Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Journal
- Jüdische Arbeits- und Wanderfürsorge
- Volume
- 2 (1928-1929)
- Issue
- 5 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Tabelle 6. Die soziale Struktur der erwerbstätigen Bevölkerung der Ukräinä und Weißrußlands (in Prozentsätzen): Ukraina Weißrußland Soziale Gruppe Bei der ganzen Bevölkerung Bei Juden V Juden im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung Bei der ganzen Bevölkerung Bei Juden »/ o. Juden im Verhältnis zur Gesamt* bevölkerung Arbeiter Bauern Handwerker Angestellte Händler Freie Berufe Arbeitslose Sonstige 5.8 83.0 2.0 4.1 0.6 0.1 1.8 2.6 15.3 9.8 20.6 20.6 13.3 1.6 8.9 9.9 8.7 0.4 35.0 16.8 65.7 27.2 28.0 12.8 3.8 85.1 2.9 3.1 0.5 0.1 0.8 3.7 16.7 13.1 26.4 17.0 10.2 0.7 7.0 8.9 20.5 0.7 43.2 25.6 90.6 36.6 42.2 12.6 Insgesamt 100.0 100.0 3.4 100.0 100.0 4.8 Diese Tabelle zeigt einerseits den Unterschied in der sozialen Gliederung der Juden im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung im ehemaligen Ansiedlungsrayon, andererseits aber die Rolle, die die Juden dort in den einzelnen sozialen Gruppen spielen. Die Juden betragen in der Ukraina 5.4% der Bevölkerung und in Weißrußland 8.2%, ihr Anteil an den städtischen Berufen aber ist wesentlich größer. Sie dominieren absolut im Handel; in der Ukraina sind zwei Drittel der Händler Juden, in Weißrußland stellen die Juden 90% aller Händler. Im Handwerk bilden die Juden der Ukraina 35%, in Weißrußland 43%, d. h. fünf- bis sechsmal mehr als die Verhältniszahl zur Bevölkerung. Auch in der Gruppe der Arbeiter ist der prozentuale Anteil der Juden viel größer als ihre Verhältniszahl zur Bevölkerung — in der Ukraina mehr als l^mal, in Weißrußland sogar mehr als 21/2inal. In der Gruppe der Angestellten sind die Juden dreimal so stark vertreten wie in der Bevölkerung, und unter den Arbeitslosen ist der Prozentsatz in der Ukraina 28%, in Weißrußland 42%. Der Prozentsatz Arbeitsloser ist bei den Juden in der Ukraina fünfmal und in Weißrußland neunmal größer als bei der gesamten Bevölkerung. Die jüdischen städtischen Elemente sind aus ihren wirtschaftlichen Positionen entwurzelt, ohne daß es gelungen wäre, ihnen neue Einnahmequellen zu erschließen. Die Strukturwandlungen der Wirtschaft treffen die Juden immer schwerer, da das Mißverhältnis zwischen den durch die Wandlungen Entwurzelten und denen, die in neuen Wirtschaftsformen sich einrichten können, immer sehr groß ist. Der Ruinierungsprozeß geht bei den Juden in einem viel schnelleren Tempo vor sich als die Einordnung in andere Wirtschaftszweige, weshalb sie immer einen 83