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Die neue Welt · 1928-07-13 · Heft 43 (13.7.1928) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 43 (13.7.1928)
Date
1928-07-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 43 Jüdische oder nfchtjüdisch* Arbeiter handle, sie vergebe die Ari>e«en an Genossenschaften. Allgemein aber beklage sich die nichtjüdische Bevölkerung über das zu starke Eindringen von Juden in alle Berufe. i Eine führende jüdische Per sönlichkeit Karpathorußlands äußerte sich zu diesen Erklärungen des Vizegouverneurs wie folgtt Das karpathorussische Judentum sei deklassiert; aus der Statistik des Staatsamtes, deren Bearbeitung durch Dr. Friedmann bereits vorliege,gehe mit aller Klarheit hervor, daß 66,97 Prozent der karpathorussischen Juden kernen festen Beruf haben und daß van den übrigen 33 Prozent kaum 27 Prozent sich landwirtschaftlich betätigen. Aus. den Aeußerungen des Vizegouvemeurs gehe klar hervor, daß die Regierung d.i e a U f die Zertrümmerung des, ka.rpathorüssischen Judentums gerichtete Politik gewisser Führerforder.e. Das hebräische Gymnasium habe ungeachtet der bedeutenden' Steuerleistung der jüdischen Bevölkerung bis\ jetzt kein erle staatliche Subvention erhalten. Auch werden den jüdischen Einwohnern bei ihren Bestrebungen, die Staatsbürgerschaft zu erlangen, Schwierigkeiten gemacht. Ein antisemitischer Film in Ungarn. Der ungarische Filmindustrie-Fonds, eine amtliche Institution zur Förderung der ungarischen Filmindustrie,, hat den als Judenhetzer berüchtigten Offizier Kaiman Z s a b k a mit der Herstellung eines Films betraut, dessen Bestimmung es sein soll, die ungarische Filmindustrie im Auslande zu repräsentieren. Zsabka hat Verfügung getroffen, daß kein,, jüdischer Schauspieler in dem Film mitwirken dürfe; Das Textbuch ist durchaus antisemitisch. Es wird dies der erste antisemitische Film in Ungarn sein, der dazu noch mit behördlicher Unterstützung und aus öffentlichen Geldern hergestellt wird. Die Juden kehren nach Izsak zurück. Unter den jüdischen. Gemeinden, die in den Jahren des weißen Terrors und des rassenschützlerischen christlichnationalen Kurses durch Pogrome, Morde und Plünderungen am meisten zu leiden hatten, befand sich die im Pester Komitat gelegene Gemeinde Izsak. Des Nachts wurden die dortigen, Juden von den Pogromhelden. aus den Betten. geschleift, die Geschäfte und Wohnungen der Juden wurden ausgeraubt und demoliert, es gab auch Todesopfer, scheußliche Szenen (hatten sich abgespielt und den Abschluß des widerrechtlichen Raubzuges bildete die Beschmutz-ung und Schändung der mahr als Hundert Jahre alten Synagoge. Vier Thorarollen, drei Garnituren Thoraschmuok aus .Silber und eine Anzähl wertvoller Vorhänge für . die Bundeslade sind damals v e r s c h w u n d e n. Während der letzten acht Ja/bre,,als es anfing, in' Ungarn etwas ruhiger zu werden, versuchten die Juden von Izsak auf ihre alten Gründe, die gleichfalls von den Räubern in Besitz genommen worden waren, zurückzukehren, aber jedesmal mußten die Behörden erklären, daß sie für die Sicherheit des Lebens der Juden in Izsalt nicht garantieren könnten. Nun scheinen sich die Verhältnisse auch in Izsak gebessert zu haben, denn, wie aus Budapest berichtet wird, beginnen die ehemaligen Jüdischen Bewohner von Izsak, soferhe sie . noch am Leben und nicht in Armut zugrunde gegangen sind, w i e d e r i n d'h r e f r ü h e r e X rb e i ,t s s t ä 11 e z u r ü c k z u k e'h r e n. Bisher sind etwa zehn jüdische Familien angekommen. Diese haben, nachdem sie sich wieder, soweit es ging, häuslich niederließen, beschlossen, auch ihre Synagoge wieder für den Gottesdienst gebrauchsfähig zu machen'.'Vorläufig steht sie wie eine Ruine mit eingeschlagenen- Fensterscheiben, zerbrochenen Bänken, zerstörter Bundeslade da, als beredte Mahnerin um das vorenthaltene Recht für die ausgeplünderten Juden. In Budapest und in der Provinz zeigt sich nun unter den Juden die Geneigtheit, den heimgekehrten Märtyrern von Izsak nicht nur bei dem Wiederaufbau der Synagoge, sondern auch bei dem Aufbau ihrer Existenzen behilflich zu sein. Eine palästinensische Kwuzah übersiedelt nach der Krim« Die kommunistische Presse teMt mit, daß soeben 27 Familien, frühere Angehörige der palästinensischen Kwuza „G d u d A w o d a h", tn Odessa eingetroffen sind, Die Gesellschaft „OZET" hat Vorbereitungen getroffen, diese Kolonistenfamdlie kn Rayon Jewpatorie anzusiedeln. In Saki ist bereits genügend Boden für sie bereitgestellt worden. (J. T. A.) Verband der radikalen Zionlsten. > In diesem Monat finden keine Klubversammlungen statt. Der Wiederbeginn der Klubabende wird rechtzeitig bekanntgegeben werden. niiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii KARTON NAG EN FABRIK OELBANO & €9, WliN, IX. QRUNOLSTR. 5 Telephon 19-0^69 beliefert alle führenden jüdischen Firmen mit ALLEN ARTEN KARTONS llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllliHID III I in! Hf.MARXE R GASSE 30-32 Telephon: QO - 5-^6 7, u'rt d. 95-9-30 VI.MARIAHILFERSTP.^iQ T,e le p K o rv : <\ 1 2 1 : yp r l ah q e rt r> i e;P r o s'p ek te< Judenstaat oder Dominion? Von Hans Klee, Berlin. Der englische Arbeiterführer Wedgewood hat in einem kürzlich erschienenen Buch der englischen und jüdischen Oeffentlichkelt ein Projekt unterbreitet, das in der Umwandlung Palästinas aus einem Mandatsland des Völkerbundes in ein Dominion des britischen Weltreiches gipfelt. Wedgewood denkt sich die Entwicklung etwa derart, daß Palästina z unächst englische Kronkolonie werden wird, um später, wenn erst eine jüdische Majorität die politischen Geschicke des Landes entscheidend beeinflußt, zum Grade eines Dominions in der Art Kanadas oder Südafrikas aufzurücken; und er glaubt, daß England im Falle einer solchen Entwicklung sich ganz anders in die Lage versetzt fühlen würde,, den wirtschaftlichen und kulturellen Aufhau Palästinas zu fördern, als es gegenwärtig, wo nur eine verhältnismäßig lockere Bindung der'Interessen besteht, der Fall sein kann. Das Projekt, das Wedgewood auch in einer Massenversammlung in Wien propagiert hat, und das um so größere Beachtung verdient, als sein geistiger Vater einer der führenden Politiker der Labour Party ist, gibt Anlaß, von neuem unsere gegenwärtige politische Läge zu analysieren und den Postulaten, die die zionistische Politik an die Mandatsregierung, an den Völkerbund und an die öffentliche Meinung der ganzen Welt zu stellen hat, durch erneute Diskussion erneuten Nachdruck zu verleihen. Diese Diskussion hat in negätivein Sinne durch einen Aufsatz Strickers, in dieser Zeitung bereits begonnen, das Projekt hat bei dem Führer der Revisionisten, Jabotin sk y, Zustimmung gefunden und Weisl hat in einem großen Artikel in der „Vossischen Zeitung" mit Recht darauf hignewiesen, daß es sich hier um eine Entscheidung von so gewaltigem Ausmaß handelt; wie die, zionistische Bewegung seit ihrem Bestehen wenige zu fällen hatte. Es ist nicht leicht, ohne weiteres zu dieser Frage Stellung zu nehmen, sind doch alle die Begriffe und Normen, die das internationale Leben der Staaten regeln, Gegenstand vielfacher divergierender theoretischer Meinungen und ist doch auch ihre praktische Bewertung ständigem Schwanken unterworfen und abhängig von der jeweiligen politischen und diplomatischen Lage der betroffenen Staaten. Und doch glauben wir, daß das Angebot, das hier ein führender englischer Parlamentarier und ein aufrechter Freund der jüdischen Sache uns macht, unsere Zustimmung nicht erhalten darf, aus ideologischen und praktischen Erwägungen heraus. „Dominion sind die Juden seit 2000 Jahren!" Wenn auch dieser Satz, der bei der Diskussion über die zur Behandlung stehende Frage gefallen ist, nur schlagwortartigen Charakter hat, so enthält er doch zweifellos eine richtige Feststellung. Einen „dominus*' hat das jüdische Volk seit zweitausend Jahren, es ist der Sinn unserer Freiheitsbewegung nicht, diesen Zustand zu verewigen, auch nicht gegen das Versprechen einer erelichterten Kolonisation, einer geförderten Einwanderung, einer tätigen Hilfe für unseren Aufbau. Denn ^,ewig" wäre solch eine Bindung, die Einverleibung Palästinas in den Riesenkörper des British Empire wäre eine für alle Zeiten unauflösliche Verkettung. Und solche Verkettung UND VEREINIGTE VERSICHERUNQS- AKTIENQESELLSCHAFT IN WIEN Feuer-, Einbruch-, Transportversicherungen alier Art, Hagel« und Tierversicherung, Kautions-Veruntreuungsversicherung, Maschinenbru<:hversicherung, Unfall- und Haftpflichtversicherung zu vorteilhaftest en B edingunge» Direktion: WIEN, IX. KO LI NO ASS E NUMMER 6 Generalrepräsentanz: WIEN, I. DOMINIKANERBASTEI 21 5 könnte tragische Folgen haben. Der vordere Orient ist ein Gebiet, das angefüllt ist mit politischen Problemen und Spannungen. Nicht nur die dort lebenden Völker sind durch tiefste Gegensätze nationaler, religiöser und wirtschaftlicher Art zerspalten, auch fast jede europäische Macht hat in diesem Gebiet, in dessen Mitte Erez Israel gestellt ist, Interessen und Machtpositionen zu verteidigen. Das bübische Dominion Palästina wäre ungleich stärker in dies« Spannungen hineingezogen, als das unter dem Schutz des Völkerbundes stehende, offiziell neutrale Land. Kriegerische Verwicklungen, die jeden Augenblick zum Ausbruch gelangen können, sind für Palästina, wenn es . sich in den Bau des britischen Reiches eingefügt hat, viel eher gefährlich, als für das Mandatsland, wenn auch das seif, goverment der Dominions ihre rechtliche Selbständigkeit unberührt läßt. Die zionistische Idee hat ihre greifbare politische Gestaltung erfahren durch den Autor des „Judenstaat es"; es ist nicht das Ziel dieser Idee, das jüdische Volk in ein neues Abhängigkeitsverhältnis zu bringen, und handle es sich auch nm eine Union, die die größten praktischen Vorteile bietet. Daß unsere Arbeit um ein Vielfaches erschwert wäre, wenn unsere Geldsammlungen und politischen Aktionen dem Aufbau eines unter englischer Hoheit stehenden Landes gelten, ist hier schon überzeugend dargetan worden. Wir danken dem englischen Volke die Balfour-Deklaration, wir danken dieser großen Nation, daß sie uns den Start gesetzt hat, von dem aus wir die Möglichkeit haben, unsere Ideale zu verwirklichen. Aber diese Dankbarkeit darf uns nicht dazu führen, die Ziele unserer Bewegung umzubiegen nach einer Seite, die mit unserem Urideal keine Gemeinsamkeit mehr hat. Wedgewood schlägt vor, Palästina solle, bis eine jüdische Mehrheit das Land besiedelt, englische Kronkolonie werden und er macht, daran besteht kein Zweifel, diesen Vorschlag m treuestem Glauben an seine Durchführbarkeit. Wie aber, wenn diesem Ziele sich Hindemisse an den Weg stellen? Ist erst einmal dieser Weg eingeschlagen, dann liegt es nicht mehr bei uns, zu entscheiden, wie er weiterführt. Es kann dann der Fall eintreten, daß Palästina eine von einer arabischen Bevölkerungsmehrheit besiedelte britische .Kolonie bleibt, daß unsere Zukunftshoffnungen ewig unerfüllt bleiben. Dann hat nicht'einmal der Form nach eine „Jewish Agency", als welche dem Mandate nach die Zionistische Organisation heute doch starken Einfluß nehmen kann, bei der Verwaltung des Landes die Regierung zu unterstützen, dann sind wir faktisch und' rechtlich abhängig von jden' Ehtscheidnrigeh des Cblöniai"Office und des jeweiligen englischen Gouverneurs. Und noch ein Gesichtspunkt sei" zum Schluß hervorgehoben, dessen Bedeutung nicht unterschätzt werden darf. Als die Institution der Mandate geschaffen wurde, ging man von der Erwägung aus, den immer stärker sich breitmachenden Tendenzen eines ungesunden Imperialismus Einhalt zu gebieten. Man wollte eine Regierungsform aufrichten, die, bei Einräumung weitester wirtschaftlicher und politischer Vorteile, dem regierenden Staate nicht das Recht kolonialer Okkupation verleihen sollte. Diese Mandatseinrichtung bedeutete einen Schritt auf dem Wege zu einer freiheitlichen Entwicklung der Bevölkerungen politisch weniger entwickelter Territorien und damit, da das Mandat unter der Kontrolle Genfs steht, zu einer freiheitlichen und friedlichen Entwicklung internationaler Beziehungen überhaupt. Wir Juden haben oft mit Recht als Vorkämpfer einer solchen Entwicklung gegolten, wir haben darauf hingewiesen, daß die Idee des Völkerbundes, bei aller Kritik der Institution im einzelnen, Erfüllung alter jüdischer Prophetenverheißungen sei. Wir haben aus dieser Einstellung heraus alle die politischen Instrumente, mit denen eine Aufrechterhaltung des Weltfriedens erreicht zn werden schien, begrüßt, die Schaffung der Mandate, die Verkündung der Minoritätenrechte und so fort. Wir haben diese Rechte als erste propagiert, nicht aus egoistischen Interessen, sondern aus dem Streben nach einem allgemeinen, alle Völker befriedenden pazifistischen Ideal. Und wir Juden sollen die ersten sein, die aus einem utilaristischen Grunde, einer politischen Zweckmäßigkeitserwägung heraus, unsere Idee kompromittieren? Wir sollen die ersten sein, die einen Stein aus dem mühsam errichteten, noch nicht zu Ende gebauten Haiuse der internationalen Völkerverständigung und Völkerbefriedung herausreißen? Es wäre das ein Angriff auf unsere jüdische Idee, auf die Weltgeltung der jüdischen Kultur und des jüdischen Volkes, für die die blau-weiße Zionsfahne in erster Linie zu kämpfen berufen ist. Die zionistische Welt hat unverrückbar dem Judenstaatsgedanken ihres Führers Theodor Herzl in seiner Klarheit und Reinheit treu zu bleiben. Nur einmal im Jahr haben Sie Gelegenheit, Qualitätsschuhwaren au so unerhört herabgesetzten Preisen zu kaufen — im DePKa-Scwranerrättmungsverkauf. Siehe Inserat Seite 7. /

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