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Der neue Anfang · 1919-02-01 · Heft 3 (1.2.1919) · page 7

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Journal
Der neue Anfang
Volume
1 (1919)
Issue
Heft 3 (1.2.1919)
Date
1919-02-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Hauptthema ist der Haß zweier sich folgender Generationen gegeneinander, umspielt von den üblichen Nebenthemen aller Pubertätsschilde« rungskunst, erste Liebe, Selbstmord und dergleichen. Der Vater versucht vergeblich aus dem Sohne „etwas zu machen", und das ihm zur Rechtfertigung seines eignen einstigen Abfalls von der Jugend zu Trost und Rechtfertigung dienen können: lauter väterliche, besorgte und wohlgemeinte Quälerei, die sich durch das Ressentiment, aus den wiederholten inneren Abfuhren von Lasten des Sohnes zu einer bösen, gereizten, tyrannischen Haltung entwickelt. Der „Anfang" galt nie als „gesellschaftsfähig". „Der Sohn" dagegen ist es. Das kommt daher, daß Hasenclever die Gegensätze überspannt und die Typen karikiert, während der Anfang sich bemühte, ein wirklich treffendes Bild der Wirklichkeit zu kritisieren, mit all ihrem Mangel an großer Bosheit, mit ihrer kleinen Nörgelei, ihren liebevollen Gemeinheiten und ihrer unerträglichen Trägheit. Wo der Spießer sich selbst getroffen fühlt, da stempelt er etwas zum „nicht gesellschaftsfähig" und gestattet sich damit, sich die Ohren zuzuhalten. Aber wo ihm Bosheit im Großen entgegentritt und er die Möglichkeit hat sich auf die Brust zu schlagen und Gott zu danken, daß er nicht sei wie dieser, da mag er dann die Aufführung getrost verlassen, zufrieden, daß den Bösen die Strafe ereilte. Ach, wäre er wie jener, unser Kampf könnte größer und wohlgeplanter ausgefochten werden! Die Wirkung des Dramas ist ausgedehnt auf Kosten ihrer Tiefe, Der Kampf gilt nicht dem Mittelmaß sondern der großen Schlechtigkeit. Aber, gemäß der geschichtlichen Wandlung ist der Feind heute nicht,, wie im: Mittelalter, die raffinierte Bosheit königlicher Menschen wie sie die katholische Kirche einst hervorbrachte, sondern die ungreifbare Realität einer öffentlichen Meinung, für die niemand verantwortlich und jeder an seinem Teil schuld ist. Tugend tut der Welt not voll srtolzer Gleichgültigkeit für alle Belanglosigkeiten und voll unbeirrbarer Freude am Kampf gegen Niedrigkeit, Lüge und Feigheit. Schon dieser Kampf heiligt den Kämpfer. Aber Jugend erschöpft sich nicht, wie ein „Sohn" in lyrischen Ergüssen und dem Erlebnis mit einer Courtisane, sind das ja doch auch grade die jugendlichen Äußerungen, für die unsere liberale alte Generation noch das tiefste Verständnis zeigt. So mag ein großer Teil der Wirkung nur ein Lufthieb sein. Geringer ist die künstlerische Seite zu bewerten. Wir sind es durch Edschmid und auch Heinrich Mann gewöhnt, "statt eines wirklich schöpferischen Flusses des Lebens nur sein kinematographtsches Abbild zu erhalten. Hasenclevers Werk ist, wie jene der Form nach; die inhaltliche Seite dieser Strömung. Ohne pathologische Motivation und Giftselbstmord kommt auch er nicht aus. Solche „Fin de siecle- Stimmung" sollte endlich durch ein freudiges und heilig-nüchternes Wollen ersetzt ^werden. 43

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