Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 105 (20.9.1929)
- Date
- 1929-09-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Dte lWß WßtT Nr. 105 Verhaftete arabische Mord* banditen« 90 Personen in Safed festgenommen. Jerusalem, 10. September. (J. T. A.) 90 Araber, unter ihnen Rädelsführer und Teilnehmer an der grauen» vollen Metzelei und Brandstiftung in Safed, wurden verhaftet und nach dem Gefängnis in der Zitadelle von Acco, nördlich der Haifa«Bucht, gebracht. Unter den Ver« hafteten ist aber nur ein kleiner Teil der Schuldigen an dem Pogrom in Safed, denn in den Dörfern rings um Safed bieten D o r f b e wo h n e r öf f eilt Ii ch d i e den Juden in Safed geraubten Gegenstände feil. Die Juden erkennen die Gegenstände als ihr Eigen« tum und erstatten Anzeigen gegen die betreffenden Bauern. In Hebron. Jerusalem, 10. September. (J. T. A.) Der Scheich Daleb Marka, einer der Rädelsführer der Massäkres gegen die Juden in Hebron, wurde verhaftet. Die Voruntersuchung erbrachte ein bündiges Be« weismateriai gegen moslemitische Familien, die an den Massäkres in Hebron mitschuldig sind. Kompromittiert ist insbesondere eine , sehr bekannte moslemitische Familie Hebrons, die finanziell an der Beseitigung der Familie Slonins, Leiters:'• der Anglo«Banc*FiliaIe in Hebron, interes« siert war. Bekanntlich wurde die Familie Slonin und etwa 17 Juden, die in deren Hause Zuflucht gesucht, haben, unter be* sonders bestialischen Umständen ermordet, wobei die Frauen vorher vergewaltigt worden waren. Das Oberhaupt der erwähnten raoslemitischen Familie soll der Anführer dieser Bande gewesen sein. Es wird ihm von glaubwürdi« ger : Seite nachgesagt, daß er selbst die Gattin von'Slonin vor den Augen ihres Miannes vergewaltigt hat. Christliche Jugend verbreitet Ritualmordmärchen. Christliche Pfadfinder in Haifa wurden wegen Verbreitung der Legende, daß die Juden Öhristenbhit gc* brauchen, verhaftet und in den Ankjagezustand versetzt. Die Eltern der jungen Leute deponierten 150 Pfund als Garantie, daß diese in Zukunft ihre Propaganda nicht forsetze'- werden. Diese jungen Leute hatten auch das Gerücht verbreitet, daß die Juden viele Araber getötet und ihre Leichen in der jüdischen Villenvorstadt Hadar Hakarmel vergraben haben. ' .. Die verstümmelten Leichen von Hebron. ' Bericht eines Augenzeugen. . Vertreter der Juden und Araber traten am 11. September: morgens zum erstenmal seit den Massakers von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Die, medizinische, aus Aerzten beider Gemeinschaften zusammengesetzte Kornmissiqn traf sich kurz nachher an den Gräbern der Opfer von Hebron, um sich einen hej^en;Tag hindurch der grauenhaften Aufgabe der Exhumierung .von 57 Leichen zu widmen. Es war ajn entsetzliches Schauspiel. Als ich in Hebron kurz nach Beginn der Exhumierung ankam, war der'vom Wirbelsand eingedeckte jüdische Friedhof von britischen Soldaten und palästinensischer Polizei dicht besetzt, mit der Aufgabe betraut, etwaige Ansammlungen zu zerstreuen. Eine Gruppe geisterhafter Gestalten mit wächsernen Maskengesichtern und in weißen wallenden Totenhemden wären im Schoß des Grabes vereinigt, das mit Olivenzweigen geschmückt war,; während mehr als ein Dutzend jüdischer Totengräber eine Grabstätte nach der andern öffneten. Der Zweck der Exhumierung bestehtdarin, der britischen Regierung die Möglichkeit zu geben, für die angerichteten Greuel Rechenschaft zu fordern. Und tatsächlich; in der ganzen großen Welt geht eine Kontroverse vor sich, ob die arabischen Stammführer für die furchtbare Attacke und die unaussprechlichen Grausamkeiten im; jüdischen Viertel Hebrons verantwortlich sind. Jüdische Augenzeugen und jüdische Aerzte stellen fest, daß Verstümmelungen stattgefunden haben. Die maßgebenden Araber anderseits stellen sie in; Abrede. So kamen* heute drei hervorragende jüdische (darunter eine Ajerztin), drei arabische und drei britische Aerzte zum jüdischen Friedhof. Die Gräber wurden in ihrer Anwesenheitgeöffnet, die Leichen herausgehoben und von den jüdischen Medizinern observiert. Die britischen und arabischen Aerzte warteten, bis die Untersuchung durch die Juden beendet war, um dann seihst eine solche vorzunehmen. 57 Leichen, darunter sieben Frauen und ein Kind, wurden auf diese Weise ea&umjert, ebenso wie die Ueberreste von acht amerikanischen Studenten des Slobotka-Rabbinerseminars, die bei flen Unruhen getötet worden waren. Die englische Regierung wird demnächst das Resultat dieser Untersuchung der Oeftentlichkeü übergehen, Schon heute steht fest, daß die vnn jüdischer Seite behaupteten Greuel sich in weitem Maße ereignet halben, Luke ist entsetzt. Und macht Versprechungen, Der Chefsekr<$t$r der PaJästifta#Ä^gierung, ' Herr Luke, besuchte am 9. d. die Stadt'Safed. Von dort kam er nach Haifa. Hier erklärte er Vertretern der Presse, daß der Anblick der Stadt Safed in ihm Entsetzen her* ^IIIIUIIMIUIIIIIIimillllüiiiliiiHiiiiiiinillllHIIIIIIIIIHIlllllK | Erfahrener Pädagoge f S ei teilt Unterricht in der 5 jg englischen und hebräiwhen Sprach« I s Zuschriften erbeten unter „Gewisserthaft« | S an die Administration dieses Blattes | niiliiiiiiiiifitiiiiiiiiiiiiiiiiitftitlliitilitiiiiiiitiiiiiiiiiifiiiiiiiir vorgerufen hat. Er habe tiefstes Mitgefühl mit den Opfern. Die Regierung sagte er, werde ihr Möglichstes tun, um der Verbrecher habhaft zu werden und sie streng zu bc* strafen. Auch werde... die; Regierung den Einwohnern helfen,; die Stadt wieder aufzubauen, in der mehr ah 60 Wohnhäuser,; ferner 40 Warenläden und 12 größere Warenhäuser niedergebrannt worden waren. Luke erkundigte sich in Haifa nach der Sicherheit der Stadt und des benachbarten Emek Jezreel. Es wurde ihm gesagt, trotz der äußeren Ruhe sei die Gefahr neuer Angriffe und Brandstiftungen nicht geschwunden. Beson« ders der Schutz der jüdischen Siedlungen in Emek Jez* reel müsse verstärkt werden. Die. jüdischen Führer von Haifa forderten von Lüke die sofortige Bestrafung der Rädelsführer der Angriffe, deren Personen bekannt sind. Luke erklärte sich hiermit einverstanden und fügte noch hinzu, daß alle Schäden, die'den Ernten der jüdischen Kolonisten zugefügt' wurden, seitens der benachbarten arabischen Dörfer ersetzt wer« den würden. Aus Kreisen der Regierung wird erklärt, daß das Massaker in Safed nicht geschehen wäre, wenn nicht der Offizier, der das für Safed bestimmte Militär« Detachement befehligte, plötzlich an Dysenterie erkrankt und in Yenin zusammengebrochen wäre, wo« durch sich die Ankunft des Detachements um zwei Stunden verzögerte. Rückkehr der jüdischen Bevölkerung. Die jüdische Bevölkerung der Stadt Safed,-die-zum Teil in Baracken untergebracht, zum Teil"nach anderen Städten Palästinas geflüchtet war, kehrt' allmählich nach Safed zurück, und zwar, zunächst in jene Teile, die einen gesicherten Schutz bieten. Für zahlreiche der Zurück« kehrenden gibt es keine Wohnungen, da die jüdi* sehen Viertel zu einem großen Teil durch Brände ver« nichtet sind. Die zionistischen Behörden erwägen Pläne, an Stelle der früheren primitiven jüdischen' Viertel moderne; Stadtteile zu erbauen. Die Pläne werden von einem, fachmännischen 'Baukomitee ausgearbeitet" werden: ' '.......■ ' 1 ■ '! U», J .' '• '. ' . Die hebräifische /Iagesz< „Oüär; R^öi^'y verboten. Keith Roach leitet selbst die mitternächtliche Aktion. -~ Die arabischen Zeitungen drohen mit einem weiteren Blutbad, werden aber nicht beschlagnahmt. Jerusalem, 13* September. (J. T. A.) In der Nacht auf Freitäg erschien der Gouverneur von Jerusalem, Major KeithRoach, in Begleitung einer großen Polizei« eskorte in» Hause der Jerusalemer hebräischen Tage?« zeitung „Doar Hajom1', veranlaßte eine eingehende Untersuchung der ganzen Betriebsanlage und beschlag* nahmte alle Exemplare der eben fertiggewordenen Freitagausgabe der Zeitung. Er ließ dann das Haus du rch Wachen besetzen. Schon während'des Donnerstags war in Jerusalem das Gerücht im Umlauf, daß die Behörden gegen „Doar Hajom" wegen eines in dieser Zeitung erschienenen Ge* dichtes von R e u b e^n i vorzugehen gedenken, aber nie« mand erwartete, daß; der Gouverneur persönlich eine auf« sehenerregende Mittprnachtsaktion .unter großem Auf« wand inszenieren werde. - Am. gleichen Tilge, .an dem die Aktion gegen „Doar Hajom" durchgeführt wurde, brachte die arabische T a g e s z e i t u n g j,F e 1 e s t i n" einen Artikel, in wel* ehern den Juden für den Fall, daß sie auf ihren Forderun* gen der Bestrafung der Schuldigen, des Schadenersatzes, der Legalisierung ihrer Selbstwehr usw. weiter bestehen, e in B1 u'tbad äng'edf oht wird. Die Behörden haben aber gegen ,,Felestin" nichts unternommen. Arabische Studenten, die einen Appell zur Boyköt« tierung jüdischen Handels und jüdischer Industrie unter« zeichneten, wurden verhaftet. Die, gesamte /hebräische Presse ohne Unterschied der Richtung äußert sich entrüstet über das Verbot der wenn auch revisionistisch aber sonst im Geiste der Mäßi« gung geleiteteen Tageszeitung „Doar Hajom". Die Presse fordert die Zionistische Exekutive auf, bei der Regierung die Freigabe von „Doar Hajom" durchzusetzen. Es ve** lautet, daß der Befehl zur Beschlagnahme und Schließung von „Doar Hafam" von S i r J b h n C h a n c e 11' o r selbst gegeben worden ist. Von Ben; ^Lvi geklagt. Jerusalem, 11. September. (J. T» A.) Der ihebräische Publizist und Politiker Ben Avi, Sohra des verstorbenen Hebraisten Elieser Ben Yehuda, hat bei Gericht Klage' gegen den Groß^Multl von Jerusalem» Husseini, erhoben. Zugrundegelegt ist die Erklärung des Mufti an einen Mitarbeiter des Büros Reuter, wonach Ben AvI an den Führer der Zlonlsten.RevIttoabm WlfdiiBir 'W^Jfy0$,„ Ereignissen dte Warnung hätte ergeben lassen, mit , einer Poflt!* aufzuhören, dte einmal noch zu Blut- ■ vergießen führen werde. Ben Avi erklärt, daß der Mufti nicht den geringsten Anhaltspunkt für diese Erklärung hat, dfe geeignet sei, verhetzend auf die Araber zu wirken. „DöAr Häyont" teilt mj£, daß an dein kritischen Freitag, 23. August, an dem die großen Unruhen in Jerusalem ausbrachen, sich jüdische Polizisten auf dem russischen Platz den Arabern entgegenstellen wollten, aber von den Offizieren daran gehindert wurden. Die Lage war an diesem Platze so günstig, daß es dort hätte gelingen können, die Araber zum Stehen zu bringen und säe zu zerstreuen, wodurch weiteres Blutvergießen verhini dert worden wäre. Die. Zeitung bekräftigt noch einmal, daß die Araber des Dorfes Li Hab dn der Nähe von Jerusalem hauph sächlich an den Angriffen auf die Juden am 23. August beteiligt gewesen waren. (Diese Araber sind, wie be«< richtet, inzwischen verhaftet worden.) Die Wirtschaftslage in Palästina. ... Der Wiener Rredd>torenvier>ein eirhielit von seinem ständigen Anwalt in Tel-Awuw folgenden Bericht: Unstreitig haben die Ereignisse, welche 'das Land seit Tagen erschütterten, auclh einen S t d i 1& t a n d im Handel und Verkehr mdit sich gebracht. Diese an und für sich bedauerlichen Ereignisse fallen um so schwerer ins Gewicht, als die schwere finanzielle Krise, welche noch vor wenigen Jahnen auf dem Lande lastete, im letzten Jahre einem gleichmäßige n, r u h i g e n Geschäftsgänge Platz gemacht 'hatte. , Welchen Umfang "der* verursachte Schaden angenommen »hat, läßt sich naitürlich im gegenwärtigen Zeitpunkte nic'ht abschätzen, da wohl die Verluste an Menschenleben bekannt sind, aber die Werte an Vermögen, welche Diebstählen, Raoib und Brandstiftung zum .Opfer gefallen sind, nicht auch nur annähernd geschätzit werden konnten, weil, es sich dabei hauptsächlich um la'ndwirtscih.aitEch'e Siedlungen bändelt, welche über das . ganze Land izerstreut sind. Ganz im unklaren Hegt nocfii die Frage der Gut« machung der Schäden aus staatlichen Mitteln, da ■ diesbezüglich jkeitie gesetzlichen Vorschriften bestehen. Eine Beschränkung der Gutmachungspfllcht auf dfe Täter,-welche'sich aus Mob und Beduinenbanden, die aus den Nachbargebieten ' vor and wahrend der Unruhen die Grenzen des Landes übertraten, würde aber einer Nlohtgutmachung überhaupt gleichkommen, da ja nicht zu erwarten ist, daß diese Täter auch nur den Sachschaden, der, soweit oberflächliche Schätzung heute schon erkennen läßt, wohl 200.000 Pfund Sterling betrasen dürfte, zu ersetzen imstande wären. Dieser direkte Schaden trifft die jüdische Bevölkerung allein, da au! arabischer Seite kein Sachschaden vorkam. Indessen ist aber, wie die bereits eingeleiteten umfangreichen Sammlungen in Amerika und England erkennen lassen, mit Sicherheit anzunehmen, daß die materiellen Schäden, für den FaH der Verweigerung der staatlichen Entschädigung, durch private Hilfe wieder gutgemacht werden. Eime günstige Ausnatasstellung nehmen in die-sen Wirren die Städte Tei-Awiw, Jaffa und die größeren Ortsdbafben in deren Umselbu'ng ein, wo mit Ausnahme von ewizetoein Puderten an der Peripherie von Tel-Awiw direkte Sachschäden nich'it verursacht werden. Eime unmittelbare Fol«« 'der Wirren war die Unterbdnduing jegilohein Verkehrs awisohen den Städten und. landwdTtsahaütliclhen Siedlungen und imfolgedessen die Untierbinidung d-es Gescbäftsvierlkeibrs mid die momentane Ein s^e-llung säjntiicih'e'r Zahlungen. Diesem l'eitzten Um'sta'nide, der zweifellos noch einige Wochen fortfdpwiera wird, haben Sq Banken, weiche es hauptsächläcih imdt 3üddsc,her Klientel zu tun haben, a-uch ausnahmslos Rechniin« getragen, . indem während der ganzen Zeit der Unruhen ke ä n e Wechselproteste erhoben wuirden. Eine Präkloiision wird diese Unterlassung wohl nichit nach sich ziehen, da die Banken etoe, wenn auch dnotfiaaiteille, jedioch om sehr zuverlässiger Quelle staniirn.ende Verstäiidig'iing erhi'eliten, daß in kurzem eine spezieij.e Verordnung erlassen werden wind, welche die Präklusionsfolgen aufhebt. . In einer Konferenz der jü'disehen Banken wu'rd« die Feststellung gemacht, daß Handel und •Industrie in ihren Grundlagen unerschüttert blieben. Die Banken beschlossen daher, nichit nur den Kredit in der bisherigen Höhe aufrechitziuierhaiiten, sondern auch bedarfswelse zu erhöhen» aui der anderen Seite jedoch auf Eirftillung der ZahlungsiverbdndiUchkeiten seitens ihrer städtischen Kiierrten w bestehen» wenngleich die Zahiungs. termine 'Wir kurze Zeit zu prolongieren. Der gleiche Standpunilot 'kam In der Sitzung des Handel'sikammerauss c h u s s es zum Ausdruck, ■' Der BeuTteilung vollständig enteogen ist jedoch dec lM4H*%i* S«to«4en,. 49r «ich aus 4#j Sachlage .