Judaica
- Journal
- Judaica
- Volume
- 1 (1934)
- Issue
- 1-2- (August-September 1934)
- Date
- 1934-08-01
- Page
- Seite 10 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch die Urenkel Samuel Oppenheimers wirkten noch in Preßburg. Sußmann, der Sohn Löhs, war viele Jahre hindurch Judenrichter in Preßburg. In der Konskriptionsliste vom Jahre 1736 (S. Wachstein im Buche ,Juden und Judengemeinden Preßiburgs") ist er als Erster verzeichnet und als Lieferant qualifiziert. Die Oppenheimers lebten noch mehrere Generationen hindurch in unserer Gemeinde. Außer der engeren Familie waren auch viele als Vertreter Samuel Oppenheimers und später selbständig als Lieferanten tätig, wie Simon Michel Preß bürg (siehe: Kauf f mann: Aus dem Ahnensaale Heinrich Heines und Wachstein, Inschriften etc.). Er ist anfangs Vertreter Oppenheimers, liefert Kupfer nach Belgrad, versorgt das Münzamt mit Silber. Zum Beginne des 18. Jahrhunderts führt er den Titel „Münz- und Armeelieferant". Selbst der erbitterte Feind Oppenheimers, Kardinal Kolionich, ist der Gönner Simon Michels. Auch seine Eingabe um Erlaubnis in der inneren Stadt zu wohnen, wird vom Magistrat mit der Erlaubnis in der Vorstadt zu verweilen beantwortet, und da Michel Simon es ablehnt, kassiert die Stadt den Beschluß. Kaiser Joseph I. unterfertigt selbst den Akt, der die großen Verdienste Simon Michels um das Reich auflzähiu Im Jahre 1706 übersiedelt Simon Michel nach Wien, seine beiden Söhne Markus und Michelleser bleiben aber in Preßburg. Di;a beiden gehören zu den Gründern der Chewra Kadischa und nahmen die geachtetste Stellung in der Gemeinde ein. Markus hat als Judenrichter die erste große Synagoge der Gemeinde gebaut, während sein Vater Simon Michel auf eigene Kosten bereits früher das Bethi-hamidrasch baute und es als Stiftung seinen Söhnen zur Verwaltung hinterließ. Doch mit dem Tode der beiden Brüder sanjk die Glorie des Hauses in Preßburg. Der Reichtum schwand, doch haben die Nachkommen als biedere, fromme Männer noch lange eine Rolle im Gemeindeleben gespielt. (Aus der weiblichen Linie des Hauses Simon Michels stammt die Familie Freistadt mit ihren Verzweigungen.) Der jüngste Sohn Michels, Samuel, erbte das Wiener Geschäft und das Wohnrecht des Vaters in Wien, brachte es zu den höchsten Auszeichnungen, wie Kammeragent der Zarin Anna. Samuel Preßburg hatte' offenbar nicht viel Beziehungen zu Preßburg. Interessant ist eine Eintragung im Grundbuch des Schloßgrundes, wo er in den Jahren 1742—45 einige Mal erwähnt wird, mit dem Titel eines Barones! Es wäre wichtig festzustellen, woher der Titel stammt. Er wäre dann der erste Jude gewesen, ,der den Barontitel geführt hätte. Er selbst starb aber verarmt in Wien. So verfiel das Haus Simon Preßburgs in knappen 50 Jahren. Doch der Stern des Hauses ging wieder auf in den Nachkommen, den freiherrlichen Häusern von Biedermann und Tedesko und in Heinrich Heine, dem Ur-Urenkel des Preßburger Judenrichters, Simon Michels. Ein Verwandter Simon Michels, Lazarus Hirschel aus Bösing ist ebenfalls zuerst bei Samuel Oppenheimer tätig ge- 10