Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 2 (1928)
- Issue
- Heft 35 (18.5.1928)
- Date
- 1928-05-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 ^— —i— DIE NEÜfi WELT Seite If solchen Wald aufzuspüren. Gott, hat mir geholfen und ich habe ednen gefunden. Aufgespürt habe idt ihn, wie es gewöhnlich ist, durch einen Makler. Doch das tut ia niohts. Möge Gott mir ein Geschäft geben und es soll ein Geschäft werden, dann ist noch genug Verdienst für zwei. Wie ich nun zu dem Käufer gekommen bin und ihm erzählt habe, daß ich einen Wald aus den ersten Tagen der Schöpfung habe, von einer Seite die Bahn, von der anderen den Fluß einen Baum schlagen, plumps ins Wasser zur Säge — da hat ihm das Geschäft sofort gefallen. Er hat mich sofort hergenommen und hat mit mir ein Verhör angestellt über den Wald: wie der Wald heißt, wo er steht, was für Bäume dort wachsen, wie hoch die Zweige über der Erde beginnen, wie hoch die Stämme sind und wie breit, was für eine Rinde sie haben, wie die Ringe innen verlaufen, wie man dorthin fährt, wie der Weg ist und ob dort im Winter Schnee fällt?" ... Kurz und gut, er hat mich mit Fragen überschüttet und mich nicht zu Worte kommen lassen. Endlich, zum Schluß, schreit er mich an: „Was nützt das leere Reden? Bringt mir einen .Plan' des Waldes, dann werden wir weiterreden!" „Wozu braucht.Ihr", sage ich, „Pläne? Ich habe mehr; ich mache mir einen Sprung da hinüber und bring« Euch den Verkäufer selber. Der Besitzer des Waldes ist doch mehr wert als tausend Pläne!" Ktir2 und gut, ich lauf z>u meinem Verkäufer, fasse ihn und schleppe ihn geradewegs zum Käufer. Wie der Käufer und der Verkäufer einander sehen, fangen sie Dir beide an zu lachen, daß ich meine, Jettt trifft sie beide der Schlag. „Das ist Euer Besitzer des Waldes?" fragt mich der Käufer. „Das ist Euer Käufer für den Wald?" fragt der Verkäufer. Indes öffnet sich die Türe und es treten noch zwei Juden ein. Es wird nicht mehr viel geredet, man holt die Karten, alle vier setzen sich zu einer Partie „pko" nieder. Und das Geschäft Ist, mit Gottes Hilfe, auf morgen verschöben. Da ich. Jedoch sehr beschäftigt bin und keine. Zeit habe, fasse ich mich kurz. So Gött will, werde ich Dir im nächsten Brief alles genau berichten. Jetzt gebe Gott nur Gesundheit und Glück. Grüß' Schwiegerväter und Schwiegermutter und die Kinder, sie sollen leben, jedes' extra sehr herzlich von Deinem Gemahl M e n a c h e tn Mendel. (Fortsefczunc folgt.) E MUTTER ROMAN VON SCHALOM ASCH. Copyright by Dr. Präger-Pressedienst, Wien. Die Mutter klagte: „Wie der Junge noch da war, so habe ich, wie es aucSi sein mochte, doch dann und wann einen Groschen gesehen. Es kam doch mimer wieder ein frischer Groschen herein. Jetzt aber ist es. zum Sterben arg." Der Vater sagte: i „Du hast doch eine Maschine im Haus?" „Karin ich sie essen?" — fragte die Mutter. „Dwojrele ist doch unberufen schon ein erwachsenes Mädel, warum soll sie bei fremden Leuten angestellt sein, fremden Leuten ihre Arbeit und Mühe verdingen für einen oder zwei Gulden in der Woche?" „Fängst du schon wieder mit Dwojrele an? Du hältst dich immer nur an Dwojrele, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt." „Und es ist doch so — warum so'll Dwojrele nicht selbst eine Schneiderei eröffnen, sondern für andere arbeiten,?" „Ich werde nicht'zugeben, daß das Kind schon von kleidi auf ins Joch muß. Ich'weiß, wenn ich sie einmal an die Maschine setze* so wird sie schon dabei••sitzen 'bleiben.'*' - „Was tut sie denn jetzt — tanzt sie vielleicht?" „Aber sie ist doch noch ein Kind!" Es half nichts. Die Mutter selbst rief Schmu»!, den Agenten für Singer-Maschinen, zu* sich und (5. Fortsetzung.) Gleichenberg Streng orthodox *it#5 Hotel-Restaurant „Thereslenbof" Schöne ein- und zwelbettfge Zimmer. Vorzügliche und billige Pension. Restaurateur üoldmann aus Budapest. gesucht! Der Verein jüdisches Schwesternhelm >n Zurleh (Sehwels) mit/eigenem Schwesternhelm suohtzum baldigen Eint itt unter günstigen Anstellungsbedingungen el^ge tüchtige, jüngere, staatlich geprüfte jüdische Krankenschwestern für Ambulanz- und Dauerpflege (im Hause der Patienten). Beste Zeugnisse sind absolut erforderlich. Ausführliche Offerte, mögliohst unter Beilage einer Photographie, erbeten an den Aktuar des Vereines F.Hz Nordmann, TfldlstruBe 67, Zürloh UND VEREINIGTE VERSICHERUNQS- AKTIENGESELLSCHAFT IN WIEN Feuer», Einbruch-, Transportversicherungen aller Alt, Hagel- und Tierversicherung, Kautions-Veruntreuungsversicherung, MascWnenbruchvereich( ung, Unfall- und Haftpflichtversicherung zu vorteilhaftesten Bedingungen Direktion: WIEN, IX. KOLINGASSE NUMMER 6 Generalrepräsentanz; WIEN, I. DOMINIKANERBASTEI 21 sa tauschte die Steppmasobine gegen eine Nähmaschine ein, gegen Ratenzaihlunigen von einein Rubel wöchentlich. Der Vertrag mit Feigele, der Schneiderin, wurde gebrochen und Dwojre mitten im Lehrjahr aus der; Werkstätte genommen. „Ich weiß, mein Kind," — sagte die Mutter zu Dwojrele, als sie sie zu Hause an die Nähmaschine setzte — „ich weiß, daß ich dich wie einen, Ochsen ins Joch spanne. Hab' ich aber einen anderen Ausweg? Kann ich mir anders helfen? Wahrscheinlich ist das schon mein und dein bitteres Schicksal;" .... Dwojrele verstand nicht, warum die Mutter so klagte; im Gegenteil, sie kam'sich völlig erwachsen vor, da sie auf eigene Faust zu arbeiten begann, und war stolz darauf: . „Mutter, es ist besser» daß ich mein eigener Herr bin, statt ein.es anderen Hand." Fünfzehn Jahre war Dwojrele alt, als sie es unternahm, selbst erne Schneiderei zu eröffnen und jeden Tag die Mutter mit. „einem frischen Groschen" zu versorgen; sie war stolz darauf, daß sie schon erwachsen towar und der ^Mutter helfen konnte, das Haus zu erhalten. Die Mutter aber hörte nicht auf z» klagen und zu jammern: * „Meine Tochter, es ist mir, als hätte; icfo ei» Joch auf deinen jungen Nacken gelegt." Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter war ein solche®, als wären sie beide eine Person «Niemand kannte das Leid und Weh der Mutter so wie Dwojrele, vom ersten Tag an, da sie imstande war, zu denken — und daß Dwojre der Mutter half, geschah nicht etwa aus freien Stücken (Dwojre hielt sich deshalb gar nicht für ein gutes Kind), sondern es geschah deshalb, weil sie ebenso wie die Mutter die Pflicht zu sorgen fühlte. Es war, als hätte sich diese Pflicht auf ihre jungen Schultern gelegt, noch zu der Zeit, da sie ein, kleines Kind war. Deshalb war auch Dwojrele verwundert, daß die Mutter immer klagte, und antwortete: „Kannst.du dir denn anders helfen,. Mutter? Was kannst du tun?" — dabei verschräntke sie ihre jungen Arme, wie es die Mutter tat. „Du bist doch ein Mädchen, es wäre doch genug, wenn du für dich selbst sorgst" — entgegnete die Mutter. Dwojrele überlegte eine Weile. Zuerst verstand sie nicht, was die Mutter meinte, dann wurden ihre länglichen, Wangen unter dem schwarzen Kraushaar über und über rot: „Ich habe noch Zeit, für mich zu sorgen.. Seit je, noch zu der Zeit, da Dwojre ein Kind war, hatte die Mutter ihre Sorgen mit ihr geteilt. Sie hatte niemanden, dem sie ihr volles Herz ausschütten, ihre Plage erzählen und bei dem sie sich Rats holen konnte, außer Dwojrele. .Mit dem Vater konnte sie über diese Dinge nicht sprechen, denn erstens war der Vater stets mit tausend Plänen beschäftigt Jeden Tag brachte er einen anderen Plan vom Markt mit; als Sodawasser in Mode kam, ging er daran, eine Sodawasserfabrik zu errichten, ein anderes Mal hatte er schon einen Kompagnon, um die Windmühle zu pachten. Jedesmal hing die Ausführung der Pläne „an einem Haar". Ein anderes Mal hatte der Vater sogar eine Lottokollektur gekauft, doch auch da hing es „an einem Haar". Ueberdies war der Vater stets mit Gemeindeangelegenheiten beschäftigt. Niemand in der Stadt außer Ansehe! mischte sich in Gemeindeangelegenheiten und niemand außer Anschel kümmerte sich darum, ob der neue Schächter ein Chassid oder ein Misnagid ' war, ob der Chasen ein „Litauer" war und, ob der Rabbi am Nachmittag mit seinen Schülern lernte oder sich lieber .schlafen legte. (Fortsetzung folgt.) \ Berücksichtigen Sie im Bedarfsfalle stets die Inserenten unseres Blattes und berufen Sie sich immer auf „DIE NEUE WELT" SCHILLERS WERKE Jeder Leser' dieses Blattes, der den unten angefügten Abschnitt innerhalb 10 Tagen an unser Wiener Hauptkontor einschickt, erhält gratis ab Verlag ein vollständiges Exemplar unserer neuen großen Ausgabe der Werke von FRIEDRICH von SCHILLER in 24 Bänden, enthaltend etwa 4200 Seiten. 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