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Neue jüdische Presse · 1920-02-13 · Heft 6 (13.2.1920) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
18 (1920)
Issue
Heft 6 (13.2.1920)
Date
1920-02-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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IIHIUHIIIIIIIIHI 4%. f? Frankfurter Israelitisches Familienblatt ywiiniimimiiiiiniiiuiiininnnimiimiiiin «Sscheint wSchentlkch am FrekKig. Bezugspreis pro Dlertel« fahr: Zn Franksurtam Main bei der Neuen Jüdischen presst, auswärts bei der Post abonniert Mk. 2J5Q, stet tnS Haus 15 Pfg. mehr./ÄetZusendungdurchStreifbandsürOeutschlandMk. 14.00, für alle übrigen Länder Mk.20.00sährllch, km Daraus zahlbar. IUI Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 2 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Sach Geis -iniiiiiiniiiiiinimiiiiiuiiniinniuiiimiiiiniii«imuMnmiiMiiij : Infertionspreis für die fechsgespattentAdnp.Zeileio Pfg., fikc j I die Reklamezeile Mk.2.—. Bei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / Platz- und Datum-Dorschrlfi ohne Derblnbllchkekt. / j \ Annomen-Annahme bei der (tzped.und kn «.Annomen-Lureaus. : : Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Nr. 4864. :;iiniinmimiimmmniiiiiwimmiimnminiiniiiiiimmmiiiiE , 18. Jahrgang. Freitag, de« 24. Scliwat 5680 (13. Februar 1020» Nr. 6. Die Preise der Inserate find von heute ab »ie folgt: 80 Pfg. die sechSgespattene Roupareille-Zelle L2L „ „ Rellamezeile Frankfurt a.M., 0. Februar 1920. . Geschäftsstelleder Rene« Jüdischen Presse (Frankfurter Israel. Familieublatt.) Jüdische Jugendbücher. , Eine ' der auffallendsten Erscheinungen im jüdischen Leben ist die Schnelligkeit, mit der die Jugend die Ertiehungsmühen des jahrelangen jüdischen Religion»» und Geschichtsunterrichtes sogleich nach dem Verlassen der -schule geradezu restlos einbüßt und hinsichtlich ihrer jüdischen Interessen indifferent wird. Sogar bei den Schulen der Orthodoxie ist die Beobachtung zu machen, daß die Mehrzahl ihrer Zöglinge — kaum, daß sie die Schule verlassen haben — ihre bewußten Beziehungen zur Gedankenwelt der jüdischen Vergangenheit löst. Es klingt dies unwahr» scheinljch und doch: man sehe sich nur einmal in seinem Bekanntenkreise nach den schulentwachsenen Kindern aus orthodoexn Kreisen um und wird leider überraschend HÜufig dieses Ergebnis feststellen können. . 'Würde das jüdische Leben nicht zu sehr von dem selbstzufrieden, ja selbstgerecht machenden Parteienkampf absorbiert werben, so hätte der Blick der noch jüdisch interessierten Kreise immer wieder und wieder auf den Sprung auch geistig reger und moralisch hochwertiger Schüler von dem in der Schule empfangenen jüdischen Unterricht in ein vollkommenes Vergessen all dessen, was dieser Unterricht an jüdischer Anregung pnd jüdischem Interesse gegeben baden sollte, gelenkt "werden müssen. Wie nachhaltig wirken gerade bei- - der geistig geweckten jüdischen Jugend andere Dis- Sne nach; wie stark ist in ihr auch nach der Schulzeit Verlangen, ihr Wissen und ihre Einsicht zu mehren? Ddn geistigen Schöpfungen aller Kulturen bringt lie Interesse entgegen, — nur die Kultur, die ihr die nächste sein sÄlte. die jüdische, ist ihr ein Aschenbrödel. Wahrlich, es muß in der Erziehung des Kindes irgend eftväs versäumt worden sein! — Vielleicht ist die Ursache darin begründet, daß man dem Kinde für die seiner Phantasie gewidmeten Mußestunden keine Bücher jüdischen Inhalts in die Hand gegeben hat. Wir können deshalb den Ruf. den Professor Dr. Alexander Marmoreck in der „Esra", Monatsschrift des jüdischen Akademikers, nach einem Mischen Jugendbuche ergehen ließ, nur aufS angelegentlichste unterstützen, klnd 'es sei zu diesem Zwecke von seinen Ausführungen Nachstehendes hierhrrgesetzt: „Ich war in Holland ziemlich oft. Zwei ErsckPi»ungen bes täglichen Lebens fielen wir besonders auf unter den vielen neuartigen und schönen Dingen, die man Port siehtder imposante Stolz aller 'auf, ihre nationale Vergangenheit und die ungewöhnlich große Zahl der Kinderbücher. Stolz . ist 'der Niederländer auf seine Seefahrer pnb auf die Hesden der Freiheitskämpfe, aber vielleicht »och mehr' aus die anders Großen, auf die geistigen Triumphe, welche seine Ahnen davongetragen haben; stolz auf die ungebändigte Freiheitsliebe und auf die bahnbrechende Duldsamkeit, die jede Denkart zu alter Zeit bei ihnen gegmden, stolz auf seine Maler und Denker, auf seine rchitektur und auf seine Städte, stolz auf 'sein weithin leuchtendesnationales Erbe. - Und dies alles, weil ein jeder die Geschichte der Niederlande gründlich kennt. Dieser schöne,, nachahmungswerte Stolz beginnt früh. Schon bei den ganz Kleinen wird er geweckt und durch die Jugendjahre immer mehr gepflegt. Ms Mittel hiezu biene» eben die Kinderbücher, so mannigfaltig, so schön, so anziehend, so liebevoll, so vernünftig, so erzieherische wie malt sie nicht einmal in England findet. Mit diesen farbigen Büchern beginnt die Formung ches Gemüts und rke Erziehung zur Anbetung der nationalen Größe k-ei den klei-.en Niederländer». Das Ergebnis ist jener freudige, solide Stolz des Volkes. Oft empfand ich den Wunsch, wenn ich im Lande war. daß etwas Aehnliches auch bei den Juden geschehe, damit diese auch in den Jahren der Kindheit lernen, die dunkle und strahlend« Vergangenheit ihreS Stammes mit würdigem Schmerz und mit hoffnungsvoller Liebe zv tragen und zu kennen; damit sie dadurch die alte Ghetrop^yche von sich abstr-.isen und unbewußt sich zu innerer Befreiung durchringen. Man sucht aber vergebens »ach einem Judeubuchs-i für unsere Kinder, einem, für die jungen Köpfe, die von der goldenen Gier nach Lektüre auSgesüllt, alles was gedruckt ist mit Begeisterung lesen. Wo ist für diese Jugend das jüdische Heldenbuch — beileibe nicht eines von jenen Kriegern, die aus Eroberungssucht Blut vergossen und Elend .verbreitet haben, sondern das Buch von den andern jüdischen Menschen, die als Juden groß gewesen. Einen solchen Erzählerbanv brauchen wir, der uns die Bedeutenden unseres Stammes in ihrem Milieu schildert, uns Menschlichnäher bringt, uns an ihren Taten und Leiden teilnehmen läßt, uns erhebt und uns zu Tränen rührr. Dieses Buch soll uns endlich ein Dichter und Erzähler scheuten, das Buch von Josef, dem Sohn Jakobs, der auS einem gekauften Sklaven Staatsmann eines großen Reiches geworden, seinen Stamm vergessen und ihn und sich selbst dann wieder gesunden hat; von Moses, der den Verachteten als Bruder gekommen und sie kraft keines Geistes und Charakters zur Freiheit allmählich erzogen hat, der zu den Verfolgte» nicht nur hinuntergesticgen. sondern sie dann auch zu seiner Höhe emporgehoben hat, von Esra, der eine verstoßene Volksmasse in die leere öde Heimat zurückzuführen beschlossen, von Raschi, dem großen Wisfer, dessen Klarheit und Klugheit choch nach. Jahrhunderten weiterlcnchtet, von Jehuda Halevi, der dem alten Lande de» Kuß aufdrücktr, welcher symbolisch die nie erlöschende Liebe aller Zeiten zum Boden der Ahnen ausdrückte, von Benjamin vou Tudela, dem ftühen Reisenden, von dem Gaon von Wilna, der die im tiefsten Elend lebenden Juden des Ostens gelehrt hat, jüdisches Wissen ungemein hoch einzuschätzen, von Theodor Herzl, dem Wiedererwecker. den die Schwachen und Zaghaften einen Träumer nannten und der Len Grundstein zur reellen Tat gelegt, an der neunzehn Jahrhunderte nie verzweifelt haben, von Edmund Rothschild, den von allen jüdischen Reichen etwas sehr Seltenes auszeichnet: der große Gedanke von der jüdische» Besiedlung Palästinas, von Josef Jzra-'li, dem großen Maler, der in seinen Bildern die Tiefe des Leiden-Z und die Größe der Seele des Sohnes des alten Volkes ergreifend wahr und schön 'wiederzugeben verstand und von vielen anderen, die groß und unser waren. Vielleicht könnte der Wunsch snach einem ivlchen Jugendbuche verwirklicht werden. Ein großer Preis und tie besten Erzähler unseres Volkes werden sich an die Arbeit machen. Das soll ein Gedicht in Prosa werde», das der ganzen Welt menschliche Größe in jüdischer Hülle und jüdisches Wollen in menschlicher Beschränkung' geben soll, eine 'symbolische Zusainmenfassung des Schicksals des ewigen Volkes, eine Epopoe. Das ist ein Appell an die Reichen? Wird ihn einer erhören!'• Soweit Marmorek. — Ob wir unter unseren Reihen solche Mäzen haben? Wir schauen garnicht nach ihnen aus, denn meist ist auS dem vielen wenig der vielen das Große geschaffen worden, — und das viele wenig der vielen läßt sich auch jetzt noch organisieren. Doch wenn diese Frage auch bejahend entschieden wäre, bedeutete es »ich, nicht die Lösung des Problems, denn dann kommt die noch schwerere Frage, kvie man die Estxxn veranlaßt, ihren Kindern diese Bücher zu geben, — und die Gedankenlosigkeit der meisten Eltern ist ein Granitstein. Zur Aufforstyug Palästinas. Das Hauptbüro des Jüb. Nationalfonds im Haag schreibt uns: Schon vor dem Kriege wurde beschlossen, daß sich die .Baumspende" künftig .nicht mehr auf die Pfttanzung von Fruchtbäumen beschränken, sondern vielmehr Nutzbäuine aller Art, also Waldbäume, anpflanzen möge. Durch praktische Erfahrungen war man zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Anpflanzung von Fruchtbäumen, die einer individuellen Pflege bedürfen, zweckmäßigerweise der Privatinitiative zu über.assen ist. Andererseits ergab sich immer mehr die Notwendigkeit, Sümpfe, 'Landdürre» und sonstig!- Oedländereieu mir Waldbäumen, besonders mit dem schnell wachsenden Eukalyptus zu bepflanzen. Die Aufforstung solcher Gebiete erschließ! der Kolonisation weite Strecke» . Landes, bildet eine wichtige Voraussetzung für die Sanicrrrng des Landes und bietet die Möglichkeit, dringend notwendiges Holzmaterial für Bauzwecke usw. im Lande selbst zu beschaffen. - . ES war indessen nicht möglich; solange die türkische Herrschaft währte, die Aufforstungsarbeit ernstlich in An- - griff zu nehmen. Es fehlte auchan den Nötigen Erfahrung?-' bezüglich der Auswahl von geeigneten Baumgatkungeo und der richtigen Pflanzungsmethoden. Die Mittel der Baumspenüe wurden daher vornehmlich; in die Pflanzungen von Benschemen und Huldah investiert, die unter den vor handenen Umständen keinen befriedigende» Erfolg auswiesen. Neben den Schwierigkeiten, die die Anfänge jeder Kolouisa' rionsarbeil begleiten, kamen Elementarereignisse Hinz», wie die Heuschreckenplage, die in den Pflanzungen schweren Schaden anrichtele. Zuletzt wurden die Pflanzungen in Benschemcn 'zum Kriegschauplatz, wo das, was die Heuschrecken übrig ließen, durch die Kämpfe fast vollständig zerstört wurde." Jn der KriegSzeir wurden durch die Arbeitergenosse-ischast in Ber-Tobiah versuchsweise 100 Dunam mit 2ukalyptusbäumen auf NF.-Boden angepflanzt. Dieser Versuch ist in jeder Weise geglückt. Im vergangene» Jahr ließ auch; die Anglo Palästina Company und die Immobiliengesellschascen „Palästina" 200 Dunam aus den Abhänge» des Kännel in Haifa mit Felsensichten durch eine Arbeitergenossenschaft bepflanzen. Auch diese Anlage verspricht nach den Gutachten von Fachleuten einen guten Erfolg. Diese Versuche haben der „Baumspende" einen neuen.Weg zur Verwirklichung ihres Programms gewiesen: die Aufforstung durch 'Vermittlung von Arbeitergenossenschaften. Diese Methode ist nach; dem Urteil her Fachleute von großer Wichtigkeit fiir den Wiederaufbau Palästinas, die Sanierung des Landes und auch für die Lösung des Arbeiter- Problems. - Die Verwaltung t«) INF hat nun ans d estr Grün:- läge 'die Ausführung mnes großzügigen Planes für die Aufforstung Palästinas in Angriff genommen. Nach diesem Plan, der sich aus Drei Jahre verteil!, sollen angevslauzt werden: 1,700,000 Eukalyptus- und Waldbäume anderer Art aus einem Komplex von 2125 Dunam. Hiervon entfallen: 11 auf Merchavi.rh im Zusammenhang mir der Sanierung der Siedlung 20,000 Eukalvotusbänrne aus 200 Dunam; 2) aus 'Kinereth und Daganiah an den Abhängen des Berges neben per Farm Kinereth undan ' den Ufern des Jordan und des KiirerethseeS 12,000 Eukalyptus- und Waldbänme anderer Art ans 175 Dunam; 3) auf Bensche men ca. 700,000 Bäume aus 230 Dunam; 4) auf Hulda 425,000 Bäume auf 140 Dunam: 5) auf Ber-To'btah (Kastinie) 27,000 Bäum« auf 380 Dunam mit Ausnahme der bereits oben er- -- wähnten; 6) in der Umgebung der Kolonie Chcderah HauptsLchllch Eukalyptusbäume auf 1000 Dunam, insgesamt 500,000 Bäume. Hinzu kommen letztens die Ausforstungsarbeiten in Ris.cho n-le-Zio n. In der Generalversammlung dieser Kolonie ist beschlossen worden» dem INF. zum ewigen Eigentum 500 Dunam von den angrenzenden Sanddünen zu überlassen. An die Schenkung ist die Bedingung geknüpft, daß der INF. im Laufe von drei Jahren dieses Land bewalden läßt. Diese Tatsache zeigt, welche Wichtigkeit die Bevölkerung der jüdischen Kolonien Palästinas dem INF. beimißt. Die Verwaltung des INF. hat bereits die Aufforstung de: Dünen von Rischon-lo-Zio» einer Arbeitergruppe von 18 Mann aus den Arbeitern Rachlath-JehndaS übergeben. Die Arbeitergenossenschaft hat mit den Pflanzungsarbeiten sofort begonnen, und es wurden imgefähr 35.000 Bäume angepflanzt. In den ersten zwei Monaten werden außer di-ser Genossenschaft noch 25 Arbeiter beschäftigt werden, die zusammen unter Leitung des landwirtschaftlichen Departements des Palästinaamtes die Arbeite» ausführen werden.

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