Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 13 (1915)
- Issue
- Heft 35 (8.9.1915)
- Date
- 1915-09-08
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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zu Nr. 35 lies Itonüfnttet IsmckWm IflmtMtftttes. Kunst und Literatur. )eutsche Rundschau, Berlin, Verlag von Gebrüder Paetel (Dr. Georg Paetel). „Greift nur hinein ins volle Rundschauleben Und wo Jhrs packt, da ist es interessant" in ute man mit einer leicht scherzhaften Variation des erühmten Goethescheu Wortes sagen. Mögen nun gekannte Meister Bild an -Bild zu einem Kltkriegspanorama reihen, das nicht nur von farbenkicher Anschaulichkeit ist, sondern auch im Hasten des 'ages eine vertiefte Auffassung der Verhältnisse ermöglicht, ögen Dokumente aus Archiven historische Darstellungen irichtigend ergänzen und dabei prächtig-knorrige Gemen neu aufleben lassen wie die Memoiren des Junkers in Marwitz aus dem Jahre 1806, oder mögen werdende iröße, Seelenzwiespalte bis zu ihrer Befreiung markig, indringlich erzählend schildern wie Georg Hirschfeld in iner köstlichen Novelle: immer pulsiert kräftiges, frisches nd interessantes Leben. Wem es ein Bedürfnis ift,£ die Strömungen der Zeit in hoher Warte aus zu betrachten, wer sich über die Bewegungen der Gegenwart unterrichten will, ohne i» nen hülslos zu versinken: der mag die ,^Deutsche Rund- Han" zur Hand nehmen, die chm bald ein lieber, vcrmutcr und hochgeschätzter Freund sein wird. Einige Andeutungen mögen den Reichtum der neueren Hefte vergegenwärtigen. Otto Bafchiri erörtert die Bedeutung der Wetterkunde für den Krieg, Karl Nötzel berichtet auf Grund vieljähriger Studien an Ort und Stelle über „Das heutige Rußland" (manchmal vielleicht etwas enthusiastisch), Ernst Wagewann schildert die Ausbreitung und Hemmnisse des Deutschtums in Südamerika, der aus der Findley-Affaire bekannte Sir Roger Casement redet einer stärkeren Annäherung Deutschlands an Irland das Wort, Graf Bay zu Bayaund zu Luskod — den Rundschaulesern ein alter, guter Bekannter — gibt an Hand persöhnlicher Erfahrungen denkwürdige Aufschlüsse über Japans und Chinas Stellung zumWeltkr ie g, der treffliche Balkankenner Alb recht Wirth macht wertvolle Mitteilungen über den Panislamismus, Friedrich von der Lehen wägt sein und gerecht Vorzüge und Nachteile des amerikanischen Volkes ab und Kurt Perels bietet Rückblicke und Ausblicke über das jetzt höchst aktuelle Serbeuterccht. Rankes Meister werk«. Volksausgabe in 10 Leincnbänden zu 4.— Mk. Band 1—5. München, Dnncker u. Humblot. Es war ein glücklicher Gedanke des altberühmten Verlags, voit Rankes Werken eine billige Volksausgabe zu veranstalten. Ueber die Bedeutung Rankes, der in seiner Große fast alle Historiker in den Schatten stellt, zu sprechen, ist hier nicht der Ort. Wohl ist auch er vom Streit der Meinungen nicht ganz verschont worden, wohl hat dieser oder jener Beurteiler im Auf und Ab der Bewegungen, die er darstellte, eine leidenschaftlichere Teilnahme, ein persönlicheres Eingehen auf die Regungen der Volksseele, auf die Bedeutung der breiten Massen gefordert. Aber bestehen bleibt, daß seine beherrschte Ruhe, sein wunschloses, fast wie erdentrücktes Interesse au heu Tatsachen an und für sich, an den gegebenen geschichtlichen Fakten ohne jede Bewertung ihres sittlicher Gehaltes, die Freude an der bunten Falle der Erscheinungen ihn zu einem Künstler sondergleichen und zum vornehmsten Historiker Europas machen. Wir .wünschen der schön ausgestatteten, außerordentlich preiswürdigen Ausgabe weite Verbreitung. Illustrierte Geschichte des Weltkrieges. Bis Heft 40. Wöchentlich ein Heft zu 25 Pfg. Union Deutsche Verlagsgesellschaft ju Stuttgart, Berlin, Leipzig und Wien. Rüstig und stattlich schreitet diese Weltkriegsgeschichte vorwärts.' Ohne ihre patriotische Aufgabe und Eigenart zu.verleugnen, klirrt und klingt sie doch nicht mit leeren Bilierui! Die .unbeschreibliche, in der Geschichte einzig dastehende Not, die über unsere Brüder in Polen* Galizien und im Heiligen Lande infolge des Krieges hereingebrocben ist, legt all unseren Glaubensgenossen die dringende Pflicht auf, Herz und Hand in gesteigertem Hasse den armen Brüdern in diesen Ländern zu öffnen. Entrichten wir unseren Dankeszoll dafür, dass eine gütige Vorsehung unserem geliebten Vaterlande die Grauen und Verwüstungen des Krieges ferngehalten und unserem glorreichen Heere Sieg auf Sieg verleiht, indem wir der Not und des Elends der aus Haus und Hoff verjagten in Polen und Galizien und der hungernden Brüder in Palästina in tätiger Liebe' gedenken und ihnen in brüderlichem Mitempfinden nach Möglichkeit Hüffe reichen. In Polen und Galizien kehren jetzt die unglücklichen Flüchtlinge in ihre nunmehr unter deutschem resp. österreichischem Schutze stehenden ausgebrannten und ausgeplünderten Heime zurück. In Palästina haben Kriegsnot und Heuschreckenplage eine Hungersnot herbeigeführt, unter der Stadt und Land schwer leiden. Es gilt hier wie dort, gebrochene jüdische Existenzen aufzurichten und damit die dringende religiöse wie patriotische Forderung des Tages zu erfüllen. Wir wissen, dass alle unsere Glaubensgenossen schon gegeben haben, wir wissen, dass an jeden Einzelnen grössere Ansprüche als in gewöhnlichen Zeiten gestellt worden sind, aber die grosse Zeit erwartet grosse Opfer von grossen Herzen, und angesichts der furchtbaren und vielgestaltigen Leiden, die das Geschick unseren unglücklichen Glaubensgenossen auferlegt, sage Keiner, er habe getan, was er hätte tun können. Mögen die herannahenden hohen Feiertage in allen Kreisen der deutschen Judenheit den Willen zu erhöhter Fürsorge ffür das unerhörte Leid unserer Glaubensgenossen in den genannten Ländern wecken! Möge niemand die heilige Zeit verstreichen lassen, ohne sich durch namhafte Spenden an unserem Hilfswerke beteiligt zu haben, eingedenk jenes tiefen Ausspruchs, in unserem Heujahrsgebete, wonach neben Reue und Andacht insbesondere Wohltun zu den Mitteln gehört, die im Sinne unserer heiligen Lehre das „böse Verhängnis" abwenden. Hllfscomitd für die notleidenden Brüder im ' Frankfurt u. H. Rabbiner Dr. 8. Breuer, Frankfurt a. M., Max M. Kulp, Frankfurt a. M., Naitali Schwabacher, Frankfurt a. M., Adolf Stern, Frankfurt a. M., Isaac Wolf!, Frankfurt a. M., Emil H. Lehmann, Frankfurt a. M., Kassier (Postscheck-Konto 7921 Frankfurt a. M.). 4780 10