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Die neue Welt · 1929-06-07 · Heft 90 (7.6.1929) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
3 (1929)
Issue
Heft 90 (7.6.1929)
Date
1929-06-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
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fm* u du neue mir DDE MÜTTER Roman von Schalom Asch. Copyright by, Dr. Präger-Pressedienst. Wien. (56. Fortsetzung) Madame Suleika, ein« brünette Schörfieit mit stark seifiitisohem Profil, sah wie eine Zigeunerin ans und war auch so gekleidet. Ein Paket fleckiger Spielkarten in der Hand, ging sie durch ihr Lokal. Sie versicherte allen Gästen, sie stamme von Zigeunern ab und in ihren Adern fließe echtes Zigeunerblut. Doch Nadel (bestand auf Echtheitsprobe. „Sie sehen doch gar nicht wie eine Zigeunerin aus." Er bestand darauf, sich genauer zu überzeugen. Doch Madame Suleikas Haut war zigeunerbraun. .. „Ueberdies sieht es bei ihnen aus wie in einer anglikanischen Kirche, nicht wie in einer Zigeunerkneipe." Und er verlangte, die Gitarre möge eine echte Zigeunerweise spielen, „die Weise, mit welcher der Zigeuner Ihre Mutter verführt hat", und tanzte mit ihrr einen Zigeunertanz. Die warme Stimmung war ausschließlich Nadel zu verdanken. Er manifestierte seine brüderliche Liebe, indem er alle abküßte, am intensivsten die Frauen... Auf Buchholz wirkte Nadel wie k Wein. Durch Nadel war ihm Miß Forster nahe gebracht worden, durch Nadel wurde ihm erlaubt, sie zu lieben und seine Gedanken vollständig ihr zu weihen... Er stand abseits und betrachtete sie mit brennenden Augen. Sie saß mit Dwojre beim Ofen und führte mit ihr ein vertrauliches Gespräch', Buchholz zog es hin. Endlich faßte er sich M'ut und trat mit klopfendem Herzen und bebenden Fingern auf sie zu. Er spürte den Nelkenduft, der ihrem Busen entströmte. " „Wovon sprecht ihr?" — begann er mit dummem Lächeln, nur um etwas zu sagen. „Nicht zuhören! Du darfst nicht zuhören!" — sagte Miß Forster in ihrem charakteristischen Jiddisch. ' „Ich wollte Ihnen meine neue Arbeit zeigen. Ich bitte Sie, kommen Sie hinauf" — sagte er; sein Gesicht, seine Augen, sein Mund waren ein e Bitte. „Mit dem größten Vergnügen. Wann 'willst du uns deine Sachen zeigen?" „Noch heute, gleich jetzt, in einer halben Stunde beginnt es zu dämmern, das wird ein' sehr gutes Licht geben." " „Ausgezeichnet, wir gehen zu dir. Gregory! Komm' her, Gregory!" — sie rief den'Amerikaner, welcher schweigend in einem Winkel saß und zusah, wie Nadel die Frauen abküßte. ' . „Du wirst mit mir in Buchholz's Atelier gehen. Ich will, daß du seine Arbeiten siehst, er ist ein großer Künstler, und ich will, daß ' du ihm hilfst, hörst du?" „Gut, wie du es wünschest." „Oh, dear öld Gregory! Du siehst aus, du Äenmster, wie eine Ziege, die unter Wölfe geraten ist. Wie unterhältst du dich?" „Esist die schönste Zeit meines Lebens; Isabel!" — versicherte der Amerikaner; seinem Gesicht und seiner Haltung war nichts davein anzumerken. (Fortsetzung folgt.) Copyright 1928 by „Die Neue Welt", Wien. Nachdruck verboten. KOMÖDIANTEN. Roman von Schalom Alechem. Ins Deutsche übertragen von P. Rosenhall. (30. Fortsetzung) Holzman, der so klug ist wie sie alle zusammen und vielleicht noch klüger, sah sehr wohl, was da vorgeht, und lachte über die ganzen Intrigen. Scheinbar hatte eri einen weiteren Blick als sie alle. Er wollte diese schöne Primadonna mit . ihrem Bruder Schwalb und noch einigen „Singern" aus Getzl ben Getzls Theater sich herüber* biegen, warum auch nicht? Warum soll er nicht, dieser JokI ben Flekl, mit seinen j,Behelferh" zurückbleiben? Und nebenbei hat unser Holzman — warum sollen wir nicht die ganze Wahrheit * erzählen? — auf Henrietta selbst? ein kleines Auge geworfen, vielleicht daß sie sich anl ihn gewöhnt, an Holzman heißt das, und mit der Zeit —( wer fragt, was passieren kann —• er wird doch nicht 11 ewig Junggeselle bleiben! Ei, vielleicht, wenn sie ihm! jetzt ein bißchen kühl gegenübersteht, ist da ein Rat,' wie man dem mit einem „Beneficechen", mit einem „Präsentchen" und wiedereinmal einem „Beneficechen" und! wiedereinmal einem „Präsentchen" begegnen kann, die Hauptsach aber, daß man's hat, der Teufel in des Geldeal Vater hinein! So dachte sich's unser Direktor Holzman und war sehr zufrieden, daß diese" Schönheit seinem Rafalesco den Hof macht. Er konnte nur das eine nicht verstehen* warum dieser dumme Junge der Primadonna Henriettai Schwalb ausweicht. Und was denn überhaupt mit ihm hier geworden, in dem Lemberg, daß er so in sich vertieft! ist und so vergrämt aussieht, mehr als sonst?.... 53. K a p i t e 1. Brejndele Kosak. Am ersten Abend, da Holzman mit seiner Truppe bei Getzl ben Getzl im Theater seine Gastrolle begann,» erblickte er hinter den Kulissen eine Figur von kleinem Wuchs, die ihm bekannt vorkam. Und da die Kulissen des Lemberger Jüdischen Theaters — man sagt, bis auf, den; heutigen Tag — nicht elektrisch beleuchtet sind, nur von einem russigen Lämpchen, das schwelt, konnte er nicht sp rasch herausfinden, wer es sei. Einen Augenblick lang dachte er, er müsse sie kennen, einen Augenblick lang, es scheine ihm bloß. Aber die Gestalt näherte sich ihm, öffnete einen;•' großen "Mlund und lachte. Ein Beweis, daß sie ihn erkannte. Worauf er näher an sie heraniträt, sie genau-besah Und1 zurücksprang: „Brejndele Kosak?! . . .";,Hotzmach?! . . > /. „Pst, soll niemand wissen, daß wir uns kennen^ Weh mir, was ist mit euch? Sie sind doch in die Breite gegangen! Arbeiten Sie hier bei diesem JokI ben .Flekl? Schon lange? Und .wo-, steckt unser Schtschuppak und der Mamser Scholem Meir Murawtschik, die Cholera ihnen beiden an einem Tag!" „Amen", sagte die Gestalt, das heißt Brejndele Kosak, lachend. Und da die Glocke klingelte und die Truppe sich eiligst fertig machte und der Regisseur sie Hals über Kopf antrieb, man müsse doch schon den Vorhang heben, da sonst das Publikum das Theater demolieren würde, mußten sich die Zwei bis zum Ende des ersten Akts verabschieden und verabredeten, kein Vogel dürfe erfahren, daß sie einander irgendwie kennen. Und Holzman ging zu seinem Freund Rafalesco in die Garderobe und raunte ihm das Geheimnis ins Ohn* er habe soeben eine Schauspielerin des Schtschuppak getroffen, Madame Tschernjak oder Brejndele Kosak, die einmal mit ihm zusammen gespielt habe. Er, Lebl, müsse sich doch an sie erinnern, aus Holeneschti noch. Eine ein bißchen Kleine, ein bißchen Dicke... Und er schärfte Rafalesco einigemal ein, so zu tun, als sähe er sie zum erstenmal, sollte er ihr hinter den! Kulissen begegnen. In der Garderobe, wo der junge Gastrollist Toilette machte, war es nicht heller als hinter den Kulissen. Und dazu hielt Rafalesco mitten im Maskemachen, vor einem beschmutzten zerbrochenen Spiegel. Deshalb ist es auch kein Wunder, daß sein junger Freund plötzlich sich veränderte. Eine ganze Minute lang konnte er nicht reden* Es hatte ihm den Atem verschlagen. Dann fragte er mit gespielter Gleichgültigkeit Holzman, ohne das Maskei machen vor dem verräucherten Spiegel zu unterbrachen: „Wie, sagst du, hat man sie gerufen?" „Brejndele Kosak." 9,Brejndele Kosak? Hm. Ich erinnere mich nicht an eine solche. Wirst mich doch mit ihr bekannt machen* Wie gefällt dir meine heutige Maske?" „Die Maske ist ausgezeichnet. Sofort nach dem ersten Akt wird man dich mit allen Schauspielern bekanntmachen, also wahrscheinlich auch mit ihr, verstehst du! Wozu soll es), daß man weiß, wer und wie und was? Verstehst oder nicht?" Er versteht. Warum soll er's nicht verstehen? Wie spät ist? Schon Zeit? Wessen Auftritt? Der seihe? Eins, zwei, drei! „Mit dem rechten Fuß", sagt ihm Holzman und rückt ihm die Perücke zurecht. Rafalesco hat an jenem Abend schlecht gespielt.» Schlechter als sonst jemals. Das heißt, dem Publikum spielte er gut, ausgezeichnet, prachtvoll. Davon legte der rauschende Applaus Zeugnis ab und die Bravorufe des Publikums und die ungeheuren Ovationen, die man dem Gast aus Bukarest darbrachte. Rafalesco aber wußte besser als alle, daß er heute wie ein Schuster gespielt habe, man sollte ihm Hände und Füße abhacken und zu den Soldaten geben. Viele Sätze ließ er aus, vielei fügte er an, den Souffleur hörte er nicht, extemporierte den ganzen Abend: nur den Akt, wenn auch mit Widerwillen, herunterklopfen, nur los vom Publikum, das diesmal wirklich wie zum Trotz verrückt geworden ist und mit den Rufen nach Ra-fa-les-co, Ra-fa-Ies-co nicht aufhören will. Er warf sich zur Spiegelscherbe hin, die Augen brannten, der ganze Leib — fühlt er — glühte. In der Garderobe wird es furchtbar eng, keine Stecknadel kann zu Boden fallen. Die ganze Truppe aus Getzl ben Getzls Theater hat sich hier versammelt. Sie gratulieren dem Gast,- da mit verhehltem Neid, dort aufrichtigen Herzens. Man stellt sie alle ihm vor, einen nach dem andern. (Fort'set!zun>g folgt.) GRABSTEINE FRIEDLÄNDER & DEUTSCH Wien, 1. Bez., Seitenstettengasse 2, Telephon 13-28-1-28 XL, Zentralfriedhof, neb. d. 7. Tor, Telephon ü-18-0-85 ttttttutn ww»tn»wttt»uctcms>90»ut»M9te»9*'9;w*ccj» RADIO Für S 2.50 Wocheitraten erhalten Sie komplette Radioapparate mir allem Zubehßr in feinster Ausführung und alle Radio-Bestandteile nur Im MUSIKHAUS SCHLESINGER, Wien, VII., Burgga88e122-124 V»»ft»H«»l»99»»»m0l>9»9»>»<l<O<«0>H>»»l>l>ll»ltMW>O»»t»»»>{'»»»C<fr9»t6 EilliliillllilllliliiiiiiiiillllllilllilllllllillliiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiL: Gegründet 1882 Lebensuerslcherunss- Gesellsciiaft .PHÖNIX' 5 Zentraldirektion: WIEN I., Riemergasse Nr. 2 s Versidieiungsbestand 1 Milliarde 600 Millionen Willing s s Vollebgeuhltes Aktienkapital 4,000.000-— Sdiillina § s Prämien- und Züiseneinnahmen im Jabre 1927 71 Millionen Shilling i 5 Caraatieoirtel Ende 1927 192 Klonen Mitling 5 s Tätigkeitsgebiet: Oesterreich, Deutsches Reich, Frankreich, s 5 Belgien, Rolland, Italien, Spanien, Tschechoslowakische 5 Republik, Polen, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Griechen- s land, Türkei, Aegypten und Palästina. a gSlIlllliejIHIIIIIIIIIIllllllllllllllllllllllllllllllllllllllHHIIIIIIflS mit u. ohne Trichter, die neuesten Schlager in grösster Auswahl erhalten Sie für 12.50 WtcMei, ÄÄd»JBS Nusihbous Schleslnser ÄifeSK rvtn 75?n mit schöner Stimme sucht Posten Unter rFromm" an die Expedition dieses Blattes Vermittlung .erbeten 1M& r!£*: 5 18^58 IV (L M mS£m p-ip Schadehen, der in besseren jüdischen Kreisen verkehrt, empfiehlt sich .# Qefl. detaillierte Zuschriften unter „.Diskret" an die Expedition des Blattes IM Streng WD Täglich frisch geschlachtetes Rind- und Kalbfleisch Kitzfleisch hiesiger Schlachtung wie auch Mastgeflttgel zu billigsten Tagespreisen nur bei ROTH, XX., Karl-Meißl-Strafie Nr. 3 Auf Wunsch Zustellung ins Haus. 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