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Neue jüdische Presse · 1919-05-30 · Heft 21 (30.5.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 21 (30.5.1919)
Date
1919-05-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MiiiiinniiiiiimriiiiiiiiiiiHiiiiiuniiniimiiiiimirimimiiiiiiiim:;f : Erscheint wSchenilich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel. : : jabr.- In Frankfurt a.M. Mk.t.Sv frei ins Haus. Sei der Post : : abonniert Mk.4.80,stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. /Bei :! Zusendung durch Streifband fürOeuischland unvüsterreich'llngarn : : Mk.2.25,für alle übrigen Länder Mk.2.50.Einzelnummer 2vpfg. : r.....,..»»»....»,»-»-»»»»»-»»»».»,—, ,»,»,„»»»»»»»! Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa 2903 Herausgeber: Galy Geis jiiiuniiiiiiiinuiiiiiiiinimiimiiuiiiiiiniiiiiiiiiiuiniiwiiwimi | Infertionspreks für die sechsgespaltene petitzelle?0pfg., ftic - : die Reklamezeile Mk.2.—. Bei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / Platz- und Datum-Dorschrist ohne Verbindlichkeit. / j ■ AnnonrenÄnnahme bei der ^ped.und in «.Annomen-VureauL : : Konto bei dem Postscheckamt kn Frankfurt a.M. unter 3*1.4864. j ... 17. Jahrgang. Freitag, de« 30. Ijar 5679 (30. Mai 19191 Nr 21. Zur Frage des jüdische« Kongresses i« Deutschland. Bon Ben ^Joseph. (Schluß) An der Bereitschaft fast sämtlicher deutscher Inden, vielleicht mit Ausnahme einzelner Teile der Orthodoxie, zu einem jüdischen Kongreß mit einem solchen Arbeitsprogrmmn, dem sich noch leicht wesentliche Punkte hinzufügen ließen, ist nicht im geringsten zu^zweifeln. Es erübrigt sich nach dem, was von uns über den demokratischen Aufbau der zu schaffenden 'Gesümtorganisation und der Gemeinden gesagt worden ist, hinzuzufügen, daß dieser Kongreß nach demokratischen Prinzipien gewählt werden muß, ,d. h. ,durch allgemeine, gleiche, direkte Wahl vom 2V. Lebensjahr cm, ohne Unterschied des Geschlechts. Auch Hierbei dürste der Wahlmodus der deutschen Nationalversammlung unserem heutigen Empfinden am angemessensten erscheinen. Nicht weniger wichtig äst es, daß. dieses Wahlrecht aus die sogenannten Mischen . Ausländer ausgedehnt wird, denen es im alten Deutschland gegen ihren Willen durch örtliche politische Vorschriften nicht niöglich war, deutsche Staatsbürger zu werden oder die infolge des' plutokratischen Gemeindewahlrechts bisher von den Wahlen in jüdischen Gemeinden ausgeschlossen waren. Es liegt im, dringendsten Interesse der deutschen Juden selbst, diese arbeitssamen. intelligenten ostjüdischen Brüder zur Mitarbeit und zur Mrtübernahme - unserer materiellen und ideellen . Lasten heranzuziehen; und es ist. vom jüdischen Standpunkt, wie vym Standpunkt politischer Klugheit in gleicher Weise gebotet gleichen Pflichten auch gleiche Rechte hinzuzufügen. Es ist zu lwffen und anzunchmen, daß auch über diese Punkte Sei den zwischen dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und der Zionistischen Vereinigung für Deutschland schwebenden Verhandlungen eine Einigung erzielt wird, j . Die außerordentliche Schwierigkeit, sich zu einer gemeinsamen, dauernden Arbeitsgemeinschaft zusammenzufinden, liegt in der. verschiedenen Stellung- Nähme/zu den außenpolitischen Fragen. .? Unter:.jüdischer Außenpolitik ist dabei die Regelung des Verhältnisses zwischen unseren jüdischen Brüdern auf dem gartzen Erdenrund einerseits.- und den Bürgern des .Landes, in deren Mitte wir leben, andererseits zu verstehen. Hier kscheinen in der Tat unversöhnliche Gegensätze zwi- , Wen dem Zentralverein und den Zionisten zu Käffen. - Die Zionisten wünschen, daß diese Frage oHre jede Rücksicht auf Kichere Momente, lediglich vom-Wandpunkt des j ü di scheu Bol k sbewntztwährend für die Anhänger des ZentrÄvereins das Zugehörigkeitsgefühl^um demt.ßchen .Volke das Primäre darfiellll ' . " - Diese theoretischen Gegensätze führen in der Kmxis in «cklen Fragen der äußeren Politik zu Mertsätzlicher Stellungnahme, die durch kein noch st,. heMs Wollen aus -der Melt geschafft werden klmnADer. mm^.«n. Zustandekommen des Kongresses ehrlich bemühte Worsitzendedes Zentralvereins hat erllchst:- „Jch darf die .Faden, welche die deut- ' schm- 'Juden mit WWina verbindest, nicht zerreißen —, und wir müssen auch an Palästina Anteil nehmen. Und zwar tue ich das schon um des Deutschtums willen, weil es deutschen Interessen entspricht, daß wir die Fäden zu Palästina aufrecht erhalten, ganz* abgesehen davon, daß schließlich .Palästina für viele Juden das Land der religiösen Sehnsucht ist." Mit diesen Ausführungen zeigt Herr Geheimrat Fuchs die Unmöglichkeit der Zusammenarbeit der .Zionisten und Nichtzionisten auf dem für die Zjpnisten wichtigsten außerpolitischen Arbeitsgebiet, dem der Palästinaarbeit. Die Ausführungen, _die Herr Geh. Rat. Fuchs hier in Frankfurt gemacht hat, und die weiter unten mitgeteilt werden, laufen in letzter Linie auf ein Kompromiß des Zentralvereins mit den Zionisten hinaus, in dein Sinne, daß die.Anhänger des Zentralvereins auf dem jüdischen Kongreß bereit sind, auf eine Demonstration des deutschvölkischen Bewußtseins zu verzichten, und sich zur Mitarbeit an dem Aufbau Palästinas verpflichten; als Gegenleistung wird von den Zionisten ein Verzicht auf das jüdischnationale Bekenntnis verlangt. So wenig von Nichtzionisten ejn Bekenntnis zum jüdischen Volkstum verlangt werden kann, so wenig kann von den Zionisten ein solcher öffentlicher Verzicht auf das jüdische Volkstum in dem Augenblick verlangt werden, da das jüdische Volk zum ersten Mal wieder als solches in seine Rechte öffentlich eingesetzt worden ist, wie wir dies in dem Leitartikel der vorigen Nummer dargelegt haben. Es, erscheint angesichts dieser Tatsachen keine zu weit gehende Forderung, wenn von zionistischer Seite verlangt wird, daß' unbeschadet der Stellung des einzelnen deutschen Juden zum jüdischen .Volk von einem jüdischen Kongreß in Deutschland die Anerkennung Palästinas als Heimstätte für das jüdische -Volk erklärt wird. DaS jüdische Volk ist, wie gesagt, öffentlich als solches anerkannt, und seine Existenz kann dadurch nicht bestritten werden, daß vereinzelte Juden in Westeuropa eventuell sogar die Majorität der deutschen sich nicht als zugehörig zum jüdischen'Volk betrachten. Sind aber die deutschen Juden nicht einmal dazu bereit, der sich in Palästina bildenden neuen Gemeinschaft den Volkscharaller zuzuerkennen, so hat es für die deutschen Zionisten keinen Zweck, sich mit den übrigen deutschen Juden auf ein Kongreßprogramm für jüdische Außenpolitik zu verständigen. Auch die von.Herrn Geheimrat Fuchs zugestandene Bereitwilligkeit,' für die -Autonomie der Juden in den Ländern, in denen ihre Majorität es wünscht, > sowohl auf nationalem, wie kulturellem Gebiete einzutreten, würde Hamit bedauerlicherweise wertlos. Es würde in solchem Falle besser sein, auf ein außenpolitisches Programm zu verzichten, und lediglich^ einen Kongreß für innere politische Fragen der deutschen Juden zu veranstalten. Ein solcher jüdischer Kongreß mit den bezeichneten Programmpunkten würde zweifellos dem Bedürftris der Majorität verdeutschen Juden genügen, aber es erscheint notwendig, jedem denkenden deutschen Juden die Frage vorzulegen, wie er sich in Zukunft das Verhältnis zwischen deutschen und nichtdeutschen Juden vorstellt. Es kann einem Zweifel nicht unterliegen, daß die Begründung eines neuen jüdischen Gemeinwesens in Palästina eine .Annäherung aller Juden der Welt herbeiführen wird, wie ja ^ine solche unter. Ausschluß der deutschen Juden bereits während des Weltkrieges statt-» gefunden hat. Daß ein solcher Ausschluß der deutschen Juden bis zum gewissen Grade stattfindest konnte, hat seine tiefere Ursache darin, daß die deutschen Juden in allen Entente- und neutralen Ländern den'Ruf genossen, ihre jüdische Politik unter deutsch imperialistischen und nationalistischen Gesichtspunkten zu betreiben. Ein jüdischer Kongreß in Deutschland wäre die beste Gelegenheit für das deutsche Judentum, das gegen sie herrschende Mißtrauen in andern Ländern'zu zerstreuen, und den Kongreß in Deutschland zu dem werden zu lassen, was er in anderen Ländern bereits geworden ist, zur Vorbereitung des jüdischen Weltkongresses. Der jüdische Weltkongreß wird zustande kommen, ob die deutschen Juden in ihrer Gesamtheit, oder lediglich die deutschen Zionisten sich daran beteiligen werden. Es ist zu hoffen, daß die Aussichten auf den jüdischen Weltkongreß, der das größte Ereignis der jüdischen Geschichte seit der Zerstörung des zweiten Tempos darstellen würde, auch auf die deutschen Juden seine Wirkung nicht verfehlt, damit der-jetzige große Wendepunkt in der jüdischen Geschichte als wahrhaft großer Moment nicht durch ein zu kleines Geschlecht beschämt werde. * Seit Niederschrift dieses Artikels sind zwei bemerkenswerte Auslassungen zur Kongreßftage erfolgt. In der Jüd. Randschau schildert Curt Blumenfeld das Ergebnis der Verhandlung zwischen der Zion. Organisation und dem Zentralverein. Man einigtesich dabei aus ein Arbeitsprogramm, das von zionistischer Seite als Mindestprogramm angenommen wurde, jedoch noch der Zustimmung des Erü»e dieses Monats stattfindendeu Delegiertentages des Centralvereins bedarf. Soweit eS bin äußere Politik betrisst, sei es hier nach der Rundschau tmedergegeben. 1. Gleichberechtigung und Gleichstellung der Juden und des Judentums in allen Ländern der Welt. 2. Beseitigung und Verbot aller Gesetze, Verordnungen und Bestimmungen, die Beschränkungen lediglich für Juden enthalten, insbesondere von Einwanderungsverboten und Grenzsperren. 3. Nationale und kulturelle Autonomie in den neu» gebildeten Staaten in dem Umfange, den die Mehrheit der dortigen Juden fordert, unter Wahrung des Rechtes der Minderheit; Berücksichtigung des^abbats in der Gesetzgebung. 4. Festsetzung solcher politischen, administrativen unbi ökonomischen Bedingungen für Palästina, daß seine Entwicklung zu einem von der gesamten Judenheit getragenen, .autonomen Gemeinwesen (common wealth) gesichert wird. 5. Entschädigung von-Pogromopfern durch den betreffenden Staat. 6. Einsetzung eines internationalen Ausschusses mit der Aufgabe, darüber zu wachen, daß die Grundsätze und Beschlüsse der Friedenskonferenz hinsichtlich der Juden durchgeführt werden. Als fernere Voraussetzung für den Kongreß wurde von Geh.-Rat Fuchs der Zionistischen Bereinigung'zugestanden, baß Beschlüsse nur über rein jüdisch Angelegenheiten gefaßt und Demonstrationen in Bezug auf nichtjüdische Verhältnisse nicht zugelassen werden dürsten. Ms Wahlmodus erklärte Geh.-Rat Fuchs sich mit einem Wahlrecht auf Grundlage allgemeiner gleicher Verhältnis^ wählen für Männer und Frauen einverstanden. Blumeufeld glaubt, daß» sofern diese Zugeständnisse des Führers des Centrälvereins von dieser Organisation selbst bewilligt werden, tatsächlich zwar ein Kongreß stattfinden würde, daß aber der Verlauf dieses Kongresse» selbst-es entscheiden werde, ob die deutsche Judenheitwieder den Anschluß an die Gesamtjudenheit der Welt findeir würde. So sehr dieser letzte Punkt mit unseren bisherigem Ausführungen übereinstimmte, so skeptisch scheinen uns d« AussWen Kr das ZutzandekvWneg des Kongrejsesaus

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