Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 49 (18.12.1914)
- Date
- 1914-12-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Mage p ilt. 49 des Dcanüfatfec IftaeRttfdieu lamilienölattes. Bunte Chronik. War der „Chajeh Ldom" el« Pollack. Bo» Dr. med. Ratner-Wicsbadcii. Bei Ihnen in Frankfurt hält sogar ein Professor Borträge über „Chajeh Odom"! Nicht so bei uns in „Pensionopolis", wo himdcrtc von russisch-polnischen Jrchen ausgewiesen werden, ohne daß die jüdischen Oberhäupter einen Finger rühren. »Für die ausländischen Inden tue i5> nichts mehr", »erstieg sich sogar; Neulich sagte mir sogar ein „Führer" der Orthodoxie anläßlich einer religiösen Frage: „Der Chajeh Odo in war ein Pollark"! Na, ich will das mal näher untersuchen. Rabbi Abraham Danziger, der weltberühnitc Berasser des „Chajeh und Chochmas Odom", war, wie ein Zunahme schon besagt, ein Aschkinas seiner Abstammung nach; er war großer Privatlamdan und „Sochcr", Großkaufmann in Leipzig. . Das; natürlich der „Ramoh" -Rabbi Moscheh JsserleS aus Krakau, der „Reschal", Rabbi Schlonieh Loria, (übrigens italienischer Herkunft, wie der große Kabbalist Rabbi Jizchak Lurjah, der Lehrer des Italieners Rabbi Chajim Vital — es gibt noch jetzt Nichtjnden in Italien, die Lurjah heißen! —), der Schaagath dlrjeh Rabbi Lob (nachmaliger Obcrrabbiner voll Metz und Vater des Karlsruher Gaün Rabbi Oschcr) et tntti qnanti „Polacken" waren, das natürlich will nicmaild in Abrede stellen! Aber der „Chajeh Odom"b Nee, is nich zu mache», wie der Berliner sagt!!. Rabbi 'Abraham Danziger kam nämlich' mit seinem Warenlager nach Wilna, dem „littauischen Amsterdam", zunl „Ferid", zum Jahrmarkt nach damaliger allgemeiner Litte. Hier machte er die Bekanntschaft des Rabbi Elsa Gaön, welcher seine „Größe" erkannte und ihn zur Annahnic der ersten Rabbinerstelle überredete (in Wilna gab es seit des Gaün Zeiten keinen Oberrabbiner!), ja sogar seine Tochter zur Schwiegertochter nahm („Mechntoni" nennt der Chajeh' Odom den Gaün!) Lange Jahre tvirkte Rabbiner Danziger zum Segen für die ganze jüdische Welt in Wilna. Seine Autorität tvurde allgemein ■ anerkannt. Seine Werke — Muster von Präzision und Gründlichkeit — sind in Hunderttausenden von Exemplaren über die ganze Welt verbreitet. „Chewras Chajeh Odom" existieren überall, sogar in Amerika und Afrika. In Wilup speziell sind es schwer arbeitende Juden, Wasserträger, Holzhacker, Droschkenkutscher, welche an Sabbathen den Chajeh Odom in ihren „Chewraus" eifrig studieren. Manche dieser „Proletarier" lernen ihn geradezu auswendig" — und könnten eine Rabbinerstelle in „Aschkenas" getrost bekleiden. Sie wissen es aber nicht und bleiben bei ihrem schweren Metier! Die Genialität deS Chajeh >Odom ossenbart sich erst recht, wenn man ihn mit den jüngeren „Compendien" vergleicht. Hier schöpferische Urkraft, dort mechanische Compilation. . . .! Wie schade, daß Rabbi Danziger ein .achter" Pollack war. Eine gesunde Lhrfekge. Vorigen Samstag ging ich' in ein kleines Gasthaus am Anfang der Währingerstraße. An einem Tische saßen etliche verwundete Soldaten aus dem Universitätssvital. am Tische gegenüber einige feiste Bürger vom Grund mit den charakteristischen niedrigen Stirnen und politisierten. Der eine, der das Wort führte, erklärte springgiftig, daß er den Herrn Bürgermeister nicht begreifen könne, der es dulde, daß so viele polnische Juden nach Wien kommen dürfen, daß man diese „ungebetenen" Gäste ausweisen sollte und daß die Russen ganz recht hätten, den Juden in Galten alles kleinzuschlagen und anzuzünden.. Daraufhin stand wortlos einer der verwundeten Krieger auf und versetzte dem „Redner" eine derart wuchtige Ohrfeige, daß er sich' buchstäblich unter dem Tisch wälzte. Der Soldat war.edelmütig genug, .den Schimpfer hierauf sanft unter dem Tische hervorzuholen und ihn ebenso sanft auf den Stuhl gleiten zu lassen. Nicht ohne die Belehrung an den gefühlsrohen Patron, daß er eigentlich dem Gerichte überantwortet werden tonnte, weil er die Greueltaten der Russen gutgeheißen, daß es aber vorläufig mit der schallenden Ohrfeige sein Bewenden habe, setzte sich dm Soldat wieder zu seinen Kollegen, die ihn zu dieser Tat beglückwünschten. Ganz gedestet und ohne mehr ein Wort von sich zu geben, saßen weiterhin die antisemitischen Maulhelden bei ihren Krügen. Hoffentlich lernen diese Herren aus dieser „schmerzlichen" Begebenheit, welche unsägliche Gemeinheit und Roheit es ist, sattgefressen und Von den Kriegsschrecken unbehelligt beim Bier zu scheu und über wehrlose Menschen herzufallen, die vom Kriege wohl am schwersten betroffen sind, indem sie von Heimat, Haus und Hof flüchten mußten, um nur das nackte Leben zu rettend Wien. Bloch'» Wochenschr. Offenbaeher Druckluft-Anlage Otfanbacb a. ■. Telefon 123. (Änachlnaa mitFrankfurtj. dewShrteate Tapplchmtülgang (100,000 qm jährlich owie iinQbertrofians Battantu Battfeaarnratnl guna mittelst Druckluft and Waeserdampt. 4- Ü: r Spezialität: WelnRorken. Francke & Weber1 Or. Friedbergtratr. 7—U Tel. Hansa 4095. I G 4*1), *75®' v900, bis Nr. l. Chromleder,Lack- C90 kappen;.8,50 7,50 O Nr.2. Chromleder,Lack- 050 kappen . O Chevreau, Lackkappen 4 4 50 12,501 * Nr. 3. Boxhorse, Seal- 000 skinfuiier. 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