Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 41 (22.10.1915)
- Date
- 1915-10-22
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Manlfurter WraeMschrsFEMenMÄ. Nr.-41. - Die Freit«rg-AbettdL^sollen in der ältenhei- -mischen Weise wieder eingerichtet - werden And beginnen am 29. Oktober. .;■ - Daß die Lehr kur s e in den fremden Sprachen so-; wie die anderen Einrichtungendes Vereines ebenfalls . wieder durchgeführt werden, - ist eigentlich! selbstverständlich. So die Wander.ungen, der. Schiur und insbesondere der von nnsevent Freunde Si gmnvrd .-Singer schon seit über Jahresfrist in vorbildlicher Weise eingerichteteL iebes g abenvcrsand:". . So ist denn $u. erwarten, daß trotz der schwierigen Zeiten, inder wir leben, dem Vereine die.Genugtuung ' blühen wirdin seinen Räumen. ein volles Leben zu sehen und seinen idealen Zielen auch in diesem Jahre. entgegengeaKeitet zu haben. ' „«achlatz Zwi". - In augeregt anschaulicher Weise sprach Rabb. Dr. Winter - Honwnrg über „Leben und Schicksale der Juden in Polen." 7 - 7 In einem kurz«!'geschichtlichen'Rückblick hob .er hervor, wie im 13., 14. und 15. Jahrhundert der Zug der deutschen-Juden nach Polen ging, während in den -^letzten'.'Jahrhüüderten. das umgekehrte Verhältnis einge- -tretchr ist. ' ->7 .- - Et schilderte dann die Eindrücke, die , er bei öfterem Besuche Polens empfangen hat. Schöne Städtebilder, die mit denen des Westens wetteifern, und ein sehr regsames Leben zerstören schnell 'die vorgefaßte Ansicht .des Reisenden von dem unkultivierten Oswin In diesem Geblew stmHen die Juden hervor, die noch heute . die ' deutsche Sprache, die sie «inst mit .nach Polen brachten, trpu bewährt 'haben und auch in-dem Kaftan eine mittelalterliche Tracht zäh erhalten, ein Beweis für ihr konservatives Wesen. ‘ - Leider; sind die Juden, da ' sie staatlich auf Schritt und Tritt unter Ausnahmegesetzen .stehen, wirtschaftlich in keiner beneidenswerten Lage. Ein Drittel' von -ihnen verdient jährlich, so ist statistisch festgestellt,' Unter 250 Rubel, also weniger als .560 Mk. Sie sind Händler und Handwerker; andere Berufe erschwert ihnen ja der Staat. Trotz ihrer großen Armut stehen sie aber kulturell auf .einer hohen Stufe. Die freie Zeit wird äll- ‘ gemein dem Studium in Thora und Talmud und in ..den Büchern der Geistesfürsten des' jüdischen Volkes gewidmet. Groß sind sie dadurch, in allem- Menschlichen, groß in -ihrem sittlichen Leben.. Eine Fülle von Wohltätigkeitsinstitutionen haben auch die ärmsten Gemeinden. . Mau findet - in - Polen -nur ganz traditionstreüe Juden ioder. gänzlich äbgefallene, die .große Zwischenschicht der ' Indifferenten, wie wir sie im Westen haben, kennt . man nicht.. 7 7 . -. .. ' Zum.Schluß polernisierte Redner gegen jene aktuellen : Schriften, die bei einerEinverletzung Polens die polnischen Juden als' eine Gefahr" für Deutschland anschwärzen wollen, während sie die kulturell höchst stehenden und Deutschland am nächsten stehenden Einwohner Polens sind. - 7 -• Slewe Rotlzea. Die S0untag-B0rträg e/Rctzbiners'Dr. Nobel, im „Talmud Thorä"-Berein-beginnen erst am 31. Oktober. '' ‘ ’ - Die „Agudas Jisroel-Jngendgruppe" veranstallet Soujntag nachplMag 5 Uhr ein Hesped auf R ab b. S. Htz S-chü lew s. Atz der auch, in dev Jugend? gruppe lehrte. Direktor Kr. Lange wird das Hesped halwn. Anläßlich des 500-jährigen Regierungsjubiläu.ms des Hohenzollernhauses finden in den hichigen Synagogen.Festg0ttesdienste statt: in der Synagoge Börneplatz beim Freitag-Abend-Gottesdienst und'in den Synagogen FriÄberger Anllrge, Hauptsynagoge und KKnigpeinerstraße beim Samstag-Morgen-Gottesdienst. Ca f e Kais erg arten ' ' am Opempl&tz ErotMa&sigegFamillen-Cafö Nachmittags Konzerte. ----- Fr. Hanselmann, Besitzer. behilflich, sie hatte irgend eine Verabredung. Da sagte sie vorwurfsvoll: „Siehst Du Aenni, wenn Du studiert hättest, würde ich Dich nachder Schweiz und Jtaliim mitgenommen Haben. Jetzt darf ich Dich Deinen Pstichten im Geschäft nicht entziehen." Aenni entgegnete ganz trocken: „Wenn ich auch abkommm könnte, Vater würde mir ja sicher -Ferien geben, würde ich doch nicht mit- I Erlanger faeiif. Kalsemofsir.14 Waschen, Färben und Fagonnlaren aller Art Harren-und Oamenhüte. — Abholung .nnd „leferang; freijne Hans.’-,- I Um das Gluck. Novelle von Jacob Levh. (Fortsetzung.) 1lnterdessen''hatte Hermann Beck eine mehrwöchige Gchchästsreise.angetreten. Billor Kurz war es deshalb recht unbehaglich zu Mute, denn -er hatte sich daran - gewöhnt, mit ihm jeden Tag zusammen zu sein. Er entbehrte auchdiehäusliche Behaglichkeit, die Jenny ihm geschaffen, für die seine Frau sedoch nicht sorgte.' Diese -ging mit der Miene einer Märtyrerin herum, faßte jkdes laute Wort, jedes Lachen der Kinder als eine -persönliche Beleidigung, als einen Angriff auf ihre Nervenauf wtz sprach von einer größeren Sömmerreise, um ihr seÄisches Gleichgewicht, das .durch den Undank der Mnder gestört war, sowie ihre starke Nerven wieder zu gewinnen Lrnd arm neue -Kräfte für die Winterkampagnc zu sammeln. . Da erlebte sie eine ganz unerwartete Ueberraschung! An einem Samstag , abend — ihr Mann war im Gase Hirsch — war ihre Tochter-^hr beim Umkleiden „Warum denn nicht?" „Well es zu teuer ist. Vater hat genug Mühe, unfern kostspieligen Haushalt zu bestreiten, sodaß ich sicher seine Sorgen nicht durch unnütze Ausgaben ver-. größer» will." - ’ „Aber Aenni, wie kommst Du 'dazu, Väter hat ja ' - niemals auch nur eine Andeutung gemacht." , „Gewiß nicht, er ist eben zu gut. Ich sah aber die Sorgen auf seiner Stirn, an seinem Grübeln, an seiner Schweigsamkeit. Und deshalb ging ich in unser Geschäft, und dort, habe ich studiert und beobachtet und gefragt, ultz ich kann Dir sagen, daß wir viel zu viel Geld ausgebeu. Ich" nehme mir nicht das Recht,- Dich Weller auszullären, sprich 7 mit Vater darWer." „Ich werde mich hüten, mag er mit .mir -davon anfangen, wenn er - es für nötig hält. Üebrigens faselst Du. Wie willst Du dies beurteilen können?" „Muter, ich werde dafür sorgen, daß Du die Wahrheit erfährst. S", Deine Toilette ist beendet. --Ich wünsche Dir viü Vergnügen" : Un6 im Nu war sic aus dem Zimmer, wo ihre Mutter fassungslos in einen Sessel sank. Sie zweifelte eigentlich keinen Augenblick an der Wahrhnt des soeben Gehörten, denn sie hatte wohl'bie gefurchte Stirn, das düstre Grübeln und die in.der letzten Zeitso ganz unausgesetzte Tätigkeit ihres Mannes bemerkt, ohne weiter darüber nachzudenken. Ihr elastischer Geist schüttelte jedoch diese Sorgen im Augenblick ab. „Ach, ich habe'jedenfalls zu schwarz gesehen, Viktor wurde es mir schon gesagt haben. Keinesfalls darf ich seine Sorgen^durch neugieriges Jnquirieren vermehren." Und sie erhob sich und ging in eine Vexeinssitzuug, ohne' wissen zu wollen, wie ihre Kinder Theobald und Aenni den Abend verbringen. — .- X - Den andern Morgen umr. sie mit ihrem.. Mann/ beim Frühstull allein, die Kinder waren schon früh auf einem Spaziergang.' Sie bemerkte, wie sich die Silber- -säden im Haar' ihres: ManneS vermehrt chattim/ tvie . 'er zusammengesünken da saß, und da begann sie:„Viktor, -Du.mußt. unbckingt etwas für Dich tun. Ich wlll aus eine größere Reise verzichten "und mit Dir in eine Sommerfrische gehn, wo Du Dich erholen kannst." Er blickte sic verwundt an und erwiederte: „Geni,' ich bümrf einer Ausspannung so, wenig wie bisher. Ich denke nicht daran, mich mehrere Wochen lang müßig irgendwo hinzusetzen und - unserm Herrgott die Tage zu stehlen." „Doch Viktor, Du siehst angegriffen aus. In den Jahren bist Du ebensowenig jünger geworden als, ich, und ein mehrwöchentlicher 'Landaufenthalt, wo Du nur Deiner Gesundheit lebst, fern von den anstrengenden Berufsgeschäften kräftigt,Dich, wirkt wie ein Jungbrunnen." „Ja, das mag wohl alles selll, aber eine. Reise ist für mich unmöglich. Ich lasse die Kinder nicht auf lange Wochen allein, sie sind noch zu jung für einen elterlosen . Haushalt. Und dann — ich -bin im Geschäfte unabkömmlich. Der. Sommer ist unsere beste Saison für' die Jahrmärkte und Kirmessen, und da kann ich das Geschäft noch auf'kmnen.Tag verlassen." „Lieber Viktor, dem wäre leicht abzühelfen, daß die ^Kinder nicht allein sind. Mir würden Jenich bitten, auf vier Wochen hierherzukommen; wahrscheinlich wird sich Karl Günter freuen,' wicher einmal in. die Stadt zu kommen." -7 - - . . . Er beherrschte sich mühsam. „Gini, die beiden bleiben, wo sie sind, bis der Junge selbst zurückzukommcn verlangt. Ich tviederhole Dir, ich kann vom Geschäft, nicht abkommen. Du mußt deshalb allein reisen." „Gut, ich' möchte aber doch einmal, sehen, wie Karl Günter und Jenny in Ruland leben und..sie aiif einige I Prahl Schwarz] ' elnztf n Frankfurter Milchkuranätalt unter Kontrolle des ärztllchen Vereins . ..- Scbwiu-zburffStr. 2—6 . -Tel.' Hansa. 1168 j einzige AnztzUTrsnkfarte, nelohe eosseblle' slloh. keimarme Kurmilch nnr au» dpr »teneh Stallnng liefert. Tage besuchen. Was danach aiizuordnen ist, wird sich: dann finden. Ich kamt meine ' Erholungsreise direkt ] anschließen." Viktor entgegnete nichts, sondern, gab^ sciuc^ Ein- Nnlligung durch Nicken zu erkennen. "Dann 'vertiefte er j sich in die Zeitung. "Gini -aber freute sich, daß er nichts Unangenehmes j erwähnt hatte und beglückwünschte sich, diskret, gcschwiegen und ihrem Manne Peinliche. Erörterungen crspart zu haben. Jhrer Tochter aber, die zur Unzeit sich I wichtig möchte,-wollte sie es bei Gelegenheit doch tüchtig! sagen. Besagte Tochter aber.schrieb im Laufe der Woche einen großen Brief an Jenny,- den. diese vor Karl Günter verheimlichte. — / . : .- Frau Giniwar in Ruland eingctroffen' und wurde an der Post von ihrem Sohn und ihrer Nichte empfangen.' „Aber, Karl Günter", sagte sie, ihn' anschauend, von großer. Freude erfüllt, „Junge, wie siehst Du aus, mit roten Backen, und ordentlich dick bist Du geworden.", (Fortsetzung folgt.) ‘. Giugesaudt I - Tel Hama 8148. FranfiTurt a.M., Liebfranenberg33. Speeialhaus für Unterkleider nnd Strample. Niederlage echter Dr. Lahmann-Wäische. I -; ' den 15/ Oktober 1915. Sehr geehrte Redaktion! - )K Unter der Spitzmarke „Die Mliance Jsrablite für den Sieg des Vierverbandes" haben verschiedene Blätter in letzter' Zeit eine Meldung aus Rotterdam wieoergcgeben, in der es heißt: . Rotterdam, 2. Oktober Itz 15. „Einer Meldung aus' Paris zufolge erllärte^ die „Alliance Jsraßlite" von Frankreich, in einem Aufrus an die Judenschäft in den neutralen Länderü-u. a. Folgendes: Die Revolution ' brachte den Juden des Westens die Befreiung aus' der"8mech^chaft^.-«H >Mr ein Sieg des Vierverbandes ^vermag das 'Judentum in dem übrigen Europa zu erlösen. Wir warten daher mit Vertrauen auf einen Siegdes Vierverbandes". Wir teilen Ihnen hierzu ergebenst das Folgende mit: . Wie aus einem Artikel des „Temps" vom 29.'- September ersichtlich, ist jener Aufruf von Paris -aus>: wohl verbreitet worden, aber nicht die „Alliance Jsraölite Universelle", sondern das Zentral-Koiisistorium der-französischen Israeliten hat für diesen Aufruf gezeichnet.! Mit der „Alliance JsraSlitc Universelles, die sich tzgetreu -ihrer Tradition jeder politischen Betätigung - ietnhält, Mt das Zentral-Konsistorium der französischen Jsraelitcii in Kknem irgendwie gearteten Zusammenhang. -M-'. . Angesichts anderer Zeitungsmeldungen, die voy'Mner Versendung des Aufrufs. durch das Mliancebureaü zu "berichten wissen, wollen wir bei dieser GeletzenheMdarauf Hinweisen, daß besonders durch folgendeMTatsache die Legende (?D. Redakt.) von der Beteiligung» der „Alliance Jsraslite Universelle" an politischen Bestrebungen gefördert zu sein scheint: " ' Es ist uns seit langer Zeit bekannt, daßdas neutrale Ausland mit PropagaUdaschriften für -die. Sache des Vierverbandes^ durch/ eine Pariser Vereinigung - überschwemmt wird, die sich. „L'Alliance Franeaise" nennt. Diese „Alliance" ist ein fränzöfischer-Sprachperein, der für die Interessen FrMlkreichs /im Orient, -tätig ist- Jetzt, seit Ausbruch des Krieges, versendet?e.r'-alle 14 Tage seine mit Hetzartikeln gegen-die Zentralmächte ausgefÄlten Broschüren in Zehntansenden von Exemplaren und in allen europäischen Sprachen in ' das neutrale Ausland. Die Folge davon war, daß 1 unzahlreiche Beschwerden zngingen. Erst nachdem^ main^oie ' betreffende Broschüre ans der Schweiz beschaffte, llartc sich , das Mißverständnis auf. Wahrscheinlichkeit - spricht dafür, daß es sich auch im vorliegenden Fall uin ^jenen Sprachverein handelt, der sich mit leicht durchsichtiger Absicht „Alliance Francaise" nennt. ' Wie wenig mmr übrigens in Bezug auf die den Aufruf des französischen Zentral-Konsistörinms kolpori tierenden Institutionen und Personen, orienttert ist^ zeigt .eine Auslassung der Schlesischen Zeitung vom 7. Oktober, wonach . „der Figaro-Redakteur Joseph Reinach der unter dem . Deckmantel ,Holybe" schreibende widerliche Dentsche»- . Hetzer der Präsident -der. über die ganze Welt verbreiteten „Alliance Jsraelite" ist. - Dem gegenüber sei darauf hin'gewiesen, daß die „Alliance" zur Zeit einen Präsidenten ^iicht hat)>de!M Herr Närcisse Leven ist im Januar gestorben.-Vizepräsident ist Herr Professor Dr. Netter, zweiter. Vizepräsideni Herr - Eugen See. - Herr Joseph Reinach ' ist also .nichi im Vorstand der „Alliance," er ist auch nicht ^einmal im Zentral-Komitec der „Alliance",- denn Mitglied./ des Zentral-Komitees der '.Alliance- Jsraelitc Universelle" in Herr S a l ö m 0 » R e i nach. . ' - Indem wir Sie bitten, von - den vorstehenden ülueführnngen Ihren Lesern giitigst Kenntnis zu geben, zeichnen wir , - - . Hochachtniigsvöll -<. - - Freie Organisation der „Alliance '' " Jsraölite Universelle". -- - Die Vorsitzenden: . . Dr.I.Ginsberg. Prof.Dr:S.Kalfscher.