Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 12 (1914)
- Issue
- Heft 2 (16.1.1914)
- Date
- 1914-01-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Frankfurter Israelitisches Familienblats, Nr. 2 .... ' ■ Glocken-Dro g©r i© Allerheiligenstrasse 83. Telephon j, 32 i 7. - Vorteilhaftes'e Bezugsquelle für alle Parfümerien, Keifen UV» Toil^tte-Artikpl. —.... Und dann ist er mit einem ruhigen, glücklichen Lächeln gestorben. Ja, jtr! Unser Herrgott läßt sich nicht spaßen, das Gewissen ruft manchmal .spät, aber es ruft." Ter alte Leib wurde durch die mttcr den Versam- Hielten entstehende Bewegung unterbrochen, Herz Rvsenberg kain heran, geführt von Rüben Stern und Mendel Löwenstein Seine Augen waren tief eingefallen, die Färbe seines Gesichtes >var graufahl, aber trotz der langsamen, etwas schleifenden Schritte ging .er fast gerade und stramm aufgerichtet und verzog, als man ihn beim Herankommcn laut begrüßte, den Mund zu einem Lächeln. Nach der Einflößung einiger Löffelchen Kaffee konnte inan ihin schon bald etivas Milch geben, und ehe eine Ttimdc vergairgen war, hat.e er etivas Bouillon und etivas ^Brot genossen. Tie drei Fasttage hatten seiner Äesimdheit nicht geschadet. 5. Kapitel. Schon nach ivenigcn Wochen hatte Lochstadl ein neues Gemcindcmitglicd: Simon hätte in der Hauptstraße, die auf den Marktplatz mündete, eine Wohnung gemietet. Jii dem vorderen Zimmer nach der Straße richtete er seinen Kramladen ein und in Lein dahinter liegkiidcii das Wohnzimmer, die Schlafzimmer für ihn nnd die beiden Schwestern waren 'eine Treppe höhdr. In deiir Wohnzimmer sah es ganz so traulich aus wie früher in Ganzenbach. Ta stand dass.lbc altcrlüinliche Möbel, da hingen dieselben alte», einfachen Bilder an der Wandt An der Ostwand hing der alte. Kupferstich, aus dem nur das Wort Misrach stand, um zu erinnern, nach welcher Seite man das Gesicht im Gebet wenden müsse, und die andern Bilder zeigten die bekannten Darstellungen, Ivie Abraham seinen Sohn opferbereit ans den Altar gebunden, wie Josef von seinen Brüdern an die Jsmaeliten verkauft wurde und ähnliche. . Nachdem Simon einmal Mitglied'der Gemeinde geivorden, wurde ihm auch von allen freundliches, herzliches Entgegenkommen gezeigt. Alan half ihm bei der Einrichtung der Wohnpng,und. als am Ende der Woche am Tonnerstag abend die Khille eingeladen wurde, zur Einweihung der Wohnung zu erscheinen, wo Psalinen mrd Gebete rezitiert wurden, fehlte nicht ein einziger. Am Sabbat tvurde ihm iit der Stznagoge Ehre erwiesen wie einem Fremdeir. Als Unverheirateter hatte er keinen Anspruch darauf, am Sabbat oder Festtag bei dem vormittäglichem Hauptgottesdienst zum Borlesen der Thora aufgerufen zu werden, aber an' diesem ersten Sabbat ivurde eine Ausnahme gemacht. . Es entstand eine allgemeine, freudige Ueberraschimg, als aus dem Munde des Vorstehers bekannt wurde, daß das neue Gemeindemitglied Simon, der Sohn des Eleasar, der Synagoge eine Thorarolle spende. Von alten Seiten tonte dem Spender 4 ein freudig überraschtes „Tanke" entgegen, als er sich vom Almemor wieder nach seinem Platze begab. V- Ein Seser Thora'? sagte sich jeder, das ist nobel, daS Schreiben einer Sefer Thorr kostet mindestens 3--4Ü0 Taler; ein Seser Thora'? dachte die Jugend, das g'.bt Ilin großes Cinweihungsfest mit Ball; ein Seser Thora? kalkulierte Tavio Reinwald, dann ist der Simon doch reicher als ich gedacht Hab.', da ist er doch eine großartige Partie. 1 Nur Joses Heilbrnnn, .der Parnes, der die Pflicht gehabt hätte, für die der Gemeinde gemachte Spende am lebhaftesten zu danken, verbeugte sich kaum merklich; er hatte im Innern die Kosten, berechnet und fand cs' urit den Verhältnissen des Spenders iin'verantwortlich, ettvas zu geloben, das zu hatten schwer, wenn nicht unmöglich sein, mußte. I Als . »ach- Beendigung des Gottesdienstes alle auf Simon einsprachen von dem Seser Thora, das er schreiben lassen wollte, - war der Spender überrascht von Idcrfalschen Voraussetzung, die er erweckt hatte. I „Ich habe doch nicht versprochen, daß icheine Iiieue Thora schreiben lasse, sondern, daß ich der Ge- Imeinde eine Seser Thora geben will, nämlich die, Iwelche ich von meinem Vater, sein Andenken sei zum iSegen, geerbt habe, und die in der Synagoge zu [Christ. Wilhelm Leux belef. I, 3667. Hoflieferant. Goethestr. 21. iHerren-, Samenu. Ui?feeschnei<ierei. I; . Spezlal-Sportfleschäft | ’■ . Aul Wonach koschere Verarbeitung. Gättzebtich' Schk,. mit einem silbernen T enter und drei Mäntelchen Ich werde noch diese Wochen allesaus Ganzebach holen und es der hiesigen Genieinde übergeben." Tiefe enttäuschende Erklärung rief gegen das neue Mitglied - eine leise Abneigung hervor, 'wenn sie sich auch nicht in Worten offenbarte. Schon am folgenden Tage teilte Simon dem Gemeindevorstand mit, daß er auf den kommenden Mittwoch eine' Chaise bestellt habe zur Abholung der Sefer Thora in Ganzebach; sein eigenes Stuhlwägelchen mit nur einem Pferde scheine ihm zur Einholung der Thora nndwürdig, und er bitte um Ernennung geeigneter, würdiger Begleiter fiir diese feierliche Handlung. Josef Heilbrunn bestimmte nach kurzer lleberlegung mit denr Lehrer, daß nicht nur die Abholung von Ganzebach, sondern auch die Uebergabe an die Gemeinde mit einer gewissen Feierlichkeit vollzogen werden solle, ungefähr so, als wenn es sich um die Einweihung einer neuen Thorarolle handeln würde. Mittwoch mittag, wurde beschlossen, fahren die beiden Gemeindevorsteher und der Lehrer mit dem Spender nach Ganzcbach, hüllen die Thorarollc in die Teckc, welche air den Werktagen auf dem Borlcsetisch des Almemor liegt nnd führen sie im Wagen bis vor die Tür der festlich erleuchteten Synagoge, wo der Wagen gerade mit Anbruch der stacht, wenn die Gemeinde zum Abendgotresdienst versammelt ist, eintrifft und mit Gesang empfangen nnd in die heilige Lade gebracht wird. Tiefe einfache Feier ivurde von der Gemeinde mit Spannung crwärtet. Selbst die Frauen, die sonst an Werktagen voin Synagogcnbesuch fern blieben, fehlten ani Mittwoch abend nicht in ihren besten Festgewändern. Es ivar Zeit, das Abendgebet zu verrichten, und alles horchte, jeden Augenblick mußten sich die heranrollenden Räder der Chaise vernehmen lassen, aber cs blieb still. Ai an ivartete weitere fünf Minuten in Geduld, noch fünf Minuten in Ungeduld, als aber schon eine Viertelstunde über d ie festgesetzte Zeit verstrichen war, fing an, Sorge und Aufregung sich der Wartenden zu beniächtigen. Einzelne eilten hinaus auf die Straße,- um nach dem Wagen zu schauen und zu horchen, und als auch sie achselzuckcnd mit ernster Miene die Erfolglosigkeit ihres Tuns ausgedrückt hatten, da stand bei allen fest, daß ein Unglück geschehen sein müsse, und nran trat in Gruppen zusammen, um zu beraten, wäs nun zu tun sei. In der entstehenden Unruhe hatte man' überhört, daß Aiännertrittc sich der Synagoge genähert hatten, und man >var überrascht, verblüfft, als die Tür sich öffnete nnd der Lehrer, nur mit der znsammengclegten Almemordecke, aber ohne Sefer Thora, gefolgt von den andern, eintrat. Ohne ein Wort zu sagen, ging her Lehrer an sein Betputt, der Vorsteher hieß den Synagogendiener, die Festbeleuchtung zu löschen. Nach Beendigung des Gottesdienstes gab es ein wirres hin- und .Herfragen, und man erfuhr, daß die Gemeinde Ganzebach die Hergabe der von Simon geniachten Spende verweigert habe. , Josef Hcilbrunn, der auch auf denr Rückwege von Gänzebach nach Lochstadt kein Wort gesprochen hatte, begab sich, unbekümmert um all die lauten Erörterungen der aus der Straße zusammeustehenden, schreienden und lebhaft gestikulierenden Gemeindemilglieder, nach Hause, ein gleiches tat - der Lehrer, der aus Grundsatzsich nie in Gcmeindcangelegenheiten mischte, die nicht (unumstritten klar waren . Desto lebhafter äußerten sich alte anderen. Teilweise 'schimpften sie auf die Gemeinde Ganzebach, gegen welche nach ihrer Meinung von Simon oder von der Gemeinde Lochstadt Klage ans Herausgabe angestrengt werden, müsse, teilweise schalt man Simon, daß er die Gemeinde genarrt habe. Manche verlangten die sofortige Erklärung, daß er die gelobte Seser Thora sofort anderweitig beschasfen wolle, manche begnügten sich mit Spotttedcn. Es ging den Abend und auch noch die folgenden Tage sehr lebhaft in der Gemeinde her. War Simon in der Nähe, so zeigte das verbissene Schweigen, dessen man sich befliß, ihm deutlich die Wut und Verachtung, die nian gegen ihn empfand. Man hieß ihn jetzt ivieder allgenrein den „Ganzebacher Jung", nni anzudeuten, daß er gar nicht verdiene, Mitglied einer so bedeutenden, alten Khille zu sein, wie Lochstadt es war.; In seiner Abwesenheit legte man sich..keinen Zwang aus und zog weidlich über seine „Frechheit" her. .. Samuel Stern begnügte sich nicht damit,. daß er aii' den Rabbiner geschrieben hatte, er ging auch zu Leite 5. seinem Rechtsanwalt', der alle seine. Prozesse führte, züm Tr. Hase, denn er wollte wissen, ob die Gemciiüre den Ganzebacher zwingen konnte, seine Heimatsgemcinde auf Herausgabe zu verklagen, oder ob die Gemeinde - Lochstadt Simon verklagen könnte. Tr. Hase hielt alle drei Wege für aussichtslos und riet seinem Klienien, mindestens für seine Person die Hände davon zu lassen. Nach drei Tagen schien man Simons Angelegenheit vergessen zu haben, es kamen andere Gesprächsstoffe auf. - - Nur drei Personen, die bisher kein Wort darüber . verloren hatten, dachten noch mit gleichem Ernste daran, Simon selbst, der Parnes und der Lehrer, und jeder von ihnen hatte einen anderen Grund zum Schweigen. Simon schämte sich, und der Parnes ärgerte sich darüber, daß jemand, von dem er geglaubt hatte, er nehme es genau mit seinem Worte, so leichtfertig ein öffentliches Gelübde getan <m heiliger Stätte. Ter Lehrer schwieg aus dem Grundsatz, weil er mit den Streitigkeiten d er Gemeindemitglieder, die durchaus nicht selten waren, nichts zu tun haben wollte, und weil er nur dann ein Sachverständigenurteil abgab, wenn er darum angegangen worden war. Ta kam etwa acht Tage später eines Abends der Parnes zum Lehrer. „Herr Lehrer," begann er, „ich habe mir-die Sache überlegt mit dem Ganzebacher Jungen. Ich weiß im voraus, daß im Prozeßweg nichts zu erreichen ist, und hatte es auch nicht recht, eine solche Sache vor einem nichtjüdischcn Gerichtshof zur Entscheidung zu bringen; ich möchte aber in der Gemeinde nicht die Meinung anfkommen lassen, man könne ein feierliches Gelübde tun und brauche es einfach nicht zu halten. Entweder ist der- Junge verpflichtet, eine Sefer 'Thora schreiben zu lassen, dann muß man einen Weg finden, um ihm das zu ermöglichen, oder er ist nicht verpflichtet, dann - müssen Sic das nächstens in der Chewroh auseinandersetzcn. Ich habe ihn hierher in die Gemeindestube bestellt, er wird in einer halben Stunde kommen, daiui sagen Sie ihnr in meiner Gegenwart, daß die öffentliche Besprechung in der Chewroh zu seinem Besten und zum Besten der Gemeinde notwendig ist. Tas geschah. In der Gemeindcstube machte der Lehrer Simon ernste Vorstellungen, daß Inan es mit seinem Worte genau nehmen müsse, daß es überhaupt nicht recht sei, ein Gelübde zu tun, und daß man besonders nichts für heilige Zioeckc geloben, dürfe, wenn man nicht den Gegenstand zum Zugreifen zur Verfügung habe, dessen hätte er sich in seinem'Falle jedenfalls vorher durch Anfrage bei der Gemeinde Ganzebach versichern müssen. Als Simon darüber ein betrübtes Gesicht machte nnd versicherte, daß er sich unglücklich genug darüber fühle, beruhigte ihn der Lehwieder durch die Erklärung, daß glücklicherweise sein Gelübde überhaupt kein Gelübde sei, weil sein Wort' nicht mit dem, was er dabei gedacht habe, ein und' dasselbe sei. (Fortsetzung folgt.) JTwrÄTEerlTTptiS Pits - u. Fincenez voablö Mk. 7.50, Nickel Mk. 4.00. Weissfrauenatrasse II. E<-ke Nen» Mainzorstra-we. Haiser Frledricti Quelle --- Offenbach s. M. —— Gegen Gicht nnd Ehematfmnng tnribk Alleiniger General -Vertreter: Frladrloh Stahlt Frankfurt a.H«, Günfchewburg-Allee 37. Tel.259n. 714. Woches-Saleuver. (Zeitangaben nach dem I-oacb.l Samstag, den 17. Januar 19 Tewes.l sabdal-Ankang ln Frankfurt a Ai. 4 lldr 30 Min. 'Sabbat-Ausgang in Frankfurt n. M. 5 Ubr 45 Min in Berlin 5 Uhr 10 Min. Wocheiiabschnitt: Sch ein aus. — Jakobs Nachkommen hatten sich in Aegvplc» stark vermehrt, sie sind ei» Volk geworden. Ein »euer Pharao (König) sucht sie zu knechten und?u vermindern: sie vermehren si.d aber dennoch stark. Ta ergeht der Befehl,- alle Männlichen bei der Geburt zu röten oder sie hi den Fluß zu werfe». — Moses wird im Stamm Levi geboren. Seine Mutter setzt ihn in einem' Biuieukörbcheu aus. Die Königstochter sinder das Kind beim Baden und nimmt es an sich. Sie Hißt es der eigenen Mutter zur Pflege übergebe». Au Pharaos tzof wird Moses erzogen. Er besucht aber oft seine geknechtete» Brüder I» gerechtem Zorn ' erschlügt er einen Aegypter, der einen Israeliten misthaiidette. und must fliehe». Er weilt in Midjan, hütet bei Jitr»' die Schase und bekommt Zipporä, eine von JitroS Töchtern, zur Frau. Sie gebärt ihm zwei Söhue. — Am Berge .boreb osfenbart sich Gott Moses in einem brennenden Toriibursch. Moses soll »ach illegypteu 'zurück und-' das Volkherausführeit.