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Neue jüdische Presse · 1913-09-26 · Heft 38 (26.9.1913) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 38 (26.9.1913)
Date
1913-09-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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Wallach, wollte für den Patienten in Anbetracht der Aussichtslosigkeit der Rettung - den Sabbat nicht entweihen und wartete volle zwanzig Minuten bis zum Sabbatausgang niit der Untersuchung. Ein Mißgeschick wollte es, daß der Patient nach i Verlauf: von zwölf Stunden im Krankenhause starb. Da! der Verstorbene dem Vereine „Makabi" angehörte, die I dem Dr. Wallach und Gesinnungsgenossen seit langem schon nicht hold sind, bezichtigten die Mitglieder dieses Vereins Dr. Wallach der Schuld an dem Tode des Patienten und riefen Protestversammlungen ein. Die Versammlungen haben zu einem hestigen Kampfe *) In der gleichen Angelegenheit wird uns ans dem „Frankfurter Büro" des „Allgemeinen jüdischen Krankenhauses Schaare Zedek" zu Jerusalem geschrieben: l „In Jerusalemer Zeitungen ist ein im Hospital „Schaare I Zedek" vor etwa 4 Wochen vorgekonunener Todesfall zu maßlosen Angriffen auf den Chefarzt des Hospitales, Herrn Dr. med. Wallach, ausgebentet worden. — Obgleich diese Angriffe ihre Tendenz deutlich zur -schau tragen und obgleich inzwischen durch eine von der Gesamtheit der Jerusalemer Aerzte vorgenommene Untersuchung festgestellt worden ist, daß Herrn Dr. med. Wallach nicht der leiseste Vorwurf treffen kann, sehen wir uns veranlaßt, den Sachverhalt auf Grund der uns zugegangenen zuverlässigen Berichte hier klarzustellen. Etwa eine halbe Stunde vor Sabbat-Ausgang fuhr beim Hospital ein älterer Mann ans Jaffa mit seinem 18 jährigen Sohne vor und begehrten Aufnahme. Der Hospitalarzt begab sich sofort zu dem Kranken, nahm eine vorläufige Untersuchung vor und .stellte fest, daß es sich um ein in keiner Weise gefährliches und für die Operation nicht reifes Geschwür an der Brust handelte. Der Arzt gab seinem Erstaunen Ausdruck, daß angesichts dieses Befundes die Reise von Jaffa nach Jerusalem am Sabbat, unternommen worden sei und forderte di? Ankömmlinge auf, nach ca. 20 Minuten, also nach Sabbatausgang, behufs nochmaliger gründlicher Untersuchung wiederzukommeen. Die Aufnahme wäre nach dem UntersnchungsergebniS überhaupt nicht erfolgt, wenn die Herren nicht eigens die Reise von auswärts unternommen gehabt hätten. — Sofort nach Sabbat-Ausgang, also nach knapp einer halben Stunde, erfolgte die Aufnahme in das Hospital, und die nötigen Anordnungen wurden getroffen. Um Mitternacht überzeugte sich der Arzt persönlich von der Ausführung seiner Anordnungen und von dem trefflichen Befinden des Patienten, der fieberfrei war und der am andern Morgen mit großem Appetit speiste und sich so wohl fühlte, daß er aufstehen wollte. Nachdem ihm dies vom Wärter verwehrt war. trat' kurze Zeit später, . ohne das geringste Vorzeichen, eist Herzschlag ein. lieber die Ursachen des Todes läßt sich natürlich nichts Positives sagen. Völlig ausgeschlossen jedoch ist es nach dem Urteil der ärztlichen Sachverständigen, daß die kurze Zwischenpause zwischen der Ankunft und der Aufnahme in das Hospital am Tage vorher, in irgend einem Zusammenhang mit dem tragischen Ausgange des Falles steht. — Es sind uns von den Rabbinaten in Jerusalem und einer großen Anzahl von angesehenen Persönlichkeiten Zuschriften zugegangen, die der hellen Entrüstung über die gegen unseren Arzt von einer gewissenlosen Presse aus diesem Anlasse arrangierten Hetze Ausdruck geben. Das aufopferungsvolle Wirken des Herrn Dr. med: Wallach an den ihm anvertrauten Patienten ist zu bekannt und er hat, wie selbstverst 8 ndlich, in so unzähligen Fällen ohne jede Rücksicht aus Sabbat oder Feiertage das nach seiner Ansicht Notwendige bei Hunderten von Kranken persönlich ausgeübt, daß diese Angriffe, die in unserem Arzt dessen religiöse Richtung treffen wollen, auf ihre Urheber zurückfallen müssen." Die Angelegenheit scheint uns auf Grund anderweitiger uns zugegangcner Informationen doch, nicht ganz so klar zu sein, wie es die Korrespondenz und das Schreiben des .-Frankfurter Büros" darstellen. Es bleibt nach wie vor unverständlich, warum der Patient, der ja jedenfalls schwer leidend war, nicht sofort ins Krankenhaus ausgenommen wurde und man ihn bis Sabbatausgang draußen bleiben ließ. Die Aufnahme ins Spital enthält doch nichtswas den Sabbat entheiligen könnte. Außerdem sind uns Nachrichten zugegangen wonach eine der in Jerusalem stattgefundenen Protcstvcrsammlungen in der „Churbah des Rabbi Jehndah hachassid" stattgefunden habe. Die „Churbah" aber ist der Sammelpunkt und das Zentrum der Orthodoxie Jerusalems. Mithin müssen auch die Führer der Orchodoxie sich den Protestlern angeschlosfen haben, wie denn in der Tat die „Hazesirah" meldet, daß sich führende Männer des alten Jischuw in der Versammlung scharf gegen das Vorgehen Dr. Wallachs gewandt hätten. Wie gesagt, die Angelegenheit ist noch nicht als geklärt zu betrachten, und wir.werden, bevor wir uns ein Urteil gestatten könnennoch Informationen einziehen. > D. Redakt. geführt.. Auck, in Jaffa wurden Protestversammlungen abgehalten. Die Jerusalemer Aerzte erklärten sich solidarisch mit Dr. Wallach und meinten, daß es für die palästinensischen Verhältnisse beschämend sei, daß sich Laien ein Urteil über Dinge, die ihnen vollständig fremd sind, anmaßen.*) Visilsnksrlsn Rausch Haschonoh-Karte» 100 Stück von. 75 Pfennig an, Papeterie Oppenheim B§?B3iplata 1, leko Settiitastasst. AnS der zionistischen Bewegung. Konstantinopel. „El Mokatha«", eine der bedeutendsten arabischen Zeitungen in Aegypten, widniet dem Zionistenkongreß einen warmen Artikel. In dem Artikel heißt es u. a.: „Falls dieser Zustand fortdauert, ist eine Auflösung des Judentums zu befürchten. Es ist also nötig, dieser traurigen Lage eine radikale Aendcrung zu geben, indem man ein Land wählt, wo sie ruhig und sicher nach ihrer Religion und ihrer Tradition ein mit dem modernen Fortschritte sich harmonisch vereinigendes nationales und soziales Leben führen können." I. Kantorowitz. Wien. Anläßlich des Zionistenkongreffes fand hier eine Frauenversammlung statt, die die Gründung einer zionistischen Frauen-Weltorganisation zum Gegenstand hatte. Frau Dr. Salz-Wien, Frau Rechtsanw. Lachmann - Königshütte, Frl. AdeleKarp - Birezany, Frau Fanny Weiß -Klosterneuburg, Frau Dr. Klausner- Odessa und Frl. Klara Tain-Prag wurden als provisorisches Komitee gewählt. Aus de« Bereiueu. Darmftadt. Der jüdische Turnverein, der sich kurz nach der Gründung des zionistischen Vereins gebildet hat, nimmt an Mitgliedern ständig zu; er muß deshalb seine Turnstunden vermehren. S . . g. Frankfurter Berichte. Ausschutz der Israelit. Gemeinde. Der Vorsitzende, Hugo Fränkel, gibt Kenntnis davon, daß der Architekt die Betriebseröffnung des neuen Krankenhauses für den 1. März in Aussicht stellt. Sodann wird über Nachbewilligung für das Krankenhaus beraten. Es wird alles bis auf 876 JL zur Anschaffung von Mänteln für den Aufenthalt im Garten bewilligt. Zu dieser Position bemerkt Dr. L. Hanau, daß diese Position einem Wunsche des neuen Verwalters entspricht, doch er bezweifle, daß das Publikum eines jüdischen Krankenhauses sich der Uniformierung füge. Es werden vorläufig zur Probe 12 Mäntel statt 55 bewilligt Für den Toreingang werden 800 JL nachbewilligt, welcher Betrag für die bildliche Ausschmückung bestimmt ist (das alte- Krankenhaus, das gegenwärtige und das neue sollen im Bilde festgehaltcn werden). Der Vorstand gibt Kenntnis von dem Nachtrag znm Gemeinde-Regulativ, nach dem durch Verfügung des Reichskanzlers die lebenslänglich angestellten Beamten der Frankfurter israel. Gemeinde von der Versich er un g sp flicht befreit sind. Für die Frage der Entlassung dieser Beamten ist der Regierungspräsident die entscheidende Instanz. Die Gemeinde-Rechnung für 1912 schließt mit einer Kredit-Überschreitung von 24 000 JL ab. Rechtsanw. Dr. Bärwald bemerkt hierzu, daß der Gemeinde-Etat ein sehr gespannter sei, und deshalb größte Sparsamkeit anempfohlen werden müsse. Rechtsanw. Dr. Merz b ach schließt sich diesen Ausführungen an. „Montefiore" - Verein. Nachdem im abgelaufenen Halbjahr ein Anfangs- und ein Fortbildungskursus in der Stenographie „Gabelsberger" unter außerordentlich starker Beteiligung abgehalten wurde, soll im Winterhalbjahr ein Kursus in der Debattenschrift eingerichtet werden. (Leitung: Referendar Dr. Fritz Ettlinger). Verein „Hachnosos Kalloh". Der Verein hat sich nunmehr konstituiert. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Dr. Wolf Hirsch, Heinrich Kahn, Emil H. Lehmann, Leopold Oppenheimer, Sigmund Schwub, Moses Rapp und Hermann D. Stern. Mitglieds-Anmeldungen nimmt Herr Abraham Roos, Zeil 7, entgegen. Emannel Etthrghansen s. A. In Emanuel Ettinghausen» der vorgestern im 68. Lebensjahre verschieden ist,, verliert die Judenheit Frankfurts einen ihrer besten Söhneverliert die „Israelitische Religionsgesellschaft" eine ihrer Stützen. In. unermüdlicher Weise hat der Verblichene während seines ganzen Lebens ^für das-Wohl-seiner. Gemeinde, gewirkt- und die großen Opfer an Zeit, Kraft und materiellen Mitteln, die er ihr stets freudig und gern gebracht hat, sichern ihm einen hervorragenden, bleibenden Platz in der Geschichte der „Israelitischen Religionsgesellschaft'". Mit seltener Ueberzeugungstreue und Konsequenz an dem Standpunkt des traditionellen Judentums festhalicnd, schlicht und einfach in seinen Lebcnsansprüchen, immer bereit, wo es galt einem bedrängten Bruder zu helfen, stets das eigene Interesse dem des jüdischen Klall unterordnend, war Ettinghausen einer jener, immer seltener werdenden Gestalten, die mit ihrem ganzen Fühlen und Denken, Tun und Handeln im Judentum wurzeln. Ein Kaufmann von hervorragender Tüchtigkeit und Umsicht» hineingestellt in ein außerordentliches Wirkungsfeld, hat er dennoch stets Zeit und Muße gefunden, seine vielseitigen Pflichten als einer der Parnossim seiner Gemeinde, als Mitglied vieler Wohltätigkeitsinstitutionen zu ersWen. Sein unerwartetes Scheiden bedeutet einen unersetzlichen Verlust für seine Gemeinde, einen schweren Schlag für die vielen» die er in stiller und diskreter Weise unterstützt hat, ein schmerzliches Weh für die gesamte Frankfurter Judenheit, in deren Andenken sein Name für alle Zeit fortleben wird. Bei der unter sehr starker Betelligung stattgefundenen Beerdigung sprachen- Herr. Rabbiner Dr.. Breuer für die Israelitische Religionsgesellschaft». L. Picard namens des »Israelit. Hilfsvereins"» dessen Vorstand der Verblichene 25 Jahre angehört hat und Dr. Wolf Hirsch namens der „Bikur Cholim". Eiuresaudt. In Nr. 33 der Frankfurter Lokalbeilage der Zeitschrift „Israelit" äußert Herr Lehrer Freudenberger aus Flieden, bei Besprechung der kurhessischen Gesetze: „Es wird keine wichtige Angelegenheit der Gemeinde durchgeführt, ohne daß die Gemeinde ihr Einverständnis erklärt. Bei der Anstellung des Lehrers und Vorbeters besitzt die Gemeinde den weitgehendsten Einfluß." Hiergegen führe ich folgende Tatsachen an: In Marburg wurde am 1. Llpril 1913 ein zweiter Lehrer und Vorsänger — die Regierung hat ihn nicht hierhergeschickt, es handelt sich nicht etwa um einen Elementarlehrer» sondern um einen Religionslehrer — angestellt, ohne daß die Wahl in irgend einer Weise der Gemeinde unterbreitet wurde. Dies zur faktischen Berichtigung des Herrn Lehrer Freudenberger. Ein zweiter Fall, wie die Rechte und Wünsche der Gemeinde seitens des Vorsteheramtes berücksichtigt werden: Bei der Vakanz der Stelle eines Gemeindeältesten schlug. laut Gesetz der Kreisvorsteher einen Kandidaten vor. Dieser wurde jedoch von dem Provinzialvorsteheramt nicht bestätigt. Da die Gemeindemitglieder über die Verneinung dieses Kandidaten nicht sehr erbaut waren, wandten sie sich in einer Petition an den Landrat. Dia Folge davonwar, daß -der Landrat mit dem Vorsitzenden des Vorsteheramtes vereinbarte, die Gemeinde solle in geheimer Wahl ihr Votum abgeben. Obwohl der betr. Kandidat mit erdrückender Majorität aus der Gemeindewahl hervorging, wurde er dennoch nicht bestätigt. Sind diese Fälle etwa ein Entgegenkommen und eine Berücksichtigung der Wünsche der Gemeinde, von denen. Herr Lehrer Freudenberger spricht? < Marburg. —.— Buute Chronik. Hochzeit jüdischer Zwerge. In der East London Synagoge wurde vor einiger Zeit eine Hochzeit von außergewöhnlichem Interesse gefeiert. Zum erstenmal in der Geschichte der Gemeinde wurden die Beamten aufgefordert, das eheliche Band, unter solch kleinem Brautpaar zu knüpfen, wie diejenigen waren, die unter dem Trauhimmel standen. Kein Wunder deshalb, daß die Trauung eines drei Fuß hohen Bräutigams mit einer Braut, die 5 Zoll größer war, eine Menge von über 2000 Leuten anzog. Der Bräutigam war Jean Nickolcch, der mit seinem Väter» Baron Nickolay, mit einigem Erfolg auf der Bühne der Musikhalle, wo sie als „russische Zwerge" erscheinen, aufgetreten ist. Er war von seinem Vater begleitet, der ungefähr 6 Zoll Keiner ist als er. Sein Name wurde in das Register eingetragen als Leo Dorfmann, 24 Jahre alt, Musikhallenkünstler. Seiye Braut, deren Name angegeben war als Minnie Rott, 28 Jahre alt, Schneiderin, war von ihrer Mutter begleitet, die selbst eine sehr lleine Frau war. Erstere war in ein hellblaues Gewand gelleidet und trug einenweißen Hut, sie benahm sich mit großer Ruhe während der Feier, die von Rabbiner I. Miller feierlich vollzogen wurde. Nach dem Gottesdienst war die Menge des Volkes, die wartete, um die- Abfahrt des Brautpaares zu sehen, so groß, daß in dem Gedränge Gefahr für die Teilnehmer der Feier entstand. Eine kraftvolle Bemühung von seiten einer großen Anzahl Männer verhüteten jeden Unfall, qber des Bräutigams Mutter wurde in einer Art Ohnmacht in den Wagen gehoben. „Jewisch Chronicle". Spende». Bei der Nation« lsondskommission gingen ein: Karl. Rosenheimer (Büchse) 5,35 JL Ätzstaurant Kahn» Königstein, Wichse) : 3,65 „ 48

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