Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 21 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12. Frankfurter Israelitisches FamilienNatt. Nr. 21. Abteilung 3. Denkmünzen die Frankfurter Jndenheit betreffend und solche auf berühmte Frankfurter Juden. Kleine Notizen- Geh. Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer, der , frühere stellvertretende Präsident der ° Eiscnbähndircktion Frankfurt, wurde anläßlich seines 70. Geburtstages^ einstimmig zum Ehrenmitgliede der Lehranstalt für die Wissen- Mast des Judentums gewählt. Sein Vater, Stadtrat 'Moritz Meyer-Berlin war der Mitbegründer dieser Anstalt, und er ist seit Begründung der Anstalt Mitglied des Kuratoriums. Leo Schweinfest # Damenschneiderei empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. -QP; gy 6r. Eschenhelmerstr. 19« I. Bunte Chronik. Ein Jdealjude. In Stuhlwcißenburg verschied — 73 Jahre alt — ein armer jüdischer Lastträger Namens Esriel L-chlesinger, dem die gesamte Lokalpresse begeisterte Nachrufe widmet. So schreibt der antisemitisch angehauchte ' „Fejerenegyer Näplo" in seiner Würdigung: Seit meiner Kindheit kenne ich ihn. Mit einer gewissen Furcht, mit gemischter Bewunderung sah ich; auf ihn, wenn er längs der Gasse ging, bebte unter ihm die Erde. Ich erinnere mich, sein Anblick beschäftigte sehr meine junge Phantasie — der Gegner Davids, der gepanzerte, behelmte Lanzcnträgcr, der Philister Goliat mußte so ausgesehen haben. Aber spater wurde es mir bewußt, habe ich es erfahren, daß dieser unser „großer" Mensch nur mit seinem Körper Phllister war. Seine Seele, die war rechtschaffen, solcherart wie die des Apostels Nathanael gewesen sein mag, von dem der Heiland sagte: „Sieh' einen wahren Israeliten, in dem kein Falsch ist." Au den Wochentagen seines Lebens ging er die Gassen der Stadt zum Bahnhof hinunter, vom Bahnhof herauf. Hinunter ging er mit seinem kolossalen Schubkarren, zu meist leer; zurück mit einer solchen Last, daß die mächtig, -eisenbeschlagene Konstruktion ächzte, knirschte und zuckte. eilte nie, er zürnte nie. Ich glaube, er hatte nie Feinde. Er hat niemanden betrogen, er hat niemanden beleidigt. Auch ihn kränkte niemand, auch mit Worten nicht. Er war der leibhaftige Typus des arbeitsamen, redlichen Menschen. In meiner Kindheit ging die Kunde, daß er, im Falle seines Ablebens seine Gebeine zu wissenschaftlichen Zwecken irgendeinem Museum verkaufte. Nie glaubte ich es. Und später hörte ich, daß auch er selbst gegen ^diese Voraussetzung sich verwahrte. Es war seine volle Ueberzeugung, daß Gott seinen mächtigen Körperbau, seine säuligen Gebeine nur zur Benützung für dieses Erdenleben ihni anvertrautc, daß er nach dem .Tode .ihm diese zurückgcbe und nicht irgend einem Museum. ' Er war eine tiefreligiösc Natur. Samstag, wenn er in den Tempel ging, war sein Antlitz die wahrhaftige Illustration der Psalmworte: „Glücklich, die in deinem Hause wohnen, mein Gott und Herr", und der Psalmworte: „Ich frohlocke, wenn, man mir sagt, daß wir in das Haus des Herrn gehen." So schön, so ergreifend war dieser alte Jude mit seiner tiefsinnigen Religiosität. Ich glaube, daß sein Jehovah seinen treuen Diener dafür belohnt. Im vergangene» Herbst sah ich ihn zum letztenmal. . Die Synagoge wurde baulich renoviert. Und dieser alte, mit 70 Jahren noch mächtige Mensch trug, abgemüdet von seiner brotsuchenden Tagesarbcit, auf seinen schon hinsälligen Schultern mächtige Eimer Wasser zu seinem Gotteshause. Sein tiefsinniger Glaube lehrte ihn arbeiten zu Gottes Verherrlichung. Weil ich tief überzeugt bin, daß er es nicht für Geld getan. Und nun fragt mich vielleicht jemand, was der Nekrolog dieses alten Juden in den Spalten einer katholischen Zeitung sucht? Ich sage es. Ich. werde es gerne sehen, wenn in jedem Juden, in jedem Christen soviel Glauben, soviel Redlichkest, soviel Güte, soviel Gottes- und Menschenliebe leben würde. Schöner, besser, glücklicher wäre die Welt. Und wahrlich, ich sag's, es wäre nicht so viel Antiklerikalismus, nicht so viel Antisemitismus. Oder — für alle / Fälle weniger. Szigma. Vereius-Kaleuder. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 12(4 Uhr, Hörsaal: Sefer Schemuel (Prof. Weyl); 4i/s Uhr, Langestraße 18: Mikro (Maxim. Michel); 11 Uhr, Langestr. 18: Schewuaus-Lernen. — „M ontefiore"-Verein, 11(4 Uhr, Bleichste. 70: Raschi-Schiur (Dr. B. Matz); öy2 Uhr: Erklärung der Sidra, Ethik, des-'Judentums (:)üW Dr. Horovitz). L Dienstag. Wandergruppe des „M o n tcf i ore! 9 Uhr, Bleichstr. 70: 1. Liederlehrabend (F. Fieberiiianni Mittwoch. „M o n t e f i o r e" -V e r e i n, 9 Uhr: „Del Juden Anteil am'Fortschritt der Kultur" (Roos). I Eine Herzl-Gedenlnümmer der „Wett". Am 20. Thamus kehrt der 10. Todestag unseres unvergeßlichen Führers Theodor Herz! wieder. Unser Ze,,! tralorgan, die „Welt", als die erste Schöpfung will diesen Tag nicht vorübergchcn lassen, ohne bei Tribut ihrer dankbaren Verehrung unserem verstorbeiicj Führer zu zollen. Durch eine besondere. H e r z l - G e d c n k n u m m e r, die am 3. Juli d. I. erscheinen wird, soll von hctufcncl Seite die Bedeutung Theodor Herzls für unsere Bcwegu,!j gewürdigt werden. Beiträge der hervorragendsten Mi» arbeitet und eine reiche illustrative Ausstattung werdcl der Herzl-Nummer ein vornehmes Gepräge und blcibcndel Wert verleihen. Jeder Zionist wird es als Ehrenpslichl ansehen, die Herzl - Gedenknummer zu besitzen, und. aJ wir richten die dringende Bitte an unsere Gesinnung^ genossen, sich die Verbreitung der Herzl - Gedenknummci angelegen sein zu lassen. 1 Die rechtzeitige Bestellung einer entsprechenden Anzahl von Exemplaren möchten 'wir besonders den Vereines dringend empfehlen. Der Preis der Herzl - Gedenknummeß beträgt in einfacher Ausführung in Deutschland uns Oesterr.-Uugarn 0,60 JL, in allen übrigen Ländern 0,70 J.| auf holzfreiem Papier, gebunden 1,— JL bezw. 1,20 JJ Den zionistischen Gruppe», Vertrauensmännern un» Kolporteuren berechnen wir. die Nummer in einfacher Ausl sührung bei Abnahme von I in Deutschland in allen übriges u. Oesterr.-Ung. Ländern 10 Exemplaren mit 5,50 JL 6,50 JL 25 „ „ 13,50 „ 15,50 „ 50 „ „ 25,— „ 28,— „ 100 „ „ 45,- „ 50,- „ Die Nummer wird nur gegen Voreinsendung des! Betrages oder Nachnahme geliefert. — Bestellungen richtk man an den Verlag „Die Welt" Berlin W. 15, Sächsische Straße $1 Wer seine-Teppich schonend, gründlich and billig reinigen lassen |S bestelle, die will, M 1 Vacuum-Reiniger-Gesellschaft m. b. H. 2 _ Ottostrasse 16. Telephon Amt I 5263. Ideale Wolumngsreinigung mit grosser fahrbarer Maschine. — Vermietung 'S Verkauf tragbarer Staubsauger für Anschluss an die elektr. Lichtleitung. Teppich-Beinigung in unseren Lagerräumen. Smyrna, Perser, Velour und Axminster pro qm . . . .... . . 30 Brüsseler Und Tapestri „ „ .25 MhniUa, Filz,. Portieren und Wolle „ „.. 20 dh Rück/ioferung atff Wunsch in wanlgan Stunden I sceinweg 1 3hwbIbb, IIiifbd, Bold- und Silbepwapen Atelier für Neuu. Umarbeitungen! Eckhaus Rossmarkt beeid. Sachverständige!* Rfparaturen. Telephon L 6069. 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Entwickelung der israelitischen Gemeinde Frankfurt -a. M. 4. Schlusswort! des Herrn Prof. Dr. M. Philippson-Berlin. . o^'SC^L,^/V U|CHTSPIELE Petersplatz 29 Ab 30. Mai (Lustige Woche) Vorzügllolies Lustspiel | ln 8’ Als-ten. elteres Intermezzo. Dazu der übrige Elitespielplan: