Cosowski zeigten, ist geeignet, die großen jüdischen Massen für die jüdische Bühne zu gewinnen. Nach dem großen Erfolg in „Esther Fröhlich4 hatte das Lebensbild von Rakov „Vergessene Kinder" ebenfalls einen starken Erfolg zu verzeichnen. Nachdem die" ersten zwei Abende vollständig ausverkauft waren, entschloß sich die Direktion, das Stück bis ■ inkl. 4 November zu sipielen. Die volkstümlichen Preise von 1 bis v4 Schilling bleiben auch weiter aufrecht. „Marietta". Theater a. d. Wien. Vor fünfundzwanzig Jahren trat Oscar St raus mit den .„Lustigen Nübe- •ltijig'en44 zum erstenmal vor das Puibdikum. Seit dieser Zeit hat er in vielen Wenken den Beweis erbracht, daß er der Meister der leichtbescihwinigten, .graziösen Melodie ist. Sein jüngstes Werk „M a r le 11 a" ist keine Operette — der Text von Sache Guitry räumt mit Jedweder Schablone auf —, es ist eine musikalische Komödie, die aber auf dem Weg von Paris, wo die Uraufführung stattfand, nach Wien an französischem Esprit abgenommen zu 'haben scheint. Immerhin bleibt ein entzückend feines Lustspiel zurück. Und Qscar.Straus bringt eine ' Fülle seiher reizenden Melodien, seine schmeichelnden Walzer, rnid seine Liebe zur parodistj- Compressions-Strümple zur Verbesserung der Bein, form sollte man bei .Alpha" kaufen. Die anerkannt fachliche Einstellung dieses Spezialgeschäftes ge-wä'hr.leistet eirie erfolgreiche Verwwdwfl« dieser für jede Frau .gleich wichtigen Behelie, . .. wmsmammBsmm * Treffpunkt der Zionisten des 9, Bezirkes □!□□□□□!□ □ □ Das neu« renovierte Cafe City Ecke Berggaase-Porxellangaase Sämtl. Jüdische Zeitungen Erstkl. KUche J#J bshs nooa WBSSSS □DDP sehen Note klingt durch. Die Aufführung hat Direktor Marischka. aufs generöseste bedacht. Nicht nur die Ausstattung, auch die Besetzung ist erstklassig. Zuerst sei Rita Georg, die Marietta. genannt. Diese Frau auf der Bühne zu sehen, ist immer ein ganz besonderes Vergnügen. Ob sie nun den herzigen Pagen im ersten Bilde oder die Hebende Frau in den nächsten Bildern mimt: ihr Charme ist un- .übertrefflich, ihre hundertjährige Marietta ist ein Kabinettstück. Hubert Marischka wirkt in den ersten Bildern etwas fremd, dann kommt.seine liebenswürdige Art voll zur Geltung. Für die kleine Rollo des übermütigen, cancantanzenden König Jerome war Otto Treßler vom Burgtheater aufgeboten. Oskar Betcgi muß stein schönes Organ dem Staatsmanne Persigny leihen, Anny Coty läßt ihre leuchtende Stimme erklingen, selbst die kleinsten Rollen sind gut 'besetzt. — Ella Kraus. Nina Schickewitz In einem neuen Jüdischen Theater. Die beliebte Soubrette aus Amerika, welche mit Erfoltc in dem Jüdischen Künstlerspielen gastierte und das Wiener jüdische Publikum mit sich liß, hat ihre TätiKkeit an dieser Bühne beendet. Sie wird ihre neue Tätigkeit in nächster Zeit in einem großen Wiener Theater aufnehmen. Mit ihr wird eine neue große Künstlergesellschaft mit Chor und Orchester wirken. Die Regie wird der bekannte Schausoieler und Regisseur Jakob Schickewitz aus Amerika leiten. Das Repertoire besteht aus ganz neuen Schlageroperetten. Jüdische S p o r i~ und im Der Präsident der Hakoah zurückgetreten. Dr. Löhner demissioniert. Dr. Löhner-Beda, der bisherige Präsident des Sportklubs Hakoah, hat seine Stelle niedergelegt. Als Nachfolger ist der bisherige Vizepräsident Dezsö Herbst in Aussicht genommen. In einem Artikel im „Neuen "Wiener Journal" teilt Dr. Löhner mit, daß sein Rücktritt aus politischen Motiven verursacht worden ist. Ein von ihm gestellter Antrag, daß die Mitgliedschaft bei der Hakoah mit der Mitgliedschaft einer anderen als einer jüdischen politischen Partei unvereinbar ist, sei vom Permanenzausschuß zurückgewiesen worden, da, anari Repressalien der sozialdemokratischen Partei befürchten müsse. Ein unglückliches Spiel der Hakoah. Gegen W. A. C. 0 :2. Nach dem eindrucksvollen Sieg gegen Wacker hat mau von der Hakoahein besseres Abschneiden gegen W. A. C. erwartet. Die jüdische Mannschaft spielte zu Beginn gar nicht so schlecht,' vkid wenni sie trotzdem geschlagen wurde, so dst das in erster Reihe darauf zurück-? zuführen, daß Heß-ein Foul 'beging, das der Ha«koah durch einen Elfmeter den ersten Verlusttreffer einbrachte. Auch, der Schiedsrichter war niGht so ganz unschuldig'an dem; Mißerfolg. Wahrend er gegen Hakoah wegen eines gering-, fügigen Vergehens einen, Elfmeterstoß diktierte, fand er es/ nicht für notwendig, einige derbe Fouls von Sesta, Brauh und Hiden zu ahnden. Wiie fast alle bisherigen Begegnungen zwischen diesen beiden ..Klubs, verlief auch das letzte sehr scharf. Bei Hakoah wurde fast die haübe Mannschaft verletzt. Die jüdisöhie Mannschaft kämpfte zeitweise imiit nur neun Mann, da Katz, der wegen eines Fouls .Janys beim Schiedsrichter protestierte, ausgeschlossen .würde. Auch Feldmann Würde na'ch 'einem' Zusammenstoß iniit einem gegnerischen Stürmer ausgeschlossen. Diese Bestrafung war gan>z überflüssig, da Feldmann nach diesein unabsichtlichen Zusammenstoß selbst vom Platze getragen werden mußte. Hakoah lieferte, auch sonst ein sehr unglückliches Spiel. Felgl, der 'verläßlichste Spielern benahm sich bei manchen Aktionen wie ein Anfänger und der zweite Verlusttreffer Hakoahs ist auf sein Konto zu buchen. Scheuer kämpfte, so lange es ging, und fand in Feldanann gute Unterstützung. Die Deckung hielt sich ausgezeichnet. Im Sturm wollte es nicht ganz klappen. Stern überraschte durch einige schöne Schüsse. Der beste Mann war Bader, dem auch Katz nicht viel nachstand. Mausner wurde bereits in der ersten Spielzeit verletzt. 1 Hakoah beginnt das Match mit heftigen Angriffen. Nach einer kurzen Belagerung geht Weiß (W. A. C.) durch, und wird von Heß im Strafraum unkorrekt angegangen. Der Schiedsrichter diktiert Elfmeter, den Hiltl glatt verwandeln kann. Hakoah ist trotz dieses Mißerfolges weiter ' überlegen, doch vergeben Stern und-Bader die günstigsten Chancen. In der 7. Minute nach SeitenwechseK in einer ganz ungefährlichen Situation, läßt Feigl. der von Weiß angegangen wird, den Ball fallen, und der zweite Treffer ist fertig. Hakoah unternimint verzweifelte Angriffe. W. A. G. spielt, um das Ergebnis zu halten, derb. Jany : verübt an Kate ein grobes Foul. Die nachfolgende KontroV verse mit deim .Schiedsrichter bringt nicht. den verdienten Ausschluß Janys — sondern Katz muß das Spielfeld verlassen, weil, er allzu heftig geigendas'„Bein afbbacken" protestierte. In' der 24. Minute wird Feldmann verletzt vom Platz getragen. Numerisch geschwächt, muß sich die jüdische Mannschaft auf die Vierteidigumg beschränken. Die Athletiker kämpfen trotz des sicheren Erfolges weiter derb, und erst'fünf Ml-nuten vor Schluß, als der Sieg dem W, A. G. nicht mehr zu nehmen ist, entschloß sich der Schiedsrichter, den W. A. C-Spieler Braun vom Spielfeld zu weisen. Hakoah spielte In folgender AnfeteUwiff: Felgl; Scheuer, Feldimann; Fried, Stroß. Heß; Bader, Löwinger, Stern, Mausner, Katz. Kommenden Sonntag spielt Hakoah auf dem Wacker- Platz (3 Uhr) gegen Hertha. Die Favoritner waren für Hakoah tomer ein schwerer Gegner. Derzeit befindet sich Hertha in sfiter Verfassung und biidb in den le-tote« Kämpfw-XF. A.-vC. Admira, W, A. C) unKewhkÄen, ,