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Neue jüdische Presse · 1914-06-05 · Heft 22 (5.6.1914) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
12 (1914)
Issue
Heft 22 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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MlagBUM 22 Des Maie» Sa«sen und Brause«. (Eine Frühlings - Symphonie mit gemischten Motiven.) Bon U. Bandaß. Es wird wohl niemand ernst bestreiten, — das; im Quartett der Jahreszeiten — des Lenzes klangvoller Tenor — vollbringt den lautesten Rumor. — Die Dichter sprechen hochpoetisch, — (mitunter zwar nur theoretisch), — vom „Vogelfang und Hörnerklang", — der herrlich tönt den Wald' entlang, — von Nachtigallen nnd von Finken. — die froh den Wonncnmond besingen,. — fortissimo, voll Schwärmerei, — den „wunderschönen Monat Mai"! Und nächst den Bög'lein und Trabanten — den alten Friihlingsmusilantc», — gewähret nur die Politik — alljährlich neue Lenzmnsik. — Die Parlament' und Ministerien — gedenken schon der großen Ferien, — dieweil Minister und .Tribun — alsdann auf Lorbeer'» still ausruh'n, — und darum hört man sic im Maien — weit lauter als gewöhnlich schreien. — Also crstch't die Parodie — von einer Frühlings - Symphonie. Das heurige Mai-Oratorium — galt auch dem jüd'- schen Auditorium! — Zwar allgemeine Volksmusik — entzieht sich unserer Kritik; — doch fehlt' nickst deck Rezitativen — an wirklich jüdischen Motiven, — die laut erklangen im Konzert — und allenfalls bemerkenswert. — Besonders zeigten zwei Momente — aus dem polit'schcn Instrumente — in monotoner Melodie — scmit'sche Physiognomie: — bei Militär die allbekannten — Beschwerden unsrer Aspiranten — und, was noch wicht'- gcr im Vergleich, — des „Wandervogels" Rischus - Streich! Vom Punkte I sprach der Minister: — „Verfassungswidrig, ja das ist er!" — Im Maien sang's I v. Falkenhayn — doch leider sucht' er hinterdrein, — j den Maiensang zu revidieren — und's Stenogramm zu t törregieren. — Kurzum, das häßliche System — wird fortbesteh'n wie ehedem . . . Noch war nicht jenes Lied verklungen, — das die Regierung falsch gesungen, — als schon der neue Sang erscholl — vvm „Wandervogel" stimmungsvoll! — Und diese seltsame Tondichtung — verdanken wir der neuen Richtung — des Herrn aus Mülheim an der Ruhr — des Autors jener Partitur: — Herr Nenendorff. heißt der Tondichter, — ist eines jener große» Lichter, — die immer mystisch rätselhaft — verkünden ihre Meisterschaft. — Als Präsident ließ er ertlären, — in seinen treuen Bundes - Sphären: — „Konfessionell ist allemal — der Wandervogel ganz neutral!" —Ein schöner Anfang sozusagen, — man kann sich wahrlich nicht beklagen. — Doch plötzlich braust wie Donnerkeil — .schpii der Erklärung zweiter Teil — in Tonart Antisemitismus — und Rhythmus „völkischen" Zynismus; — bald' über» tönt die Batterie — total' die erste Melodie ... — „Man soll's den Einzelgruppen lasse», — ml libitum die Juden hassen, — dieselben auch mal trotz Statut — ganz cluSzuschließen, turz und gut." Des Wandcrvogclsbunds Tournüre — war schlechterdings die Ouvertüre — zu einem Riesen - Maicnsang, — beinah' wie unser Golus lang — zu zahlreichen Kompositionen — mit /schier endlosen Variationen, — und in dem großen Zeitungswald — der Sang noch immer wicderhallt! -- Gottlob, die meisten Komponisten sind friedliche Idealisten, — die mit geläutertem Gefühl — verabscheu'» jedes Doppelspiel. — Sogar im prcuß'schcn Parlamente — erklangen; alle Instrumente, — ganz frei von jeder Dissonanz, — in maiengrüner Toleranz. — Der jetzige Kultusminister — ist just kein völkischer Philister.:.— „DcS Wandervogels wüst Gewühl — gewährt ihm schmerzliches Gefühl" — so sang er klar und rein heraus, — und auch das ganze „hohe Haus" — sang unisono's alte Liedchen,. — das gegen alle Störcnfriedchen — die Toleranz als Tugend preist, — solang' inan mit der Jugend reist ... Indes erschall'» in Wandcrkreisen — die Reucn- . dörfischen FrühlingSwcisen, — bald leis', bald stark, bald hier, bald dort, — wohl ungestört noch weiter fort. — ., Denn Doktor Neu'ndorsf und Konsorten — gehören zu den Mcnschcnsorten, — die mau neuzeitlich .Wolfsscel'n. nennt — und die auch hassen permanent. — Die gegcnwrt'gen Wanderblättchen — sind meist. berüchtigte Pamphlctchen, — die abgerickstct sind darauf, — nur „feste" a la Philipp Stansf — durch, schmutzige, vcrlvg'ne Schriften — der Jugend Seele zu vergiften. — Das ist der „Antis" Maienfraß, — das alte Lied vom Rassenhaß... Run fragenwir uns brav und bieder: — Wie lauten unsre eig'ne Lieder? — Darauf zu antworten ist schwer; — denn jeder Jude hat's Begehr, — als Solosänger zu fungieren — und Ehorgesang zu ignorieren. — So hört man auch in diesem Mai — bei uns nur matte Dudelei: — Der eine predigt das Verhalten, — im Wandervogel auszuhaltcn, — bis unsre Antis heiser, müd, — mit Ende sind mit ihrem Lied; — ein andrer gibt den Rad zum besten, — mit Kundgebungen und Protesten — das Lied der bösen Vögelein gar wirkungsvoll zu überschrei'n; — „still abzuwarten", rät ein dritter, bis sich verziehet das Gewitter; — ein vierter spricht von Opfermut, — den wir als heiligen Tribut — dem Deutschtum allezeit wohl schulden; — ein fünfter will cs nicht mehr dulden — das ewig düstre Opfcrlied — auf ziemlich feindlichem Gebiet. . . Und immer neue Stimmen summen, — die „Eizcs" wollen nicht verstummen. — Herr Cohn singt dies, Herr Levy das, — Herr Katz Tenor, Herr' Moses Baß ... — Das ist wohl unser größter Fehler: — wir haben viel zuviel Krakehler — und leider, was noch schlimmer ist, — den immergrünen Bruderzwist ... Indes was nützen alle Klagen?? — Wir wollen trotzdem nicht verzagen; — denn gegen Antisemitismus — ist's beste .Kraut doch Optimismus. — Wir bleiben also Optimisten — eventuell gar Humoristen. — Das lehrt auch die Allegorie — der ew'gen Frühlingssymphonie! Personalien «. Kleine Mitteilungen. Halberstadt. Die hiesige Wandervogel ortsgruppe hat beschlossen, die bisherigen jüdischen Mitglieder weiter in der Ortsgruppe zu lassen, aber fernerhin keine Inden mehr a u j z u n e h m c u. Manrsmünfter. Die einst so schöne jüdische Gemeinde Sch'wein he im existiert nicht mehr, nachdem der letzte dortige Jude jetzt nach, hier gezogen ist. Köln a. Rh. Die seit l»9a bestehende und etwa 700 Seelen umfassende S y n a g o g c >, g e m e i n d e K ö l n- E h r e n f e l d ist mit Genehmigung des Regierungspräsidenten der hiesigen Gemeinde einverleibt worden: Crainfeld. Are vier Ueberlebenden der Familie Stein, die Ehefrau nebst ihren beiden «öhnen und' der jüngsten Tochter, befinden sich jetzt bei Verwandten in Sterbfritz im Kreise Schlüchtern. Ter stark verdächtigte Hofmann aus Salz.ist noch in Untersuchnngshaft. Ltffa. Justizrat Eduard Wolsf, Mitglied des Abgeordnetenhauses, ist in Berlin im 63. Lebensjahre verschiede n. , Wien. Hier ver'chicd jüngst in hohem Greisenalter M a r k u s W e i f, :n an C h a j e s , ein hervorragender hebräischer Gelehrter und Publizist. Wir erwähnen von seinen Werken seine Glossen zum Jeruschalmi (Krotoschin 1866) und Tiwrei chachomim (Wien 1802). New-Aork. Einige Tage,, nachdem er den 50 Jahrestag seiner Ankunft in Amerika gefeiert hatte, ist Leop. H a in m e l, der reichste Kaufmann in Mobile und einer der angesehensten Bürger des Südens, verschieden. — ' Hier weilt Dr. N. K n tz e n c l so »-Liban, Direktor der Jüdischen .Kolonialbant. In seiner Begleitung befindet sich ein Herr von der Londoner Leitung der Bank. Es handelt sich um Errichtung einer Filiale in Newyork. — H c r m. B e r n st ein, Dr. I u d. Leon M a g n e s und B c r » a r d S e m e l wollen ab Anfang September eine jüdische Tage s zeit n n g („The Day"s in jüdischer und englischer Sprache herausgeben. Die Zeitung soll — zum Unterschied von der anderen Jargonprcsse — das Ideale in den Vordergrund stellen. f Spezialität: IffleinRorRen. Francke & Weber . 7—11 I J 6r. Frledbergerstr. Tel. Hansa 409-5. Leo Schweinfest A Damenschneidepal empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. AM" ör. Eschenheimerstr. 19, I. "WM W NnK der feHtfWtlt. Leipzig. Rabbiner Dr. Parges erhieU den Titel Professor. München. Die Kgl. bayr. Staatsregierung wild z. Z. vor eine Frage gestellt, deren Beantwortung einen Fingerzweig dafür abgeben kann, wie sie die R a b 6 i n a tks - einteilung der Gemeinden im zukünftigen Judengesetz zu lösen gedenkt.; Der Rabbinatssitz in B u r g k u n d st a d t ist bekanntlich durch den Tod des Rabbiners vakant; nun soll auf diese Stelle ein solcher nicht mehr berufen werdeir, die- Gemeinden (meist klein) wollen sich vielmehr dem nächstgelegensten Rabbinate anschließen. Diese sind in diesem Falle Bayreuth nnd Bamberg, deren Funktionäre der liberalen Richtung angehören. Wahrend nun die meisten Gemeinden an einem liberalen Anschluß keinen Anstand nehmen, ist die orthodoxe Gemeinde Aschbach nicht gewillt, dies zu tun. Mit pekuniärer Unterstützung von auswärts will nun Aschbach ein eigenes Rabbinat bilden, wenn auch der Rabbiner seinen. Amtssitz in einer anderen Stadt haben soll. Hierfür ist nun ein orthodoxer Vereinsrabbiner in Aussicht genommen, der auf diese Weise zum staatlichen Rabbiner ernannt wurde. Man ist allseitig gespannt daraus, wie das Ministerium, dem der Entscheid hierüber zusteht, bestimmt. Meran. Dr Altmann-Salzburg ist nach hier als Rabbiner für S ü d t i r o 1 berufen worden. Hntnl IlTDVOl Frankfurt a. M., Grosse Friedbergeratr. 16-20. llUlCI UlCACl, Staasenbahnlinie 19 nnd 15 bis vors Hans. Altrenommiertes Hans im Zentrum der Stadt. — Moderner Komfort. — 110 Zimmer mit 160 Betten zu Mk. 2.50, 3.00 und 3.50, garniertes Frühstück eingerechnet. _Besitzer: Gustav ThiomOm Zum 10, Todestag Theodor Herzls. Zehn Jahre sind am 20. Tamus vergangen, seit Theodor Herz! uns entrissen wurde. Wer die Erinnerung an den großen Toten lebt in uns fort. Wir ehren sein Andenken durch treue Hingabe an sein Ideal, das er uns als teuerstes Vermächtnis hinterließ,. Unser ganzes Sinnen nnd Schaffen ist auf das eine hohe Ziel gerichtet, das Wert Her Befreiung unferes Volkes, das er begonnen, zu gutem Ende zu führen. Trotz aller Romantik seines Wesens war er ein Mann der Tat. Sein kühner Geist, fein scharfer Blick sahen alle Notwendigkeiten unserer Organisation voraus. Jede bedeutungsvolle Einrichtung, die uns zu Erfolgen führte, hat er geschaffen oder angeregt. Er träumte von einem starken, freien Volk auf fruchtbarer Scholle. Er wies uns den Weg, den Traum der Verwirklichung nahezubringen. So trotzten Söhne unseres Volkes im Lande der Väter in heißer Heimatliebe allerorten deni so lange vernachlässigten Boden die alte Fruchtbarkeit ab. Sie schufen blühende Gärten und legten die Keime zu stolzen Wäldern. Sie pflanzten auf den Bergen Judas den Herzlwald, ein ragendes Denkmal ewigen Dankes, ein Zeugnis unvergänglicher Treue. Wir fühlen, zumal am Todestage Theodor tzerzls, die Pflicht, dieses schöne Werk der Treue und Dankbarkeit zu förderir. Auch wir wollen helfen, daß dieses Denkmal unferes Führers immer würdiger seiner Größe werde. Darum ergeht an alle Inden, die zu unserer Fahne stehen, die Aufforderung: Jeder pflanze zum 20. 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