Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 49 (12.12.1913)
- Date
- 1913-12-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Verein für Statistik der Inden. - B erlin. An der H' a u p t v e r s a in! nrl ü n g des Vüreins ftiv Statistjik der Judeir Erstattete der Vorsitzende, RechtsaMvalt Dr. Bruno Blau, dm Geschäftsbericht. ' . ‘ Jin wesentlichen beschränke sich der Verein darauf, für die Unterhaltung des Büros für Statistik der Inden Sorge zu tragen. Es sei allerdings beabsichtigt, .deninächst auch die Kenntnis der statistisch erforschten Verhältnisse der Inden in weiteren Kreisen Al verbreiten. Diese Aufgabe tverde jedoch erst dann erfüllt werden können, lvelin denk Vcreill durch Gewinnung neuer Mitglieder und durch Erlangung größerer Subventionen die nötigeir Mittel zur Verfügung stehen werden. Außer - der regelmäßig erscheinenden „Zeitschrift für De- . niographic und Statistik der Inden" seien in der Berichtszieit selbständige Veröffentlichungen nicht erschienen, da das Büro mit den von ihm in Angriff gcnonunenen nnlfangreichen Arbeiten vollailf beschäftigt War (ein Werk, in. dein sämtliche in; bcu amtlichen Tavelleir aller Länder der Erde enthaltenen statistischen Angäbcin bezüglich der einzelnen Konfessionell zusanlnicngcstellt und eillhcitlich bearbeitet sind und ferner Line Statistik der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland.) Im nächsten Jahre werde das Büro eine Statistik der Berliner Juden in Arbeit richmen. — Nach denk Geschäftsberichte wurde der Kassenbericht erstattet, und sodann wurden die Wählen. vorgenoMimen. Es wurden gewählt: in das Kura t o r i u m Geh. Sanitätsrat Dr. M a r e tz k r, Prof. Dr. Martin Philippson, Geh. Justizrat Dr. Eugen In chs, Banker Bruno Stern, Frau Prof. Dr. Mayerhoffer, in den Borst and Rechtsanwalt - Dr. Bruno Blau, R i ch. Eassel, Dr. Hans G. H eymann, Frauenarzt Dr. Josef Hirsch, Syndikus Rcchtsairwalt Dr. Ludwig Holländer, Generalsekretär Dr. Bernhard Kahn, Prof. Dr. Kalischer, Dr. Alfred Nossig, Prof. Dr. Rosin, Bankier Benno Stern. Hierauf .folgten Borträge des wissenschaftlichen Mitglieds des Buröaus für Statistik der Juden vr. ose. pubi. I. Segall über „Die ■ Inden und das deutsche Wirtschaftslebe n" und ,des Rechtsanwalts vr. zur., phil. et oec. publ. Rudolf Masse rmall n-München über „Die Kriminalität der deutschen Inden." An die mit großem Beifall aufgeno inmenen Vorträge schloß sich eine interessante Aussprache, an der sich! Dr. Josef Hirsch, Justizrat Dr. Lövinson, Direktor Dr. Rot holz, .Prediger Lewy, J'ustizrat Feilchenfüld, Dr. Nossig Prof. Dr. Kalischer und Rechtsanwalt Dr. Blau beteiligten. RonncfcldtsTlißB & 2.50 & 3.50 $ * aromatisch & ausgiebig, billig im Verbrauch. Heilbrormer Brief. . Wie. Merall, so hat auch hier der Muter seinen Einzug gehalten, was sich u. a. in dem leider nicht allzuregen jüdischen Bereinswesen bemerkbar macht. Allerdings gibt-es hier alle möglichen jüdischen Vereine,-wie Bne-brithloge, Talmudthoraverein, Literaturverein, Freie jüd. Bereinigung und Liberale Bereinigung; letztere zwei aber bisher nur Wahlzwecken dienend. Außerdem besteht hier noch ein „neutraler jüdischer Jugendverein", der in. den drei Jahren seines Bestehens nur wenig geleistet hat. — . :! Mm ist int Jugendverein ein Wandel zum Bessere,t eingetreten. Seine Leitung hat gewechselt, und seitdem ist er im Aufwärtsstreben begriffen. Als erster jWrrsitzender fungiert — hörribile dictn — ein Zionist, Schon diese Aeußerlichkeit allein beweist, wie revolutionierend der Zionisntus auch bei den Indifferentesten wirkt. , Aber noch nicht genug damit.- Bei größer Beteiligung wurde heute ein Vortrag von Nach um Goldman u- Frankfurt angehört, der es übernommen hatte, in jeiner Reihe von-Referaten über die-Assimilation des Judentums zu sprechen. . : Goldmann sprach in meisterhafter Fortis, und der ihm eigenen Begeisterung über das Ghcttojudentum vom Standpunkte des Historikers, ohne dabei seine subjektive Auffassung der Sache in den Vordergrund zu stellen. Trotzdem wandte sich Dr. Gumbcl, Vorsitzender dev liberalen Ortsgruppe, in der Diskussion gegen die subjektive Darstellung des Themas. Die Behauptung Gold» Manns, das; der Ghcttojude die Emanzipation gar nicht gewollt hätte, was natürlich überslächlichen Betrachtern der jüdischen Geschichte entgehe» must, suchte er durch Riester zu entkräften. Goldmann erwiderte int Schlußworte, daß er es für eine Verletzung der Neutralität und für ein Verbrechen an der Geschichte halten würde, wenn er den Bortrag zu irgend ivclchcn tendenziösen Zwecken ansbcntcn wollte und .protestierte entschieden gegen die Unterstellung Dr. Gumbel's. Er, so führte er ans, sehe nicht die Geschichte mit der Brille des Parteimanncs an, sondern sei durch objektive Betrachtung derselbe» zu dem geworden, was er heute ist. Es ist zu wünschen, daß die übrigen Vorträge mit gioch mehr Aufmerksamkeit nngchört werden, zumal ja der Vorsitzende des Vereins jetzt acht Tage vorher eine Besprechung des bctr. Themas vornehmen ivill. Ob die ganze Sache überhaupt viel von Nutzen sei» wird, scheint mir nicht so leicht zu beantworten, da es einen gewaltigen Aufwand von Kräften erfordert, das jüdische Interesse unseres hiesigen Publikums anfzurüttel». Universitäts-Cafe Bockwa?tom"r Erstklasaifjos Famition-Gafö. - ■V* Mässige Preise. "W> Besitzer: Ernst Ounkol* Ans der Lehrerwelt. Berlin. A»nna Friedberg Wwe. geb. Böhm testierte der Stadt Berlin 50 MV Jk für eine Stiftung zum Besten kranker Lehrerinnen. Mindestens der Zinsen kommen jüdischen Lehrerinnen zugute. Berlin- Rektors Dc. H o f f m a n n s 70. Geburtstag gestaltete sich zu einer Huldigung, hie den bescheidene», allen Lleußerlichkeiten abholden Gelehrten in ihren Bann zwang und ihm zeigte, wie sehr mau in der traditionellen deutschen Jndcnheit seine Lebensarbeit .zu schätzen weiß. Eine 500 Seiten starke Jubelschrift, zu der an 50 Freunde und Schüler des Jichilars Beiträge geleistet haben, legte Zeugnis davon ab, wie die Samen, die er in seine Schüler. gelegt, herrlich anfgcgangen sind, und boten so das beste Corpus delicti für die zahlreichen Ansprachen nnd-Adressen, mit denen der Jubilar gefeiert wurde. Darmstaöt. Lehrer I. Lebermann war anläßlich seines 25 jährigen Jubiläums als Beamter der Jsr. Religionsgcsellschaft der Gegenstand zahlreicher Ehrungen, die .zeigten, welcher .Hochschätzung er sich erfreut. Es fand eilt Festgöttesdienst statt, bei dem folgende Herren sprachen: Rabb. Dr. M. Marx, Carl Lehmann (für den Vorstand), Sanitätsrat Dr. Boden- Heim er (für die Gemeindeverwaltung), Leo Hirsch und Alfred Stern (für die Schüler), M. Meyer (für den „Sephat Enteth"-Bcrcin), Lehrer Oppenheimer (als Kollege) und Rektor B. Falk -Frankfurt (für den Bund gesetzest'reuer jüd. Lehrer). Adressen und Ehrengaben wurden dem Jubilar überreicht. Bralla (Rumänien). Hier ist ein jüdisches Ghmüasium .— eine Stiftung des Philanthropen H. L. Schäfser — eröffnet worden. I Rotoert GerlaoH Frankfurt am Hain, Mainzerlandstrasse 166 Telephon-Amt I, 5375. Sonsto. Banschlosserei, Eisen-Konstruktionen, Schaufenster-Anlagen, Werkstatt für kunstgewerbliche Metallarbeiten in Eisen, Bronce., Messing, Reparatur arbeiten. I Ans de» Vereine». Berlin. Verband jüdischer Rudervereine. Die uächste Regatta findet am- 28. Juni statt. Nähere Mitteilnugeu werden noch ergehen. — Bei der ersten Regatta im Jahre 1912 starteten Vierer in 2 Rennen und bei der zweiten im Jahre 1913 sieben Vierer in 3 Rennen. Die Regatta des nächsten! Jahres wird mit ein weiteres Rennen bereichert werden, welches tu Rennvierern ausgefähreu werden.soll. Zu diesem Rennen stehen Meldungen der Ritderabteilung der Vereine Jüdischer Studenten zu Berlin und des Jüdischen Rttderklubs „Jvrta", .Berlin, in Aussicht. Auskünfte: Willy Liemann, Berlin 6. 25, Kaiser Wilhelmstr. 18. Sünstip Erslsgenheit! Einige Pariser Modelle billig za verkaufen. Betz efc Zimmer Ze« 63, II._ Frankfurter Berichte. Ausschuß der Jfraeltti Gemeinde. Es sah aus, als sollte die Sitzung mir kurz dauern, — aber das war eine Täuschung: in heißen Kämpfen zog sie sich 21/2 Suutden hin. Nicht, daß es sich um religiöse Meinungsdiffercnzen gehandelt hätte. Nach dieser Hinsicht kennt man seit Jahren keine Kämpfe im Ausschuß:' den Traditionellen wird gewährt, was sie für erforderlich halten, und den Liberalen ebenso. Aber der Ausschuß nimmt es sehr ernst mit dem Bewußtsein, der gewählte Vertreter der Gejnlaid - Linoleumteppiche Muster durch und durch 200/300 cm gross Hk. 15,75. Bingfreie Tapeten-Indnstrie _C. Kapseh, Altegasse 27/29. mcindemitglieder zu sein, und prüft jede Materie aufs gewissenhafteste. Punkt 1 der Tagesordnung betraf den Entwurf eines neuen Gemeinde st a t tt t s. Der Vorstands hatte an dein Entwurf der gemischten Kommisfiotr einige Abänderungen vorgenomme», die im Attsschnß ans Widerstand stießen. Da half mich nichts der Antrag Dr. Katzensteins, das Produkt langjähriger Arbeit erst einmal en hloc anzunehmen, da später immer noch einmal Gelegenheit sein werde, die Bedenken zu äußern. Der Entwurf imirbc wohl schließlich mit V gegen 3 Stimmen. <-n bloc angenommen, die Opponenten 'hatten sich aber ausgesprochen und ihre AnSstellmtgen waren zu Protokoll gegeben worden. Die Debatte drehte sich hauptsächlich um 'folgendes: Der Vorstand hatte zu der nur für die Reformsynagogen in Frag« kommenden Bestimmtmg, daß Mändertmgeu des Ritus und Einführung neuer Gebetbücher der Dretviertel- Mehrheit der betreffenden Synagogenkomnnsfion bedürstn, hinzngefügt: „Auch der Mehrheit der Rabbiner. Dagegen opponierten Dr. Bärwald und Dr. Merjzb a ch, die der Ansicht sind, daß die Rabbiner kraft Wer Persönlichkeit ihren Einfluß ausüben müssen und es nicht ihrer Stellung entspreche, sich ans Paragvaphen'zn Mtzen. Eine gleich lange Debatte rief die Nenforderung von 34 800 Jt, für ärztliche Einrichtungen im neuen Krankenhans in Punkt 2) der Tagesordmmg - hervor. 'Hier war es besonders Dr. Katzenstein, der - widersprach, weil er es für seine Pflicht halte, vor der Genehmigung jeden Posten nach der finanziellen Seite hin genau ztt prüfen. Ihm wurde erwidert, daß in vielen Sitztmgen jeder Posten gewissenhaftest festgepellt worden sei, daß man Jüngst nicht allen Wünschen der Aerzte entsprochen habe, nnd daß man die Beiirtellung der Notwendigkeit den ärztlichen Sachverständigen anvertrauen müsse. Der Posten wurde schließlich genehmigt. Die weiteren Punkte der Tagesordnung betrafenKkei. Nigkeiten. Wähle«. Die Wählen zum Ausschuß der isr. Gemeinde finden Mittwoch statt. Der Centtalverein isr. Gemeindemitglieder und der Freisinnige Verein für jüd. Gemeitckelcken haben sich wieder aus gemeinsame Kandidaten geeinigt (sieche Inserat). ' - Wohnränme der Weibl. Fürsorge. In einem der weiträumigen, heute noch behaglichen Wohlstand atmenden alten Bürgershäusern der Uscherfeldstraße befindet sich seit dem 1. Juli ein Heim für erwerbstätige jüdische junge Mädchen. Dieses Heim ist eine Gründung der Weiblichen Fürsorge, nick letzten Sonntag hatte sich ein Kreis von geladenen Gästen zu seiner Besichtigung eingefunden. Frau Henriette Fürth hielt eine Ansprache. Sie ging von dem Israel. Hilfsverein aus, dessen unvergeßlicher Leiter, Rechtsanwalt Dr. Plätte, die Initiative zu einer besonderen Abteilung gab, in der Frauen sozial für ihre Geschlechtsgenossinnen wirken. So entstand vor 13 Jahren die Weibliche Mrsorge. Die Weibl. Fürsorge habe sich inzwischen nach verschiedenen Richtungen entwickelt. Rednerin hebt besonders die unter der nmsichtigen Leitung Frau Rosenblatts ständig wachsende Steklenvermittlnng hervor, der dann durch Frl. Pappenhenus Initiative das Heim, .in dessen Räumen man heute versammelt sei, entsproßte. Das Heim gewähre Wohnung mit Frühstück für 12—14 Jk monatlich Das Abendessen koste 20—25 Pfg. Des Mittags essen die Insassen außerhalb, wo es ihnen beliebt. Im Heim dürfen nur Milch- . speisen verabreicht und 'mitgebracht werden. Ein junges Mädchen sprach für sich und ihre Kolleginnen den Dank für das schöne Heim aus, und sodann fand eine Besichtigung der Räume statt, die in allen ihren Einrichtungen liebevolle Zweckmäßigkeit zeigen. Neuere LrgauisatiouSformeu Ser Judeuhett^ In dem Verein für die Interessen der Ffr^ Religionsgese llschaft sprach Zahnarzt Salo-. snon Ehrman»-Wehrden tiber das Thema: Mene Organisattonsformen der Judenheitt. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts sei. das formale Prinzip der Mischen Gemeinde die Selbstverwalung nndt ihre Grundlage die Thora gewesen. Napoleon war es, der hier eine unheilvolle Aenderung schuf, indem sein Machtwort ein Synhedrion, das erste Konsistorium, die erste Zwangsorganisation, ins Dasein rief. Mt einer Verletzung der Thora begann das Synhedrion.. Anf Napoleons Befehl waren die Wahlen auf einen Samstag festgesetzt; so schrieben denn die Laiemnitglieder die Stbom-- zettel, und die 20 Rabbiner, die dem Synhedrion augehörten,' ließen sie von den Laie »Mitgliedern schreiben. Auch die erste Verordnung eines Mischen Konsistoriums, des 1808 im Königreich Westfalen ins Leben gernjenen, war eine jüd. Gesetzesverletzung, sie dekridierte nämlich die Erlaubnis des Genusses der Hülsenfrüchte am Pesach. Kein geringerer als Abraham Geiger,' der Vater der - Reform, hat sich gegen die Zwangsorganisation ausgesprochen. Die unhellvollen Folgen der Zwangsorganisation lassen sich auch statistisch fassen. Die Zwangsorganlsatton hat aus der Judengemeinde die Synagogengemeinde. gemacht, deren Grimdlage nicht mehr die Schale ist, unk so finden wir, daß es in Gebieten mit Zwangsorganijättonetr bedeutend mehr Synagogen als Schulen gibt, während es in den anderen Gebieten umgekehrt ist. 48