Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 19-20 (November 1936)
- Date
- 1936-11-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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nach Eisenstadt, wo ihre Tochter Jütl an den frommen und edlen Moses Koblenz verheiratet war, dessen erste Frau, Rebekka-Recki, eine Tochter des Samuel-Güns Schlesinger, eine Base des Rabbi Akiba Eger-Posen gewesen ist. Aber der edle, fromme Moses Koblenz stand bald wieder schluchzend beim offenem Grabe der trefflichen Frau Jütl. In das Psalm-Büchlein, das seiner Frau so teuer war,schrieb er die ergreifenden Worte: Garn al se . . . we-libi chamarmar ejni ejni jordah majim libi we-roschi... al petirat sugati hazadeket.. . maskelet morat Jütl o. h. bat hh mhrr Lob Leidersdorf ... sejozeo nismato betahara waw s-k. ch-b. Adar 532 poh Eisenstadt wenikbera sam behesped gadol. Er gibt da seinen Schmerz über den Verlust der frommen edlen Frau kund, die am 22. Adar 1772 in Eisenstadt tief betrauert, von der ganzen Gemeinde, gestorben ist. (Wachstein gibt als Todestag Jütls beiläufig 1772 an. Hier ist auch der Todestag genau zu erfahren.) Moses Koblenz hat dem Andenken seiner Frau eine eigenartige Stiftung gewidmet, von deren Zinsen Schaufäden angekauft wurden, die im Eisenstädter Tempel in einem Behälter zur kostenloser Verabreichung an mittellose fromme Juden aufbewahrt worden sind. (Wachstein-Inschrif ten.) Dem hartgeprüften Moses Koblenz aber war es beschieden, auch seine dritte Frau, Hindi, Tochter des Markus Jafe halewi zu Grabe zu tragen. Das Psalm-Büchlein weist eine sehr schöne Meruba-Schrift auf, hat 110 Seiten in 1/16 Grösse. Am Titelblatt schönes Portal, rechts Moses mit den zehn Geboten, links Ahron mit Weihrauchfass. Federzeichnungen: Jehi razon, Initiale in Gold: Aschre, Medaillon von zwei Engeln gehalten; Kap 30. Mismor. Medaillon; Lamnazeach Kranz etwas plump gezeichnet; Kap. 73 Mismor; Kap. 90 Tefilla; Kap. 107 Hodu Medaillon von zwei sitzenden Engeln gehalten. (S. Abbildung.) Die schöne Reliquie enthält noch eine andere Inschrift auf dem Umschlagblatt, welche den Tod des Vaters Mosche Nasch beklagt. Nasch oder Nass war der Beiname der Familie Leidersdorf (nach Wachsteins Ansicht, weil sie aus dem Nassau’schen stammten). Diese Inschrift bedarf noch eines Kommentares. Wir können das Schicksal dieses herrlichen Brautgeschenkes verfolgen vom Momente, da die edle Patrizierstochter Sara Malka Jafe-Margoliot-Schlesinger (welch ein Bouquet von schönen Begriffen bildet schon der Name: Sara—Fürstin, Malka=Königin, Jafe= Schönheit, Margoliot=Perle) dieses schönste Liebeszeichen entzückt in Empfang genommen hat, bis zum Momente, wo Jütls brechendes Auge den letzten Blick auf das teuere Büchlein geworfen hat. Wo hat das kleine Thillim geweilt von 1772 bis es von dem feurigen Enthusiasten der jüdischen Handschriftkunst, Prof. David Kaufmann für den Sesamschatz seiner wundersamen Bibliothek erworben wurde! 15