Der neue Anfang
- Journal
- Der neue Anfang
- Volume
- 1 (1919)
- Issue
- Heft 2 (15.1.1919)
- Date
- 1919-01-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Fräulein'' sagt er. Als ich noch ein kleiner Bub war, mußte ich in der. Kinderstube bleiben." 5. Als jemand den Jungen mit „Herr" Sö-»und-So anredet, heißt es: „Herr heißt der Bub schon!!" 6. Ein Vater, der mit seinem Sohn spazieren ging, trifft einen Bekannten \und das Gespräch kommt auf eine Einladung, die der Junge erhalten hat: er soll ^iie Ferien auf einem Jagdhaus verbringen, das dem Vater eines seiner Freunde gehört. Sein Vater erzählt, daß er nicht dorthin gehen kann, weil die Einladung zurückgezogen wurde. „Ach, was waren wir damals so unglücklich!" sagt er und tätschelt seinem Jungen das Haar, „fast den ganzen Tag hat der Junge geheult, Kinder nehmen ja alles so schwer." 7. Ein Bekannter von auswärts kommt nach zehn Jahren wieder zu Besuch. Er erkundigt sich nach der damals fünfjährigen Tochter des Hauses. Sie wird ins Zimmer gerufen: „Welche Ehre für Dich Hilde, Herr X. hat gleich nach Dir gefragt. Und dabei spielst Du doch mit Puppen!" Und dann wird in Gegenwart des fünfzehnjährigen Mädchens erzählt, wie kindlich sie noch sei (sie ward von jetzt ab nie miehr mit Puppen spielen!), und dann, daß sie in der Schule schlecht stehe und faul sei, sie könne viel meh.r arbeiten, usw. Damät es das Mädchen auch gewiß merkt und hört, werden ihr bei der Erzählung lächelnde Blicke zugeworfen. Das ganzer gilt vielleicht als besondere erzieherische Weisheit. Jen habe nur alltägliches erzählt... Jen rege mich über Kleinigkeiten, Nichtigkeiten auf, sagt man mir, durchdrungen von dem gewichtigen Ernst seiner Berufssorgen, Geschäftsaufregungen, Geldschmerzen. Gewiß, für die Welt ist der Schmerz eines Kindes sehr gleichgültige sein verletztes Fühlen sehr nebensächlich1. Aber von solcher hohen Warte aus ist Euer ganzes „ernstes" Leben nicht minder töricht, nicht minder klein. Und wenn Ihr verlangt, däß ich Euch ernst nehme, dann habt Ihr kein Recht, die Kinder und" ihre ebenso quälenden Sorgen und Schmerzen zu mißlachten. Und außerdem: Arbeit verlange ich nicht von Euch', 22