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Die neue Welt · 1929-10-11 · Heft 108 (11.10.1929) · page 12

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Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 108 (11.10.1929)
Date
1929-10-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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r geiteT2 _ nicht aus, die fthacHitls 2u verhindern. Esmufl auf Island noch, ein zweiter Faktor im Spiele seit», der für den hervorfkgfeSKlen Gesttfidheitszustattd der Islandkinder verantwortlich ist: die unmittelbare Sonnen-, und Himmelsstrahlung. Man hat gefunden, daff die ultravioletten Strahlen des Sonnenlichtes das bedeutsame Vitamin . direkt in der Haut erzeugen, UltraViolettstrahhtng also , noch wichtiger ist als vitaminreiche Nahrung. Ein tückisches Schicksal will es, daß gerade im Sommer, ' wo auf den Faröern ebenso wie auf Island ewiger Tag herrscht, dieser dort ditreh beständige Golfstromnebel verdunkelt wird, so daß es nur sechs sonnige Tage im Jahre gibt! Die Isländer dagegen bleiben von der Rhadütis verschont, Weil'ihnen das antirhachitische Vitamin aus zwei Quellen fließt: durch die Nahrung und die Strahlung. „'■■■>■'*■ * Als Erfolg darf die 'ExpetÜtiou (iibei"'dio die „Umschau in Wissenschaft und, Technik'', Frankfurt a. M. be- , richtet) hs sich buchen, die starke Ultraviolettstrahlung auf Island, sowie die Gesamtsonnenstrahlung energetisch festgelegt zii haben. Ein wunderbarer Zufall, daß nämlich ' eine lichtempfindliche Kadmiumzellc dieselbe Empfindlichkeit für Ultraviolett hat wie' die mensch-; liehe Haüt, setzt uns instand, das ganze Ultraviolette gebiet rein physikalisch zu messen. Die Messungen rriit- -.der- Kadmiumzellc ge'ben uns einen' exakten^ Anhält für die. gesundheitbdingende Strahlung^ der Sonne." ' Nodlr eine 1 andere" wichtige' Einsicht verdanken, wir* der\ls1nndekrj&lj[tiöht'' riäinlich eine Bestätigung und -ein besseres Verständnis der Messungen, die kürzlich von dem berühmten Lichtforschungsinstitut in Hamburg bekanntgegeben wurden. Diese ergaben, daß in ' den- Straßen der Großstadt, die in den ganzen Dunst und Rauch dör Fäbrikschlote eingehüllt sind, das Ültra- ' violett selten'ist Und nur in der Mittagszeit kräftig genug auftritt, lim unsere Jugend gesund zif' erhalten. In Hamburg muß. man 30 bis 40 Kilometer weit wandern, •um von dem Großstadtstaub loszukommen, und'in London soll man Sogar noch 100 Kilometer vor "der Stadt den Großstadtdunst an der Verringerung der Ultraviolettdurclilässigkeit der Luft spüren. Der Instinkt; der uns seit dem Anwachsen und der Vermehrung der Fabrikbetriebe und des Verkehrs ' aus dem' Bereich der Städte so oft wie möglich entfliehen heißt ünd uns mit Sehnsucht nach der reinen Luft von Meeres-5 muT Gebirgslandschaften erfüllt, hat uns wieder einrfial richtig' gelenkt. Ohne" daß wir die Gründe kannten.' ohne daß wir ahnten, daß Ultraviolett das große'Elixier ist, auf das wir im Hochgebirge . fahnden, diat sichdie Sitte,' weite Reisen zu machen, in -immer breiteren Schichten unseres Volkes längst durchgesetzt und ist an. die Stelle der früher so beliebten Sommerwohnung; getreten, die man gern in der nächsten •Nähe der Stadt aufschlug. Die Sucht, in die Ferne zu . schweifen, hat also .einen wohlberechtigten Sinn; sie Entspringt nicht nur,,wie oft zu Unrecht behauptet wird, der Sensationslust und der Freude am Fernen; und Fremden, : sondern./yielmehr^.der Beobachtung, daß man sich am Meer oder , im Gebirge viel schneller und gründlicher einholt als in der Nähe der großen Städte, was schon rein äußerlich an der .viel intensiveren Braunfäfbung der Haut erkenntlich; ist, eben einer Folge der Ultraviolett- . Strahlung. -Wie oftmals* so hat sich auch hier wieder ge- . zeigt, daß der Instinkt auf den richtigen Weg , führt, Jessen Richtigkeit die Wissenschaft erst nachträglich bestätigt., Heute; ist eine Forderung: der Hygiene: So oft und so weit »wie möglich heraus : aus dem Bannkreise der Stadt und wo dies nicht möglich ist, -— wo es an natürlichem Sonh^ mit „Künstlicher Höhensonne'V 'Darüber hinaus erhebt sie den Ruf nach Vitaminierung der, Lebensmittel, besonders der Kindermilch durch Bestrahlung, Mit der Bestrahlung der KindermUch geht man in Deutschland, dem GebHrtslande ' der ^Quarzlampe (19Q6) der! ganzen Welt voran. Schon heute wird in über 50 Städten die Kindermüchbestrahlu^g', zum Segen unseres Volkes durchgeführt.; , DIE NEUE WELT Nr. 108 Copyright 1928 by „Die Neue Weif, Wien. Nachdruck verboten. Roman von Schalom, Mechern. Ins Deutsche Überträgen von R' R p s e n h a I1. (42 Fortsetzung) In die Welt hinein würde sie laufen, fürchtet sich aber vor dem Bruder. Spucken würde sie aufs Theater, wäre nicht dieser Rafalesco mit dem langen . blonden Haar und v den hellen guten sanften Augen da. Achj Rafalesco, Rafalesco! Dieser liebe süße Name ist immer auf ihren Lippen. Diesen lieben süßen Namen träumt,sie, und nicht nur einmal, nachts im Bett liegend, uma'rint sie das kälte Kopfkissen, drückt es an ihre warme Mädchenbrust und erinnert, sich an ihre Rolle, die Rolle der Judith, wo sie zu sich.selbst spricht: Was kann mich zurückhalten, ihn mit Leidenschaft an meine Brust zu pressen?" Und sie drückt das kalte Kopfkissen an ihre warme Mädchenbrüst und mit ihren heißen Mädchen* lippen küßt1 sie es im Dunkel und stößt leise den süßen Heben Namen aus: Rafalesco, Rafalesco!; Morgens, wenn die Mutter sie; aufweckt, ist ihr erster Gedanke der liebe süße Rafalesco. Bald wird sie wieder mit ihm aüf! der! Prdbe Zusammensein, bald wird sie wieder mit ihm auf der Bühne stehen. Und mit einem Gefühl, vön dem nur sie allein weiß, wird sie nahe bei ihm, nahe, seine Worte verschlingen, seine lieben süßen Worte: „Judith, Judith, mit heißen Tränen steht auf jedem Blatt deiner Blumen geschrieben, was wir einander geworden sind." Und jetzt schon beginnt ihr das Herz zu klopfen: Rafalesco, Rafalesco! * Wenn sie ihn erblickt, verliert sie sich, Hände und Füße verliert sie und ihr Gesicht wechselt die Farbe. Sie will sich zusammennehmen und verbirgt ihr Gesicht, daß niemand es sieht. 1 Niemand von der Gesellschaft bemerkt, es. Man ist zu sehr in die Karten vertieft. Nur der eine, Holzman, der auch , dann sieht, wenn er nicht hinschaut, und auch das hört, was nicht gesprochen wird — er sieht alles und hört alles und denkt sich im Herzen: Nicht zu versündis gen, kein böses Äuge, der Bursche geht in meine Schule herein... wenn wir es' bei Gott wert sind, werden /wir in wenigen Tagen auf die Welt pfeifen — so gesprochen; Amen .'• , ' ■ ' v „Wasserochs, was bist du stehen geblieben? Gib Karten," sagt Holzman zu seinem Kompagnon. , ' - "„Ich geb, ich geb," antwortet Schwalb'. Er teilt Karten aus und seih Gesicht .hört nichf .auf, zu flammen. Im selben Äugenblick wird.an die Tür geklopft, drei Schläge. „Herein", rufen einige. Stimmen auf einpal, die Tür öffnet sich — ein Telegjärnm. „Für wen das Tele« granihi?" „An Isaak Schwaig" Woher das Telegramm?" „Aus London." „Was für ein Telegramm?" „Habt , Zeit, laßt "ihn lesen." ,,Wie kann denn Schwalb lesen? Nicht ihm zuteil geworden;" Und Isaak Schwalb zahlt zunächst die Einsätze an die. Spieler zurück, was eine Weile dauert, denn man müßte den Kopf eines Ministers haben, sich zu erinnern, wie-viel jeder gesetzt hat. Bei dieser Gelegenheit fällt über des Bankhalters Haupt eine schone Portion Flüche und; scharfe Schimpfworte fliegen durch die. Luft wie ge* wohnlich. Nach" der Rückzahlung der, Gelder begibt sich Scliwalb für eine Minute mit dem Telegramm zum Hotelier, dämit er ihm lese,'was darinnen steht, und alle warten gespännt. Was für Geheimnisse mag Schwalb vor seinem .Kompagnon Holzman haben? Mehr als alle ist Holzmän selbst gespannt! Es ist ihm überhaupt peinlich, daß, er da. mit den andern sitzen geblieben ist wie ein vor; ,,dgn K.opf ■ Gestoßener, und es brennt in ihm wie Feuler wegen dieses ungehobelten Kerls, mit dem er sich verbunden hat, die Cholera' über den Zigarrenmacher! Abercja kommt schon Schwalb mit strahlendem Gesicht zurück' und ruft allen zu: ■ •„{Cinder, wir fahren nach London." Man kann sich schwer vorstellen, was diese Nach* rieht für Wirkung auf die Schauspieler hatte. Einer von ihnen sprang auf den Tisch und erhob die rechte Hand: „Ih, London? London! London! Es lebe Lohdon!" Ein anderer gab sich einen Schlag auf die Lenden: „Mich zieht's schon lang nach London, der Teufel soll mich holen." Ein dritter, ein. langer, dürrer Schauspieler mit karierten Hosen reckte sich in seiner ganzen Länge, steckte beide Hände in die Hosentaschen, riß fürchterlich die Augen auf und begann in anspielendem Tonfall: „O yes, yes, my dear, jny bier, my kake, my stake, my ring, my King!" Ein vierter versetzte einem fünften einen Hieb auf die Schulter und ließ ein Tänzchen los, dabei mit heiserer Stimme ein Lied singend, von dem nur Gott weiß, wie es herkam: „Eh, taj buw taj nema, taj pojichaw do mlyna!" „Seid still, Bengels," schreit Holzman sie an, als ein Mensch, . der fühlt, , daß ,er. . hier der . Herr rist, und schlägt mit der Faust auf den Tisch. „Sieh nur, wie sich das da herumfreut! Eine Freude für die Großmutter! Kein Tropfen Respekt vor einem Aeltem, ein Geschwür euch >n Gesicht, die Cholera in den Rücken!"... Und zu Schwalb sägt er: „Na, zeig* mir das Telegramm her, Schwalblein." „Das Te'.egramrh zeigen?" sagt Schwalb} sehr zögernd. „Dir das Telegramm zeigen? Ja. Was denn? Ich es dir nicht zeigen? Ich werd's dir zeigen, ich werd's dir zeigen. Nicht sofort, ein bißchen später. Ich muß dir vorher etwas sagen. Komm' mit mir ein bißchen, wenn du willst, in den Keller. Dort werd* ich's dir zeigen." Und Schwalb wende* «ein Gesicht der Truppe zu, „Wer geht in den Helle? mit mir?" „Was heißt wer? Alle." „In den Keller, in den Keller!" Es entsteht Lärm, Gedränge unter der Gesellschaft, man verläßt den „Schwarzen Hahn". und geht zusammen in den Keller. 7-9. Kapitel.,;"••' Im Keller.' Eigentlich ist das kein Keller, sondern eine: Stahe; Und keine Stube, sondern eine Weinschenke. Und;keine Weinschenke, sondern nur das Eck von einer Wein* ^schenke. In Czernowitz aber flennt man das Keller. Sagt man jemandem, „wir geh'n in den Keller", weiß er schon, daß damit gemeint ist: zu Meir Bescheis. So nennt man den Wirt des Kellers, nach seinem Vater Beschel1, er ruhe in Frieden. (Er war ein Weinschenker.) •'•'..\!-'-V Diesen Keller nun betraten unsere Schauspieler, bestellten der ein« einen kleinen Zubeiß, der andere; Gurkenwasser und kleine Gurken, der dritte nur ein paar kleine Gurken, jeder, wie. seine Tasche nach dem Tertel* Mertel aussah, und Wein stellte Schwalb bei. ., „Heute ist mein Tag fürs Glas," sagte er. Das erste . Glas Muskat, das Isaak Schwalb leerte, löste ihm die Zunge und er begann seinem Kompagnon Holzman die ganze Geschichte vom Anfang bis zum Ende und die reine Wahrheit: zu. erzählen. Gott soll ihm so . Glück geben wie-er nichts verschweigen werde, nicht so viel. Warum soll er lügen, wenn er es mit der Wahrheit halten kann? Es ist ein offener Sechsundsechzig. Er,; Isaak Schwalb, hat schon lange'bemerkt, daß er ihm, Holzman, überflüssig ist. Ganz und gar überflüssig. Und doch hat er so getan, als sähe er es nicht, und hat an sich gehalten. (Fortsetzung folgt.) GRABSTEINE FRIEDL Ä NpER & DE UTS CH Wien, I. Bee„ Seiien$tettengasse 2, Telephon V-28-1-2$ XL, ^g^j#jy#.36 4 i»T9r>\T*knh<>* v-is-o-äd ^IIIIIIIIIIIIIIIUIIIMIIIIIIMIIIIIIIIIIIIMIHIIiMtllllllMIIIIIIIIIIIU s . :: eeeründot 1Ö82 I t i 5 Zgntradirektion: WIEN I., Riemergoase Nr. 2 § I HeikkntutataoiT'■ 2 Mwin SddUina I 5 fi^ikfrmftmmmm tfimmmw- « & Tlitifcirtefl im Jakrt 1S28 U www mm s SAB*» SB* i 26J HUUflBW SdilölBj IM0, Tl ThltllllllllHHllfllll i jtiyv»iaw,vm mwnnii| Aegypten und Pallttint. miniiiimiiHiuHniiHmiiiHiiiiiiiinmi ,s9 > »f 1 ■>' 1 1 '.'..H-"'.'■»'!"■«■■—^hub; Pension, ßustria4 Kinderheim Vöslau (OLGA KADISCH) JigqtrmayerstraBe 15 Telephon 99 Stell« 8 Für Daner' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie tellüng durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Müßige Preise 'jUdin (Anfängerin) sucht Stelle! Unter „B. G." a. d. 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