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Neue jüdische Presse · 1917-10-12 · Heft 38 (12.10.1917) · page 1

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
15 (1917)
Issue
Heft 38 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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SIESS* --■' «/-'/^Wckchttut.W4«iWch'-am FreitagH ,« /.>) Ä^^^rÄ/M^bWr'SnWranPirt^MMk. 1iL srer ms HcmS. Bei der Post abonniert SV Pfg.- stei ins Haus 4 Pfg. pro?Monat mehr. — Bei/Zusendung durch), /Streifband.für Deutschland und Oesterreich-llngarn Mk.1.50,' 7 '^für-Rußland 1- Rubel, für 'alle -übrigenLänder- Mk. I.'— ' -'/?? .-Einzel-Nummern kosten) 1V^Pfg.' 7m FranKfurt/a.m. :: LangLllr 7. "ÄMsprecher. Amt Hansa 2903. " ' - a|>/- ■ ly'z - / :H'-nm-geSek: : 4Tjj Ichfrrtwnsprer» ^e die stufAetzMen^Pstti^ile 3d-PfgE fwL die ReklMnezeile Mkt.—.' Bei Wiederhülungm entsprechender" Rabatt. ^Stellen-.Angebote und .-Gesuche; WohnungSrnserate, Heirat s- Ännoncen LO Pfg. die sechsgespaltene Petitzeile ohne»)) jeden RahattzMatz-^und Datmu-Dorschrist ohne BerbuchlichkeitH Annoncen-Aimahme bei der ^ped. und ina.Annoncen-BnreaMH Konto bei dem Postscheckamt in Frankfurt a. Mimlter Nr. 4864-./ 15. JahrgaUg. Freitag, de« Ä6. Ä8«dr! S678 (12) Dktober 1917) Rr 38L Die^Jndenhett Rußlands u«d die Revolution. »Ire 0. Bon Ben- I e sth u n.e. Zweifellos.: Der Mrrwarr in Rußland hat sich noch nicht gelegt, nein, mehr noch verstärkt, und der innere, aüsiiWlende Kampf dauert fort. Eines aber "ist sicher und bleibt trotz allem bestehen: Das alte Regiment ist sg . gut wie weggefegt, und der'Konflikt im Innern dreht sich 'mm das Was, mcht/üm das W i e der Revolution. Aber der Kampf ist heftig und tief eingreifend in die ganze Entivicklüng des Staates, wie auch des Völlerlebens int' einzelnen. - ' ' .: ■ Unter den russischen Nationalitäten, nehmen die Z u den fraglos eisten wichtigen Rang . ein. Schön bei den Kämpfen/und der Anbahnung der Revolution — mit selbstloser/ Hingabe und mit großen Blutopfern — hervorragend beteiligt, wirken 'sie /.jetzt-. nach Erfüllung des alten Ideals, an dem.'Ausbau und der Neugestaltung ihres. Heimatlandes mit; und nicht gering und wirksam ist ihre Teilnahme seit Beginn des Umsturz^, an der) weiteren KonsolidierüNg der Staatsverhältnisse. Unst-stahrlich: es sind die Juden, die einen Teil und-micht. denschlechtesten der russischen Intelligenz stellen. Mit Scharfsinn ausgezeichnet, durch die fortgesetzte Bedrückung mnd Verfolgung zu Vorsicht und' Umsicht erzogen, sind unter der Judenheit' Rußlands . klare,/reale,. zielbewußte, Politiker, herangereift, /Männer, die von den/ häufigen 'rnssi". schenHitz-.uiid Wirrköpfen zum Vortell Nbstechen. AD'verhält sich demnach die russische Judenheit? zum Staate, zu seiner Entfaltung? L o y a l i - t at ist das Bewußtsein, das die Juden der StaatslLitüNg gegenüber beherrscht. Sie, die/das Freiheitsideal Ströme von Blut, und Dränen gekostet, sind) diesem natürlich treu geblieben. Doch — und das nst unseres Erachtens/ das einzig. Richtige und darum Fruchtbringende. maßvoll blieb ihr Streben und Verhalten, mastvoll all ihre Politik, die in diesen chaotischen Zuständen : des russischen Reiches größte Umsicht und! Beschaulichkeit verlangtet ..und in noch größerem Maße verlangen. Politisch gehören die Juden den gemäßigten Linksparteien an: von den Sozialrevolutiotiären bis zu den Kadetten, und ihr Platz hleibt nicht im Hintergrund — der Hinweis aus. Win M erst. den geistigen Führer. derKadetten/gerrüge- Einzelne — ob- Fanatiker oder Phantasten — mögen anarchistischest mnd maximalistischen Zielen' nachhängen, m§f schlaggebend und weit einflustreicher sind, einmal die chemästigten vernünftvöllen Elemente' innerhalb der russischen Judenheit. ..Und viel hat /ihnen die protziforische Regierung (oder Regierungen) zu verdanken p haben ihr doch die/-Juden zumeist Beistand/ geliehen, .kräftigen Beistand,- und, ihr nach Möglichkeit geholfen, den vertvickelten' Knoten 'der russischen Lage zu./entwirren. Bon diesen, Grundsätzen// bedingt , und diktiert ist die Stellungnahme der/Judenzu den - einzelnen politischen, in der Konstituante zulösenden .. Problemen., zw / den Sozial-) Agrar-- Bildungsfragen usw. Aus diesem Fragenkomplex . die . für - die- Juden wichtigste Frage dMRegierungssörm heräusgreifendmuß man feststellen, daßdas russischstJudentum eine L eu.tvor l i s.a t i ö n der Staatsgewalt in Rußland anstrebt Md in . der Konstituante/verfechten wird, verfechten,. wie .wir- -später - ausführen, . aus triftigen Gründen! "/‘. ~?■/.-'/?//■/ Welche Stellung, wird matt nun ftagen, nimmt die Judenhc.it Mußlands als. Ciesän^ft.'/yst^-- Hst Bez«Lstüüf5''dte'/'al1gNeinrHölMstUlMv/'nfeM auchnichtÄückenchse. Mntzeitlichkeit, wie wir oben. ausführten,' festzustellen. -stst/st. /stAuch) .hier ist die Besonnenheit und politische^ WMicht-der Inden zu bewundern. Nach dem ersten Rausch über das ungeheure Geschehen, über den jähen Uebergang von Rechtlosigkeit zur fast matzlosen Freiheit, schritten die Juden gleich an' den Ausbau und die Festigung ihrer Lage.-, Ein mächtiger Organisationsd-rang erfaßte sie, 'eilt Drang nach) Zusammenfassung der aufgespeicherten inneren Energien, die in' den letzten Jahren mit wachsender Stärke für ihre volle Auslebung Bahn zu brechen suchten. Diese Versammlungen Und Konferenzen, binnen so kurzer Zeit abgehalten, stellen einen Niederschlag dieses Strebens dar, das in dem alljüdischen Kongreß seine imposante Verkörperung feiert/ Wohl, mögen manche nutzlosen Erörterungen und Debatten Vorkommen, manch phrasenhafte Gedanken zu Tage treten, — datz die Organisierung der russischen Judenheit und die Vorarbeit für ein - unübersehbares Arbeitsfeld günstig sörrschreitet, ist eine klare Tatsache, eine Tatsache Hon höchstem' Gewinn und Wert. ' Und dieser >-OrFanisationsdrang, der in so -^großem Maßstabe und mit? solcher Intensität Nur -nationalen Gemeinschaften eigen ist, bringt das Nattonale Empfinden?des? russischen Judentums unwiderlegbar ' zum Ausdruck.. Diese Bewegung begann schon in den letzten Jahrzehnten des alten Regimes stärkere Wellen zu schlagen.' Weitaus einschneidender hierbei ist aber' der nationale Zug, der jetzt durch'die ganze?Welt.geht und in Rußland den stärlsten Abklang' findet. . Der Nationa/ lisierungsprozeß schrxitet überalle Hindernisse vorwärts, reißt widerstrebende- Hollsteile / mit sich -oder wirft sie' als. leblose Glieder beiseite. - Aber die Judenheit Rußlands, in - allen .ihren Richtckttgen ist nahezu ausnahmslos ' demv Rust der Zeit gefolgt und/ hat sich natwstale Neen , zu eigen gemacht. In'einent sind sich die tmssischenJnden, ob Mttonaljudm oder Asflntilatören) einigin der Forderung eister n at i ö n a l e n Selb stb e.st i m m u n g in..Rußland. Eigene Schulen, keilweises.Selbstbessimmungsrecht und ähnliches umfaßt ^diestr 'Begrisf -der ' A u t o n o m i e, der dem Fudeytüm/ den eigenen, Charakter/zu wahren bestimmt ist. Diese Wünsche soll der russische Kongreß in Rußland verkünden, soll/ auch die jüdische Vertretung . in der ÄouslilüaNte Vorbringen. Dieses /Bestreben ist es eben, das die Juden, wie wir oben sagten, zu Anhängern de r Zentralisierung der Staatsgewall macht; ' andernfalls, bei emer föderalistischen Republik, würde die jüdische .Bevölkerung nt den einzelnen Provinzen als geöinge Minderheit eine ungünstige Stellung haben. / //-Soweit, in dev? jüdisch-russischen Politik, habest wir einen? einAitlichen Gesamteindrück^ gewonnen. Gehen wir einen Schritt weiter und fassen wir die Haltung des russischen Judentums zstr GesanttjudeHeit, zü - den' gesämtjMschest/PLoblemeN, ins Auge) so entsteh^ ein anderes Bild. Me Nqtionalisierujlg, vonder wir «oben sprachen, ‘ ist bei großen. Teilen der - russischest- Judenheit erst - im A n s a n g-s stadium -, begriffen. . So ist . es., leicht verständliche daß -diese Teile sich, noch nicht zu einer abgerundeten -nationalen Auffassung durchgerungen haben. Und hier teilt sich das/russische Judentum in zwei Strömungen/.Dia? eine, der im Miege ungeahnt erstarkte Z io ni smn s-- mitt/d er -O r -?tho d o xre. - Jhsien stehen Hst dMwkrDschest Parteien mit /der „B v l k s p arte i" - (von Winawer geleitet/- and/dem „B u md"' an 'der- Spitze) gegenüber. Der Gegensatzbeider Richtungen liegt in der Haltung gegettüber dem , Gesamtjudentum: -Her-- Zionismus betont, tzie Demokratie verneint Me Idee eines jüdischen^Volksganzen und lehnt PalaUnL. sowie eine uemeinfame/ ArWt MWder' ÄesamtjudeNheit ab. ( /,/ - / / " Zum besonderen Ausdruck kömmtdieser Kampf in/-der'Kulturfpstge. Namentlich die) Schul--, ü n d B i l d u n g s f rn g e ist lebhaft umstritten und' die Unterrichtssprache 'erregt nach wie vor die Gemüter in starkem Maße. . •; Tie letzten Ereignisse — und hier besonders die-vielen Konferenzen — fittbrem Abbilh dieses: Zustandes. Dennoch: Der einigende Boden i-st-? gefunden, das nationale Moment .führt alle aneinander. Das russische Judentum hat die Beheutting der Stunde erkannt und daraus die Folgen gezogen. Und diese Erkenntnis war es auch, die die? beiden widerstrebenden Richtungen aus der Vorkonferenz zum alljüdischen' Kongreß auf ein gemeinsames Programm zusammenfühcte. Pa-. lästina, die Jüdenftage in Polen und/-Rümänien sollen als ein Punkt auf die Tagesordnung 8es alljüdischen Kongresses gesetzt werden. Der alljüdische Kongreß wird darum eine Repräsentanz dör russischen Judenheit werden können. ./ / Das- Judentum Rußlands aber wird, -schreitet es weiter aus dem nationalen Wege fort, für die; ganze Zukunft des Wifchen Volkes G e w al t i g e s' leisten- -. .... .• /-?/' i. .// -i-j . .0 > Die Juden in S«i<»ikL -) Dem /Meffagero" wird aus SäÄniki mit- .'Z geteilt, "daß. von den 50000 obdachlosest Juden.ütele.' bei ihren Glaubensgenossen im neuest Stadtteil / Unterkunft gefunden haben, währendk andere in die Lager der Ententetruppen untergebracht würden. - V// Da «her?, niemand auswandern .will)../sind viele Familien gezwungen, in den FeLstrst zu lehen. /. "i / Arbeitsame Juden haben ihren Handel) wieder -// -ausgenommen, indem sie die ' wenigen " geretteten ' Waren auf /den Trottoirs ausWllen. Die dringende Rotwenhigleit MÄ»- allgemein / -7Z 'anerkannt;- aber währetm die Juden uM d:e Er-/ - . ' laubnis ansuchen, die zerstörten Immobilien nach"' - // einem von den Behörden festgesetztest Plane wieder " äufbauen zu dürfen, gibt Mute, die> das Un- - / glück zn^^ ihrem Vorteileätchnütze'st stwllen. So hat ein vom griechischen Parlamente in erstem. ^Lesung angenommenes Projekt große Aufregung . - ' v-rursacht. - /;' / - / Man will nämlich/ eine Enteignung des gau- , zen vom Brande heimgesuchten Areals bewirken^.../M bie Besitzer würden. durch Beträge entschädigest). weit unter dem wahren Werte ihres Eigenjstms). - stehen, und zwar nicht in bar, sonverndurch/Botis>i mit festen Fälligkeitsterminen. Eine gvoM/Jmutst-..'. '■% - bilkeuunternehmung würde den.WieberatMäü.' mtstL- * Kontrolle der griechischen ReKerimA ubÄstMitert.. -tz) Aber die Juden, Me zwei Drittel der-Stadtbo-^^ - völlerung äusmachen,' sind . der - Meinung)-" dä^ H man sie'dadurch ihres ^Bttmögens berauben und zu - einer Mass en au sw an d er u n g zwingen'" .1 wolle. - * - J ' -> / ' ». Der Gesamtbetrag der 'Hersichestutgen besLüfrA. - sich auf!2L Millionen Franken. Bön den Beschä--/ digtensind -50000 Juden, 15000 Türkest. 6— 7000'Griechen,-? Italiener und andere Ausländer.?

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