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Judaica · 1936-02-01 · 15-16 (Februar 1936) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Judaica
Volume
3 (1936)
Issue
15-16 (Februar 1936)
Date
1936-02-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Die Bösinger Linie der Familie Wertheimer Zum 70 Geburtstage Soma Wertheimers. Es sind nun vierzig Jahre her, dass der Judenstaat erschienen ist. Zu den Ersten, die dem Heeresbanne Herzls Folge geleistet haben, gehörte Soma Wertheimer, der gewesene Präsident des Pressburger Jagdil Thora-Vereines, der nun im Kreise seiner zahlreichen Freunde in Budapest seinen 70. Geburtstag gefeiert hat. Der im Oktober 1897 in Pressburg gegründete Jagdil Thora-Verein war die Vorschule des Zionismus, bevor er den Namen und den Charakter des Ahawat-Zion-Vereines angenommen hat. Er wurde zur Quelle der Renaissance des Pressburger und gewissermassen auch des Judentumes des Landes. Sein oberster Grundsatz Thora im dereh erez, Traditionstreue verbunden mit feiner Sitte, konnte keinen besseren Vertreter finden, als den strengreligiösen, dabei in Erscheinung und Benehmen wahrhaft aristokratischen, repräsentablen Präsidenten Soma Wertheimer. Zwei Jahre lang hat der Verein unter seiner Leitung erfolgreich gewirkt. Die Lektoren des Vereines, der allabendlich einen Kreis von jungen Kaufleuten in idealem geistigen Bande zusammenfasste, waren R. Josef Kohn, später Vereinsrabbiner in Hamburg, der pensionierte Oberlehrer Bernhard Spitzer und der Religionslehrer Samson Nass. Soma Wertheimer ist am 22. Dezember 1865 in Oradeamare (Nagyvärad) geboren, wo er die staatliche Oberrealschule besucht hat, er hat daher seinen Talmudunterricht bei seinem Lehrer in dessen Wohnung um 5 Uhr morgens begonnen, dort gefrühstückt und ging von dort in die Realschule. Den Religionsunterricht versah da der berühmte Rabbi Isak A. Landsberger. Nach der Schule gab es Unterricht bei Rabbi Götzel Berger in Bibel und hebräischer Grammatik, aber auch sein Vater, ein Schüler der Pressburger Jeschiba unter dem Ketab Sofer vervollständigte noch das hebräische Wissen seines Sohnes. Im Jahre 1885 liess Wertheimer sich in Pressburg nieder, wo er die Tochter des R. Aron Goldschmied, die Nichte des Rabbi David Lackenbach-Neumann zur Frau genommen hat. Sein 14jähriger Aufenthalt in Pressburg endigte in dem schönen Abgänge als Präsident des ideal wirkenden Thora-Vereines. Er wohnte dann 2 Jahre lang in Prerau und seit 1901 in Budapest. Eine Zeitlang Mitglied der zionistischen Landesleitung, hat er der jüngeren Generation Platz gemacht, als die Zentrale von Pressburg nach Budapest verlegt wurde. Er ist Mitglied der Repräsentanz der grossen Budapester Gemeinde und T empelvorstandsmitglied. Ueber die Genealogie der Bösinger Linie der Wertheimers, die der Familientradition nach zur Familie des Wiener Hoffaktors gehört, informiert die Zuschrift unseres verehrten Freundes, des gewesenen Direktors der Wiener Universitätsbibliothek, Bundeskulturrat Salamon Frankfurter. 18

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