Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- Heft 92 (21.6.1929)
- Date
- 1929-06-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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(F Seit« 10 DIE NEUE WELT Nr. 92 [|f Ifllllflllllf ff Illfll! piMiHMffHnnnnnnroiini I Misrachi-Zentrale Wien, II., Praterstraße 11 I I . (Lloydhof) | 1 Anläßlich der am 25. Juni 1929 stattfindenden I I Kongreßwahlen findet am Sonntag, den 23. und I Montag, den 24. Juni 1929, 7,7 Uhr abends, im 1 1 Misracnilokal, IL, Praterstraße 11, eine! WKHLER-V E RSAMMLUNG I statt. Schekelzahler erscheinet in Massen! IniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM Der König von Jerusalem* Wie an der Klagemauer für die Genesung Franz Josefs gebetet wurde. In der Umgebung der Klagemauer von Jerusalem will es nicht ruhig: werden. Verhetzte Araber bedienen sich der verschiedensten Mittel, üm durch pietätloses Benehmen, durch Aufführung von verschiedenen Bauten, den Juden den durch die Geschichte geweihten Besitz an der westlichen Mauer des Heiligtums immer von neuem streitig zu machen uncf zu verleiden. Bei diesen Mißhelligkeiten ihat auch die römische Kirche unbemerkt ihre Hand im Spiel. Die Juden sind unausgesetzt in die Verteidigung gedrängt und haben heute außer ihrer Presse in Palästina und der jüdischen Presse der ganzen Welt kein anderes Machtmittel, als unverdrossen immer neue Beweise von historischem Wert dafür vorzubringen, daß die Klagemauer als Jüdisch© Kulturstätte von jeher nicht nur von den Juden selbst heilig gehalten, sondern auch von den nichtjüdischen Religionen und ihren Führern, ja selbst von mächtigen christlichen Potentaten anerkannt worden ist. Auf diese Weise ist ein reichliches Material von größerer oder geringerer historischer Verläßlichkeit zusammengetragen worden, durch welches die Rolle der Klagemauer an der Geschichte von Jerusalem und ganz Palästina ihre interessante Beleuchtung erhält. Von Kaiser Franz Josef ist es bekannt, daß er auf seinen Titel „König von Jerusalem" sehr stolz war und als frommer Monarch es nicht litt, daß den frommen' Juden an Jerusalem, die ihr Leben „in Ausübung frommer Werke" beschließen wollten, von seiten der österreichischen diplomatischen Vertretung Schwierigkeiten bereitet werden. Er hörte es gerne, wenn Rabbiner oder jüdische Kultusfunktionäre, dei bei ihm. in Audienz erschienen, ihm versicherten, daß die Juden für seine Gesundheit Gebete verrichten. An diese Tatsachen wird man durch die Geschichte erinnert, welche jetzt im Zusammenhang mit dem Kampf um die Klagemauer wieder in Erinnerung gebracht wird. Einer der bekanntesten Rabbiner von Jerusalem, der auch Vizekonsul von Oesterreich war, war Rabbi Je&aia Bardaki. Er war von der Heiligkeit der 'Klage mau er als Erinnerung an den heiligen Tempel von Jerusalem so durchdrungen, daß er sich für nicht vganz rein und sündenfrei hielt, um das Heiligtum betreten zu dürfen. Er wollte es durch seine Anwesenheit nicht entweihen. Eines Tages jedoch — verzeichnet der Chronist — kam ein dringendes Schreiben vom kaiserlichen Hof in Wien an den frommen Rabbi und Vizekonsul,: in welchen ihm mitgeteilt wurde, daß der Kaiser nicht unbedenklich erkrankt sei, und der Wunsch ausgesprochen wurde, daß Rabbi Jesaia an der Klagemauer Gebete für die Genesung und ein langes Leben des Herrschers verrichten möge. Der Rabbi begab sich sofort an die Klagemauer und verrichtete dort in Gegenwart anderer frommer Juden aus Oesterreich und Ungarn das für die Genesung von Kranken übliche Gebet, las die hiefür bestimmten Psalmen, deren Reihenfolge bekanntlich so angesetzt wird, daß sie das Akrostichon des Vornamens des Kranken ergeben. Der Generalkonsul von Jerusalem und auch Rabbi Jesaia selbst erstatteten Bericht über die Erfüllung des Wunsches des Hofes und den Verlauf des außerordentlichen Gottesdienstes an die Wiener Kabinettskanzlei, In der österreichisch-ungarischen Kolonie wurde dann erzählt, daß Rabbi Jesaia einige Wochen später ein sehr warm gehaltenes Dankschreiben der Kabinettskanzlei erhalten habe, in welchem ihm mit Genugtuung die Mitteilung gemacht worden sei, daß an dem Tage, an welchem Rabbi Jesaia sein Gebet verrichtet hatte, sich der Zustand des kranken Kaisers zum Bessern gewendet habe und die Genesung rasch fortgeschritten sei. Hier möge auch ein zweite Sage aus der Geschichte der Klagemauer ihren Platz finden. Schon in alter Zeit hatten die Juden, welche an der Klagemauer ihre Gebete verrichteten, von den arabischen Nachbarn viel Leid und Erniedrigung zu ertragen. Vor etwa 150 Jahren lebte in Jerusalem ein sehr frommer Mann, namens Rabbi Schalom Sarewi. Dieser pflegte allnächtlich um die Mitternachtsstunde an die Klagemauer zu gehen und dort über die Zerstörung des Heiligtums zu trauern. Weithin drang allnächtlich das nur von Tränen gedämpfte Klagegebet des Rabbi Schalom. Die Araber •mochten diese nächtlichen Mahnungen und Vorwürfe über das endlose Unglück des Volkes Israel und das an ihm begangene gewaltige Unrecht nicht leiden, Sie beschlossen, Rabbi Schalom eines Nachts zu überfallen und zu ermorden. Als Rabbi Schalom wieder in Begleitung einiger Getreuer zur Klagemauer kam, und sein mitternächtliches Gebet begann, schlichen sich mehrere Araber an ihm heran, um Hand an ihn zu legen. So oft jedoch einer der Meuchelmörder in seine unmittelbare Nähe kam, wurde er von einer Lähmung befallen und stürzte zu Boden. Dieses Schicksal teilten alle, die ausgezogen waren, um den Rabbi m beseitigen. Am anderen Morgen erschien eine 'Abordnung arabischer. Notabelq feej Rabbi Schalom, die ihn weinend um Entschuldigung baten und inständig anflehten, schon den iFrauen und Kindern der so furchtbar bestraften Araber zuliebe, bei seinem Gott Fürbitte zu leisten, daß er von den Irregeführten das schwere Unglück wieder abwenden möge. Rabbi Schalom —- so erzählt die Sage — leistete der ihm vorgetragenen Bitte Folge und ging, begleitet von den arabischen Notabein an die Klagemauer, wo die Araber noch immer regungslos starr auf dem Boden lagen. Rabbi Schalom verrichtete ein kurzes Gebet, ging dann auf die Araber zu, rief ihnen mit weithin dröhnender Stimme zu, daß sie sich erheben und heimgehen mögen, ihre frevlerische Tat sei ihnen verziehen. Und siehe da, in die regungslosen Körper kam wieder Leben, die Araber erhoben sich und gingen unter Dankesworten beschämt in ihre Wohnungen zurück. Seit jener Zeit hatten die Juden viele Jahre hindurch Ruhe vor den arabischen Nachbarn..... J. Kr. Das Fatum des Abraham Silbermann. Im Jahre 1920 erschien in der >„Nouvelle Revue francaise" ein Roman in Fortsetzungen, der unter dem Titel „Silbermann", später in Buchform zu einer Weltberühmtheit geworden ist. Man erinnert sich noch des Inhalts dieses Judenromans und des Schicksals des Helden Abraham Silbermann, der trotz aller Bemühungen und Selbstentäußerungen und seiner großen Sehnsucht, nicht nur Franzose zu sein, sondern auch als Franzose und nicht als Jude zu gelten und anerkannt zu werden, die bittere Erfahrung machen mußte, daß er in den Augen der ganzen jüdischen Gesellschaft und vor allem bei seinen französischen Studienkollegen der Jude und nichts als der Jude geblieben ist. Dieser Roman des Bankrotts der Assimilation, war für die Franzosen eine neue Ofefnbarung. In Ost- und Mitteleuropa war diese These schon längst zum Gemeinplatz geworden. Nun liegt hier ein seltenes Zusammentreffen von dichterischer Phantasie mit der Wirklichkeit des Lebens vor. Es gibt einen anderen Abraham Silbermann, der in Budapest lebte und dessen Schicksal sich auf ein Haar genau so abgespielt hat, wie bei dem Helden des Romans von Jacques de Lacretelle in Frankreich. * Abraham Siibermann du Budapest war Antiquitätenhändler. Ursprünglich hatte er die akademische Laufbahn gewählt. Als der Christ 1 ic h n a t i o n a 1 e Kurs das ganze Hochschulwesen und so auch.'die Budapester Universität der Diktatur der Erwachenden Ungarn ausgeliefert hatte, war Abraham Silbermann schon Hochschüier und wurde das Qpfer einerj •jener blutigen Schlägereien an der Universität, bei welcher die jüdischen Studenten aus der Hochschule vertrieben wurden.'Abraham Silbermcinti durfte nicht weiter studieren'und so entschloß er sich, das Antiquitätengeschäft seines' Vaters zu betreiben. Einige Jahre nachdem Lacretelles' französischer Roman „Siibermann" erschienen war, fiel dem Budapester Siibermann •zufällig ein Exemplar dieser Erzählung in die Hand. Er begann sie zu lesen und las sie fast in' einem Atemzug zu Ende. Aufs tiefste erschüttert, stellt er fest, daß in der Geschichte des Romanhelden seine eigene Lebensgeschich'.e ifast porträtgetreu abkonterfeit ist. Selbst einzelne Episoden und nebensächlich '■erscheinende Begebenheiten stimmten mit seinen eigenen Erlebnissen vollkommen überein. Dem Abraham Siibermann; von Budapest schoß es mit einemmal durch den Kopf, daß dieser Roman sein Fatum sei, daß er offenbar dasselbe Schicksal bis zu Ende durchzumachen haben werde, wie der Held jenes französischen Romans. Er trug ein Exemplar des Buches wie ein Amulett stets bei sich und so kam es nun, daß Silbermann vor einigen Jahren sein Antiquitätengeschäft in Budapest aufgab und nach Amerika auswanderte; Ais ihn seine Freunde, überrascht von seinem Beschluß, befragten, warum er sein gutgehendes Geschäft plötzlich aufgebe, meinte' Silbermann: »Abgesehen davon, daß mich die Verhältnisse bewegen, nach Amerika zu übersiedeln, wissen sie ja, daß auch der Held jenes Romains „Silbermann", meines Romans, gleichfalls nach Amerika auswandert und dort ein Antiqüitätengeschäft eröffnet. Es ist mein Schicksal." Vor kurzem wurde die Telephonverbindung zwischen New York und Budapest eröffnet. Der erste, der sich in einem Privatgespräch von New York mit Budapest telcphonisch in Verbindung gesetzt, hat, war Abraham Silber-! mann aus Budapest, der jetzt in New York ein Antiqüitätengeschäft betreibt. Er ergriff die erste Gelegenheit, um mit seiner alten Mutter, die er in Budapest zurückgelassen hat, zu sprechen und ihre Stimme zu hören. Die österreichische Tabakregie bringt anläßlich der Semmering-Festwoche (17. bis 23. Juni 1929) Egyptische Zigaretten III. Sorte und Memphis-Zigaretten als Spezialpackungen in eleganten Kappenschachteln neuester Ausführung zu 25 Stück auf den Markt. Die Spezialpackungen der Egyptischen Zigaretten III. Sorte sind mit Bildern der „Raxalpe vom Knappenhof' und der „Semmeringbahn, Blick auf die Adlitzgräben", jene der Memphis-Zigaretten mit Visten, darstellend „Raxalpe, Kahlmäuer vom Reißtal" und „Semmeringbahn, Brücke über die Krauselklause" ausgestattet. Diese Spezialpackungen werden nur während der Semmering-Festwoche In Wien und in den Verlagsbezirken, die an der Strecke Wien—Graz liegen, ausgegeben* ß , Pension .Austria' Kinderheim Vftslau (OLGA KADISCH) Jägermayerstraße 15 - Telephon 99 Stelle 8 Für Dauer' und Erholungsaufenthalt Jeder Unterricht im Hause, auch Nachhilfe für öffentliche Schulen besuchende Kinder. - Pädagogisch einwandfreie Leitung durch staatlich geprüfte Lehrerin. - Erstklassige Verköstigung. - Mütterliche Pflege. - Mäßige Preise Das tönende Wunder. Wissen Sie eigentlich, was eine Gramola ist? Nein. Denn sonst würden Sie nicht mehr sagen, daß Sie Grammophonmusik nicht lieben. Kommen Sie mit; nicht weit von hier; Mariahilferstraße 31. Dort, wo sich die vielen Menschen drängen, dort ist das neue Gramola-Spezialhaus. Sie treten ein. Hören Sie das Orchester? Sie glauben, die Wiener ^liüharmoniker geben ein Konzert? Nein! Treten bio näher, überzeugen Sie sichV selbst! Der Gramola-Apparat dort in der Ecke spielt! Ja, das ist das Wunder des modernen . Grammophons. Es ist die Natur selbst geworden. Kein Nebengeräusch; Klang und Farbe edelster Vollendung. Künstlerischer Genuß, der nicht mehr überboten, werden kann! Sie wollen tanzen? Paul Withman spielt Ihnen auf. Sie lieben Jeritza? Macht nichts,, daß sie in Amerika weilt; ein Druck auf den Hebel und Jeritza singt für Sie, für Sie allein! Sie wollen ungestört lauschen. Blicken Sie um sich. Sie stehen in einem Feenpalast. Seidene Tapeten an den Wänden, hellflutendes Licht. Treten Sie in den kleinen Salon. Sie sind-allein. Ein Telephon; Sie ergreifen den Hörer: „Hallo, bringen Sie mir einige Tanzplatten." Schon öffnet sich die Türe, ein bildhübsches Mädchen erscheint, bringt die schwarzen Scheiben, führt Ihnen die gewünschten Platten vor. Da ist der neue, große Schrankapparat mit der Ortophonic-Schallführung. Unerhört in der Tonwiedergabe. Die Fülle, der Schmelz des Orchesters, der edelsten Menschenstimme. Dann der kleine Kofferapparat, der sicher Ihr steter Begleiter werden wird.; Nicht minder gut in der Tonwiedergabe, dabei überraschend billig. Sie wollen allein genießen? Der kleine Salon steht Ihnen zur Verfügung. Ein Ruf ins Telephon, Sie werden bedient! Nicht nur Sie, sondern alle Besucher. Denn dieser kleine Feenpalast, den Direktor Weichselbaum durch, den bekannten Architekten Loeb schaffen ließ, birgt eine ganze Reihe solch' kleiner Musiksalons. Jeder anders eingerichtet; Sie können'nach Ihrem Geschmack wählen. Und so, wie der beste Mocca in einer edlen Schale aus Meißner Porzellan noch besser schmeckt, so geht von diesen Wänden, das Fluidum der Behaglichkeit aus. Sie sind nicht in einem Grammophonladen, sondern in einem Musiksalon, der Ihnen gehört, der nur für Sie eingerichtet wurde. Sie wählen einen Apparat oder hören die neuesten Schallplatten. Ohne Kaufzwang natürlich, denn hier soll jeder Musikfreund nur mitnehmen, was ihm wirklich Freude bereitet. Seit das neue Gramola-Spezialhaus in der Mariahilferstraße 31 eröffnet ist,, besitzt die Musik- Stadt Wien ein Grammophonhaus, das der Kunsttradition der Stadt würdig ist. Und nicht zu vergessen; wenn auch der Besuch dieses kleinen Musiktempels ein wahrer Genuß ist; wenn auch die Auswahl des Gebotenen alle Begriffe übersteigt: die Preise sind durchaus den vorgeschriebenen Original- Fabrikssätzen entsprechend, die so niedrig gehalten werden können, daß heute auch das bescheidenste Heim, eine Gramola besitzen kann. Grabsteinstellung. Am 17. d. wurde um 1 Uhr mittags auf dem jüdischen Friedhof in Wien der Grab* stein für den im Vorjahre hier verstorbenen Religions* Professor Markus A. Landau aus Wiener*Neustadt gestellt. Die Trauerrede hielt dessen Bruder, der jetzt in Wien weilende Oberrabbiner von Südafrika Professor Dr. J. L. Landau. LagsBeomerfeier in Breslau. Die ZionisteruRevisioa nisten in Breslau veranstalteten am 28. Mai eine Lag« Beomerfeier. Die Eröffnung des Programms bildete der Vortrag des Psalms 104, komponiert von Kapell* meister Hans Krieg und mit großem musikalischen Können von Frau Käthe Fischer gesungen. Die Festrede hielt Herr M. Nußbaum. Stimmungsvoll vorgetragene Rezitationen von Frl. Regine Sternlieb schlössen den offiziellen Teil. Ein anregendes zwangsloses Beisammen* sein mit einer Sammlung für den N. F. vereinte die zahl!* reichen Teilnehmer noch bis in die späte Nachtstunde, Der Lloyd Triestino hat sich in entgegenkommender Weise bereit erklärt, den Teilnehmern an dem Zionisien* kongreß in Zürich bei Benützung der I., II. oder III. Kl$4se auf der Eillinie nach Alexandrien oder der I. oder II. KHasse auf der Palästina«Linie eine Ermäßigung von 25 Prozent auf den Fahrpreis (Verpflegung ist voll zu be* zahlen) zu gewähren. Diese weitgehende Ermäßigung wird auch bei Lösung einer einfachen Hin* oder Rückreise ge< währt. Verband zionistischer Mittelschüler. Treffpunkt und. Zelten für die einzelnen Sektionen bei dem Sonntag, den 23. d., stattfindenden H e r z 1« Grabgang lauten: Sektion II, Untere AugartenstraQe 35, 7 Uhr 15 Min.; Sektion III, Praterstern, 7 Uhr 15 Min.; Sektion IX. Glasergasse 4, 7 Uhr, 30 Min.; Sektion XX. JäserstraBe 30, 7. Übe 15. Min. Erscheinen. Efflchtl v.