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Neue jüdische Presse · 1913-12-19 · Heft 50 (19.12.1913) · p. Seite 11

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 50 (19.12.1913)
Date
1913-12-19
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Nr Frankfurter Israelitisches FamilienÄatt. Bunte Chronik. Statistische Zählen. . In A m st er d am wurden in den zwei Jahren 1911 und 1912 i. Sa. 839 rein jüdische Ehen und 112 jüdischchristliche - Ehen geschlossen. Im Jahre 1911 lebten, in Irland unter H/» Millionen Bewohnern 5100Juden, inBritisch-Jndien unter 313 Millionen Bewohnern 21 000 Inden/davon 15 000 in Bombay) und in -A n st r a l i e n unter 5>/s Millionen Bewohnern 19 500 Juden. Die'jüdische Bevölkerung in Budapest betrug 1869 45 OM 'Seelen (= 16,60« der Gesamtbevölkerung) und» 1911 204000 Seelen (— 23,10/0 der Gesamtbevölkerung). Crlocken-Drogerie Allerheiligenstrasse 58. Telephon I, 3217. Vorteilhaftes* e Bezugsquelle für alle Parfümerien, Keifen und Toilette-Artikel. Knust «uv Literatur. Die Geschichte der S tad t Franksnrt a. M. von Prof. Dr. Friedrich B o t h e. Lexikon-Oktav, 774 Seiten, 230 Bilder usw. In Halbfranz gebunden 30 ,IL Frankfurt a. M., Moritz Diesterweg. . Ein stolzes Buch. In seinem Inhalt zeugend von Frankfurts Größe in der Vergangenheit, und in seiner Aufmachung Frankfurts Größe in der Gegenwart anfweiscnd. Keine vergilbten Blätter, deren Moderdunst zum Leser aufstcigt, sondern alles — das Ganze wie jedes einzelne — atmet frisches Lebe». Das gibt auch die sichere Bürgschaft für den Erfolg des Buches, — und es war klug von dem altbewährten Frankfurter Berlage, daß er „die erste vollständige populärwissenschaftliche Geschichte der Stadt Frankfurt" zu einem Prachtwerke gestaltete. Aber auch dem Autor ist nur Lob zu zollen. Würde nur die .Fülle der vorzüglichen Bildwerke fesseln, doch die Schilderung — lute so häufig in Stadtgeschichten — trocken sein, — wir hätten das Merk auch freudig und als Frankfurter voll froher Genugtuung hinnehmen dürfen Doch der Stil ist nicht trocken wissenschaftlich, — in lebendigem Flusse und fesselnder Spannung reihen sich die Worte aneinander. Natürlich erzählt das Buch auch die Geschichte der Frankfurter Judenhcit. Als Probe wollen wir hier die Ausführungen auf Seite 151 wiedcrgcben. Wir lesen dort: „In jener Zeit setzte eine eigentümliche Bewegung gegen die Jttdcn ein, die sich auch in Frankfurt bemerkbar machte. Dort hatten sich bald nach der „zweiten Jndenschlacht" wieder einige Juden niedergelassen, denen man eine Art selbständiger Organisation zugestanden hatte, iirdem man sie unter der Aufsicht des Stadtschultheißcn und des Rats sich selbst verwalten ließ. Als Gemeindebeamte werden genannt der Lehrmeister, der Vorsänger und der „Schulklöpper". In . allein, was ihre Religion anging, durften sie selbst urteilen, während sic sonst dem Stadtgerichte unterworfen waren, wo sie wie Bürger behandelt wurden. - Mer so selbständig fühlten sie sich damals, daß sie sich selbst Gesetze gaben und unter sich Gericht hielten, unter ihrem „Meister" eine Sondergemeinde cinrichtetcn, wogegen 1366 der Kaiser mit einem Verbote .cinschritt. Ihre Tätigkeit mar durchails der Handel, und zwar vor allem die Gcldleihe; damit dienten sie der Stadt wie den Zünften mit ihrem Handwerk: nur der Lehrmeister und der Schulklöpper durften nicht „wuchern". Natürlich gab cs auch' andere Berufe unter ihnen; so sind die jüdischen Acrzte sogar wegen ihrer Geschicklichkeit berühmt gewesen: 1398 wurde der Jude Isaak als Stadtarzt angestellt. 'Selbst eine. Aerztin konunt. schon vor. s« Auch Metzger und Bäcker muh es unter ihnen früh gegeben haben, entsprechend den Forderungen ihres Gefolges. Ebenso war natürlich in ihrem „Heckhaus" ein Wirt. Andere Handwerkstätigkeit scheinen sie selten ausgeübt zu haben. Nur einmal wird ein Schwarzfärbcr^genannt, wie ja die Färberei von den Juden z. B. in Lüditalien unter den Hohenstaufen, gern betrieben worden ist . . . „. . ., daß sich die Juden durch ihren Pfänderverkauf bei den Zünften und Krämern verhaßt machten. So ging denn in der Stimmung der Bürgerschaft ein Wandel vor, der sich auch in dem Verhalten des Rates gegen sie kundtat. Die Juden wurden nicht mehr ins Bürgerbuch eingetragen: auch wurde ihnen 1386 verboten, christliche Ammen und Mägde zu.halten; für jeden Tag, wo ein christliches Dienstmädchen bei einem Juden tätig war, mußte dieser 10 Gulden Strafe zahlen, wovon der Angeber 2 Gulden erhielt; die 'Mädchen wollte ntan in einen Turin/werfen „auf des Rates Gnade" . . ." Für und wider die jüdische Vo l kssch u lc. in Preußen von Realschnldrrektor Dr. S. Adler- Frankfurt. Mit einem 2. Teil: D i e j ü d i s ch e V o l k s - . schul e in Südd eutsch land von Lehrer S. Ding - selber- München. 34 Seiten. Herausgeber: Verband der jüd. Lehrervereine im deutschen Reiche. Direktor Dr. Adler tritt mit großer Wärme für die Erhaltung und Förderung der jüdischen Volksschule ein. In klarer Gliederung zeigt er die religiösen, pädagogischen, politischen und ntilitarischen Gesichtspunkte auf, die dafür sprechen. Die Ausführungen sind sehr lesenswert, und ihnen ist die. weiteste Verbreitung zu wünschen. Simon DingfclderS Arbeit hat folgenden Aufbau: Geschichtliches, Die christliche Schule, Der christliche Charakter der Simultänschule, Statistisches, Finanzielle Vorteile für die Israeliten, Simultänschule in Baden, Gehalts- und Pensionsverhältnisse, Politische Wertung, Erfolge der Volksschule. "Auch sie zeichnet sich durch Uebersichtlichkeit der Materie aus. Probe aus: Direktor Dr. Mler „Für und wider die jüd. Volksschule in Preußen" (Seite 15). . . . Aus diesem Recht ergibt sich für uns die Pflicht, 'es auch ausznüben und nicht einseitigen politischen Theorien zu liebe, die auf ganz anderen Gebieten ausgefochten werden könne», auf diese Gleichberechtigung zu verzichten und Zustände im Schulwesen zu dulden, die in unseren Kindern schon im zarten Alter das Gefühl der Zurücksetzung und Vereinsamung den andersgläubigen Altersgenossen gegenüber aufkomnien lassen müssen, die ferner dem jüdischen Lehrer seines Glaubens wegen eine Stellung znweisen, die eine direkte Herabwürdigung des Judentums bedeutet. Die 'Ansicht, daß bei Bestehen einer öffentlichen jüdischen .neben einer christlich-konfessionellen Volksschule in dem gleichen Orte die Gemeinbürgerschule Schaden erleidet und die Jichen in einen gewissen Gegensatz zu den andersgläubigen Mitbürgern treten, wird am besten durch den Hinweis auf die Verhältnisse in all' den Ortschaften widerlegt, in denen sich solche verschiedenartige gleichberechtigte Schulsormen befinden: Nirgends ist der Gedanke der Gleichberechtigung aller Bürger in alle Schichten der Bevölkerung tiefer gedrungen . . ., nirgends stehen die jüdischen Lehrer mit den christlichen Aintsgenossen in engerem Verkehr ... als in diesen Orten. Den besten Beweis für diese Behauptung bieten die Verhältnisse in Rheinland und Westfalen, das die größte Zahl öffentlich-jüdischer Volksschulen anfweist, so in Cöln, wo die Kommune für die 600 jüd. Polksschulkinder mit einem Aufwand von säst 700000 JL ein glänzendes Schulgebäude eingerichtet hat . . . geiteli; Allgemeine Mitteilungen. Ein neuer GeschäftsPalast ist von der alt? renommierten Firma Hinkel u. Sohn in der Renen Mainzerstraße 14/16 durch den Architekten Otto B ä p P - l c r errichtet worden. Dieselbe hat ihr gesamtes Läger von Beleuchtungsgegenständen für elektrisches Licht, eletz trischer Koch- und Heizapparate von der Kaiserstraße dorß hin verlegt, nebst den Fabrikations- und Reparaturwerkstätten. Der 40 Meter lange Laden dürfte wohl in dieser Branche in ganz Deutschland nicht mehr gefunden werden. Er ermöglicht eine bequeme Ausstellung und Besichtigung aller Lüsters, die in reicher Auswahl nach Kunstart nutz Stil übersichtlich geordnet sind. Ein» wunderbar eingerichtetes Interieur mit künstlicher Kaminfeuerung bietet dem Käufer außerdem Gelegenheit die Hängewirkung de« Leuchter auszuprobicren. Im hinteren Raum des, Ladens findet man elektrische Wasch-, Bügel-» Schühputz-, Messer-j putz-. Brat-, Koch? und andere Maschinen, Frisierapparate tc. Die Umfangreichen Expeditions- und.Lagerräume» sowie; die Galvanisierungsanstalt befinden sich größtenteils inj »den doppelt unterkellerten Räumen, wobei bemerkt sey, daß die Firma täglich zirka 80—IM Monteure answärM tätig hat. Die Bureauräume find in einem oberen Skoctz werk nntergebracht und im fünsten Stock befinden sich die Fäbrikationsräume, bezw. Reparatur- und AufbewaW rungsanstalt. Die wunderbare Einrichtung des Geschäftes, wurde von der hiesigen Firma Jean Abt, Fabrik für Ladeneinrichtungen und Jnuenausbauten gelüfert» KöW rend Herr Diplom-Ingenieur Ludwig . 2 ch u l t h e i s, Spezialfabrik für Aufzüge, die beiden großen elektrischen für 7 Personen bestimmte» 'Aufzüge, die den Bepkehr in dem Riesenhaus vermitetln, zur Ausführung brachte. Bereius-Kaleuder. Freitag. „Talmud T h o r a" - B e r e i n, nach Schluß des 'Abendgottesdienstes im Hörsaal der Synagoge Börneplatz: Bortrag (Dr. Braun). — „Montefiore"- Verein, 812 Uhr, Bleichstraße 70: Gemütliches Zusammensein. — Verein ,Mekor Chajim", nach Schluß des Abeudgvttesdienstes im Hörsaal Friedberger Anlage: Mikro-Vortrag (Oberlehrer Kaufmann); M/s Uhr, Langestr. 18: Gemütliches Zusammensein. — Jüd. Kultur, 8h» Uhr, Obcrmainstr. 4: Gemütliche Zusammenkunft. Samstag. „M0ntefiore"-Verein, IIV2 Uhr: Schinr (Dr. May). — Verein „Mekor Chajim", 12 Uhr, Hörsaal: Sefer Schemuel (Prof. Weyl); 3t/» Uhr, Langestr. "18: Ein Jaakauw (Schachnowitz). Sonntag. Wandergruppedes ,Mo n tefiore"- Verein, ab 2to Uhr, Stadtbibliothek: Jsenburger Wald. — Verein „Tiferes Bachnri m", Bleichste. 70, 8 Uhr: Talmudvortrag (Rabb. Dr. Horovitz), 9 Uhr: Bialik (M. Brand). — „T almud Thor »"-Verein, 6 Uhr» Synagoge Börneplatz: Tehillim-Bortrag (Räbb.-Dr. Nobel). — Verein „Mek0r Chajim", 5 Uhr: Kursus (Adler); 6 Uhr: Channka - Pintim (Dr. Breuer). — „Montef i 0 r e" - V e r e i n, 4 Uhr: Gemütliches Zusammensein. Montag. Zion. Jugendgruppe» 9 Uhr, Kaufm. Verein: Fortsetzung des Geschichtszyklus (Referendar Wohlfarth); Unsere Stellung zu den politischen Parteien (stuv. jur. Ernst Haas). ‘ Dienstag. Jüd. Turnverein, 8t/» Uhr, Hasselsches Institut: Turnen. D 0 n n e r s t a g. W a n d er g r up p ehes „M 0 ut e - fiore"-Verein» S08 Uhr, Hauptbahnhof: Langen» Kranichstein, Darmstadt (Leiter: Posen» Grünebaum). — Verein „Jüd. Kultur", 9 Uhr» Obcrmainstr. 4: Morris Rosenfeld (Labin). Samstag. „Montefiore"- Verein: Große Chanuka-Feier im Kaufmännischen Bereinshaus mit Ball. Um mein Engros-JLager Carl August Grosse Nacht. Gegründet 1832. Papierhandlung Amt I, Telephon 1819. 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