Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 4-5 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 55)
- Language
- German
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Bericht des Vetwaltungsvotftandes über das Gefcbäftsjaht 1922. Die Aufgaben, denen fieb der Verwal» tungsvorftand im Jahre 1922 gegenüber fab, waren vorgezeiebnet durch den Beginn des Definitivums der Akademiearbeit, die Durch« fübrung der feften Aufteilung der wiffen* fcbaftlieben Hauptmitarbeiter und die Heraus* gäbe der erften Werke der Publikationsreihe. Sie wurden jedoch gleichzeitig durch einen negativen Faktor beeinflußt: die fprunghafte Entwertung der deutfehen Reichsmark. Die grundfätjlicb fchon lange befchloffene Be* foldung unferer Beamten nach dem Vor* bilde und gemäß den Vorfchriften der Reichsbefoldungsordnung, vertraglich feft* gelegt mit Rückwirkung vom 1. Oktober 1921 verlangte fehr erhebliche, ziffernmäßig rapid anfeh wellende Beträge. Diefe hatten ihr Seitenftück in den ebenfo unmäßig an» fteigenden Summen, die für die Druck* legung der Akademiebücber aufzuwenden waren. Im Herbft des Verwaltungsjahres waren alle Voranfchläge weit überholt, alle verfügbaren Mittel verbraucht und ernfte Beforcmiffe gerechtfertigt. Von einer Be» fchränkung auf die Zinfen des fleh aus Stiftungen und immerwährende Mitglied» fchaften zufammenfe^enden Grundkapitals und die laufenden Beiträge der ordentlichen Mitglieder, für die Zwecke des Verbrauches, wie das früher die Regel war, konnte tro^ der im Laufe des Jahres fich einftellenden Verdoppelung ihrer Anzahl, keine Rede mehr fein. Nur entfehiedenfte Maßnahmen konnten die Überwindung der Krife herbei* führen. Ruf diefe Situation hatte bereits der Bericht des Verwaltungsvorftandes in un» ferem Oktober 1922 erfchienenen Korre« fpondenzblatte hingewiefen. Zur Deckung der entftehenden Feblbe» träge fchritt man zuerft an die Hufbringung von Sonderbeiträgen. Hier hat Berlin, das ja am nächften lag, Wirkfames geleiftet. Da» mit war nur das Dringlichfte für den Augen« blick gewonnen; zur Sicherung ruhiger Fortarbeit konnte es keineswegs genügen. Der Vorftand befchloß daher, in ftärkerem Maße als bisher das Judentum des Auslandes zur Mitwirkung heranzuziehen. Seit langem fchon hatten die Bemühungen des erften Schriftführers durch Anknüpfung von perfön» liehen und brieflichen Beziehungen in der Schweiz, in England und insbefondere in Amerika, hier vorgearbeitet. Nunmehr wurde Herr Dr. Auerbach, dem feit Beginn des Jahres das Sekretariat des Vereins an* vertraut war, in die Tfchechoflowakei ent* fandt, um dort eine Werbungsaktion durchzuführen. Sie hat das gewünfehte Ergebnis erzielt. Die tfchechoflowakifche Judenheit und vor allem die Leitung und die Logen des Bnei Briß* Ordens in diefem Lande, haben ein Verftändnis und eine Opferwilligkeit für unfer Werk bekundet, die nicht rühmend genug hervorgehoben werden kön* nen. Um die Wende des Jahres hat auch das American Joint Distribution Comittee, dem durch Vermittlung feines hiefigen Cul» tural Department die Bedeutung und die Situation unferes Inftituts nahegelegt wor« den war, diefem feine Mithilfe zugewendet. Einzelfpenden aus England und Amerika haben die fo einfließenden Fonds weiter vermehrt, fo daß der Beginn des neuen Jahres in hoffnungsreicherem Lichte erfchien, als die legten Monate des alten hatten er« warten laffen. Die mutmaßlichen Erforder« niffe der nächften Monate konnten als ge» fiebert, die Ausfichten für weitere als günftig erachtet werden. Neue wiffenfchaftliche Auf* gaben durften aufgenommen und der Rahmen der Veröffentlichungen der Akademie weiter ausgedehnt werden. Der ftärkfte Ausdruck diefer Tendenz war die Schaffung der Hermann Cohen» Stiftung, deren Fonds zwar getrennt von denen der Akadmie verwaltet werden, deren Arbeiten jedoch unter der Ägide der Leitung des Forfchungsinftituts der Akademie durch» geführt und in ihrer Auswirkung zweifellos dazu beitragen werden, dem Akademie» werke einen großen Kreis neuer Freunde und Förderer zu erfchließen. Der Druck