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Neue jüdische Presse · 1922-06-29 · Heft 23 (29.6.1922) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
20 (1922)
Issue
Heft 23 (29.6.1922)
Date
1922-06-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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«rschesttt 8* voll. Fl..«EHMtug.«Dollarsührlich. tmMrauli 9.—. Set lee BeTbK RedaMvn und (frpcMHoti: 9nmffurt a.M.,Langestraße 7 Aernspncher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Dalv Gel« «rpedltion und In all« «anoncm'liru'ta«». - N»nto de« dem Pokscheckamt In Frankfurt a. M. unter Sir. «na«. Ta»»erAtag, de» 3 Ismuß 5682 (SS. Jnni 1SSS) «»»»» Rr. «S «r war ei« J«»e. da« »a»a»kan »aUhrr littnui. r Jude. — Befeeligung und Tragik umfafit *: Dort. Beseiigoag: wenn da« Judentum die Oase Ist. die | vor den Widerwäriigkelten und Stüimen de» Leben» Schutz < gewährt, wenn Freitagabendlichter, Sabbatruhe und Ber. senken in du» von Gott geheiligte Schrifttum feiner; Däter ten Halt ,in sich grschasse» haben. BesrligunJ f für den, der da weist, wä» ihm diese» Judentum bedeutet, I «« da» er Leid ertragen must. BU' Und Tragik: wenn im Hause längst,der Väter Sitte Dunbekanr.t geworden ist und nur die Erinnerung an dir uljahre mit ihren nicht nur durch geringe Stunden A Zähl veiuachlissigtr» ReligionSstuaden.einen nebelbaklen, 8 ^rschwonmenen Begriff vom Jcchentum bewahrte. §. Da» jüd. Volk hat ans seinenr Gang durch die Zeiten »iel Sckiweres erlebt. Doch die Scheiterhaufen im Mit - ' telalter und die Pogrome de» Osten» in der Gegenwart trafen jüdische Geschlechter mit starken jüdischen Seele». Lenen wie das Leben fo auch das Sterben für dc»> Juüe'irui,! da» Höchste war. rr» Westeuropa ist aber sei: hmidertsünszig Jahren, .'feit der mit der französischen'Revolution deginiienltan yf EmanzüatioilSsttSnmngen, jede» folgende jüdische Gc- 3" schlecht der Wett der Ahnen ferner geworden, die »icifrrit Glieder dieser Geschlechter haben allmählich da» bewusttc i BrrSnakenseiii mit der Tradition de» Judentums ringcbüßt, und nicht wenige haben zuletzt bewußt ihre Lei - hinstuug mit Judentum und Jndeichrit gelöst. Dem Juden j' Westeuropas genügt heute das antijeinirische Schinähivoir eines Baben, ihn im Tiefsten jeiirer.Seele zu erschüttern . Wer so glücklich ist, sich seine jüdische Welt bewahr - j zu haben, kann nur innige» Mitgefühl für die Tragik ■;aU’ der Kinder der jüdischen Gemeinschaft empfinden. ' - .hie Fronde in ihrem aagestoiiiniteu .greise geworden sird l und dennoch unbnvußt nach den Ideale» ihrer Kärcr, l für die sie dulden müssen, striben! Und die Ideale des Inder tums werden von manchem dieser Jaden in der höchster. Protenz gelebt in d.'r . Gestalt als Ideale reinen Mcnschentuius. Den« die Serie f bei Menschen ist teilt einfaches Ding, hunderte frühere ' Seelen habe» an ilir geschütten. So köiine.i, wa» Jalic- - tanfrnde de» jüdische» Polte» gesiinil, geieluii. und gelebt haben. niau wenige Geaeralione» der tjiffimilaii'.vt Vernich»« Deshalb sind selbst die m-ck unser, die e» . nickt m-L>r sein wollen. j Auc, Walther Rathenau, der vor. entmenschien!Ä Mordgesellc» letzte» SmnStaz vormittag niedergeschossen E wurde, und der so grast war, dast da» deutsche Ball wrd- J vend seine. Beftaltimg .!' Truner und Gelöbnis die Arbeit; ruhen lief;, »>a; Jude nur durch die nominelle oit»'-! hörigkcu zur jüdischen dteniriuscknsl und war dciiuock der Gröstlen einer, den wir mit S wI; Jnni» von um er nn .Baume nennen können. Der Juden Ratljena» hat man während seine» Lebens, dar ein Kiddusch Hasckiem. eine Heiligung de» göltlicken Namen» war. besudelt, den Juden Rathenau dar nian . gemordet, und wenn heute da» deutsche Volk trauert, so ist c* in» den Juden Rathenau. Denn Ratbenaus geinale . Begabui.g, Rardemms rcinrr. aus edlem, gottbewust.cn Mensche,tum geprägter Charakter, seine Aufopserungssreude 'für die Pflickt im Dienle der Gesamtheit, all .dar, '«oa» heute durch seinen» Tad wie eine Offenbarung m .Um deutschen Botte steht und dieseni die ganze Größe ^de» Berlufte« bewustt werden läßt. war da» Erbe sriaer .'jüdische« Pater, war. vorgehrldet und vorgeformt durch Sa» , j Erziehungswerk, dar vor mehr als drei Jahrtansenxu. i! tan jürischen Kolke am Sinai verkündet wurde. Und wenn in dieser schweren Stunde da» dentscke B-lk gelobk, da» Vorbild Rathenau» auf sich wirken zu lajsrii, wenn so da» deutsche Bott aus einem Zustand« de» Sichverlieren», de« Bersinkri,» in Morast und Schlemm zu sich selber zurückfindet, so ist »» durch den Jude» Ratbenmi der Geist der Bibel Israels, die dieses Werk vollbringt. U.jjzutj. vxaf lNach dem Leben gezeichnet von Heinrich Gottselig.) (Mtt eigenhändiger Unterschrift RathenauS) Mit Erlaubnis des Frankfurter Illustrierten Blatt«. ..Wanml'müssen eS immer Jude«, von Juden Geborene fein, über deren Märtyrertod. gekreuzigten Leichen die Sonne der neuen 'Zeitalter in dir Höhe steigt?" fragt- Arthur Holitkcher in seinem jüngst erschienenen Buche ..Reise durch das jüdische Palästina". Möge Walcher Rathenau «in foldjer Märtyrer gewesen sein, dessen Tod dem deutschen Bolke und der Welt eine tleur. bessere Zeit bringt. Zur Sure »er jSVtfche» Zeit»»«e«. Welche unglaubliche Entivicklung die wi'rtschaftlüs,en Grundlagen der Zettungen genommen habe«, wird aiu dcut» lichstcik durch die Tatsache gelennzeichitet, dast ' tnuerhalü der letzte» Jahre je 100 Mark HeestelluagSkosten emer Zeitung auf über 81)00 Mark gestiegen find und die weitere Steigerung nach oben noch garmcht aüzulel»«» ist. Dir idealen Ausgaben der Preise leiden durch diese gerade während der letzte» Monate in ihr schnellste» Teinno getretene Entwicklung ungemein. Der seinem Berusc ergebene Redakteur ist heute ein Märturer, denn ihn drücke» ständig die Fesseln, die der wirtschaftliche Zwang sein-m Wirten auferlcgt. Besonder» die wcrwollfte. die unabhängige, PersönlichkeitScharakter tragende Presse leidet am schwersten, die andere hat die künsNichr Hilfe von irgend welchen Körperschaft«;. Und was da» Merkwü.digste ist, e» fehlt selbst den leitenden Kreisen ein klarer Blick für die Sitnaiion. 8 loht yar sich die Regierung noch in letzter Minute zu gesetzgeberischen Mostnahmcn veranlaßt gesehen, Über sic Und rbr abgezwungen worden und lönnen heute nicht .»ehr viel bedeuten: wohingegen Berständnis sck»on vor Msi.aten von selbst da» Gegebene gesHit ttiUc, — der Möglichknteq waren genug. Wa»^-fMMan z. Bdazu sagen, daß gerade Staat und KijWGnW. Jnscratenkonkurcentcn der Presse gewdrdea?si»dL^Wh - Auch im jüdischrit^geitim'gSiveseii liegen die Dinge »ichr ander». Die jüdisch« Presse halte fick nie einer verständnisvollen Förderung der jüdischen Geincmdrverwastunge.l zu erfreuen.. Und selbst in dieser schweren Zelt ist diese» Berhältni» Mht besser geworden, im Gegenteil. Was vor den- Kriege »ndenkbar gewesen wär,, ist heute eine Tolsacke. So Hai da» von der Berlin«' Jüdische» Gemeinde lut ihre osiizrellen Rachrrchtcn heearsgegebeue i.üeiiteliideblcest jetzt einen Jnseealeiileil, „nv andere türostgenieinden atwien diese» Beispiel nach. Diese Haltuiig wird freilich verständlich, wenn ma i belteukt, dast linier de» Envöhlten der iüdisck^n Geiueindeu heure Mäuuer nicht Irlle» sink, die dem jüdischen Leven — demnach auch dem jüeische» Zrilungsntejru und der jüdislt>en Literatur - - jiemd gegeilttserftclie» und die Ilm?» üherlrageueu Ausgabe» mir siuanzleckuiisck, ,m «:sülle>> versuche». Aatlirlich sind in der letzte» Zeit auch hei de» »leisten lüvischen Zeiknngen die Adonneiurnl« erheblich gestiegen, wenn auch — wie bei der gtsamleu Pres.e — nicht an« näliernd so, wie es nötig iväre. da lür das liebe Publikmn eine Zeltung kei» Brot ist, ohne das es verhungern inüstle. Auch unsere Zeitung, seit zwc.nzig Jahren die einzige in Deutschland mit dem ciltjüdischen Standpunkt einer Orthodoxie, die sich der Einheit und Verbundenheit mir der jüdische» Gesamtheit bewustt ist »nd daher den Einheilsgkmeindcn und dem Zionismus ihre Ausmrrlsamkcit widmet —, stand setzt vor der Frage, das Abonnement um da» Dopvelte zu erhöben. Wir Hase» m» entschieden, das Abonnement von M M jährlich vorerst nicht zu ändern, dagegen während des nächsten Bierrel'- lahreS, da» die stillen Sommermonate umfatzt, die Zeitung vierzehn tägig ersck» inen zu lassen. Rom ««d P«rri». In einem .Rom und Paris" betitelten Leitartikel schreibt die politisch gut insoemiertc „Wiener Morgenztg.": .Die französische Politik hält unbeirrt ihr Ziel fest, sich die Hegemunie in Europa und dem nahen Orient zu sichern. Wo immer Engiand seine aus Befestigung des Friedens abz,elenden Pläne zeigt, stet» tritt ihm die französische Allianz entgegen, zu der jetzt auch der tkiatikan gehört ... Auch die Koinplizierung der jüd. Frage in Palästina wird von der franko-vatikanischen Koalition betrieben, deren erste Hälfte da» .politische Protektorat anstrebt, während der zweit« Teil nebst de:, Machtzicleil auch »och die Zertrümmerung der jüd. Loifnüngrn iin Auge behält. Ihre gesamte Diplomatie und Provagan >a ist in angestrengtester Tätigkeit, um England mit eile:« Ä-ittelu zu einer Revision seines Standpunktes zu zwingen. Die katholische Alacht Bolivia ist in! Bewegung gesellt worden, das klerikale Spanien nmbilisiert nr.h selbst das lirchenräilberische Italien ist in das Ney milgespoimcii ivordc». Alle Wege führen nackl R o m. Für ims aber naiti Je rn s a l r in. Die eiserne Enlschlassenheit des iüd. Kolkes, das so bie!e Gegner hat sterbe» gesehen, wird Ilch nickit bange machen lassen." Mische WelthilfSzeutrale. Der Zr.itralrat der Jül>. Welthilsszentrale hielt seine I a h r e «k o n s e r e n z in H e; o e l b e r g ab. P os. Dr. S i in o n s r » -!>kopcnyageii führte den Borcktz. Die Sitzungen ivährien mchrerc Tage. An den von M a tz l i n erstatteten Berich: der Exekutive, worin die Aufivendungrn der legte» ö Jahre für Hilss» zwecke mit rinhalb Millinncii franz. Franc» bezifseri werden und über die Verträge ii il den russ. Randstaatkp» wegen Regulierung der Emigratioi, Erleichterung der HilsS» tätigkeit und Einstellung d:r Evak ilrrungen berichte, wurde, schlosse» sich die Berichte der einzelnen Delegierten über die Situation in den einzelnen Li.ndeni. Besoiidrres Interesse fand der Bericht de» Delelicrten der MHZ in der Internationalen Kommission beim Völkerbund sür Flüchtlings» und Rußlandhilje (Nanfen-Komitce), Abers^n. Durch Vermittlung der Nansen-äxpeoilionen wurden von der Weit-Hilsszentrale LebenSntittelpakelr. Medikamente, Küchen und Geräte nach Rußland geschickt. In der Diskussion wurde di» gesamte Gebiet der HilfSarbeit für Rustland eingeheni- :rörr«rt und nachdrücklich die Notwendigkeit der konstnttuven Hilf^, insbesondere durch Erteilung von Krediten -in Flüchtlinge und Emigranten. hervorgehoben. Es wurde auch beschlossen, eine Delegation nach Rußlar.d und «in« nach Amerika zu entsen'oen. Einen besonders wichtigen (Zegenftand der Beratungen bildete das Emigration-Problems Die Beschlüsse des Emigraiioe.soirektoriume, insbesondere der Beschluß der Errichtung der SmigrotionSbank. wurden bestätigt.

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