Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 24 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Gegend von Gaza eignet sich vorzüglich zur Anlegung von Trockenpflanzungen. In den letzten Jahren entstand dort die Siedlung Ruchamah, etwa zwei Stunden von Gazia entfernt. Die relativ niedrigen Bodenpreise werden die Anlegung weiteren Siedlungen veranlassen. — -Die deutsche Templerkolonie Savona bei Jaffa inserierte, patz sie einen 'jüdischen Wächter suche, dem die Organisierung des gesamten Bewachungsdienstes übertragen werden svll, — jedenfalls ein glänzendes Zeugnis für den Ruf der jüdischen Wächter. — Sowohl die Jerusalemer als auch die Jaffa er Schule der zionistischen Organisation, die jetzt unter der Leitung des Dr. Mar sch ak steht, haben eine ausgesprochen positiv religiös-nationale Richtung. Dieser Umstand erregt die Unzufriedenheit mancher freisinnigen .Kreise, die auch in heftigen'Zeitungsartikeln ihren Ausdruck finden. Demgegenüber ist das Gros der Bevölkerung auch in Jaffa mit dieser Richtung sehr zufrieden und die Schülerzahl, der Schule nimmt ständig zu. — ’ In den letzten Monaten hat die jüdische Einwanderung eine starke Zunahme erfahren. Fast jedes Schiff brächte große Gruppen von Emigranten, die die unhaltbare Lage in ihren bisherigen Wohnlandern zur Auswanderung getrieben hatte. Nutzer Rußland und Galizien sind neuerdings die früher ottomanischen, jetzt unter griechischer Oberhoheit stehenden Balkangebiete Herde der Emigration. Delegiertentag der deutschen Zionisten. iSchlußbericht r In der Nachtsitzung vom Sonntag erstattete Leo M o tz ki n den Bericht über die Lage der jüdischen Sied C.u.n g in P a l ä st ina. M«' hat Palästina vor 16 Jahren besucht, als dort die jüdische Kolonisation kaum begonnen hatte. Nun hat er in mehrmonatlichen Studien den gegenwärtigen Zustand der Siedlmig kennen gelernt und berichtet dem Deligiectentag über, höchst erfreuliche Fortschritte in wirtschaftlich, kultureller und nationaler Hinsicht. Die rechtlichen Schwierigkeiten, die früher für jüdische Einwanderer bestanden, lind geschwunden oder wenigstens im Verschwinden begriffen. Die Zahl der Juden ist bis auf 100 UDO gestiegen, und die eiiiwanderudeu Elemente rekrutieren sich aus arbeitenden intelligenten Schichten. Neue Stadtviertel — wie Tel Awiw bei Jaffa — zeugen von dem Ausschwuug der jüdischen Kolonisation. Tie jüdischen Kolonien beweisen, daß es Juden verstehen, landwirtschaftliche Erfolge zu erzielen, wo sich nationale Sehnsucht und die Liebe zur Scholle vereinigen, «ehr interessant ist es, daß in Palästina mehrere Typen genossenschaftliche Siedelungen, z. B. in Merchawjah und Dagania, geoeihen. Bon dem Ausschwung Palästinas hat sich vor kurzem auch Baron Edmund Rothschild, Paris, überzeugen können, der die 'Anfänge der Kolonien mitgeschasfen hat. Er hat sich mit höchster Bewunderung über die Erfolge geäußert. Einen ungemeinen Aufschwung hat die hebräische Sprache und Kultur genommen, sie ist eine feststehende Tatsache, an der keiner vorübergehen kann, der Land und Leute kennen lernt. Die Kulturinstitute ziehen auch eine Reihe wirtschaftlich wertvoller" Kräste ins Land. Besondere Hoffnungen werden auf die hebräische Universität in Jerusalem gesetzt, die von der Zionistischen Organisation projektiert ist. Der Redner spricht auch von den Schwierigkeiten des zionistischen Merkes in Palästina, gibt aber der festen Hoffnung Ausdruck, daß diese Schwierigkeiten durch zielbewußte Arbeit überwunden werden. Dr. Theodor Zlozisti, Berlin, berichtete über den Plan einer deutschen Achusah. Die Achusah ist eine in Amerika entstandene Form der zionistischen Siedlung in Palästina. In Amerika schließen sich Leute des Arbeiterand Mittelstandes zusammen, tragen aus ihrem Einkommen jährlich einen bestimmten Prozentsatz für eine Genossenschaft ein, die mit. dieser Summe ein Stück Land in Palästina kultivieren läßt. Jüdische Arbeiter in Palästina machen den Boden urbar. Wenn der Boden .in ertragsfähigem Zustande ist, übersiedeln 'die amerikanischen Genossenschaftler. selbst nach Palästina und übernehmen das Land in eigene Arbeit. 'Ans diese Weise wird die Möglichkeit geschaffen, größere Kapitalien der Siedlungsarbeit zuzuwenden. Der Vorsitzende des Delegiertentages brachte folgende T e l e g r a m m e zur Verlesung. Seine Majestät der Kaiser und König lassen dem Delegiertentage der deutschen Zionisten für den Huldigungsgrutz danken. Der Geheime Kabinettsrat o. Balentini. Seine Majestät der König lassen für den freundlichen Huldigungsgruß bestens danken, v. Metzsch, Major, Flügeladjutant. (König von Sachsen.) Ein weiteres Begrüßungstelegramm kam vom amerikanischen Philanthropen Nathan Strauß, der sich als Zionist für das Gelingen der zionistischen Arbeit einsetzt. In der Nachmittagssitzung wurde die Frage der zio ni st ischen. Jugenderziehung behandelt. Cs lagen Anträge vor, die gesamte Jugenderziehungs- Arbeit in Lionistischen Jugendvereinen zu konzentrieren und die Arbeit in neutralen jüdischen Jugendorganisationen Mitgliedern der Organisation zu untersagen (Antrag Kattowitz), und Anträge, zwar die Arbeit in den zionistischen Jugendorganisationen miss intensivste zu pflegen, aber auch die Mitarbeit in den neutralen Organisationen dort zu gestatten, wo die Gründung zionistischer Jugendgruppen möglich : ist. Für letzteren Antrag sprach Hans Goslar-Berlin. Für den radikalen zionistischen Antrag sprachen vor allem Margulies -Berlin und Blumenselb- Berlin. Greisen Hagen forderte auch intensive Arbeit in der Jüdischen Turnerschaft. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Goslar angenommen. Einstimmig sprach sich der Delegiertentag für die Forderung aus, zionistische Jugendvereine für die nationale JEaimoaidies.*) Von allen Seiten erhielt Maimonides Anfragen und Briefe. In Men Ländern begehrte man seinen weisen Rat. Er versäumte nie, irgend ein Schreiben zu beantworten, das an ihn gerichtet war, wenn ihn nicht schwere Krankheit an der Erwiderung hinderte. Alle Briefe beantwortete er selbst, niemals überließ er sie einem Schreiber, damit man ihn nicht für hochmütig halte. Klar und kurz sind seine Briefe. Handelte es sich um halachische Entscheidungen, dann drückte er diese kurz und deutlich aus. Handelte es sich um eine Frage, bei der man Gelegenheit hatte, die allgemeinen Gesichtspunkte eines Religionsgesetzes zu entwickeln, so ließ er sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Nicht nur die 'Kraft seines Geistes, sondern die herrlichen Eigenschaften seines Charakters leuchten aus seinen Briefen hervor. Nichts war ihm zu gering, unk es zu beantworten. Einst schrieb jemand an ihn und bedauerte seine Unwissenheit. Er klagte an, daß . *) Probe aus „M a im o nides. Ein'Lebensbild für die jüdische^ Jugend von Oberlehrer Dr. Joseph U n n a, .Seiten in .Leineuband, 1 Porträt. M. 1,20. Berlin 6. 2, Louis Lamm." Das geschmackvoll ausgestattete, sehr billige!-Buch kann zu Geschenkzwecken warm empfohlen werden. V*‘. ’ '■'X-'iiX’v . ■ , ' er Maimonides' hebräische Werke nicht lesen könnte. „Sage nicht, daß Du unwissend bist, mein Schüler und Freund, anwortete ihm Maimonides, weder Du, noch alle, die sich mit dem Studium des Gottesgesetzes mühen. Schätze Dich nicht gering und verzweifle nicht daran, daß Du zur Vollkommenheit gelangen wirst." Einst hatte jemand auf einen Gebetmantel (Tallis) Bibeltexte eingestickt. Der Rabbi des Ortes war ungehalten darüber und befahl, daß er sie entferne. Der Mann war unzufrieden darüber und wandte sich an Maimonides. Maimonides schrieb ihm: „So wie Du Gott dientest, als Du die Stickerei anfertigtest, so diene ihni jetzt, indem Du sie entfernst und den Streit vermeidest." Dem Rabbi aber schrieb 'er: „Ein Rabbi sollte mit Milde seines Amtes, walten und sich nicht einmischen, wo eine Einmischung unnötig ist." In einem anderen Briefe spricht er sich darüber aus, daß in Israelmehr Friedensliebe herrschen solle. Er sagt: „Wir hören zu viel von Vereinigungen in Israel. Wir wollen mehr von Einheit hören." Es ist bereits erwähnt worden, daß er in diesem Sinne auf das Verhältnis zwischen den Karäern und Rabbaniten einzuwirken suchte. Ein französischer Gelehrter sagte einst von Maimonides: „Er machte wieder ein Volk aus Israel und brachte einen zum anderen." Besonders bemerkenswert ist ein Brief, in dem Maimonides einen jüdischen Gelehrten zurechtwies. Dieser hatte nämlich einen zum Judentum übergetretenen Mohammedaner dadurch zu beleidigen gesucht, daß er ihm seine Herkunft von Götzendienern vorwarf. „Wenn Erziehung 'der jüdischen Jugend, wo die Möglichkeit vorhanden ist, zu gründen und die Arbeit in den bestehenden Jugendvereinen aufs kräftigste zu unterstützen. Hierauf wurden die Wahlen vorgenommen. Zum Vorsitzenden des Geschästssührenden Ausschusses des Zentraltomitees wurde Rechtsanwalt Dr. Artur Hantke- Berlin gewählt, zu Mitgliedern des Geschäftsführenden Ausschusses: Kurt Blumenfeld-Berlin, R.-A. Dr, Klee-Berlin, Dr. H. G. Hey mann, Leo Motzt i n. Hieraus wurden 36 Mitglieder des Zentralkomitees und 4 Mitglieder in den Zentralausschutz der Gesamtorganisation gewählt. unsortiert 12$ sortiert 15J) G.M.HOLZ J HOFLIEFERANT FRANKFURTa.« DUOLFSECK Die populärste Cigarre unsortiert 12$ Förderung der Landwirtschaft in Palästina. 12. Leitsätze. Von D'r. M. Plant, Halle. (Botaniker an der agrikultur - chemischen Kontrollstation der Landwirtschaftskammer für die Provinz Sachsen.) Sollen in Palästina die Ernten in bezug auf Quantität und Qualität pro Flächeneinheit und die Möglichkeit einer Ansiedlung in größerem Umfange bessere werden als seither, so sind dafür folgende Maßnahmen am geeignetsten: § 1. Der Jüdische Nationalfonds erweitert den Kreis seiner Ausgaben, indem er die Organisation und Durchführung der notwendigen Maßnahmen übernimmt und indem ihm die dazu notwendigen Mittel auf dem im § 12 ansgeführten Wege zugänglich gemacht werden. 8 2. Es wird eine landwirtschaftliche Kultur-Abteilung errichtet. Diese übernimmt: 1. Die Raterteilung an die Landwirte des Gebietes in bezug auf Anbau van Sorten und Rassen aller Kulturgewächse. 2. Vergleichende Anbau versuche mit a\ Getreidesorten, b) Hackfrüchten (insbesondere soll die Möglichkeit des Anbaues von Zuckerrüben zur Zuckergewinnung und Futterrüben zwecks Verbesserung der zu Gebote stehenden Futtermittel geprüft werden), . . c) Oelsr uchten, d) Klee- und Luzernejaaten verschiedener Herkunft» e) Gräsern (zur Verbesserung der Weiden und Wiesen). Es sollen die für den Orient am besten geeigneten Sorten durch diese Versuche festgestellt werden. 3. Die Gründung von Saatban-Bereinen zwecks Gewinnung von gutem, inländischem, gut gereinigtem und keimfähigem Saatmaterial und Ernennung von Feldanerkennungs-Kommissionen; diese prüsen während der Begetationszeit den Feldbestand der Saatenbauer auf Eignung. Dein Lehrer Dich töricht nannte, weil Du leugnetest^ daß die Mohammedaner Götzendiener sind, beging er eine große Sünde. Und er muß Dich um Verzeihung bitten, wenn er auch Dein Lehrer ist. Er soll fasten, weinen und beten. Vielleicht wird ihm vergeben werden. War er von Sinnen, daß er die .33 Stellen vergaß, wo die Tora Mahnungen bezüglich der Fremden gibt? Selbst wenn er im Rechte gewesen wäre und Du hättest Unrecht gehabt, hätte er nachsichtig sein müssen, umsomehr hier, wo er im Irrtum ist. Nicht die Mohammedaner sind Götzendiener, sondern der Mensch, der seinem Zorne ft eien Lauf läß, der seinen Nebemnenschen beschämt, soll .in Deinen Augen als Götzendiener gelten, sagen unsere Weisen. Wie wichtig ist die Pflicht, die uns das Gesetz bezüglich der Fremden auferlegt. Unsere Eltern sollen wft ehren und fürchten; auf die Worte der Propheten foUen wir hören. Aber die Fremden sollen wir lieben mit der ganzen Kraft der Liebe unseres Herzens. Und Dich nannte er einen Toren! Dich,der Vater, Mutter, Geburtsort, Vaterland verließ und sich einem Volke anschloß, das in Sklaverei und Verachtung lebt! Dich, der die Wahrheit und Lauterkeit des Gesetzes dieses Volkes anerkannte und die irdischen Güter preisgab! Gott behüte! Weise hat Dich Gott genannt. Du Jünger unseres Stammvaters Mraham, der Vater und Heimat auf Gottes Befehl verließ. Gott, der Mrahank segnete, wird Dich segnen, er wird Dich würdig erachten Mer Trostverheißnngen Israels, aller Wohltaten, die et an uns üben wird. Er wird Dir Gutes tun, denn Gutes hat Gott Israel verheißen." 1 A--C