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Die neue Welt · 1928-09-14 · Heft 52 (14.9.1928) · page 13

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 52 (14.9.1928)
Date
1928-09-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
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Hr. 52_DIE NEUE WELT___Seite 13 jgMiiiiii^^ B * 1 A«iäßMch ROSCH HASCHANAH waschen [ * 1 | allen Freunden, Verwandten und Bekannten § | zum Neuen Jahre I imiiiiiimiiMHiiiuHii^ IHISltD HÖ^iTim FOMHD iiiiiiiHiiiiiHiiiniiiiiiimiuiii^ Brüder Lissiansky Schuhfabrik Vfl'I., Kaiserstraße 44 wünscht allen seinen Kunden, Freunden und Bekannten ein glückliches Neues Jahr! Moses Lustig und Frau XX., Brigittenaucrländc 20 MNM Bernhard Luwisch und Frau XX.. Hannovergassc 19 I Der Vorstand des Vereines „Mach- I sike Hadath'' TT., Schiffamtsigasse 20 •WOBMWWOf g»»a<w— David Nebeiizahl und Frau TIT., Rasumofskygassc 1 >M<HIMMmBIHCM>«M»mMtl»ll>M Cafe Neubauhof VIT.. Neubaugasse 64 •<Hwg—«««oooQ>ce<—«aa—9 Konditorei Neumann (T., Gredfersrraßc 2 99—«——MWWW 999999»»» 99090»» Emil Nimhäuser und Frau XX.. Rafaelgasse 1 b <MHWWtMtM<W> »»»«»»»»99 a#0»»99*«0) Moritz Niwes und Frau IT.. Pazmanitengas.se 24 Kleiderhaus Wilhelm Niwes und Frau XVI., Ottakringerstraße 83 Dr. Leopold Plaschkes und Frau Wien, IT.. Gr. Mohrengassc 3b 9999» •••WM«O>0«MWMMMW Buchhandlung M. Rath II.. Taborstraße 20 Max Reisktn und Frau Restaurateur Roth und Frau HI., Praterstraße 54 Löh! Taubes und Familie Wien, tX. Dr. Nahuni Samonsky Wien, II. Dr. Heinrich Robinsohn und Frau Wien, I. entbieten allen Verwandten, Beraumten und Stanislaucr Freunden die besten Wünsche zum Neuen Jahre! MIMMMWWIMIIMMieiNWMWMM Warenhaus Mich. Rosenbaiiin I.. Bau er n ma rk t 20 »0W«MM—W— Cafe-Restaurant Rosenberg W., Kaiserstraße 37 »e»W»»»MWWWIIMI»MMt«>Mimi9>t Dr. Rosnev Badearzt in Pistyan (C. S. R.) OMMWMWMMmWMIO>MWIMH»mi Oskar Rosher und Frau I.. Adlergasse 2 I. und M. Podhoretz Mailand, Corso Magenta 22 Naftafi Scherzer und Frau II.. Vor-gartenstraBc 203 Dr. Karl Schlamin und Frau XX., Kiosterneuburgcrstraßc 50 Wolf Schmetterling uiHl Frau V., Schönbrunuerstraßc 1(K> iom Segall und Frau. Spezereiwarenhandl. XX., Karl-Meißl-Straßc 4 gratulieren allen 'Kunden. Verwandten und ©Bkan uteri zum Neuen Jahr! WMMMMIWWMIMMWIIIIMIMMMII Jacques Singer und Frau I., Spiegelfgasse 6 Bernhard Steinklein und Frau X'X., Klostemeuburgerstraßc 127/41 »WMIMMMIIMMIMWMIHIMMWOW» Hermann Strum und Frau wünschen allen Kunden und Bekannten naio novimrnvo »»»9»»9»9»tQ»»»»»»*»»»»9999»»9»9»t»»*»» Siegmund Stupp und Frau I., Rotentwmstraße 37 Lotte Ungar W*en. XX. Isidor Waldberg und Frau. „Jüdische Bühne" Wien, II. Salomon Weinstein und Frau II.. Rotensterngasse 23 gratulieren alten Verwandten, •Kunden und Bekannten, zum.Neuen Jahrd_______________ ______ Samuel Weintraub und Frau XX.. VVolfsaugassc 9 Alfred Weißhut und Frau XIX., Billrothstraße 39 Dipl. Kaufmann Zwi Wiesetberg Wien XIX. MMIWIIIIIMIIIIIIMMMHIIMIIIIIM I. Ziiuet und Frau XX., Kloslemeuburgerstraße H)0 »9999t Rudolf Zimet und Frau X'V-I'W., Sclwlgasse 6 H—lMIMaWIMHWIMMIMlMWWM« Max Zuckermann und Frau IT.. Rotensterngasse W) SCHOLEM ALEJCHEM: MENACHEM MENDEL. (Aus dem Jüdischen übertragen von Siegfried Schmitz.) Copyright 1921 by R. Löwit, Wien und Leipzig. (35. Fortsetzung.) Meines letzten Briefes erinnerst Du Dich wohl noch und weißt, in welchem Zustand ich war nach dem schönen Versuch, zwei Mädchen miteinander zu verheiraten (nicht einmal mehr denken will ich daran). Ich habe gemeint: jetzt ist alles aus, 'Menachem' Mendel ist fertig. Da muß ich gerade damals einem Menschen in die Hände fallen, einem Agenten, Inspektor des „Equitable", der Menschen vor dem Tode versichert und davon ein fettes Einkommen hat. Er hat ein Büchel herausgezogen und mir gezeigt, wieviele Leute er schon vor dem Tode versichert hat und wieviele ihm schon gestorben sind. Das Geschäft ist nämlich so angelegt, gerode umgekehrt wie sonst: je mehr die Leute sterben, desto besser, sowohl für die Toten wie für die Lebenden. Du fragst natürlich: Was für einen Sinn hat das? Der Sinn ist sehr einfach einzusehen. Nehmen wir an.. Der „Equitable" ist so freundlich gewesen, mich vor dem Tod zu versichern auf zehntausend Rubel, so muß ich dafür alles in allem zwei-, dreihundet Rubel jährlich zahlen bis zum Tode. Und wenn ich — Gott behüte — schon im ersten Jahr sterbe, hast Du Dein Glück, gemacht: zehntausend Rubel sind Geld! Wie aber, wenn ich leben bleibe? So hat der „Equitable" sein Glück gemacht; Dort sind unzählig viele Leute angestellt, Agenten, die meisten Juden, welche auch Frau und Kinder haben und auch leben müssen. Was kümmert das mich? Der Fehler an der Sache ist nur, daß nicht jeder so ohneweiters Agent sein kann. Ein Agent muß vor allem andern fein angezogen herumgehen, und zwar, was wirklich fein heißt: ein ordentlicher Anzug, Kragen und Manschetten — sie können aus Papier sein -7ein schöner Schlips, ein Hut, das ist selbstverständlich; die Hauptsache aber ist — reden. Ein Agent muß reden können. Das heißt: er muß reden, zureden, einreden, ausreden, überreden, niederreden; solange reden, bis der andere sich vor dem Tod versichern muß —, darum geht es eben. Kurz und gut, meine Reisebekanntschaft, der Agent und Inspektor, hat mir's angesehen, daß ich sicher ein guter Agent sein muß, ein ausgezeichneter „Inquisiteur". . Jetzt, meine teure Gattin, muß man Dich doch aufklären, daß Du den Unterschied zwischen einem Inspektor und einem Inquisiteur verstehst. Ein Inquisiteur wird ein gewöhnlicher Agent genannt, welcher die Leute vor dem Tode versichert, . Inspektor aber heißt schon ein -älterer Agent, welcher Leute zu Agenten macht. Außerdem gibt es noch einen „Oberinspektor", welcher die Inspektoren ernennt. Und über alle diese Agenten, die Inquisiteure, Inspektoren und Oberinspektoren ist noch einer, gesetzt, der über ihnen allen steht; ihn nennt man „Generalinspektor". Ein höherer als der ist auf der ganzen Welt, nicht vorhanden. Natürlich, um General zu werden, muß man vorher Inquisiteur gewesen sein, dann Inspektor Und dann Oberinspektor und so weiter. Und wenn Gott hilft und man für seine Verdienste General wird — dann" ist man. fürs ganze Leben versorgf. Es gibt, wie mein Mann mir erzählt hat, Generale, welche nicht weniger als dreißigtausend Rubel im Jahr zu verzehren haben. Kurz und gut, — er hat mir zugeredet, Agent zu werden. Ich habe überlegt: Was habe ich. da zu riskieren? Mein 'Gott,' — wenn es gehen wird, wird es gehen. Geht es nicht — habe ich nichts verlören. Ich lege ja nicht Butter auf Lager, wie mein Inspektor sagt. Im Gegenteil — ich bekomme noch — sagt er — einen Vorschuß, das heißt: man gibt mir als Angeld für meine Arbeit einige Rubel, damit ich Reisegeld habe, mich einkleiden und mir ein Portefeuille kaiir fen kann. So wie die Sache aussieht, ist sie wirklich nicht ohne! So habe ich mich überreden lassen und bin — zu Glück und Segen — ein Agent geworden. Doch die Sache geht nicht so schnell, wie sie erzählt wird. Um Agent zu werden, muß man denGeneral besuchen. Denn solange der General nicht unterschrieben hat, — ist man nichts. Also hat er mich zusammengepackt^ der Inspektor nämlich, und hat mich auf seine' eigenen Kosten nach Odessa gebracht zum General im „Equitable", der über einige zwanzig Gouvernements zu befehlen und, wie man sagt, fast achtzehnhundert Agenten unter sich hat. Dir die Großmächtigkeit dieses Generals zu beschreiben, das geht nicht. Das heißt, eigentlich ist er selbst gar nicht so mächtig groß, nur das Getue ist großmächtig; große Augen hat er, scharfe, und ein helles Gesicht und rote Wangen und er heißt: Jewserel.. Das Kontor des Generals ist eine ganze Wohnung, Zimmer auf Zimmer und wieder Zimmer. Eine Unmenge Tische mit Bänken, Büchern und Papieren. Agenten geheu ein und aus, es summt und surrt, Depeschen fliegen hin und her — ein unaufhörliches Treiben! Ehe man zum General selber kommt, muß man durch die sieben Kreise der Hölle/ Ich war halbtot, wie mau mich vor diesen Jewserel geführt hat; aber er war sehr freundlich, hat mich gebeten, Platz zu nehmen, mir eine Zigarette verehrt und mich ausgefragt, wer ich bin und was ich bin und was ich für ein Geschäft habe. Da habe ich mich ordentlich ins Zeug gelegt und ihm alles haargenau erzählt, von .Anfang bis zu Ende; wie ich nach Kischinew gefahren bin und nach Odessa geraten, dort mit „London", Handel getrieben habe, von dort nach Jehupez gekommen, auf der Börse ein- und ausgegangen bin, „Putilow", „Liliput" und andere „Papiere" gekauft und verkauft habe bis in die Millionen; wie ich dann (nicht einmal denken will ich dran) ein.. Makler geworden bin mit Gütern, mit Wäldern und mit Raffinerien; und wie ich nachher Schadehen geworden bin, sogar Schriftsteller auch, mich gedreht und gewunden, gemüht und geschunden und mit der ganzen Welt herumgeschlagen habe; und das Ende war immer' — sage. ich zu ihm — Unglück auf Unglück in Haus und Hof... Er hat mich bis zu Ende angehört; dann ist er, der General, Jewserel nämlich, aufgestanden, legt mir die Hand auf die Schulter und spricht zu mir folgendermaßen: „Wissen Sie, was ich Ihnen sagen werde, Herr, von Menachem Mendel? vSie gefallen mir. Einen schönen Namen haben Sie und reden können Sie unberufen auch, Ich. prophezeie Ihnen: Sie werden bald ein großer Agent sein, wahrhaftig' ein großer Agent! Indessen bekpmmen Sie einen Vorschuß. Fahren Siö in die große Welt, . das . heißt in die jüdischen Städte und Flecken* dort kennt man Sie wie einen schlechten Groschen. Also: Glück auf..." Sofort wie ich von den Leuten die paar Rubel bekommen habe, habe ich mir geradezu Königsgewänder angeschafft. Wenn Du mich darin sähest, Du würdest mich nicht erkennen- Auch ein Portefeuille habe ich mir gekauft, riesengroß; in das haben sie mir einen Zentner Bücher und Papiere hineingestopft und ich bin hinaus in Gottes große Welt. Vor allem nach Bessarabien, dem Glücksland für gute Geschäfte! Dort kann man — so sager> sie — das richtige Geschäft machen, versichern1 und versichern. Nun trifft es sich gerade, daß ich Jahrzeit habe,' Also gerate ich zwischen zwei Zügen, in ein kleines Städtchen, irgend ein verfluchtes Nest. Ich habe nicht gewußt daß dieser Flecken iin der ganzen Welt berühmt ist wegen seiner Frechlinge, Gauner, Denunzianten Und Bauernfänger. Wäre es doch in Flammen aufgegangen, ehe ich es gesehen habe! Doch da einmal das Unglück mir beschert ist — muß ich gerade dort, in dem Städtchent, Jahrzeit halten und gerate dabei in den Dreck hinein; der Herr bewahre und behüte davor! Und mein Herz hat mir "gesagt, daß ich mir da nichts Gutes holen werdet Doch wenn man das Totengebet sagen muß, gibt es da viel zil überlegen? Ich gehe sofort ins Beth-Hamidras<H» und komme gerade zum Nachmittaggebet. (Fortsetzung fotet.)

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