Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 6 (1925)
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
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2 Nacbruf auf Geh. Med.*Rat Prof. Dr. fluguft von Waffermann Genies beleuchtet eine der rübrendften Eigenfdbaften Waffermanns. Er war mit hingebendem Intereffe in dem Dienfte der Krankenabteilung diefes im wefentüchen theoretifchen und wiffenfcbaftlicben Aufgaben dienenden Inftitutes tätig, und zwar mehrere Jahre hindurch. Einen Tatmenfcben, wie er war, drängte es von Jugend an, die tbeoretifcb gewonnenen Erkenntniffe unmittelbar am Krankenbette zu verwerten. Mit fchöner Begeifterung berichtete er einmal in der Medizinifcben Gefellfcbaft von feiner in diefe Zeit fallenden Behandlung eines Fleckfieberkranken, mit welchem er fich von der Umgebung mutig abfchloß, nur durch tüchtige Lüftung des Krankenraumes fich vor der Infektion fcbütjen zu follen glaubend, fln diefem Inftitute hat er in raftlofer 23-jäbriger Hrbeit fich an den fubtilften Hufgaben beteiligt und felbftändige Entdeckungen gemacht. Es ift nicht möglich, an diefer Stelle über die Einzelheiten feiner Forfcbungen einen detaillierten Bericht zu geben. Hber es gibt genügend Aufgaben, die er gelöft bat und deren Tragweite für das Leben der Menfchen auch dem Laien die Größe feines Lebenswerkes erkennen läßt. So konnte er fcbon vor vielen Jahren zeigen, daß viele Menfchen normalerweife in ihrem Blutferum erhebliche Mengen von Diphtberiegegengift befi^en. Diefe Tatfache brachte er fcbon damals vor 25 Jahren in Zufammen« hang mit der verfchiedenartigen normalen Widerftandsfähigkeit gegen die Diphtheriekrankheit, eine Erkenntnis, welche die fpätere Forfchung als richtig beftätigt hat. In diefelbe Zeit, etwa 1901, fällt feine Entdeckung des Prinzips der Unterfcheidung des Menfcbenblutes vom Tierblut durch eine fpezielle Reaktion mit Hilfe beftimmter Serumarten. Eine Entdeckung, welche fpäter weiter ausgebaut und zu einem wichtigen Faktor in der gerichtlichen Medizin wurde. Gemeinfam mit Robert Koch hatte er vorher fcbon fich in rübmlicbfter Weife an der Bekämpfung der Choleraepidemie beteiligt. Später hat er dann, felbft ein großer Meifter und Lehrer, eine große Schülerzahl in vielen ferologifchen Hrbeiten herangezogen. Im Jahre 1905 ftellte er mit feinem Schüler Citron feft, daß der einmal an Typbus erkrankte Menfch deswegen diefer Infektion nicht zum zweiten Male verfalle, weil die Darmfchleimhaut eine fpezififche Umftimmung erfahre — die fogenannte lokale Immunität des Gewebes. Und fcbon im darauf folgenden Jahre 1906 befchäftigte er fich mit der Unterfuchung des Blutes der an Syphilis erkrankten flffen und Menfchen. Diefe Experimente führten alsdann zur Schaffung einer Methode, welche es den flrzten ermöglichte, durch die Unterfuchung des Blutes feftzuftellen, ob jene Krankheit in einem menfchlichen Körper Fuß gefaßt hat, ob fie im Laufe der Behandlung verfcbwinde oder der Behandlung noch tro^e. Durch diefe „Waffermannfche Reaktion" gelang es außerdem, dem Wefen anderer Krankheiten, die urfächlich mit der Syphilis im Zufammenbang ftehen, näher zu kommen. Diefe Entdeckung war tbeoretifcb und befonders praktifch eine jener Großtaten der Medizin, welche allein genügt hätte, dem Entdecker ewigen Ruhm, die