Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1928-01-06 · Heft 16 (6.1.1928) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
2 (1928)
Issue
Heft 16 (6.1.1928)
Date
1928-01-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2711613-2711630-2711631--0201-2713326
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Preis 30 Groschen V. b. b. DIE NEUE WELT BEZUGSBEDINGUNGEN Oesterreich monatlich S 1.50, vierteljährig S 4.20, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 2.—, vierteljährig Zloty 6.—; Tschechoslowakei mona'lich Kc. 6.-, v'ertcljahrte Kc. 15-; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vlertel ährlg Dinar 40.-; Rumänien monatlich Lei 40.— vierteljährig Lei 120.—. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion und Verwaltung: Wien, IX., Universitätsstraße 6—8 Telephon: A25-2-82 BEZUGSBEDINGUNGEN: Deutschland monatlich Mark l.— vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 20.-, vierteljährig Lewa 60.—; Hallen monatlich Lire , vierteljahrig Lire 14.—; Schweif und die übrigen Länder mo atllch Schwei/er Francs 1.50, vlertelj.il rlj Schweizer Francs 4.50. Erscheint federt Freitag Jahrgang 2 Freitag den 6. Jänner 1927 Nr. 16 Aus dem Inhalte: j^leginu^^plwri Rundschau: Ein herrliches Jubiläum. — Der Krieg gegen den jüdischen Studenten. — Wie in Deutschland Stimmung gemacht wird. Robert Stricker: Arabische Arbeiter gegen jüdische. Dr. Fritz Löwenstein: Brief aus Palästina. Arnold Zweig: Die Juden als Mittelmeervolk. Wladimir Tlomkin gestorben. —y: Ester Kaschowy. Die Judenverfolgungen In Rumänien. Der Arierparagraph im österreichischen Skiverband. Aus Palästina. „Jonny spielt auf." Aus der judischen Turn- und Sportbewegung. Dr. Sanel Beer: Die vererbbaren Krankheiten. Die jadischen Sendungen der „Ravag". Jüdischer Humor. Austritte ans dem Judentum. Schalom Asch: Die Zauberin von Kastilien. WURSTEL-BIEL I. Schottenring 14 und |. Führichgasse 3 Gwiffat reiros, heuiiges Gänseschmalz per Kg. $ 4.- Pür Wiener Kunden bei Abnahme von 5 Kg. Franko Zuste lung An die Leser! Die »Neue Welt" beginnt mit der vorliegenden Ausgabe den zweiten Jahrgang. Dieses Blatt, das zu Ende September herauskam« bat sich in kürzester Frist durchgesetzt. Das Wagnis, 4&s wir unternommen haben, ist zu einem in der Beschichte der jüdischen Presse beispiellosen Erfolg geworden. Die »Neue Welt" hat sich sehr rasch einen großen und treuen Leserkreis erworben, ihre Bedeutung reicht heute, kaum ein Vierteljahr nach ihrem ersten Erscheinen, über die Grenzen Oesterreichs hinaus und die vielen Bestellungen, die aus dem Ausland, aus Uebersee, aus Erez Israel kommen, zeigen uns, daff unsere Arbeit überall, wo Juden leben, verstanden, geschätzt und gewürdigt wird. Wir gehen in den zweiten Jahrgang, unbeirrt durch Anfeindungen, unbeeinflußt von Gerüchtemaeherel und unsinnigen Ausstreuungen. Die „Neue Welt" setzt ihre Arbeit fort, sie bleibt ein Organ des kämpfenden, arbeitenden und hoffenden Judentums; sie dient keiner Gruppe, sondern dem gesamten jüdischen Volk; sie bleibt weiter die Stimme einer selbstbewußten, stolzen Nation. Die „Neue Welt" dankt allen, die mitgeholfen haben, dieses Organ zu schaffen, und sie wird ihren Dank dadurch ausdrücken, daß sie sich auch weiterhin bemühen wird, die Sache der Jüdischen Gesamtheit, des jüdischen Hauses, der jüdischen Volksidee rückhaltslos und frei von Sonderinteressen zu führen. «.BÄSCH, IV. AftQENTlNifcK&TtfASSE Kr. 2* KOHLE * KOKS T«\51>2-87 ANTHRAZIT W. 56-403 Rabattsektloit dm* KEREN KAIEMETH Ottokar Czernin als antisemitischer Hetzer. Ein Bubenstreich des gewesenen Außenministers, Ritters des Goldenen Vlieses, Geheimrates usw. und Grofischiebers. Die antisemitische Literatur ist um ein wertvolles Exemplar bereichert worden. Der gewesene Außenminister der österreichisch-ungarischen Monarchie, Graf Ottokar Czernin, welcher in den letzten Kriegsjahren eine so verhängnisvolle .Rolle gespielt hat, ist nunmehr unter die Bücherschreiber gegangen. Er hat im Amaltfoea-Verlag ein „Tagebuch" erscheinen lassen, welchem wir folgende Stelle entnahmen: „Im Hafen von Tonga habe ich einen merkwürdigen Fisch gesehen, den Sonnen fisch. Der Fisch ist einen Meter lang, ebenso breit und einem großen Teller ähnlich. Der Teller hat aber ein Gesicht wie ein jüdischer K r i e g s g e w i n n e r: Eine krumme Nase und ein Maul mit ekelhaft e n f 1 e i s c h i g e n L i p p e n. Ich habe dieses Gesicht auf der Wiener Ringstraße und der Kärntnerstraße gesehen und sein Anblick hat mir den Abschied von Wien so leicht gemacht und jetzt finde ich den Typus am Aequator mitten im Meer. In dem Augenblick, in dem die Gesichter der europäischen Kriegsgewinner — einerlei ob in Wien und ÖerHn 'od.et-itf^U»i^r^^^s '— dank ihrer Aehntichfceit mit dem Sonnenftech an mir vorüberziehen, frage ich mich, ob die Bemerkung des Schiffsoffiziers, der Sonnenfisch sei ungeheuer dumm, richtig sei. loh glaube nicht, daß es die Dummheit ist, die uns diese menschlichen Sonnenfische so unsympathisch macht. Heute, acht Jahre nach dem Kriege, sehen wir doch klarer und können «ns fragen, ab es wirklich die Entente ist, die den Krieg gewonnen hat. Ob dieses Frankreich mit seihem entwerteten Franc soviel zufriedener sein kann als das arme, geschlagene Deutschland, und ob nicht auf der ganzen Weit für jene Elemente geblutet und gearbeitet wurde, welche diesem vorbeischwimmenden Sonnenfisch so verzweifelt ähnlich sehen!" Hitler, Ludendorff, Ford, der „Hammer' -Fritsch, die magyarischen und rumänischen Pogromisten haben nun einen funkelnagelneuen Kronzeugen für Ihre alte Behauptung, daß sich die Juden am Blute und den Leiden der Christen im Kriege bereichert haben, daß sie die Völker in den Krieg, in die Schützengräben gehetzt haben, um ihnen bequemer die Taschen leeren zu können, den hochedlen Grafen Ottokar Czernin, den Ritter mit den „Sonnenfischen". Czernin muß es ja am besten wissen. Er war ja dabei und ist der erfahrenste Fachmann auf dem Gebiete der blutsaugerisclien, ekelhaften, schandmäuligen jüdischen „Sonnenfische". Woher seine Sachkenntnis stammt, sei liier kurz skizziert. Zwei Jahre nach dem Kriege wollte Czernin die politische Laufbahn einschlagen und nach gründlicher, aber erfolgloser Anbiederung bei allen Parteien ging er zu den — Sonnenfischen. Er meldete seine Kandidatur im Wiener Kaiviertel an, dem Sitze der jüdischen Kaufmannschaft, wo die Stimmen jüdischer Händler, Kaufleute und Agenten bei der Wahl den Ausschlag geben. Seine Erlaucht schickte den ekelhaften Sonnenfischen seine gekrönte Visitkarte ins Haus, dann schnorrte er höchstpersönlich um Beiträge für seinen Wahlfonds, dann hielt er intime Besprechungen ab, kroch vor den männlichen, runden Sonnenfischen in aristokratischer Schlangenwindung hm und her, tätschelte ihnen leutselig den Bauch und schleckte den noch runderen weiblichen. Sonnenfischen die Hände ab, ritterlich galant. Und der oben erwähnte ,$ohiffsoffizier scheint mit seiner Behauptung von der Dummheit der Sonnenfische nicht ganz im Unrecht zw sein?~ die Wiener Sonnenfische gaben dem bOaublütigen Schnorrer Geld und wählten ihn ins Parlament. Im Parlament vergaß jCzerain seiner jüdischen politischen Giätibiger — das soll so im blauen Blute liegen — und tat sehr christlich und antisemitisch. Das hat die dummen Sonnenfische wieder etwas gescheiter werden lassen. Bei der nächsten Wahlwerbung gaben sie ihm den Fußtritt, pardon den Hieb mit der Flosse und Czernin flog aus dem Parlament hinaus. Vielleicht hat ihm das den Abschied von Wien mehr erleichtert als das fleischige Maul der Sonnenfische. Diese Episode läßt schon ahnen, daß eine gute Portion Frechheit und Lumpengesinnung unterm Goldenen Vlies des Grafen Czernin steckt. Aber das Riesenausmaß dieser lumpigen Frechheit wird erst erkennbar, wenn man Sr. Erlaucht aufs „wirtschaftliche" Gebiet folgt. Als österreichischer Gesandter in Bukarest, während des Krieges, hat sich Czernin bei allen Lebensmittel- und Waffentransporten nach Oesterreich als Pr ovisi on sagen t jüdisch e r H ä n d 1 e r b e t ä t i g t. Er hat seine Stellung als Gesandter ausgenützt, um Riesenprovisionen abzupressen. Bei jedem Kilo Mais und Korn mußte das ausgehungerte, verzweifelte Oesterreich dem Gesandten, Geheimrat und Grafen Ottokar Czernin grau* sarhen Ueberprofit bezahlen. Ohne diese Blutsteuer kam kein Bissen in derf Mund hungernder Kinder, Krauen und Greise. Czernin war es, der seinen blutenden und leidenden Mitbürgern und Mitchristen im Karrrpfgewühl die Taschen leerte. Jetzt aber lümmelt er gemästet an Bord eines Salondampfers und sagt, daß es die bösen, ekelhaften jüdischen Sonnenfische gewesen sind. Nach dem Kriege entfaltete sich das Schiebertalent des Sprößlings altadeligen Geschlechtes zur vollen Blüte. Er bot seine Dienste, sein Ansehen, sein Adelspatent, seine große Vergangenheit jüdischen, Händlern — wohlgemerkt, n u r j ü d i s c h e n H ä n d- 1 e r n, Sonnenfischen — zur gefälligen Benützung an. Er vermittelte vorerst die Gründung einer Gesellschaft von Ausländern zum billigen Aufkauf von Häusern im „armen, geschlagenen Deutschland". Einem Grafen Czerntn gehen Dinge eben glatt hin, für die em gemeiner Sottnerafisch auch ins Zuchthaus kommen kann. Für diesen Dienst ließ sich Czernin eine Riesenprovision bezahlen — sie geht in die zehn Millionen Schillinge —- und sitzt noch heute im Verwaltungsrat dieser Gesellschaft, mit lauter jüdischen Sonnenfischen. Zufolge seiner Beziehungen kam Se. Erlaucht zur Kenntnis, daß in Deutschland ein Gesetz für die Aufwertung der Häuserhypotheken geplant sei. Flugs gründete Se. Exzellenz eine Gesellschaft zum Aufkaufe von Hypotheken für Spottgelder und betrügt so die „armen, geschlagenen Deutschen" um die Wohltat des Gesetzes. Um die Opfer gräflicher Schlauheit gehörig vorzubereiten, souteniert die Corwin-Gesellschaft einen „Salon44 in Berlin, den ein. getaufter weiblicher Sonnenfisch leitet. Czernin sitzt mit diesem weiblichen Sonnenfisch In einem Verwaltungsrat. Um das Geschäft zu beleben, benütz* der Agent Czernin noch blaublütigere Unteragenten. Zwei Österreichische Erzherzoge arbeiten für ihn in spanischen und holländischen Holzgeschäften. Er speist sie mit einem Bettel ab und stopf sich die Taschen voll. Er schröpft aber nicht nur die Kunden, er schröpft auch seine Auftraggeber, die jüdischen Sonnenfische. Wenn sie ihm nicht geben, was er will, dann drohterihnenm itseinenBeziehu Ilgen als Graf, Gesandter, Minister usw. Er läßt sich dann Gauner nennen von den düpierten Sonnenfischen, er steckt es ruhig ein, wenn er nur zu seinem Gelde kommt, und setzt sich wieder mit ihnen zusammen, zu neuen Geschäften, der edle Herr Graf mit dem Goldenen Vlies. Die Galerie antisemitischer Ehrenmänner ist um ein Prachtstück vermehrt, um Czernin, den Mann mit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.