Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 103 (6.9.1929)
- Date
- 1929-09-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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r Seite 2 Die NEUE WELT Nr. 103 Was geschehen ist und was geschehen Mlil. " —y. Wenn etwas in diese trüben Stunden rlelltekeit bringt, so ist es der unaefcfo&ene MiftAiöid 4te Entschlossenheit der Zlonisten» Iii .allen Vmimmhp gen kommt die gleiche Stimmung zum Dür6b1>ruch, alle sind jetzt derselben Meinung und alle stechen ihren Willen aus, sich dureh; nichts» dürch gäf^nichts von dem Wege abdrängen zu lassen, an dessen Ende der freie jüdisch« Staat steht. Dieses; haben wir heute sicherer denn je vor Augeft und wir "nehmen heute stärker denn je das Recht der Selbstbestimmung in Anspruch, jenes Recht, das; uns 'von Natur aus zukommt und das, vom, Völkerbund 'anerkannt, worden ist. Der V ö I k e r b u n; d. hat« aiisg e sprochen, daß das jüdische Volk kraft Rechtens, gemäß, seiner historischen V e r;bjndung mit Palästina sich dort befindet, er hat anerkannt, daß wir "dort die nationale Heimstätte errichten. Diesen Beschluß und diese sedne Begründung kann niemand zurückziehen. Eng land hat den Beschluß herbeigeführt und es hat frei willig den Auftrag übernommen, dem jüdischen Volk beizustehen. Und selbst in diesen Tagen, da alle Nachrichten aus Palästina eine einzige zornige Klage gegen die englische Regierung und ihre Organe bilden, vertrauen wir' auf die Ehrenhaftigkeit desbritisch enVolkes, daß es den ungeheuerlichsten Wortbruch, dessen Opfer friedliche Menschen in ihrer Arbeit geworden sind, nicht bis zum Ende wird treiben lassen. Es ist ein Worbbruch geschehen und sogar mehr als das, ein Verrat an der primitivsten Aufgabe, di-3 England zu erfüllen hatte. England hatte die Ruhe zu sichern und es kann heute gar kein Zweifel mehr daran bestehen, daß die 0 r gane der englischen Verwaltung den meuchlerischen Ueberfall m i t v o r b e r e i t e t Ii a b e n. Sie haben eine furchtbare Blutschuld auf sich geladen und. den Namen Englands mit Schande bedeckt. Sie haben verhindert, daß in der so geringfügigen Klagemauer- Angelegenheit eine .klare Entscheidung geschaffen .würde; sie haben ihre vorgesetzte Regierung in,London falsch unterrichtet, so daß das Land von allen Sicherheitskräften entblößt war. Sie, chV: den: Antagonismus zwischen den Juden und' 'den' ärabis'chen Effendis und Muftis genau, kannten, haben die Ar aber in die Polizei ge no-mtii'en; und d i e J u& e n e n t f e r n t. Säe haben dem Aufstand-' Sorgsam alle Hindernisse aüs;dem ,Weg:.gej:.äöinffcu?jdauch .die geistigeAtmosphäre' geschaffen^,Just in, den Wochen vor dem Beginn der Unruhen erschienenin Jerusalem die „Geheimnisse' .der Weisenvon Zion" in'arabischer Spräche . . \; J Und als dann der Ueberfall kam, hunderte von Juden tot waren oder sich in ihren Schmerzen wanden, haben diese englischen Beamten die jüdische .Se 1 bstwehr entwäff net. Die bedrohten Kolonien wurden ohne Schutz gelassen; könnten geplündert und m ßrand gesteckt werden; die jüdische Bevölkerung wurde zu ihrer Sicherheit, wie ironisch gesagt wurde, evakuiert. Damit ihr Vermögen, ihr Besitz, die Früchte ihrer Arbeit umso u n g es t ö r t e r. v er n ic h t e f w e r d e n können. Europäische Technik in der Leitung ara-? bischer Mordbrennerbanden dieses .Schauspiel haben englische Beamte geschaffen. . Palästina untersteht' dem Kolpnialministerium, demjenigen Amt, das berufsmaßlg nur mit Weißen und Farbigen zu tun hat. Die Juden Palästinas wurden zu den letzteren gerechnet. Sie wurden immer wieder gedemütigt und beleidigt. Es sollte ihnen ins Bewußtsein gebracht werden, daß der-Himmel hoch und der Völkerbund weit ist.- Von den Mändatsverpfliehtungen wurde ein Stück nach dem anderen abgezwickt. Das Außenministerdum \ ging getreu-' lieh mit'und zeigte schon 1921 in dem Weißbuch Churchills. seine Absicht, dem Zionismus den politischen Charakter zu nehmen, Die zionistische Leitung leistete, keinen Widerstand und das ermutigte die Saboteure. Ihr Tun und Treiben blieb' nicht unbemerkt. E i n i g e s o z i a I i s tische Politik er, d ie.si ch als Freunde des Zionismus bekannten, sahen die Gefahr.^ Am 3. Mai dieses Jahres haben K en wör thy und: WIEN VII., KAISERSTRASSE 123 IX.. ALS ER STRASSE 6 FERNSPRECHER 6-99.0-49 Vorzimmer und KUchenmöbel Mir solvente Kunden Zahlungserleichterung! JOSEF KÖßLITZ & SOHN ^mi^^!S^2 ■jmMmmmmmmmmmmmmmmmmam^mmmmmmmmmammumm Wedgwood im Unterhaus das Kolondalamt wegen der Vorgänge an der Klagemauer zur Rede gestellt. Kenworthy sägte: „Die Behandlung der Juden war eine durchaus unsympäthische, sogar antjse-mitische..Wir sind doch durch die Balfour-Deklaration verpflichtet, wir "haben alles zu tun, um die Juden zu schützen." ,Wedgwood: „Es ist unsere Ehrenpflicht, die durch Lord Balfour gegebenen Versprechungen zu halten . . . Ich fordere die Regierung auf, ihre Haltung zu ändern, oder besser gesagt, ich fordere, sie auf, die palästinensische A dm in i s t r a t i o n , zu -einer Aenderung ihrer Haltung zu'zwingen/' Das War drei Wochen vor den Wahlen. Am 31. Mai siegte die Arbeiterpartei. Sie ist nun ein Vierteljahr lang am Ruder. Sie hat die in den Reden ihrer Abgeordneten liegenden. Versprechungen nicht gehalten; der Züricher Kongreß hat sie durch eine Sonderdeputationan die Lage erinnert. Die Arbeiterpartei hat nichts getan. Sie ist mitschuldig an dem Wortbruch .ihrer Beamten in London und in Jerusalem. Diese Anklage hat -das I tidische V o(l k, z u erheben. Die , Anklage wird in der heute, den 6. September in;London beginnenden Tagung des. zionistischen Aktionskomitees und der neuen Jewish Agency formuliert werden. Diese Sitzung wird den englischen Sachwaltern die Ueberzeugung beizubringen haben, daß das unwürdige Spiel nic-ht.fortgeführt werden kann und daß die Methoden des Lord Paßfield, der dem Präsidenten Weizmann erst Zusagen macht, sie dann-abschwächt und schließlich verleugnet, die Methoden des Kriegsministers, der nicht in die „Kompetenzu des Kolonialamtes eingreifen will, nicht mehr angängig sind. Wenn wir bei den Regierungsleuten kein Verständnis mehr finden für Fragen nicht einmal politischer, sondern einfach menschlicher Natur, so werden ,wir zum Völkerbund. gehen und dort Abhilfe fordern. Wir werden vieles und Schweres zu tun haben: die Lebenden betreuen, die Toten bestatten, Zerstörtes aufbauen. Wir setzen unser Werk fort. Das jüdische Volk ist durch den Schmerz gestählt Wörden. Es kann nur aufgehalten, aber nicht gehindert werden. Es sieht heute wieder die' Jugend zu sich kommen, und dieser Jugend, die das Letzte und Schwerste auf sich zu nehmen gewillt ist, sagen wir: Wir waren vor England und wir •werden nach England sein, Zweideutigkeiten in London und in Jerusalem. Weizmann find Paßfield. Am 27. August formulierte die Zionistische. Exekutive in London die Forderungen an die Mandatsmaotit. Am folgenden Tage vüfoefreichW•• Präsident - Weizmann diese. :Postüta$e ■ vdetfi -Staatssekretär. :.fftr ■, die. Kolonien-. L,ojr d, •P a,S.sil;e>l.d.- ,. \r. .»,;.'[;% \',,: -y:: 't •; y Nach- Schluß der- Unterredung erklärte. Dr.-Weizmann, -die Zusagen,, die;; Lord1 Passfield gegeben hat, seienb e-;.f r i e d i g e n d, ..- w e n n ^a u c h nj c h t./weit ge,h e n d .ge.n-u^ Die Besprechungen, werden .fortgesetzt werden. * ■ -: Nach Meldungen 'Londoner Blätter erklärte Weizmann in einer Sitzung der Londoner zionistischen Vereinigung, Lord Passfield habe ihm folgende Ver sprephung.e.tn. .gege-ben: In .der, Administration Palästinas würde eine. Neuorganisation Platz greifen, damit Ereignisse wie'die''der letzten Zeit in Zukunft sich nicht wiederholen. Die,britische'Regierung stehe nach wie vor auf dem Boden der B alf pu r-,D ekia r a t.io n. Lord Passfield habe die Berechtigung der Forderung nach Wieder-: gü.tmac'h,ung der S c to aden' 'anerkannt. Die Be-, amten, die. die Entstehung der Unruhen ermöglicht oder ihnen dann nicht genug Widerstand entgegengesetzt haben, würden e n t l'a ss'eri werden.' Die. britische Politik in Palästina würde eine v'o 11 k o m m e n e N e u ö r i e n 11 e-! r urig erfahren. Nachdem diese Mitteilungen in der Presse erschienen waren, erließ das K'ol onl äl am t am 29. August eine offizielle Erklärung, in der es heißt, die in der Presse über die Zusammenkunft wischen Lord Passfield und Doktor Weizmann erschienenen Mitteilungen seien u n v o 11 s t ä nd.i g u n d u n g e n a u. Darauf veröffentlichte die Zionistische Organisation eine 'kurze Mitteilung, in der es heißt: Dr. Weizmann besuchte Lord Passfield und unterbreitete ihm die folgenden Forderungen: Wiedergutmachung der durch die Unruhen entstandenen Schäden, Entlassung der' schuldigen Beamten, neuer Kurs in der britischen Politik in Palästina. Lord Passfield hat Dr. Welzmann die Zusicherung gegeben, daß die. prit^che f pUtik in Paläs^; auf deVB^u^ ttlifd^deto'M^i*^fußt» und:; daß alle Anstalten getroffen wurden, die eine baldige Wiederherstellung der Ordnung verbürgen. ■' ' i)T,, Weizminp .hajte^eute^(29.; August), nachmittags eine zweite Begegnung mit Lord Passfield. Nach Schluß der Unterredung gab Dr. Weizmanneine Erklärunga'b, 4le sich auf Me Mitteilung bestfhrämkte, das Resultat der Uh-t terredung sei einserhr beiried 1 gendes. Am 31. August nachmittags Sprach Wei^nann izu<m drittenmal bei Lord . Passfield vor, Ueber .das, Ergebnis der Unterredung ist noch nichts verlautbart- ^worden. : Wei^müAh Shaw; Der britische Kriegsminister kann nichts tun* L o nd o n, 3L August, (J. T, A.) Weizmann hat; sich Im Hinblick auf die von der Jerusalerner Zionistischen Executive^ Jischuw in Palästina der Gefahr der Vernichtung, preisgegeben ist, zu dem britischen Kriegsminister Tom Shaw begeben und ihn ersucht, von London', aus die nötigen Anordnungen zum: ScHütze'des pa- ''.lästinerisischen "Judentums'zu treffen! :' ' V!'5 ''\ Kriegsminister Tom Shaw erklärte, es sei ihm, nicht möglich,- sich in die Verhältnisse Palästinas einzumischen, da die militärischen Streitkräfte dieses Landes dem 'Befehl des Oberkommissärs unterstellt Slfld. Die Haltung des iColoniaiamtes. Alle jüdischen Forderungen abgelehnt. L o nd o n, . 31. .August. Wie die Jüdische.'Telegraphen-cAgentur erfährt, ist das K o 1 o n i a I a m t nicht bereit, e i n e tn a t e r i e 11 e Entschädigung für die Opfer der Unruhen in Palästina in Aussicht z u s t e'I le'n. Seitens des Kolonialamtes wird aber angedeutet, daß die Palästina-Regierung ihrerseits vielleicht die Notwendigkeit einer Entschädigung anerkennen wird. In. der Frage der Entwaffnung nimmt das Kolonialamt den Standpunkt ein, daß, wenn die Juden nicht entwaffnet Wörden wären, es vielleicht «u noch mehr Blutvergießen gekommen wäre. Das Kolonialamt sieht es als nicht zeitgemäß an, eine Erklärung über eine Neuorientierung der britischen Politik zu erlassen. Das Kolonialamt ist ferner nicht bereit, irgendwelche Beamte der Palästina-Regierung -zu entlassen, solange die Untersuchung über deren Schuld oder Unschuld nicht albgeschlossen ist. Weizmann glaubt der Regierung Er. verlangt die große Einwanderung. j -L o ridori,;39. -August. (J. T. Av) 'Ineiner Beratung führender Persönlichkeiten hat Dr. Weizmann; di? (folgende Erklärung abgegeben,: Als das letetQthal. (im Jähre 1921),, iri Jerusal&m und in anderen Teilen Palästinas Unruhen stattfanden, Verden wir später ge wungen, das Weißbuch (der britischen Regierung, in der die Balfour-Deklaration eine Modifizierung erfuhr) zai akzeptieren. Wir werden uns diesrnial' ix\S,i einer Modifizierung nicht einverstanden erklären. Nicht fein „White Paper", sondern ein Blue-White Paper (QlaurWeiß- Buoh) wollen wir diesmal haben. Nicht ein e i n"z i g e s Schiff wird die Küste Palästinas pas.sleren, ohne eineZah 1Chaluzim in das Land z'u bringen. Sobald sich die Lage im Lande beruhigt, soll' eine große Einwa n d e r u n g einsetzen.. Die einzige. Antwort der Regierung auf dJe Geschehnisse müßte die 1/eriebendh .gung^des.^andate^.^ln.,,.., r . .