Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 50 (19.12.1913)
- Date
- 1913-12-19
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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's 2. “ " „ M Nr. 50 rfes Itftiifefttcfei Ifmetitif Frankfurter Berichte. Die Rltualmardlüge in Vergangenheit und Gegenwart. In der Ortsgruppe der Zion. Vereinigung hielt Bankier Jacob Wolfs von hier eine Reihe von Vorträgen über die Ritualmordlüge in Vergangenheit und Gegenwart. Der Redner bezeichnete es als eine besonders traurige Tatsache, das; diese Beschuldigung namentlich von B e - fcitncni der christlich e n Religivnsgcinei » - schaft komme, die selbst einjt in Rom so sehr^ unter dieser Beschuldigung verfolgt worden ist. Schon um das Jahr 12» nach'dcr gewöhnlichen Zeitrechnung finden wir von bedeutenden Christen Schutzschriften gegen diese Verleumdung. In denselben mehren sich dieselbe» gegen alle die Anklagen, die inan heute noch, gegen die Juden erhebt und nehmen bei ihrer Rechtfertigung ans die Bibel bezug. Es ist nämlich bedeutsam, das; auch die C h r i st e n bis' zum achten Jahrhundert gleichfalls kein B l u t g e g e s s e n haben, und das« das Verbot auch h e n t e noch in der griechisch-orthodoxen Kirche Gesetz ist. Die Heiden nahmen den Vorwand fiir die Beschuldigung ,hanptsächlich durch den Ritus des Wendmahles, des Bruderkusses und der Liebesmahle.' Auch heute noch haben in China und Madagaskar die Christen unter gleichen und ähnlichen Beschuldigungen zn leiden. Redner ging dann mit außerordentlicher Genauigkeit auf die B e st i in m u n g tu der Bibel über den B l n t - genus; ein und zeigte an der Hand der einzelnen Anssprüche, wie bestimmt das Gottesgesetz den Genus; von Blut verbiete!, und welche außerordentlich schiverc Strafen es bei. Znwidcrhandeln androht, ferner, wie das Gottesgesetz in bündiger Weise die Schonung des Menschenlebens befiehlt, und das; der Mord — einerlei gegen wen — als die schwerste Sünde zu betrachten ist. Auch da» Verbot der Menschenreip. Kinderopfer (Molochdicnst) streifte der Vortragende. Er kam zu dem Schlüsse, daß jeglicher Genuß menschlichen Blutes den Juden rcligionsgesetzlich ans das strengste unbedingt untersagt ist. Wer tvarcn nun die 'Ankläger der Inden, und ivelche wissenschaftlichen Beweise glaubten sie Vorbringen zu können? Die e r st e Anklage .ist 1250 erhoben worden. Es ist bezeichnend, daß mit die selbe Zeit man mit den Hercnprozesse» angefangen hat. Beweise bat man damals nicht ans dcni Talmud oder sonstigen religiösen, Werken der Juden beigebrachtman beschränkte sich auf die unter furchtbaren Folterqualen abgeprcßten Geständnisse, deren Wert ja naturgemäß völlig problematisch ist. Einer oee fürchterlichsten Ankläger gegen die Juden war der Doininikanermönch Thomas, der aber auch noch nicht den Talmud als Beweis hcranzog. Die e r st e » , die mit sogenannten w i s s e n - s ch a s t l i ch e n Stellen an die Oefsentlichkcit ^traten, waren getaufte Juden im 17. Jahrhundert. So Samuel Friedrich Brenz, D. Walser und ferner Paul Kirchner und besonders im Jahre 1712 Jankief Lebowicz, der später die «ekte der Fcankisten gründete und einer der schlimmsten Judenhasser wurde. Er war es auch, der das denkwürdige Religionsgespräch in der Kathedrale zu Lemberg veranlagte, das' einen so ungünstigen Einfluß ausgeübt hat. Die damaligen christlichen Professoren der Theologie in Halle Michaelis und Seniler haben dann aber nachgewiesen, daß die Behauptungen dieses Religionsgespräches völlig unwahre und wertlose seien. Dann entsteht eine lange Pause, und erst lE hat Professor August Rohling in Wien erneut versucht, ans den jüdischen religiösen Werken die Beschuldigung zu rechtfertigen. 'Auf die Geschichte dieser Zeit.ging dann der Vortragende besonders eingehend ein und schilderte in anschanlichcr, überzeugender Weise die ganze Verworfenheit Rohlings, der sich von einem getauften Juden namens Brimann zu seinen Unwahrheiten und Meineiden verleiten ließ, und wie er endlich durch Professor Delitzsch von der Universität in Leipzig als Fälscher entlarvt ^worden ist. Die von Rohling zitierten Stellen aus dem Talmud lKesubboth 102h), Sefer Halikkutim und dem Sohar nahm dann der Redner zu einer eingehenden wissenschaftlichen Betrachtung; er konnte mit Leichtigkeit feststellen, das; diese Stellen für eine Blutbeschuldignng völlig unbrauchbar sind, indein er sich auch auf die Erklärungen von Pros. Mcrx in Heidelberg, Prof. Delitzsch und Prof. Strack bezog. Auch auf weitere Gutachten von ausgezeichneten Wissenschaftlern konnce Bezug genommen werden. Alsdann ging der Redner ans einzelne besonders wichtige Anklagen im einzelnen ein und konnte Nachweisen, daß auch nicht eine einzige vor einer unparteiischen Untersuchung standhalten kann. Aus dieser Not, so meinte der Redner, gebe es einen guten Weg und das sei der, den der Zionismus auf seine Fahne als ersten Pro- (I grammpunkt geschrieben habe, nämlich: für unsere bedrängteu arme i Glaubensbrüder eine öffentlich rechtliche Heim- % statte im Lande der Vorfahren zu errichten, wohin sich V jeder von uns flüchten könne, wenn Bosheit oder Roheit ip ihm das Leben verbittern »nd ihm weiter die Möglichkeit geiivmnien wird, an den Kultnrausgaben der Neuzeit miti;, znarbeiten. J Der Redner, dein ein gutes Rednertalent eigen ist, " fesselte mit seinen durch Gründlichkeit und lebhafte Schrlderung sich auszeichneiiden Ausführungen bis znm Schluß - seiner drei Vorträge. -! Die Million des Judentums. Im Verein „Jüdische Kultur" sprach Herr i C h aw k i n über: „Die Mssion des Judentums". Der Vortragende ging davon aus, daß die Bezeichnung .. des jüdischen Volkes als eines auserwählten Volkes nicht ii eine leere Phrase, sondern durch dessen ganze Vergangenheit : historisch begründet sei. An der Hand verschiedener,-stel- 1 len aus Bibel und Talmud zeigte er, daß die sozialen ' Einrichtungen des Judentums und dessen Ethik den Jahr- tausenden voraugeeilt und die modernen sozialen Theorien * bereits in der Bibel enthalten sind. - j Es entspann sich eine rege Diskussion, an der sich u. a. Dr. Gottselig, Schöner, Zucker und der : Präsident des Vereins, Wahrmnun, beteiligen; „Montefiore" - Bereis. Ein ka ufm ännifch-fach wissenschaftlicher : Kursus, der sich mit Fragen der Bilanz und Buchi führung und der Einwirkung der postalischen Einrichtungen •; für den Handelsverkehr besaßt, beginnt im Januar. Do- ■; zenten: Dr. jnr. Siegfried Auerb a ch, M ax Eisen-; krämer, tcriserl. Postrat Joseph und Rechtsanwalt; Josef Weil. ' Israel. Hülfsvereiu. Im abgelaufeiien Berichtsjahre erschienen 2565 Wände r a r m e, von denen 1-11 abgcwiesen wurden und 2124 durchschnittlich JL 3,35 erhielten. Außerdem verausgabte der Hilfsverein auf Konto Spezialfonds 36 316 -lk und für den Rosch Chodesch-Berein 4176 Jk Der Bericht hebt besonders den „unersetzlichen Verlust", den der Tod des Herrn Leopold Hirschler für den Verein bedeutet hat, herqor. Carl Grebenau, "Zf*JuwelBn.üüiBfl.Gold-u.Silüemaiei. Telephon I, 6069. Aüswahlsendungen gerne zu Diensten. UHU lul ncparalUlGlI«- Ignatz Erammer 124 Zdil Frankfurt a. M. Z&il (im Hause der Buchbandlung Autfarth) WP* Colliers und Hoffe in allen Pelasarten. Spezialität: Vertrauenshaus I. Ranges. Kaffeeservice, Kaffeeu.Theemascbinen Cabarets, fortenplaben Barndorfer Alpacca - Silber - Tafelgeräta Hanshaltsinascbfnen Ia. Qual. —— Gasherde von Janker & Rah. - liOÄ*ey, SeMllerstrasse 16. Verlangen Sie reich illnatr. Preisliste. 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