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Neue jüdische Presse · 1913-12-31 · Heft 52 (31.12.1913) · p. Seite 5

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 52 (31.12.1913)
Date
1913-12-31
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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' Nr. 52 . .. .. Glocken- Drogeri e Allerheiligenstrasse 53. Telephon I, 3217. Vorteilhafteste Bezugsquelle für alle Parfümerien, .Seifen und Toilette-Artikel. dern das Bürgerrecht zu erhalten, hat er jedes Jahr seine acht Gutegroschcu Bürgergeld bezahlt, und ich habe es auch getan. Ich wollte nur nicht wegziehen, weil Eure Mutter, Friede sei mit ihr, von hier war. Und 'nun will ich Dich benschen." „Es ist noch nicht Schabbes, Vater." „Nachher werde ich Dich wieder benschen," sagte der Kranke mit gerührter Stintme, „aber Jakob legte seine Hände mit Bedacht auf das Haupt seiner Kinder, , und das. will ich auch tun; wenn mau krank ist, weiß mmr nicht, wie lange man es mit Bedacht tun kann." Um seine Ergriffenheit zu verbergen, legte Simon seinen /Kopf auf die Bettdecke und der 'Kranke ließ seine Rechte länger als bei dem gewöhnlichen Benschen in leisem Gebete auf dem Haupt seines Sohnes ruhen. „Hole Deine Schwestern, ich will auch sie benschen. Ziehe die Uhr auf, wie ich es stets vor'dein Beginn des Schabbes getan habe, gieße Oel auf die Lampe und : mache die Dochte zurecht, das habe ich von der ersten Woche meiner Verheiratung getan, um auch etwas zur Vorbereitung für den Sabbat zu leisten." . Die Befürchtungeir des Arztes erwiesen -sich schon 5» nach zwei Tagen als gerechtfertigt. Der Tod zerriß Pas Band, das Bater und Kinder so innig umschlungen hatte. - - -' 4. Kapitel. David Reinwald, der alles ausforschte und al'es ivußte, konnte schon nach tvenigen Monaten den vor der Synagoge sich versannnelndeu Gemeindemitgliedern von Lochstadt erzählen, daß Simon Ganzebach sein Häuschen und seine Aecker verkauft habe, und daß er die Absicht habe, in die Khille herein zu ziehen. „Da werden wir auch noch ein Wörtchen mitreden, - daß der Landrat es nicht erlaubt," meinte der zweite v Parnes Rüben Stern, „wir brauchen uns nicht selbst Konkurrenz zu machen und jeden hereinzulassen, sonst könnten schließlich alle Juden von der ganzen Welt den Einfall kriegen, nach Lochstadt zu ziehen." „Davor habe ich keine Angst," warf der erste Parnes ein, „wenn man ziehen könnte, wie Man wollte/ tvürden immer noch mehr Juden nach Frankfurt ziehen als gerade nach Lochstadt. Mer ich glaube, daß die Zeiten nie kommen werden; es sind nur ein paar verrückte Demokraten, die immer von Freizügigkeit und solchen unmöglichen. Sachen reden." „Wir werden uns schon wehren, daß so verrückte/ Gesetze wie Freizügigkeit nicht kommen, wir haben genüg Juden in der Khille," schrie mehr, als er sprach, Men- - bei Löwenstein. „Du brauchst Dich nicht zu ereifern," meinte Herz '. Rosenberg mit spöttischer Ruhe, „das erlebt die Welt nicht, daß solche Gesetze kommen." ' . , [ David Reinwald hörte alle diese Erörterungen mit ■ verkniffenem Lächeln an. Er hatte sich schon durch eif- . riges Forschen aufs genaueste unterrichtet. »Zerbrecht Euch die Köpfe nicht über die Gesetze, aber das sage ich Euch, dein Simon Ganzebach, kann es keiner wehren, hereinzuziehen, auch der Landrat nicht." „Was" rief Samuel Stern, „ist Simon Ganzc- Lach ein so großer Mann, daß er machen kann, was er will." ' David schmcktc verächtlich mit dem Kopf, weil ein so junger Mann es wagte, an der Genauigkeit seiner Informationen zu zweifeln. Die älteren Männer sahen ihn nur gespannt an, nur aus seinem Munde zu erfahren, was Simon berechtigen könnte, ohne Erlaubnis des Lmidrats, der Stadtväter und der Khille von einem . Dorfe des Bezirks herein in die Amtsstadt zu ziehen. An seiner genauen Information zweifelten sie nicht, aber er hatte allgemein den Namen „Lügendavid", mau mußte also vorsichtig sein bei seinen Mitteilungen. „Wir sind hier nicht auf dem Frankfurter Biehmarkt," rief der Parnes in ärgerlichem Tone David zu. . „Tu hast uns einmal blamiert, und das ist genügst rief Rüben Stern. „Ja," sagte Mendel Löwenstein, -„tveitn ivir nicht dabei sind, ist eine solche Rücksichtslosigkeit noch begreiff Leo Schweinfest# ''; #* Damenschneiderei ' . empfehle tadellosen Sitz, gute Verarbeitung. W Gr. Eschenheimerstr. 10, 1. Telef. 12206. d Frankfurter Israelitisches Familienblatt. Seite 5. lich, aber uns direkt ins Gesicht zum Narren zu halten, das ist doch zu stark." Die Geschichte vom Frankfurter Viehmarkr zeigte den Charakter und das Wesen des David Reinwald in klarem Lichte und machte die Erregtheit der Khille gegen ihn begreiflich. Im letzten Herbste nämlich kurz nach Jonr Kippur war David geschästehalber auf den Frankfurter Biehmarkt gefahren und war da von einem Bekannten gefragt worden, wie es in Lochstadt gehe. David / machte ein trauriges Gesicht und antwortete: „Schlecht." „Warum? Was geht vor?" „Uns ist was schlimmes mit-; dem Jom Kippur passiert." ' „Was denn?" „Vorigen Dienstag, haben wir Jom Kippur gehalten." „Was? Am 'Dienstag? Seid Ihr denn in Lochstadt verrückt? Kann denn der Jom Kippur überhaupt auf einen Dienstag fallen?" . „Nun, das ist nicht zu ändern, mir haben die Dummheit einmal gemacht und waren schon bald mit dem Mmchagebet fertig, da kommt ein Schnorrer in die Stadt und geht zum Parnes,^ um sich ein Billet zum Essen zu holen. Ms er hört, daß wir mit dem Jom Kippur bald fertig sind, schreit er: Schma Israel, wir chaben doch erst morgen Jom Kippur. Als wir das. in der Schul erfahren, waren wir zuerst ganz entsetzt, aber was konnten wir machen? Wir fingen gleich noch einmal mit Kolnidre an und haben so zweimal 24 Stunden hinter einander gefastet." Davids Freund erzählte es unter gehöriger Berivnndernng weiter, und jeder kam zu David, um die merkwürdige Geschichte zu hören. Durch diese Lust am Fabulieren hatte er Lochstadt in den Ruf unverzeihlicher Dummheit gebracht und seiner Heimatskhille für immer den Stempel der Lächerlichkeit aufgedrückt. Die Erregung der Leute war also...begreiflich, als David die Neuigkeit don Simon berichtet, aber er blieb ganz ruhig und sagte: „Simon kann hereinziehen, wann er will, er hat das Bürgerrecht." „Das Bürgerrecht?" riefen alle durcheinander. „Jawohl, sein Großvater und sein Kater hoben jedes Jahr das Bürgergeld bezahlt, er ist also Bürger von Lochstadt, ich habe es auf dem Rentamt gehört." Das war ja möglich, und alle schwiegen. „Es ist Zeit, daß wir mit dem Gottesdienst beginnen," unterbrach der Lehrer die Unterhaltung und bewegte sich nach dem Eingang der Synagoge. Alle Versammelten schickten sich an, ihm zu folgen. Plötzlich blieb der Lehrer wieder stehen, hob die Arme und rief: „Still! still! hört emmal!" Ein seiner, dünner Glockenton schrillte durch die Lust. Bim! Alle blieben, stehen und Horchten. Bim! und nochmals Nach kurzem Intervalle: Bim! „Es: brennt!" riefen alle wre aus einem Munde und standen vor Schreck gelähmt. Und schon Hörte Man das dumpfe Trommelrasseln des Femrrufes, und schon wurden in den Nachbarhäusern die Fenster ausgerissen. „Wo brennt's denn?" In die enge Synagogengasse stürzte in rasendem Lauf, den Säbel, damit er ihn nicht im Laufe störe, mit der Linken gefaßt, der städtische Polizeidiener und schrie dabei: ,^Feuer! Feuer!" „Wo brennt's denn?" rief man ans zwanzig, dreißig Kehlen. „Beim Herz Rosenberg," brüllte der Polizist im Weiterlaufen. »!Hui! wie stoben die Gemeindemitglieder auseinander, anstatt zur Synagoge fori durch Pas Gäßchen kn dm Richtung zum Brandplatz: Herz Rosenberg war so vom Schreck betäubt, daß er sich kaum bewegen konnte. Er war und blieb der letzte hinter den Dahineilenden, und et. torkelte wie ein Trunkener. Die Auflegung hatte ihn der Fähigkeit beraubt, klar zusehen, so lief er im Zickzack weiter, - und, so oft'die Beme auch zu versagen drohten, immer nach kurzem Seitwärtstaumel» raffte er wieder alle Kräfte zusammen, um vorwärts zu kommen. „Meine Frau! Meine Kinder!" schrie er fortwährend im Lausen. (Fortsetzung folgt). Christ. Wilhelm Telef. I, 3567. Hoflieferant. Goethestr. 21. Herren-, üDamanu. Livreaschneiderei. Spszial-Sportgeschift. 1 Auf Wonach koschere Verarheitnne. s- — enges Nebeneinanderstehen. Ein Grüßen und Nicken. Ein Wiegen und Wehen von Federn und Schleiern und Blitzen der Kostbarkeiten. Der süße Dust der Rosen und Levkojen, vermischt mit künstlichen Wohlgerüchen und ein summendes Stimmengewirr. Doch auch dieses wfld stiller durch die Zaubergewalt der Musik. Und sie stehen da, Mensch an Mensch. Ihre Sinne sind gebannt in der Macht der Herrlichsten der Künste.; Im langen, seidenen Kaftan der Mann» — halb Dst, halb West —, Horcht auf die fremden Westen. Als wollte er sich ganz versenken in die Töne. Wie durchzuck es ihn! — Ahnend suhlt er Gewaltiges. Tie Verfeinerten nennen dies' Kunst, ihm ist es Offenhärung. . Was wissen sie, die geputzten, lächelnde» Badegäste, was die Töne erzählen, was sie schluchzen, was sie jauchzen. Er allein hört aus jedem: Bogenstrich Eindrücke. Auf dem Kurplatz ein flutendes Gedränge. Lächelnde, zufriedene Menschen überall, wohin das Auge reicht, bis hinauf auf die bMaldeten Bergeshöhen. Da ist ein freundliches Sichstoßen und ein flievlichcs Dräirgen, "ein ruhiges Beisammcnsitzen und - ci» die Gedanken einer anderen WÄt, eines befreienden Jahrhunderts. Es sind dies Kämpfe und Siege eines' ganzen Volkes, eines mächtigen und großen. ^Gehört er, der Verpönte, dieser Familie nicht auch an, — er und Millionen andere? Wie. Feuer durchrieselt es den blaffen Mann, der dahergekommen, seine kranke Seele und seme« steche» Körper zu heilen. Er ficht den Genius des Meisters am Webstuhl der Zeit, Hämmernd und pochend öffnet er Türen und Tore, die Jahrtausende verschlossen geblieben. Tie Kämpfe sind die Kämpfe feines Volkes, die Siege feine Siege. —— — Er merkt nicht, daß es still um ihn geworden, — und in tiefem Sinnen hört ec auf dem -feinen Kies die verhallenden Schritte der Heimeilendem Langsam geht die Sonne unter. Sarah Schlesinger. J. W. Albert, Pits* n. Plncenez Double Mk. 7.50. Nickel, Mk. 4.00t Weissfrauensteasse II, Eke Nene Mainzerstrasse. Kaiser Friedrich Quelle - Offenbach a. M. ' Oeita Gicht ind VhevnaHmne hodUL Alleiniger General -Vertreter FHadrioli Stahl, Vnmthrt’i.Vn Gflnth ornhur g- All eo 37. TdlSSa 714. Woche«-Kale»der. (gettannabert «adj brat Loacb.l I SamStag, den 3 Januar N= 5 TeweaV A Sabbat-Anfang in Frankfurt a M. 4 M» 15 Min. 1 Sabbat-AuSgang in Frankfurt a. M. 5 Ahr 3AMuL | in Berlin 4 Uhr SS Mn. ' | Wochcnabschnitt: Waj igas ch. — Juda bietet sich | für Benjamin als Sklave an. Nun kann Josef UH f nicht mehr enthalten, er gibt sich zu erkennen. Beg fiürzung, Weinen, Umarmung und Küssen. — Mit reichen Geschenken ziehen' die Brüder heim, dem bekümmerten Bater die glückliche Botschaft zu bringen. Sie sollten ihn mit nach Aegypten nehmen. Jakob bleibt erst kalt. Die Erzählung der Brüder, der Anblick der königlichen Wagen wirkten jedoch überzeugend- Jakob zieht imch Aegypten, opfert an der Landesgrenzc und bekommt hie göttlich« Zusicherung, dereinst wieder nach Kanaan .gebracht und dort begraben zu werden. — Josef fährt entgegen. Unterwegs trifft er den Bater. Lange umarmen sie .sich und weinen. Die ganze Familie wohnt nun im Lande Gösen. Fünf Brüder stellt Josef dem Könige vor. Als Hirten dürfen sie im Lande wohnen. Auch Jakob hat eine Audienz bei Pharao. Er wird nach seinem Mter gefragt und nennt sein Lebe« ein kurzes, leiderfülltes. Er segnet Pharao. — Die Hungersnot dauert fort. Josef versorgt die «einigen mit Brot. Die Aegypter verbrauchen ihr Geld zum Getreidekauf. ' dann ihre Herden, endlich ihren Bodenbesitz. Sie vermieteten sich schließlich selbst, um nur Nahrung zu erhalten. Josef bringt alles in Pharaos Besitz. — Die Sidra bringt auch einen Stammbaum der Jakobsfamilie., Donnerstag ist Asso r o-betewes — lO.Tewes. Mr diesem Tage — ungefähr 600 Jahre vor 1 — begann die Belagerung Jerusalems durch den babylonischen König , Ncbuchadnezar.. Damit fing unser Fall an! r ' Wochengottesdienste in Frankfurt. Morgens: 7 Uhr (Haupijyiiagoge und Synagoge Äönigstcincrstraße < Uhr 30 Ätin.i. Abends: l Uhr Hauptsvnagvgc 4 Uhr. Synagoge König steinerstraßc 7 Uhr». , Offenbaeher Druckluft Ottenbach a. M. Telefon 123. (Anaehfasa mit Frankfurt). Bewährteste- Taaolehwatnlpii»«. 100.000 gmsshrstctb sowie unübertroffene Bettennnd Bettfedernretaigingr mittelst Druckluft unil Wasserdampf. - i

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