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Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · 3 (1922) · p. Seite 8

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Journal
Korrespondenzblatt des Vereins zur Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums
Volume
3 (1922)
Date
1922-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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IRI
…/2707513-2707518--096-2707660
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8 Der Staat des Großen Kurfürsten und die Juden liken zu seinen Bundesgenossen. Darum billigte er auch, im Innersten interessiert, jenen bekannten, freilich nie ausgeführten Plan des Benedykt Skytte, in seinem Staate eine Universaluniversität zu gründen, in der alle, ob ihrer religiösen oder politischen Überzeugung Verfolgten, Reformierte und Arminianer, Lutheraner und Katholiken, Griechen und Juden Freiheit der Religion und Freiheit des Gewissens finden sollten. — — Sicherlich haben auch bevölkerungspolitische Motive bei der Judenansiedlung eine Rolle gespielt. Um die traurigen Folgen des großen Krieges zu verwischen, der auch Brandenburg der Hälfte seiner Einwohner und eines großen Teiles seiner Städte beraubt hatte, verlangte ja die gesamte volkswirtschaftliche Lehre des 17, Jahrhunderts, die Conring und Seckendorff, die Hornick, Becher und Pufendorf eine möglichst dichte Bevölkerung und eine Begünstigung der Einwanderung, indem sie auf die Wechselbeziehungen zwischen Volksreichtum und Macht, zwischen Bevölkerung und Produktion die Aufmerksamkeit lenkten, oder wie Leibniz erklärten, daß „die Nahrhaftigkeit eines Landes in der Menge der Leute vornehmlich bestehe". So beantragte der sächsische Edelmann von Wolframs dorf in einer damals sehr bekannten Staatsschrift „Portrait de la cour de Pologne" Juden in Sachsen wohnen zu lassen, so gestattete der süddeutsche Johanniterorden im Jahre 1658 in Erlingen den Juden den Aufenthalt, so siedelte der Fürst von Dessau in seiner Residenz jene kleine Judengemeinde an, aus deren Mitte einst Moses Mendelssohn hervorgehen sollte. In diesem Sinne förderte auch Friedrich Wilhelm die Judenaufnahme in seinem Lande, genau wie er, um wüste Felder wieder urbar zu machen und Handel und Wandel zu heben, Holländer, Hugenotten und Waldenser heranzog und ihnen Bürger- und Zunftrecht, Steuer- und Einquartierungsfreiheit für eine Reihe von Jahren gewährleistete. Aber die eigentlichen Motive der Judenbegünstigung wurzeln doch noch tiefer. Es ist eine reizvolle Aufgabe, einmal zu verfolgen, welche, wenn auch passive Rolle, die Juden beim Aufbau des absoluten Militärstaates gespielt haben. Die ganze Regierung des Großen Kurfürsten ist erfüllt von dem energischen Willen, die Staatsfinanzen zu ordnen, eine Übersicht über die Einnahmen und Ausgaben herbeizuführen, Hof- und Finanzwirtschaft von einander zu trennen, an Stelle der Naturalwirtschaft die Geldwirtschaft zu setzen, die Schulden abzutragen und durch Steuerreformen, durch Aufdecken neuer Geldquellen, wie durch die Einführung der Accise und eine systematische Zollpolitik die Einnahmen des Staates zu mehren. Die Darstellung wird auf Grund der Archivalien den organischen Zusammenhang aufdecken, der zwischen dieser Steuerpolitik des Kurfürsten und seiner Judenpolitik besteht. Sie wird versuchen, den Nutzen nachzuweisen, den die kurfürstlichen Kassen durch die neuen Steuerträger empfingen, durch ihre Beiträge zu den Militärlasten und Festungsbauten, zu Schoß- und Wachtgeldern, zu Accise und Zöllen, zu denen sie meist eine höhere Summe bezahlen mußten als die einheimischen Bürgen

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