Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 17 (1919)
- Issue
- Heft 20 (23.5.1919)
- Date
- 1919-05-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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HrnnirnMinrmmmunuimnmmiim.uimnmiirTnnurninic/n.ji i^ArfihM wSchmHch aMGreiiag. Äezugspreis pro Lleriel- MäkrriM^AmjMrt a.Ms'M.4Hä'ftei ins Haus. Lei der Post : abonniert Mk.^.8d,stei ins HauS 4 pfg. pro Monat mehr. / Lei r Zusendung durch Streifband filrOeuischland unv österrelch'llngam : Mk.rL5,fur alle übrigen Länder Mk. 2.50. Gnzelnummer rapfg. >.»», ».»........ Redaktion ynd Expedition: Frankfurt a. M, Langestraße 7 Fernsprecher Amt Hansa L90L Herausgeber: Galy Geis InsertlonspretS für öte fechtzespaliemi VeiÜIÄd 7»Wk die Iteklamezelle Mk.2.—. D^ Wlederholungeir entsprechend« Rabatt. / Platz, und vatum»Dorfchrist ohne Derbindllchkeit. / Annoncen-Annahme bei der ltzped.und in a.Annon«a»2M««»L Konto bei dem Postscheckamt in Zranlfurt a.M. unter M.4SS4. ' »»»»........... 17. Aahrgang. Kreirag de^23. IZnr <23 lvlS» «r 20. Zur Frage des jüdischen SongreffeS in Deurschtaud Von Ben Joseph. Wer über die jüdische Politik in Deutsch» land vor dem Kriege, soweit von einer jüdischen "Orientierung, des politischen Volkes der deutschen Juden überhaupt die Rede sein konnte, unterrichtet ist, weiß, däß sie ein überaus -unerfreuliches' Bild ausioies. Es sei nur an den ein Vierteljahr vor dem Krieg'erschienenen Aufruf von hervorragenden Persönlichkeiten des Hilfsvereins und Zcntraloerxins wie sonstiger Vertreter jüdischer rkörpcrschasten erinnert, in dem sie in allen ösfentlicheu Tageszeitungen gegeit die zionistische Politik protestierten und die Pianisten als minder gute Deutsche pon fick abzujchü teln trachteten. Während die Politischen Parteien Deutschlands sich wenigstens zu KrieMbeginn im sogenannten Burgfrieden zu aktiver Zusaminenrrbeit zusammenfanden; hat ein solches Zusammenarbeiten aller deutschen. Juden vom ersten bis zum letzten Kriegstag nicht bestanden. Dabei wurden die-an die, deutschen Juden herantretenden Aufgaben innerer und äußerer Politik immer größer — ohne daß sie einen solchen Zusammenschluß erwirken konnten. Jede Organisation ' und jede-Partei ging ihren Weg für sich und suchte durch Bekämpfung, der andern sich als die alleinige, wahre Vertreterin des deutschen Judentums zu legitimieren. So konnte man das wenig erbauliche Bild erleben, daß an einem Vormittag Vertreter. des „Komitees für den Osten", des „Hilfsvereins", „Der freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums", der Zionistischen Organisation beim Staatssekretär des Aeußern ihre divergierenden-Wünsche vorzubringen versuchten. Es liegt ans der Hand, daß durch ein. solches Verfahren nicht bloß die Interessen der deutschen Juden, sondern die ihnen' durch den Verlauf der Ereignisse anvertrauten Interessen der östlichen Juden aufs schwerste geschädigt wurden. Die Erkenntnis dieses Mißstandes führte zu der einzigen Arbeitsgemeinschtzst deutsch-jüdischer »Organisationen während des Krieges, zur sogenannten „Biod", in die sich jedoch die Orthodoxie nicht eingefügi hatte, vielmehr nur zu einem Zusammengehen von Fall zu Fall sich verpflichten wollte. In dieser-politischen Zerfahrenheit .befanden sich die deutschen Juden, nach 4V-- jährigem Weltkrieg; bei Ausbruch der Revolution, die/die . meisten und maßgebendsten Kreise der deutschen Judenheit völlig unvorbereitet fattb, wie dies die große Demonstration des Zentralvereins für Kaiser und Reich zu Beginn der Redolutionswoche . peweist. Die Revoluiton hat die deutschen Juden vor . ganz neue und dringende Aufgaben gestellt, her..denen 'sich der seitherige Mangel einer Gesinntorganisation der deutschen Juden bitter rächt. Die drohende Trennung 'von Staat und Kirche, die völlige Umgestaltung .des. Schulwesens mit der Tendenz' zur Einheitsschule bedrohen das deutsche Judentum, pon innen heraus, mit völliger Auflösung, .die sich nur durch eip geschlossenes Auftreten sämtlicher deutscher Inden verhindern läßt. Mglltsdyher; eine Gesamtyrganisation so sHemrigst als möglich zu schaffen, wenn man nicht das Schicksal. der deutschen Juden für alle Zukunft besiWw will. , Es hat in früheren Jahren nicht an Versuchen gefehlt, Gesamtorganisationen der deutschen Juden in einzelnen Bmwesstaaten, vornehmlich in Preußen, zu begründen. Me diese Versuche. um die sich in erster Linie der Deutsch-Jüdische Gemeindebund verdient gemacht hat, sind kläglich gescheitert, z. B. der Rosin'sche unv Klaußncr'sche E-twurf; es hat dies, 'abgesehen vom Widerspruch der Orthodoxie, daran gelegen, daß man die deutschen Inden nicht selbst ihr Schicksal bestimmen lassen wollte, sondern ihr Interesse in letzter Linie Vertretern einzelner Organisationen und Gemeinden anvertrauen wollte, was darauf hinausgekommen wäre, daß ein kleiner Kreis, vornehmlich in Berlin wohnender Juden, die Schicksale der Juden in Deutschland bestimmt hatte. Eine nach solchen Vorbildern aufgebaute Organisation, etwa ein Ausschuß sämtlicher jüdischer Organisationen und Gemeinden Deutschlands, würde heute kein besseres Schicksal erleben; selbst wenn sie, was sehr fraglich wäre, zustande kommen sollte, so würde sie des inneren Anteils der deutschen Juden entbehren, und eine mehr oder minder auf dem Papier stehende Existenz haben. Ein solcher Ausschußgedanken hat darum heute keinerlei Berechtigung mehr, weil während des Weltkrieges das Interesse fast aller jüdischer Kreise Deutschlands an jüdischen Fragen in einem solchen Maße gestiegen ist, daß alle Kreise, ganz besonders aber die jüdische Jugend ohne Unterschied der Parteirichtung, aktiven Anteil nehmen will an der Gestaltung der jüdischen Dinge in .Deutschland. Aus diesem Grunde hat der Gedanke des jüdischen Kongresses in Deutschland, der von der Zionistischen Organisation inauguriert wurde, iu allen jüdischen Kreisen Deutschlands das lebhafteste Interesse gesunden, und in allen' Gemeinden Deutschlands und in allen Organisationen ist heute eine eifrige Diskussion darüber im Gange, auf welche Weise unter Ueberbrückung der unter d:n deutschen Inden bestehenden Gegensätze ein Aröntsprogramm für den jüdischen Kongreß ausgestellt werden kann. Mit Ausnahme der Orthodoxie, deren Stellung späterhin besprochen werden soll, sind sich alle Kreise der deutschen Judenheit darüber einig, daß ' ein solcher jüdischer Kongreß in Deutschland das Gebot der Stunde ist;, und in vielen Städten, zum; Beispiel in Königsberg, in Köln und auch iu Franks furt haben sich aus!den verschiedensten Kreisen der deutschen Judenheit zusammengesetzte Komiteen gebildet zur Propagierung eines solchen jüdischen Kongresses. Im folgenden sollen die wichtigsten Ausgaben, aber auch die.größten Hindernisse. die dem Zustandekommen eines solchen Kongresses im Wege stehen, kurz beleuchtet werden. Die Schwierigkeiten liegen weniger in innerpolitischen, als den außerpolitischen Problemen. In allen Kreisen der deutschen Judenheit besteht, mit Ausnahme der Orthodoxie, Einigkeit darin, daß die Schaffung einer Gesamtvertretung der deutschen Jrchen eine, unbedingte Notwendigkeit ist. Bei allen-Verhandlungen zwischen der Reichs-und einzelstaatlichen Regierungen und jüdischen Organisationen haben die ersteren stets aus dem -Mangel einer politischen Gesamtorganisation Nutzen ziehen können, und nur eine politische Gesamtorganisation würde die Autorität haben, berechtigte Forderungen der deükschen Jud«l so lange zu Vertreter^ bis sie Wirklichkeit geworden sind; aber eine solche Autorität würde diese Gesamrorganisation nur dann haben, wenn sie jtuf demokratischer Basis gewählt _ttrirb~ und mit dem plutokratischen Syst^ndaS bisher geherrscht hat, aufrämnt. Durch ibjonr bete Festlegung sind die Rechte kleiner Gemeinden oder politischer und religiöser Minoritäten etwa durch ein Proportionalwahlrecht zu wahren. Ob die in der Freien Bereinigung und der Agudas Jisroel organisierte Orthodoxie bereit ist, unter solchen KautÄen sich an einer Gesamtorganisation zu beteiligen, muß nach ihren bisherigen Auslassungen mchr als fraglich erscheinen. Me deutsche Orthodoxie, soweit sie in diesen Organisationen zum Ausdruck kommt» leibet unter dem Alpdruck und der Gespensterfurcht religiöser Vergewaltigung Min muß auf diese bedauerliche Tatsache Rücksicht nehmen, und ihr durchentssnechende Maßnahmen den Eintritt in eine Gesamtorganisation zu erleichtern suchen. Sind alle anderen jüdischen Steife Deutschlands zu einer Gesamtorganisation bereit, so muß die jüdische Orthodoxie sich anschließen, wenn sie sich nicht jedes Einflusses auf die Gestaltung der jüdischen Dinge iu Deutschland berauben wül. Dasselbe, was als Voraussetzung der neuen zu schaffenden jüdischen Gesamtorganisation gllt, gilt auch für den neuen Aufbau der jüdischen Gemeinde, der sich auf derselben demokratische» Basis vollziehen, muß. In »späteren Nummern dieses Blattes wird zu dem Programm des neuen Aufbaues der jüdischen Gemeinde von verschiedener Seite Stellung genommen werden. Es genügt daher» das, was uns für den neuen Ausbau der jüdischen Gemeinde wünschenswert erscheint, durch den Ausdruck Volksgemeinde zu umschreiben, und auf die bekannte Broschüre „Die jüdische Bolksgemettrde" von Dr. Simonssohn hinzuweisen. Es sei erwähnt, daß gerade in Frankfurt a. M. die Bestrebung zur Reform des jüdisch» Gemeinds-Ausbaues sehr bald zu greifbaren Resultaten führen dürsten. Ms ein dritter Programmpunkt über das Avbeitsprogramm eines, jüdischen Kongresses ergibt sich die Frage des Ausbaues eines jüdischen Schulwesens in Deutschland, auf welchem Gebiet es .bisher an jeder Systematik gesthlt hat. So unterhält, um einen schreienden Mißstant» hevvorzüheben, die jüdische Gemeinde in Berlin mit ihren zehntausenden Kindern im ganze» zwei jüdische Mittelschulen; das bisher in den meisten Orten bestehende System des jüdischen Religionsunterrichts in höheren .Lehranstalten oder der eigene» jüdischen Religionsschulen genügt in keiner Weise, um ein Mindestmaß jüdischer Beeinflussung zu garantieren. Außerdem ist die Existenz der Rekigionsschulen in kleineren Gemeinden bei einer Trennung von Staat und Kirche durchaus in Frage gk> stellt. Schon aus diesem Grund ist die systematische Regelung der jüdischen Schulfragen eine drin- ' aenbe Notwendigkeit, und es ist zu hoffen, .daß dirdivergierenden Wünsche der zionistischen, liberalen und orthodoxen Kreise durch eine freimütige allgemeine Aussprache gefiedert werden. Ms vierter Purickc des Arbeitsprogramms rinL^ jüdischen Kongresses in Deutschland ergibt sich d> Frage der Fortbildung der schulentlassene» -jüdischen'Jugend. Es ist dabei unter Fort: bildung nicht nur die Weilererziehung zum Juden-