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Neue jüdische Presse · 1915-09-21 · Heft 37 (21.9.1915) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 37 (21.9.1915)
Date
1915-09-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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*5eüitHE AU ä!lr. des ^ranüfnrtet KraefitifrliRäi ciaiiialieitöüittes. FlavLrts Zosetzhus u«d sewe Zeit. ' Bon Ahrüir MarcuS. (Fortsetzung.) Josephns stimmt bis auf einzelne' unwesentliche Details mit dem Makkabäerbuch überein. .Daß unsere Weisen die'ganze Schuld den Griechen .zuschreiben rind der Hellenisten kaum.Erwähnung tun, stimmt mit dem traditionellen Charakter der nur von dem niedrigsten Pöbel geschmähten sogenamlten Pharisäer, wie die SchriftgelWten ^Pernschim) in hellenistischer Verballhornung gc» ngiint.toe.rdem Die Schilderung kehrt bei Jose pH us widderholt dahin zurück, das; diese als echte Nachfolger der-attenMrophetcn mit.ihrer vernünftigen zwischen den EKAWr' vermitchlnden ^Weltanschauung, fast prophetische Eigenschaften und daher den größten Einfluß auf das Volk besaßen. Leidenschaftslos, jeder Grausamkeit abhold, hatten sie die Todesstrafe de jure zwar beibehalten, aber de facto nbgeschafft.*) Dieser so sehr weitgehenden Liebe für die abtrünnigen Söhne des eigenen Volkes entsprach dann auch der Vergessenheit, die über ihre Untaten gebreitet wurde. •' Der Talmud spricht von einem Hohenpriester Joch a n a n, der mehrere religiöse Einrichtungen einzuführen bemüht war, am Ende seiner 80jährigen (nach Jeruschalmi 40jährigen) Amtsdauer dennoch zu den Sadducäcrn abgefallen sei. Diese Angabe stimmt aber weder für Jochanan Hy r kauos, der nur 31 Jahre, noch für dessen Sohn Jannaeus (Jannai), der nur 27 Jahre regierte. Sollte darunter nicht vielmehr Ouiasl zu perstehen sein, der ein sehr hohes Alter erreichte und sehr jung zum Anita.kam und indirekt die ganze Entstehung der Sadducäersekte verursacht Hatte? Wenn Joseph us mit manchen jo spärlich im Talmud eingestrenten Boraithas in Widerspruch gerät, die erst nach Jahrhunderten — aus mündlichen Ueberliefeyulgeu niedergefchrieben — in Jeruschalmi und Babli mit verschiedenen- LeSartcn' niitgeteilt und häufig, durch nachlässige Eopisten verstümmelt erscheinen, so wäre' cs Heuchelei, ilHi daraus de» Vorwurf zu machen, er hätte die Tradition vergessen. Diie Amoräer, welche selbst den grausanisten römischen Feldherren (Ursiciinis) wie Engel vvrkamen und -durch ihre geistige Ueberlegenheit deren Ehrfurcht erzwangen, hatten ein ganz - anderes Gcsichtsield als die - greuelvollen Ereignisse der Höse .der letzten Hasinonäerkönige und der Kdrodianer. Bei einer Psychologischen Untersuchung über den Einfluß angeborener Anlagen auf die Handlnngen behauptet A b a j a (Berachot ß9), daß ein gut veraiilagter, Meiisch ohne Anlagen zum Böien nie schlechtswerden kümre. R aba bestreitet dies unter Hinweis ans^den erwähnten Hohenpriester Jochanan. A b a j)a erwidert, daß Jochanan und Jannai ein und dieselbe Person seien (der Name Jannaeus war jedenfalls ini Allgemeinen peine Hellcnisierungs von Jöchanau, wie Johann/Jack/John, Jean- ^. Ivir wissen erst durch die Entdeckung von ihm geprägter Münzen; daß sein jüdischer Name Jonathan war) und daß Jannai's angeborene schlechte Anlagen außer Zweifel stehen. R a b a erwidert: Jochanan'nnd^ Jannai sind zwei Personen. Wir 'MsM/VchiglichMtS Josephns, daß Raba recht hatte. Die ( bloße'mündliche, Tradition, die selbst in der sostreng ge- - hüteten'Halacha während der fürchterlichen. Umwälzungen;chAMsige Widersprüche geraten war, reichte.für neben- 'süHuche historische Ueberlieferungen also nicht aus, deni< eine^T^on beiden, muhte doch, recht haben. - - -, .Unsere..Amoräer haben auch niemals den Anspruch auf ^,lliifel)lbarkett" erhoben. Der Talmud berichtet in seiner unbeschränkten 'Wahrheitsliebe, lim deck' - so nahe liegenden Personenkultns die- Spitze abzubreche», neben -außerordentlichen, -die: Hoheit der Gelehrten schildernden - Tatsachen. aM,. von. ihren ttellisten menschlichen Schwächen, sund Ms'äll^rM'besonderen' Geistesgäben.verhehlt'«, mit bewMderswert«: Offenheit' nicht,- daß sie keine Allwisser ii waren. Dys Volk,,yieint. nämlich,,.daß: Älristoteles auch gleichzeitig^der beste Schuster und Schneider, seiner Zeit? gewesen sein müsse. **' k Josephns (S. 671) (zählt die Hohepriester von sAhron bis Pin chas/ der' von den Empörern währeiid; der Belagerung durch die Römer eingesetzt wurde, fmit 1)83-und zwar: 13 bis Salomo (wohl mit Inbegriff von Eli und I; Achimelech aus der Linie Jthamar). I- -18 in der Zeit des-Salomonischen Tempels (Jozadak I fungierte .nicht als Hoherpriester). I 18 von Josüa-ben Jozaoak*) bis O nias (Me- I »elaos),,der durch Antiochus Eupator mid dessen Feldherrn | öysias^irbgesetzt (der erste derartige Fall) zu' Beroea ge- I lötet und cm dessen Stelle Alkimos crnsc dnderer Linie I eingesetzt wurde. . - - I . *) Beweis der. talmudische Satz, daß ein I Gerichtshof, der einmal in 70 Jahren eine Todesstrafe I dekretiert hatte, . Choblanith, ein mörderischer, genannt I wurde, und die Berteidigungsgründe, welche R. Josua und IR..- Akiba gegen die Verurteilung von Mördern vor- > brachten, durch welche die. Ausführung eines. Todesurteils I unmöglich -gemacht worden wäre. So hielt es auch ihr I großer Führer aus jener'Zeit Jose ben Joeser, Chossid »lchebi Kchuua (der Frömmste unter den Priestern) ge-, » uaniit, der gar nicht glauben wollte, daß sein Schwester»' » sehn, jener Alkymos als Nachkomme Ahrons einer. Mord--/ »tat fähig sei. Dafür büßte er seine gläubige Einfalt mit »60 Gesinnungsgenossen mit dem Todedurch jenen. Ber- »ruchten.- » *' Es sind 1. Josua,- 2. Eljakim, 3. Eljaschib, 4. Jö- I jadri- 8. Jochanan, 6. Jaddua, 7. Onias, 8. Simeon ha- »zaddkk/9. dessen Bruder Elasar, 10. der Onkel Menascheh, I l1.-O«ias ben Simeon hazaddik, 12. dessen Sohn Simon) » l3. Onias, 14. Jason dessen Sohn, 15. Menelaos Bruder I des letzteren. Die weitere Reihenfolge muß erst aus den Berichten zusämmengestellt werden: i. Jakim (Alkimus) 3 Jahre. Unbesetzt wegen Entweihung 7 Jahre, unterbrochen durch 2. Juda Mmkka b äns, dessen Bruder 3. Jonat h an 7 Jahre, 4. -dessen Bruder Simon 8 Jahre, sein Söhn 8. Jochanan Hykanos 30 Jahre, dessen Sohn 6. Juda Arlstobulns 1 Jahr, dessen Bruder 7, Ulexartder-Jannai**) (Jonathan) 27 Jahre, sein Sohn - ä Hyrkanos während der Regentschaft seiner Mutter AleMndra 9 Jahre, dessen Bruder 9. Art st o - b n 1 ns 3 Jahre, nach seiner Gefangennahme durchs Pompejus derselbe Bruder Hyrkanos wiederum 24 Jahre, ltt. Antigonus, Sohn des obigen Uriftobulus, durch Parther eingesetzt 3 Jahre, in Antiochia aus Antonius Befehl hingerichtet., 11. Uristobul, Enkel des Hyrkanos, von Herodes durch Hinterlist ertränkt. 28 Hohepriester durch 107 Jahre, von Herodes lRegicrungsantritt bis zur Zerstörung. 13,18, Io, 11, 28, ergäbe die Gesamtzahl 85. Josephns scheint daher den letzten Aristobul und auch Juda Makkabi nicht einzurechiien. Die 28 stellen'sich wie folgt zusammen: l. C h ananct h a babli (in der -Mstchnah Chanamel hamizri von der babylonischen Gemeinde in Alexandria) von HerodeS eingesetzt. Dann wieder gegen das Gesetz abgcsetzt zu Gunsten des oben erwähnten Jünglings )Ari>robul (unter 11). Nach dessen Ermjordung setzt er den Ehananel wiederein, tötet den über 80- Jahre alten Hyrkanos. 2. Jeschua ben Phiabi abgesetzt, weil 3. Simon ben Boethvs von Alexandria seine schöne Tochter dem Herodes zur Ehe gHbt. Nach einigen Jahren abgesetzt gu Gunsten des 4. Mathias beizTheophilns aus Jerusalem, wird abgesetzt. 5. dessen Schwager Joeser ben Boetyos .tritt an seine Stelle. Bei jenem Aiathias ben Theophilus ereignete sich der sonst unerhörte Fall (Aboty Vers 5, 4) einer Verunreinigung am Versöhnungstage, sodaß fein Verwandter 6. Jo.fef ben Ellem für ihn eintreten.mußte; im Todesjahr des Herodes 3757. Letzteres berichtet auch R. Jose in Joma 12a mit dem Beisatz Josef ben Ellen: von Zippori' (Sepphoris) ohne jedoch den Namen des Ausgeschiedeiien und seinen Zufall zu nennen; der aber im Jeruschalmi Horajot genau angegeben ist. Beweis für die Genauigkeit der Angaben des Josephns, und daß die Mischnah Aboth V. älter ist, als Herodes. A r ch i l a e u s, Sohn des .Herodes, entsetzt den Joeser und setzt dessen! ÄNuder!7. Elasar ein. Abgesetzt zu Gunsten 8. Josua ben Sije. 2ll>- gesetzt zu Gunsten Joeser. Ouirinius setzt Joeser mb, ernennt -9. A u a ttu s (Chanan) ben Seth. Gratus entsetzt ihn und ernennt 10. I s macl benPhabi 3774. Entsetzt ihn und ernennt 11. Elasar ben Ananus, abgesetzt nach 1 Jahr. 12. Simon ben Kamith. Nach 1 Jahr: 13. I o s c k K a i a p h a s. Vitellins entsetzt ihn und setzt 14. Jonathan ben Ananus ein. Wird abgesctzt und sein Bruder 15. Theophilus eingesetzt. 3798. Llgrippas I setzt ihn ab 3801 und 16. S i in o n K a n t h e r a s ben B o e t h o s .ein (drei Brüder Hohepriester). Abgesetzt zu Gunsten Jonathans, der aber seinen Bruder vorschlägt: 17. Mathias ben Ananus. Abgesetzt zu Gunsten des 18. Elioenäie ben Kanther a s (im Talmud ben Hakaf). Entsetzt durch ^Herodes Antipas zu Gunsten des 19. Joseph Leu, Kamus (Kcmedä). Entsetzt zu Gunsten des 20. Ananias (Chanansai ben Nebedäns. 21. Jonathan (ben Ana- ' nus), auf Veranlassung des Felix ermordet. 22. Jsmael ben Phabi II. eingesetzt, in Rom von Nero als Geisel behalten. 23. Joseph Kabi ben Simon ben Boethns. Abgesetzt. 24. Ananns ben Ananus (hatte 5 Söhne Hohepriester, war Sadducäer), nach 3 Monaten abgesetzt. 25. I e s ch n a ben D a m n a e n s eingesetzt. Agrippas II. setzt ihn ab und 26. Jeschua ben Ga» maliel ein,'27. Mathias ben Theophilus, unter dem der Krieg ausbrach, 28. Jsmael ben Eli icha,- den die Römer hinrichteteu, ist von Josephns nicht erwähnt. (Förtsehnng folgt.) Badehries aus Harzburg. Von Lehrer Adolf Rothschild, Achim Bremen. «Schluß) Ach mir sxeht immer noch das Bild jener Harzbnrgerin vor Augen, und es will und wird nicht weichen. Jedesmal wenn .die schon etwas ältere behäbige Frau mich beim Vorbeigehen gewahrte, wankte sie an den Gartenzaun und fragte mich, ob ich ihr nicht einige Gäste -»weisen könnte. . . Der böse Krieg hatte sie aber auch zu sehr mitgenommen. . . Zwei Söhne im Felde . . . und den Vater vor kurzem durch den Tod verloren. . . und keinen Gast. Wie oft erzählte mir die Treuherzige: „In den letzten Jahren hatte ich mein Haus immer besetzt voo russischen Juden" . . Ja, von russischen Juden. . . Und sie waren ihr so treu. . . Jedes Jahr kamen sie, und kamjen fiel nicht, so schockten sie ländere. .. Zwischen Wirtin und Gästen herrschte das erträglichste Verhältnis. . „Ich habe ihnen sogar eine Betstube eingerichtet", erzählte sie weiter. . . „und sie beteten so innig . . oft habe ich gelauscht — . . ., ganz anders wie wir... "Bei Ausbruch des Krieges mußten sie alle fort, und michts mehr habe ich von ihnen gehört. . . Wer weiß, wo sie geblieben sind. . ., was die Russen, die Teufels, mit ihnengemacht haben. . . Ich denke oft an sie und stete für sie. . . Es find wirklich gute Menschen, diese ruisischeir Juden. — Eins muß ich ihnen noch sagen. E-n Herr Finkelstein' aus Warschau, hat mir im Dezember aus Kopenhagen den noch schuldigen Betrag geschickt. . . .Sogar in; seiner Not hat er am mich gedacht. — „Wann werden 'die russischen Juden wieder kommen?" **) Wer während seiner 3jährigen Abwesenheit im Kriege funktionierte, ist nicht angegeben. Ich könnte Dir noch manches erzählen; aber ich fürchte. Deine an sich so schwachen - . und jedenfalls durch den Krieg noch mehr geschwächten Nerven über das Maß anzustrengen. . . Doch möchte ich nicht schließen, ohne Dir erzählt '- zu haben, wie wir sonst die Ferien verbracht haben. . . Manche Punkte verdienen noch der- Erwähnung- und dürsten Dich interessieren.. . Ich habe mit den Jungen einen großen Teil des Harzes durchwandert, die sehenswertesten Teile eingehend besichtigt. . - Du hättest — wie ich — Deine Freude an diesen jüdischen Jwcgen gehabt... Alles feche Kerle! ... Genuß- und bcgeist.- rungsfähig. . . Wetterfest und widerstandsfähig. temperamentvoll . .; doch nicht zügellos . . -Es ging bergauf und bergab, über berstende Klippen und stelle Felsen, durch sumpfige Schluchten und herrliche Flußtäler, durch altertümliche Städte und malerisch gelegen Harzdörser. Immer lustig und froh. — Keiner klagte, auch bei noä; so großen Anstrengungen und Entbehrungen. Auch mit unserem Nachtlager ans Stroh hat man sich willig abgefunden . . . Mit allem zufrieden, so wie cs sich bot. . Das ist unsere jüdische deutsche Jugend. . . Auch iw Kriegsspiel zeigten unsere Jungen eine staunenswerte Gewandtheit und Fixigkeit. . und nur die Lösung der Leutnantssrage verursachte allerlei Schwierigkeiten und führte oft zu Streitigkeiten. Jeder wollte Führer sein. . .. Ein Erlebnis auf einer unserer Wanderungen möch> ich Dir auch unterbreiten. Einer unserer Primaner lud seinen christlichen Freund, den Sohn eines Berliner bekannten Prosessors, für einige Tage ein. . . . Ein patenter Kerl. . . Er machte unsere Wanderung zum Brocken mit. - Unterwegs erzählte er mir, daß er die Osfizierskarriere einschlagen wolle, die Chancen seien für ihn wegen seiner Verwandtschaft sehr aussichtsreiche. . . Es interessierte mich nun, gerade einmal von einem solch jungen Menschen zu hören, wie er über die Zurücksetzungen der Juden im Heere denke. . . . Sein ganzes Anstreten verriet, daß er trotz seiner Jugend ziemlich selbständig zu denke« vermochte. . . . Ganz unverhohlen sagte er mir, daß er die Juden, die er sehr schätze... . sein bester Freund war der bei uns befindliche Primaner — für den Osfizierstand nicht sehr geeignet halte. . . Wenn auch einzelne. Befähigte darunter wären . ., wie es sich in diesem Kriege ja heransgestellt hat.... so könne man das doch n(cht verallgemeinern, und wolle man eine Auswahl treffen, so ergäbe das nur .Beleidiguugeu und vergrößere nur die Verärgerung. . . Oft sprächen für die Ablehnung nur rein äußerliche Gründe, und das schasse nur Verbitterung im ganzen Volke. . . Die Juden» meinte er, können auf anderen Gebieten im Interesse der Kulturentwicklung sür die Allgemeinheit viel Größeres schassen als im Offiziersstande. . . . Wir haben versucht, ihm zu beweisen, oatz seine gewonnene Ansicht nicht aus Sachkenntnis sondern auf Vorurteilen, die immer verwirren, aufgebant sei. , . Vermutlich haben wir nicht viel erreicht. . . „ Das Gespräch wurde abgebrochen, weil die Erkletterung der Zeterllippen unsere volle Aufmerksamkeit erforderte. . . Die Begeisterung unserer Schüler für den Krieg der gerechten Abwehr, ihre Liebe zum Baterlande kamen , auch in den Ferien zum beredten Ausdruck. . . Als ich ihnen eines schönen, vielmehr eines regnerischen Tages den Vorschlag machte, Uillerhaltungsabende sür die Verwundeten zu veranstalten, da kannte ihre Freude .hierüber keine Grenzen. Jeden Sonnabend luden wir etwa 20 Soldaten ein und bewirteten sie so gut wir konnten. . Die Jungen opferten sogar hierfür ihr Taschengeld.. . Und was sie an geistigen Genüssen boten, das übertraf weit die Erwartung der verwundeten Krieger. ... Dieser durchschlagende Erfolg ermutigte uns, einen Uiiterhaltnngsabend im größeren Stlle für alle in Harzburg weilende Verwundeten zu veranstalten. . . Gedacht, getan. Das Geld für die Bewirtung wurde durch einen hierfür geeigneten Jungen durch eine vvrgenommene .Sammlung aufgebracht. . . Die sonstigen Vorbereitungen wurden getroffen und das Programm zusammengestelit. . Zn statten kam uns sehr, daß wir einige besonders begabte Jungen dazwischen hatten, die zum wirkungsvollen Gelingen des Abends wesentlich beitrugen. . . Alle Geladenen — darunter auch die Spitzen der Stadtbehörde, der Herzogliche Kommissar, mehrere höhere Offiziere, Stabsärzte — erschienen. Der Saal von Königs Hotel war bis ans den letzten Platz besetzt. . . Was geboten wurde? Biel Gutes. . . Die Harzbnrgcr Zeitung brachte eine recht günstige Kritik über die Leistungen. . . Ein 14jährigex Gymnasialsekundaner, Schüler eines Berliner Konservatoriums, von uns allen da-Z Wunderbaby genannt, brachte zur Bewunderung der Zuhörer einige eigene Kompositionen auf dem Klavier zu Gehör. . . Ein Primaner, auch Schüler des Konservatoriums, entfesselte durch sein Virtuosenhaftes Gcigenspiel den Beifall der Zuhörer. . . Ein anderer Primaner riß mit seinen patriotischen Borträgen rezitatorischer, musikalischer Art in direkt künstlerischer Gestaltung die Anwesenden geradezu mit sich fort. . . Ein anderer 14jährigcr Sekundaner brachte eine eigene Dichtung zu Gehör, die rasenden Beifall erzielte. Auch die anderen Vorträge der jüngeren Generation ernteten reichen Beifall . . . Der Herzogliche Kommissar, Herr Major Martens sprach zum Schluß seinen Dank und jeine Anerkennung für das Dargebotene. geistiger und leiblicher Art ans. . , Der Oberstabsarzt dankte im Namen der Verwundeten und Pflegeschwestern, die alle nach jedem Vortrage durch oft nicht enden wollende Beifallsbezeugnngen ihre volle Zufriedenheit mit den« Gebotenen bekundeten. . . Ein anderer Offizier äußerte beim Fortgehen: „Ich danke, daß Sie mir Gelegenheit gegeben haben, auch einmal die jüdische Jugend kennen gelernt zu haben, von der ich den denkbar besten Eindruck gewonnen habe". . . . Hochbefriedigt von dem Durchlebten und erlebten, von dem Geschauten und Erschauten, von dem Genossenen. Geleisteten und Gewoimenen, gestärkt und gekrästigt an Geist und Körper kehrten wir zurück in die Heimat, zur Schule, zur Arbeit.

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