Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 3 (1929)
- Issue
- 6 (Dezember 1929)
- Date
- 1929-12-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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ist als bei den übrigen Konfessionen und daß die Medizin-Studierenden jüdischer Konfession erst im Wintersemester 1928/29 eine Zunahme aufweisen, während vorher ein ständiger Rückgang festzustellen war. In welchem Ausmaß der Anteil der Juden am Studium im Vergleich mit Protestanten und Katholiken größer ist, als ihrer Bevölkerungszahl entspricht, ersehen wir aus folgender Tabelle: Tabelle IV. Unter 100 auf preußischen Universitäten studierenden Reichsangehörigen befanden sich: Im Durchschenitt Evangelische Katholiken Juden der Jahre 1886/87—1891 71.9 18.7 9.0 1891/92—1895/96 69.1 21.4 9.0 1899—1899/1900 66.8 24.6 8.1 1911/12 66.4 27.5 5.6 1927/28 62.5 29.0 4.9 1928/29 64.2 28.8 5.4 Relativ, d. h. im Verhältnis zu den studierenden Reichsangehörigen überhaupt, nehmen die Juden bis zum Wintersemester 1927/28 ständig ab. Erst im letzten Wintersemester zeigen sie eine Zunahme. Ob die Kurve nunmehr eine ansteigende Richtung annimmt, möchte ich bei dem großen Mangel an Nachwuchs der deutschen Juden bezweifeln. Immerhin übertrifft der Anteil der Juden am Hochschulstudium noch immer in erheblichem Maße den Anteil der Juden an der preußischen Bevölkerung der bei der letzten Volkszählung im Jahre 1925 1.06 betrug. Es ist sehr wertvoll, daß die Statistik auch genaue Angaben über die Zahl, Konfession und das Studium der Ausländer publiziert. Die letzte zusammenfassende Darstellung für die Vorkriegszeit bildet einen Bestandteil der Erhebung von 1911/12. Es wurde damals festgestellt, daß die Zahl der Ausländer an den deutschen Universitäten sich in den 10 Jahren von 1901/02—1911/12 schneller vermehrt hat als die Gesamtzahl der Studierenden (absolut von 2564 auf 4186), so daß der prozentuale Anteil von 7.36 auf 7.91 gestiegen war. Der Hauptteil der Steigerung entfiel auf die Russen. Während die Gesamtzahl der Ausländer in den 25 Jahren von 1886/87—1911/12 fast um das iy2fache (148.93 Prozent) wuchs, versiebenfachte sich die Zahl der Russen in demselben Zeitraum. Die Zunahme der Studierenden aus Oesterreich- Ungarn, deren Zahl 1886/87 den Russen gleichkam, hielt mit der allgemeinen Zunahme Schritt, sodaß ihr Anteil (ein Sechstel) derselbe blieb. Die Zunahme der Russen in der Vorkriegszeit kam hauptsächlich dem Studienfach der Medizin zugute; neun Zehntel der russischen Mediziner waren Juden, was z. T. mit dem Bestehen eines numerus clausus für jüdische Studierende in Rußland in der Vorkriegszeit zusxouuenhing. 140