Mannheim
Compact Memory

Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge · 1928-11-01 · 5 (November 1928) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
Volume
2 (1928-1929)
Issue
5 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2709108-2709128-2709133--360-2709548
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

In der Ukraina dagegen betragen sie nur 44%, aber sowohl in der Ukraina als auch in Weißrußland ist die Rolle der Juden im Handwerk fast zweimal so groß wie ihre Verhältniszahl zur städtischen Bevölkerung. Im Gegensatz hierzu ist der Prozentsatz der erwerbstätigen Arbeiter bei Juden niedriger. Im Handel dominieren die Juden in beiden Republiken. In der Ukraina betragen die Juden zwei Drittel der städtischen Händler und in Weißrußland 91%, woraus folgt, daß der Handel in Weißrußland sich fast ausschließlich in jüdischen Händen befindet. In der Kategorie der Arbeitslosen ist bei den Juden der Prozentsatz Erwerbstätiger l^m-al größer als bei der ganzen städtischen Bevölkerung. Das Verhältnis der Juden unter den Arbeitslosen ist größer als ihr Anteil an der Bevölkerung. Im übrigen hat sich seit der Zählung des Jahres 1926 die Lage in dieser Hinsicht noch verschlimmert. In bezug auf die Mitglieder der Gewerkschaften ist der Prozentsatz der Arbeitslosen bei den Juden zweimal so groß wie bei der ganzen Bevölkerung. Besonders interessant sind die Daten über die Angestellten. Die Juden sind erst nach der Revolution in den Staatsapparat eingedrungen, es ist deshalb von besonderer Bedeutung festzustellen, welche Rolle sie auf diesem Gebiete spielen. Bedauerlicherweise ist es unmöglich, die Zahl der Beamten allein festzustellen, denn in der Gruppe „Angestellte" figurieren sowohl Beamte und Angestellte der Staatsinstitutionen als auch die Angestellten der Kooperativen, der Industrie und der Privatbetriebe. Die Zahl der Angestellten im privaten Handel und in der Industrie ist klein und unbedeutend. Die Kooperativen aber sind in Sowjet- Rußland de facto staatliche Einrichtungen. Die Angestellten- Ziffern geben deshalb ein allgemeines Bild der Rolle der Juden im Staatsapparat. Die absolute Zahl der jüdischen Angestellten in der Ukraina, in Weißrußland, Moskau und Leningrad ist sehr bedeutend. Aber ihr Verhältnis zur allgemeinen Zahl der Angestellten (und nur in den Städten ist der Staatsapparat konzentriert) ist geringer als der Prozentsatz der Juden in der städtischen Bevölkerung. In der Ukraina beträgt der Prozentsatz der Juden unter den Angestellten 20.5, in der Bevölkerung aber 22.7%; in Weißrußland entsprechend 30.6 und 40.1%. Die Legende von der „jüdischen Herrschaft" in den Sowjet-Anstalten ist damit als absolut falsch widerlegt. Eine Ausnahme bilden nur die großen Städte, wo der Prozentsatz der erwerbstätigen Angestellten bei Juden höher ist als das durchschnittliche Niveau. In Moskau betragen die Angestellten 50.1% aller ökonomisch-aktiven jüdischen Elemente, in Charkow 43.8, in Leningrad 40.1, während sie in der Ukraina in den Städten 24.6, in Weißrußland nur 19.8% betragen. Die Juden haben wohl Positionen im Staatsapparat, besonders in den größeren Städten erobert, aber ihre Rolle ist im allgemeinen greinger als ihr Verhältnis zur städtischen Bevölkerung. 85

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.