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Neue jüdische Presse · 1915-06-25 · Heft 24 (25.6.1915) · p. Seite 4

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
13 (1915)
Issue
Heft 24 (25.6.1915)
Date
1915-06-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 41 r Frankfurter Grafitisches FarnilieMatt. Nr. 24. Nr PenslonDentsch.Moilen Tamrasstrasse 49. 30 moderne Zimmer mit Salons, Balkons. Vorzügliche Wiener Küche. Frankfurter Berichte. „Montesiore"-Verein. Die regelmäßigen Zusammenkünfte finden nach wie vor Samstag nachmittags 3 Uhr statt. Nach! einleitendem Vortrag über den Wochenaüschnitt werden die in letzter Zeit >sehr zahlreich eingelanfenen, interessanten Feldpostbriefe von Mitgliedern zur Verlesung gerächt. Die Wandergruppe unternimmt Sonntag eine Nachmiüagstour nach dem Taunus. Die Sprachkurse (in englisch und französisch) sowie der Stenographiekurs erfreuen sich fortgesetzt guten Besuchs, «Lenso die Schiurim, welche Herr Dr. Mai leitet* Anmeldungen werden im Vereinsbüro, Bleichste. 70, entgegengenommen. Die Verjagte«. Eine Erzählung aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Bon E. Berg. (Fortsetzung.) Dieser Stuhl im Orchester war wirklich ein schlechter Platz und auf keinen Fall Jemilians schöne dreißig Francs wert. Das Orchester lag ungemein fies, man konnte von der Bühne fast nichts, von den Sängern nur die Oberkörper sehen, und daß man einen sehr ungenierten Einblick in die Seitcnkulissen gewann, bot eine höchst mäßige Entschädigung. Der zwefie Akt war wirklich halb vorüber. Eben setzte Life Lehmann als Maria,, der die Changeant Robe und das Häubchen nicht übek llcidete, schmetternd mit dem Braullicde ein, dann kam das Finale: „Schon seit geraumer Zeit bemerk' ich hier Gesichter!" Jcmilian fand die Vorstellung schlecht. Keinski als van Bett war ein noch schlechterer Bürgermeister als Direktor, der Chor nach der Schablone, Peter Jwanoff, demjugendlichen Liebhaber, lieh ein stark bejahrter Blondin seinen farblosen Tenor und seine flammenfarbige Liebesglut, — böse Zungen behaupteten, daß seine Blondheft trotz Weib und achtfachem Kinderglücks nicht immer auf geraden Wegen waudlc, eine Verleumdung, denn der Gute hatte krumme Beine von Natur; der französische wie der englische Gesandte hätten an keinem Hofe der Welt eine Stimme gehabt, und so fort. Benno Liedertrost als Czar sah bildhübsch und nobel aus, sang bezaubernd, spielte aber als echter Dilettant steif md> ungeschickt, wie ein von einer Gummistrippe gezogener Hampelmann. Durch seinen der Bühne leider nur allzunahcn Pkrtz konnte Alexandru denllich gewahren, wer dieses imaginäre Gängelband handhabte; nämlich ein baumlanger Zimmergesell, eine Art Chorführer, der, sobald er nicht auf der Bühne bcschäfttgt war, unter einer Soffitte wie angenagell stand und Benno scde einzelne Bewegung soufflierte. Jemilian vermutete sofort, daß dies der Balletmeister der Truppe sein müsse, er kannte den Mann, es war ein Franzose, . ein unglaublich eitler, aufdringlicher Patron. Fast ununterbrochen hörte man sein Kommando: Allez droit, le main au coeur, trois pas — tenez! „Ein reizender Kunstgenuß, dieser Czar unter Vormundschaft", dachte Alexandru und nahm sich vor, nachher Benno unumwunden sein Mißfallen zu äußern. Einerlei, die Aufführung vmr heut das wenigst Beachtenswerte, der Hauptakteur war das Publikum. So viel Glanz, Festschmuck, Blumen und Pracht hatte das unscheinbare deutsche Theater noch niemals gesehen. Der gesamte Adel, Beamte und Offiziere mit ihren Damen, die haute finance, die Juden vollzählig, wie immer. „Natürlich die Juden alle da!" Alexandru setzte ein Gesicht ans, das an Fcudalitätsdünkel jedem Junker aus der Mark Ehre gemacht hätte, und musterte moquant die jüdische Gesellschaft; sogar Salomon Liedcrtrost war da, allerdings Frau Hclsia fehlte. Durch Groducza hatte Jemllian heute früh erfahren, daß ein erneutes Bittgesuch der ausländischen Juden um Aufcnthaltsrecht gestern mit ablehnendem Bescheid aus Bukarest zurückgekommen war. Polizei wie Kirchcnbchörde sollten mit aller Schärfe gegen die fremden Semiten Vorgehen. ^Trotzdem ist heut alles, was eine Jndcnnase trägt, bei dem allerfürstlichcn Fest — erbärmliches Volk!" Sich selbst zählte unser Held nicht mit, er stand über den Parteien. Der dritte All der Oper begann. Van Bett erscheint auf der Bühne mit seinem Mägdechor, auch der -lange Zftnmermann ist Mieder da und zeigt sich ijmmer nervöser. „Mit dem Kerl gibt cs noch ein Unglück", denkt Jenlilian, „am Ende geht er auf einen Orden aus, er ist von unerträglicher Wichtigtuerei." Aber niemand achtet seiner, das Haus wird unruhig, es erwartet mit allerhöchster Spannung eine allerhöchste Persönlichkeit. Da taucht ein Polizist auf, da noch einer, drei, vier, acht, zehn, zwanzig, mit einem Schlag ist das ganze Theater voll von ihren Uniformen. Auf jeder Bank, hinter jedem Stuhl erblickt man sie, sogar auf der Bühne fassen sie zu mehreren Posto, welche Erscheinung einen ungemein beschwichtigenden Einfluß auf die Nerven des langen Chorführers übt: er geberdct sich ruhiger und drückt sich schließlich in eine Kulisse, wo er sich durch Aufrollen der rumänischen Flagge ungeheuer patriottsch beschäftigt. Das Gesumme und Murren im Publikum legt sich, cs wird mäuschenstill, jetzt starrt das Haus von Polizisten — die Hoheit ist eingetreten. Bon der Bühne her schallt es programmäßig: „Hell sei dem Tag, an welchem Du bei uns erschienen" — aus dem Publikum brüllen vielleicht fünfzig Kehlen „hurra!", der Fürst winkt mit der weiß behandschuhten Rechten, die Vorstellung kann ihren Verlauf nehmen. „Ich bin doch neugierig auf das Zarenlied", dachte Jemilian. Er sah den Bühnenzar aus der Kulisse-treten, der lange Chorführer stand schon wieder da, Jemilian konnte jetzt gar nicht mehr anders, er mußte den Menschen beobachten. Er bemerkte auch, daß der Lange dem Benno verstohlen etwas zuraunte, wahrscheinlich das Stichwort. Hatte ihn Benno nicht verstanden? Der Sänger machte, während das Vorspiel begann, ein paar unsichere Schritte nach der Szene zu und sah zurückda hörte es Jemilian wieder heiser aus der Coulisse: En avant. Le voilä, c’est le deuxieme . - In diesem Augenblick erkannte er den Langen, cs war Kalagiceanu. Diese Entdeckung wirlle auf Jo miliau, als ob Gift durch seine Adern flösse. Kalagiceanu hat etwas vor — etwas Verfängliches, dieser Mann gilt eine Verschwörerrotte ganz allein. ' Zwar die ganze Stadt' hat längst erzählt, daß der alte Frondeur seinen Frieden mit der Regierung gemacht habe, die radikalen Plätter haben ihn als einen verräterischen Schurken, als feilen Höfling angegriffen und beschimpft, die Regierungs-Presse hat von ihm „als einem Ueberzeugtcn, der sich in die göttliche Ordnung der Dinge füge" mit lobender Anerkennung gesprochen — aber wie mit einem Zauberschlag erinnert sich Jcmilian, daß Kalagiceanu mütterlicherseits aus einer Verschwörer- Famllie stammt. Jnstinktmäßig faßte Alexandru nach seinem Hut. Hinaus um jeden Preis — aber wie? Jemilian war ein alter Theaterhabitue, jeder Platz, jeder Ausgang war ihm genau bekannt; dicht neben seinem Stuhl war ein Pförtchen, das auf den Vorsaal leitete, er brauchte nur die Hand auszustrecken, und er war in Sicherheit; aber er wagte cs nicht, aus Furcht, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Zudem steht dort ein Polizist und beobachtet ihn. Jcmilian sieht sich um. Niemand ist beunruhigt, alles sieht erwartungsvoll nach der Bühne, nur er gewahrt zitternd, ioic sich Kalagiceanu finit Katzcngewandtheit mehr und mehr der Stelle, wo Benno steht, nähert, mit einem Blick tvic ein Tiger, der seine Krallen in den Hals des Opfers schlägt. Er hört ihn zischen: „il a change le place — le Premier maintcnant". Mechanisch hebt Alexandru den Kopf; in der Tat, der Fürst hatte mit einem alten General den Platz getauscht. Dann tritt Benno vor die Rampen — sicher — frei — mit dem heiteren Lächeln eines glücklichen Menschen. „Nun? Sollte das noch gut ausgehcn?" fragte sich Jemilian. Da wie ein Blitz verändern sich die Gesichtszüge des Sängers; schwarz, düster glüht sein Auge zu dem Fürstensitz hinauf . . . Seine Lippen zucken. Die Verse, die wie eine poetische Verherrlichung, wie eine Huldigung klingen sollen, er schmettert sie rauh, höhnisch, als eine Anklage, eine Beleidigung dem Fürsten zu. Was ist das? Er singt falsch, er schreit eine falsche Melodie, falschen Text: „Ihn schmückt nicht die Krone, Er trübet den Stern, Sein Volk, seine Knechte Bedrückt er so gern. Er tilgt ihre Größe, Beraubt sie des Lichts, Er führt sie zum Tode, Zum furchtbaren Nichts, Die Freiheit den Friede» Zerstört er allein . . ." „Tirez (Schießt)!", zischt es. (Schluß folgt.) \\®VC\T gegr\ 1730 VI.BPiW\S. IO, No. 9£Deiitsahe]Natlona]-Hlsohniig HJI—/?No.Ja(.'Teesplts. M.2JS0. No. 3. Wedda Assam.PeokOO-lItedb.il. 8.20. No. 30. TeegrassU.1.80. Kakao Soma Mk. 2.40, 3 — Gott, «usere feste Borg!*) Der Herr ist unsre feste Burg, Ws sicherer Helfer in der Not bewährt! Drum zagen wir nicht, wenn der Erdball wankt Und Berg' in Mcerestiefen stürzen. Erschüttert durch sein Ungestüm, Durch seiner Wogen wild' Gebraus. Denn dieser Strömung Wogendrang Fließt sanft um Gottes Stadt, . Die birgt des Höchsten .Heiligtum. Gott thront in ihr, sie wanket nicht; Gvtt steht ihr bei, wenn dinst der Morgen tagt» Ob Volker Zittern auch ergreift Und Reiche jäh Zusammenstürzen, Sein Donncrgroll die Erd' erschüttert — Der Herr der Heere ist mit uns. Und unsre .Burg ist Jakobs Gott! Schaut ringsumher, was Gott vollbracht, Die Wunder, die er wirkt auf Erden. Er steuerte der Kampfeswut, Die alle Lande hat erfasset. Zerbricht den Bogen, macht die Sperre stumpf. Ja, er verbrennt die Kriegcswagen. Laßt ab! Erkennt, so mahnt er uns. Daß ich der Herr der Herren bin. Der Erde und der Volker Herrscher. Der Herr der Heere ist mit uns, Und unsre Burg ist Jakobs Gott! Mah. *) Probe aus Psalmen, hebräischer Text und deutsche Uebersetznng bearbeitet von Dr. B^May und I. B. Lcvh. Taschenformat. Biegsamer Lcinwandband 1.20 Mk., Frankfurt a. M., Lehrberger u. Co. Auf nebenstehendem Bilde aus dem Felde, das einen Seder-Abenb in Brecy darstellt, befinden sich u. a. Mitglieder des Frankfurter „Montefiore-Bereins". -..F Beer : phat i junger der K Laufbc er rv war ai aelern lang I Städt hat ei lassen aestell doch t beide der ft und l bräun Diale inner! uns 1 hält», Wapp und grün! zu Ei 1 iE Gei Ge

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