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Neue jüdische Presse · 1919-01-24 · Heft 4 (24.1.1919) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
17 (1919)
Issue
Heft 4 (24.1.1919)
Date
1919-01-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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% Frankfurter Israelitisches Familienblatt Redaktion und Expedition: Frankfurt a.M., Langestraße 1 Fernsprecher Amt Hansa LS03 Herausgeber: Sach Geis Lnftnmnmitiiniimiiiiiiniiinniiiiiiimimmuinmmumnimm; | Erscheint wöchentlich am Freitag. Bezugspreis pro Viertel-': : jabr: 3n Frankfurt a.M. Mk.L.so stei ins Haus. Bei der Post : : abonniert Mk.7l.Sv, stei ins Haus 4 pfg. pro Monat mehr. / Bei : : Zusendung durch Streifband stir Deutschland unv i5sterreich>!lngam; : Mk.2^rs,fAr alle übrigen Länder Mk. 2.50. Einzelnummer-15pfg. : .nunniiiimimmiiimiiiiuiinmiigniMUiniimiunnunimimu: : Insertionspreis für die sechsgespaltene petitzeKe Sv pfg., für : : die Reklamezeile Mk. 7l.50. Bei Wiederholungen entsprechender : : Rabatt. / plah- und Datum-Vorschrist ohne Verbindlichkeit. / : : Annoncen-Annahme bei der Expcd.und in a.Annomen-Äureaus. \ : Konto, bei dem Postscheckamt in Frankfurt a.M. unter Rr.4ü64. : 17. Jahrgang Freitag» den 23. 8vLva1 5^9 (24. Januar 1919 z Rr. 4. Die Orthodoxie und der Songretz. Tie jüdische Orthodoxie in Deutschland hat den Volksgedanken akzeptiert. Das ist das Ergebnis der letzten inneren Entwicklung und ivic können nur unsere lebhafte Befriedigung über dieses Ergebnis ausdrücken. Mit der Aneignung des Bolksgedankens beginnt eine neue Phase innerhalb der Orthodoxie in Deutschland, und es ist nunmehr die dringende Aufgabe derjenigen traditionellen Juden, die an einer gesunden und fruchtbaren Entwicklung auf der einen Seite, an der Wahrung des ihr zukommenden Einflusses im allgemeinen jüdischen Leben ans der anderen Seite interessiert sind, Acht zu geben und von vornehercin dafür Sorge zu tragen, da st diese neue Phase sich -in einer Weise entwickelt, die den wirklich großen historischen Aufgaben der Orthodoxie und ihrer Bedeutung innerhalb des jüdischen Volkes gerecht wird. Die wichtigste Frage der Aneignung des Volksgedankens muß es sein, daß die. Treunungstendenz, die bisher einen Teil der Orthodoxie beherrscht hat, zurücktrilt hinter eine Politik, die die Einheit des Judentums ur pvlitischer und nationaler Hinsicht betont. Wir wissen sehr wohl, daß der Volksgedanke, wie ihn das traditionelle Judentum von jeher vertreten hat, ein ariderer ist, als der etwa, der erneu rein politischen--jüdischen Nationalismus proklamiert, und es kann selbstverständlich keine Rede davorr sein, daß das traditionelle Judentum die Reinheit und Besonderheit seines Volksgedankens irgendwie trüben läßt. Ties aber kann die traditionelle Judenheit nicht hindern, in politischer Hinsicht, soweit es sich -um die Vertretung der politischen Forderungen des jüdischen Volkes und die Führung seiner nationalen Politik handelt, Hand in Hand mit allen den Juden zu. gehen, die gleichfalls das jüdische Volkstum anerkennen, um so die politischen Rechte und Ansprüche des JndentunlS dnrchzusetzen. Es ist bckartnt, daß Teile der Orthodoxie bisher einer solchen Einhcitspolitik sich dauernd widersetzt haben und jn einer durchaus mißverstandenen Auffassung ihrer religiösen Pflichten es für notwendig gehalten haben, stets als besondere Gruppe aufzutreten und sich von _ den anderen zu trennen. Wenn Ke' Anerkennung des Bolkc-gedankens auch für diesen Teil der Orthodoxie Sinn und Bedeutung haben soll und zum Anfang einer neuen inneren Entwicklung werden soll, muß sie dazu führen, daß der Bolksgedauke die Basis bildet zil einer Einigung mit dem gesamteit Nationatjildentum, lieber alle gedanklichen Differenzen hinweg, über' alle Unterschiede in der Anssassung des ~ jüdischen Volk'sgedanken hinaus muß die politische Front aller der Juden gebildet werden, die sich als Glieder des jüdischen Volkes suhlen und eine nationale Politik des Judentums vertreten wollen. Wenn dies schon immer die große Ausgabe des jüdischen Lebens' war, «so ist sie in diesem Kriege doppelt und dreifach dringend geworden. Das Judentum ist als politischer Faktor anerkannt .worden, es hat die Epoche seiner selbständigen nationalen Politik begonnen und es ist flar; -daß etz dieke neue Politik als geschlossene Ganzheit, als einheitliche politische Organisation führen muß, wie es alle Völker und Staaten tun. Auch ist bereits die organisatorische Form gegeben, die den Zusammenschluß aller sich zum jüdischen Volk bekennenden Juden und damit auch den Zusammenschluß des nationalen Judentums mit der Orthodoxie ermögliche!! soll. Diese Basis bedeutet die jüdische Kongreßbewegung. Diese Bewegung ist ja nichts anderes als der organisatorische und politische Airsdruck der politischen Nationalität und Aktivität des Judentums in diesem Kriege. Weit das Judentum als Volk anerkannt worden ist und von nun ab nationale Politik treiben muß, muß es seine nationale Organisation und Repräsentanz. schaffen, die befugt ist, die Politik des jüdischen Volkes als anerkannt autoritative Instanz zu sührett. Die Organisation soll durch. den Weltkongreß des jüdischen Volkes geschaffen tverden, und es ist klar, daß alle diejenigen, die sich als Glieder des jüdischen Volkes fühlen, alle diejenigen, die an der Politik des jüdischen Volkes aktiv beteiligt sein wollen, auf diesem Kongreß vertreten sein müssen. So muß die Kongreßbewegung alle national enipfindenden Juden vereinen, ganz gleich, wie die einzelnen den jüdischen Rationalismils und den jüdischen Volksgcdanken anffassen und vertreten. Man sollte meinen, daß diese Gedankengänge so selbstverstäirdlich sind, daß die Orthodoxie in Deutschland, nachdein sie den Bolksgedanken anerkennt, ihn ohne iveiteres sich zu eigen machen würde: man hat annehmen müssen, daß die Orthodoxie sich der jüdischen Kongreßbewegung in Deutschland anschlicßen würde, um den ihr znkommenden Einfluß in dieser Kongreßbewegung ansüben, zu können. Leider scheint es, als ob jener Flügel der jüdischen Orthodoxie in Deutschland, der bisher die Trennnngstcndcnz. vertreten hat, auch jetzt ttach der Anerkennung des Volksgedankens nicht geneigt ist, diese Tendenz.preiszugeben. Vielmehr hat es den Anschein, als ob dieser Teil gerade den Volksgedanken zu cincul neuen Mittel und Argument der Trennung machen will und sich aus den Standpunkt stellen, .daß ein Zusammenwirken mit denjenigen nationalen Juden, die den Volksgedanken in einer anderen Auffassung vertreten, nicht ucöglich fei. Fn Rr. 1 des „Israelit", der der Wortführer dieser Gruppe innerhalb der Orthodoxen ist, wird in einem Leitartikel zum Kongreß Stellung genonlmrn, und schon der Raine dieses Aufsatzes ist kennzeichnend für die Stellungnahme vceser Gruppe. Der Aussatz benennt sich: „Eine jüdische Kongreßdemonstration in Deutschland". Man maß staunen, daß. die Herren des „Israelit" und die politischen Führer dieser Trenuungsgruppe so wenig politisches Verständnis haben, daß ne die Bedeutung des Kongresses nicht erfasse!: und von einer Kvngrcßdemonstration sprechen. .Haben sie es noch immer , nicht begriffen, welche große historische Bedeutung der Kongreß haben soll, daß es sich bei ihm um die Organisation des Gesaintjudentums, tun die Schaffung der. Einheit des jüdischen Volkes in politischer Hinsicht, die seit zweitausend Jahren nicht mehr besteht, handelt. Wenn sie nicht begreifen, daß die Kongreßbewegung eine historische Tatsache von unabsehbarer Bedeutung darstellt, die zum ersten Male wieder ein einheitliches jüdisches Volk als weltpolitischen Faktor schassen soll, dann verstehen sie nicht, daß der jüdische Kongreß in Deutschland nichts anderes als einen Teil dieser allgemeinen Kongreßbewegung bedeutet und somit die große Bedeutung hat, das deutsche Judentum in diese neue einheitliche Organisation des jüdischen Volkes einzufügcn. Es zeugt von einer er- , ste.nnlichen politischen Kurzsichtigkeit, bou Kongreß als eilte Demonstration betrachten zu wollen und demgenräß ihn abznkehnen, weit eine solche leere Demonstration nur den Antisemitismus stärken, könnte. Mit solchen Gcdankengängen rann die Orthodoxie, sofern sie die Anschauungen des „Israelit" vertritt, ihre Stellungnahme zum Kongreß nicht begründen. Sie muß erkennen, daß es sich hier um eine große Entscheidung handelt: darum nämlich, ob die Orthodoxie Mitwirken will an der neuen Politik des jüdischen Volkes, nutverttsten sein nill in der Repräsentanz des jüdischen Volkes, die der Weltkongreß schaffen will, oder ob sie bei Seite stehen bleiben will Die Orthodoxie anderer Länder hat die Frage bereits beantwortet, fie hat überall an der Kongreßbewegung teilgenommen, sowohl in Amerika, w.ie in der Ukraine, wo, wie der Verfasser deÄ Aussatzes im „Israelit" garnicht zu wissen scheint, auch das jüdische Vorparlament getagt hat, das. das gesamte ukrainische Judentum vertreten hat» ivic auch in Grckßrußland, wo die Wahlen zun» jüdischen Kongreß überall dnrchgeführt wurden Wird .die Trennungsgruppe innerhalb der deutscher» Orthodoxie nicht behaupten, daß das Beispiel der Orthodoxen in Rußland und der llkraine für sie nicht maßgebend sei? Wirb sie behaupten, daß sie den Geist des.traditionellen Judentums etwa in einer reineren Form vertritt, als die großen Koryohäen des orthodoxen Judentums im Ostens Die Herren des „Israelit" müssen es sich gesagt sein lassen, daß, wenn sie aus ihrem Standpunkt beharren, sie sich damit ausschatten ans der allgemeincrl Entwicklung des - jüdischen Volkes. Dies ist keine Drohung und gewiß kein „Terrorismus", wie es der Aufsatz im „Israelit" hinstellt, sondern es ist die tatsächliche Wahrheit. Wer die Einheit des Judentums verleugnet und an der nationalen Politik des Judentums sich nicht beteiligen will; wer auf der Konstituante des jüdischen Volkes, die der Weltkongreß darstellen wird, nicht vertreten sein will, der schaltet sich eben ans. Wir sind überzeugt, daß die Majorität Lee traditionellen Judenheit in Deutschland keinesfalls den Willen hal, eine solche Politik zu betreiben. Die Entwicklung innerhalb der traditionellen Judenheit in Deutschland in den letzten Wochen und Monaten: zeugt deutlicher dafür, wie alles andere. Wenn oie blsherigen Führer der Trennungs-Orthodoxie den großen Zug der Zeit und die große Aufgabe des Momentes nicht erkennen, dann wird die Entwicklung über sie hinweggehen. Die Zunahme -er Mischehe«. Im vergangenen Jahre wurden in Köln 27 jüdische und 32 jüdisch-christliche Ehen geschlossen. Also mehr als die Hälfte der von Juden geschlossenen Ehen waren Mischehen! Dieser Zahl aus einer jüdischen Großgemeindc Teictschlands dürste typi'cher Wert beizn-

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