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Blau-Weiss-Blätter · 1921-08-01 · 11-12 (8.1921) · p. Seite 194

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1920-1921)
Issue
11-12 (8.1921)
Date
1921-08-01
Page
Seite 194 (sequence 8)
Language
German
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Dann las ich Kiplings Dschungelbuch und wir wurden zum „Bänder-Loy*, zum Affenvolk. Wir legten uns selbst alle möglichen Proben auf. Bevor du in den Bander-Loy aufgenommen wurdest, mußtest du wie ein-Vogel pfeifen, von Ast zu Ast dich schwingen können, du mußtest dich mit den Füßen, den Kopf nach unten, an einem Ast hängen können ohne herunter zu fallen. In einem Kalksteinbruch war mein Beratungsfelsen. Auf diesem zündeten wir die heiligen Feuer an. Von ihm aus hielt ich bei unseren Ratsversammlungen Ansprachen an Frank und Rob und Percy und Jim Crow. Eines Tages bekam ich eine Zeitschrift in die Hand — ich denke, es war Pearsons Magazin — in der eine Geschichte überschrieben war: „Don Q.* Daraufhin verwandelten wir uns in spanische Banditti und nannten uns ^die Räuber*. Wir hielten uns für sehr stark und trugen alle eine Fünfundneunzigpfennigselbstladepistole, aus welcher wir eine Rolle Knallkapseln verfeuerten. Ich trug eine Rodlerkappe, um den Bildern des Don Q. .möglichst ähnlich zu sehen, und eine Blendlaterne. Wir hatten Schlupfwinkel in den Felsen und manchmal trugen wir schwarze Masken. Ich schnitt sie aus Pappe aus und bemalte sie schwarz. Mit Schnurstücken banden wir sie vor unser Gesicht. Das nächste war, daß ich meine „Bande* in ein Gestrüpp führte. Dort bogen wir Haseln ußzweige zu einer rundlichen - Züluhütte, einem Kraal, zusammen. Ich erinnere mich lebhaft an einen kleinen Aufsatz, den ich für uns schrieb. Er war überschrieben: „Wie betreibe ich Pfadfinderei?* und enthielt mehrere Darstellungen, wie man sie in Geschichtsbüchern findet, die zeigten, wie man eine Bande gegen eine andere führt, ohne gesehen zu werden. Das war vier oder fünf Jahre vor der Gründung der Pfadfinderbewegung. Wir flochten „Wampum*-Gürtel aus grünen Binsen, die wir an einem kleinen Wasseriauf abschnitten- Wir dämmten den Bach ab und bauten einen kleinen Hafen, und ein mit Wasser vollgesogener Baumstamm war unser Unterseeboot. \ Wir fingen kleine Süßwasserkrebse und behaupteten Perlßsckßr auf den Südseeinseln zu sein — die Idee kam mir als ich Stevensons „Unterhaltungen auf nächtlichen Inseln* gelesen hatte. Im Kopf dieser Krebse ist ein glänzendes Klümpchen, das wir für eine kostbare Perle ausgaben. Dann kam die Erbsenschießwut. Wir schnitten uns Blasrohre von den hohlen grünen Stengeln des Schierlings, die üppig und hoch hinter unserer Schule wuchsen. Für einige Pfennige kauften wir beim Samenhändler getrocknete Erbsen, nahmen den Mund davon voll und schössen sie nach, den anderen Jungen. Die Schüsse saßen. Wir erreichten in der Erbsenschießkuf&lrmft Schierlingsrohr eine solche Fertigkeit, daß viele zu spät zur Namensverlesung in die Schule kamen, weil sie sich fürchteten durch unsere Feuerlinie Spießruten* zu laufen. - Im nächsten Schuljahr fanden wir den ganzen Kricketplatz mit sprossenden Erbsen übersät, und der Rektor hatte einiges darüber zu sagen. 194

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