Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1919)
- Date
- 1919-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Revolutionspredigt eines Zwanzigjährigen an seine jüngeren Kameraden in den Tagen der Regierungserlasse, die auch den Schülern weitgehendes Selbstbestimmungsrecht einräumen. Kameraden, Euere Bravheit ist zum Heulen! Jetzt wo die Tore zur Freiheit offen stehen, wo es nur gilt von ihr Besitz zu ergreifen, sie sinnvoll zu gestalten und fruchtbar werden zu lassen, jetzt steht ihr und wehrt euch gegen die neue Freiheit! Ach, soweit hat man euch gebracht, daß ihr nicht einmal mehr den Mut dazu habt. Sondern seid wie jene jungen Adler, die man im Käfig aufgezogen hatte mit Milch und Brödchen. Und die, als der Besitzer starb und der Erbe die Tore des Käfigs öffnete, sich verkrochen hinter den Freßnäpfen und ängstlich zitterten und von Schwindel ergriffen wurden. Auf, Kameraden, wischt euch den Schlaf aus den Augen! Übt eure Schwingen und wagt den Flug ins neue weite Land! Ihr schlagt die Augen nieder? Ihr zögert? Durchschaue ich euch? Fort mit der Maske der Bravheit und mit der scheinheiligen Geste guter Erziehung! Seid ihr zu faul für die neue Zeit? Lässig und träge laßt ihr euch lieber gefesselt mit verbundenen Augen und geknebeltem Mund zur Krippe führen, wo man euch in mundgerechten Bissen verfälschte Nahrung vorsetzt, als daß ihr mutig den neuen Weg wagtet. Ihr spürt wohl, daß er nicht ohne Gefahr ist, denn er geht in unbekanntes Neuland und keine Wegweiser nehmen euch die Mühe eigenen Suchens ab! Ich weiß, es ist nur zum Teil eigene Schuld, die euch jetzt so hilfloj sein läßt: Von Klein an hielt man euch in den engen Schranken der Familie zurück. Ihre Begrenztheit lehrte man euch als Ideal, denn nur zu gut wittern Eltern und Erzieher, daß der Geist der Tage, des Kompromisses und der Bequemlichkeit, der sich in ihnen festgenistet hat, gefährdet ist, wenn, ihr junge, euch zusammenfindet und im gemeinsamen Erlebnis eurer Not die vereinten Kräfte wachsen zu sieghaftem Ansturm und dem Wagnij eigener Lebensgestaltung. — Wie ging es uns doch? Es ist noch garnicht so lange her. Wir waren Obertertianer an einer Schule in der manch freierer 3