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Neue jüdische Presse · 1913-08-22 · Heft 33 (22.8.1913) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 33 (22.8.1913)
Date
1913-08-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Dem archäologischen Jahresbericht Professors T hier s ch in der „Zeitschrift des deutschen Palästina-Vereins" entnehmen wir über die Grabungen in Jericho, wo 200 Arbeiter unter der Leitung Professors Sellin beschäftigt waren: Besonders interessante Ergebnisse brachte die Grabung um die äußere Stadtmauer, die „etwas ganz Außerordentliches, auch in dem heute doch sehr reduzierten Zustand noch etwas Majestätisches und Uebcrwaltigendes ist. Es ergab sich, daß die Jnnenmauer den Juden bei ihrem Einzug ins Land entgegentrat, während die viel bedeutendere äußere Stadtmauer das Werk des C h i e l ist, von dem es im ersten Buch der Könige 16, 34 heißt: „Zu seiner (des Königs Achabl Zeit baute Chicl aus Beth-El die Stadt Jericho. Mit seinem Erstgeborenen Abirain legte er ihren Grund, und mit seinem Jüngsten Segub setzte er ihre Türen ein, nach dem Worte Gottes, das er geredet durch Josua, Sohn Runs." „Man erkennt ihn wieder", sagt Thiersch, „diesen Mann, dessen resoluter Trotz auch vor den schwersten Opfern am eigenen Fleisch und Blut nicht zurücksch,reckte/ in der umsichtigen Entschlossenheit und kühnen Tatkraft, mit der er hier das Stadtganze systematisch von Grund aus erneuert hat." „Tie Moderne kann der Technik der Jerichomalier keinen Vorzug als den des Mörtels cutgegenstellen. Jeder Zwischenraum ist ausgefüllt, sodaß im Gewirre der Fügung keine Stelle bleibt, an der ein Instrument der Zerstörung einsetzen könnte. Nirgends hat auch im Laufe der Zeiten ein Vertikalriß das Gefüge dieser zyklopenhaften Mauer gelockert." „Nichts gibt so wie dies Monumentale Glacis voll dem hohen Kulturniveau, von dem stolzen Kraftgefnhl seiner einstigen Bewohner und Erbauer eine deutliche Vorstellung. Nicht minder interessant sind die Ausgrabungen in Samaria, für die Jacob Schiff mehr als 300,000 Frcs. gestiftet hat. „Nächst Jerusalem" — heißt es in dem Bericht — „ist Samaria die Stätte, wo der größte Glanz der llational-israelitischen Königszeit sich abspielte ... in der Tat ein Arbeitsfeld, würdig der außerordentlichen Mittel und Kräfte der neuen Welt." Die Grabung in Samaria übertrifft auch alle bisher in Palästina ausgeführten ähnlichen Untersuchungen. Sie ist noch nicht vollständig. Tie Ausgräber sehen in einem Ban „die Reste des alten Königspalastes, die Residenzgemächer Omris, Achabs und Jehus"; mährend andere darin den von diesen stark zum Heidentum neigenden Königen erbauten ToinPel des Baal erblicken wollen. -Bekaimt ist, daß sich dort ein Haufe althebräischer, auf Tvnscherbcn geschriebener Quittungen über Lieferungen von Oel und Wein gefunden hat, die bestilNntt auf den Beginn der israelitischen Königszeit Hinweisen. „Wie vieles von allererster Bedeutung ist hier noch zu suchen und zu finden: der Palast des Herödes, die Gräber der alten Könige, der Zeitgenossen Elias und Elisas!" Große archäologische Ueberraschungen brachte auch die Grabung des „Palestine Exploration Fund" in Ain-Schams (Beth-Schemesch). Die alte kanaanittsche Stadtmauer wurde in ihrer ganzen Ausdehnung aufgedeckt. Die viereckige Mauer umschloß ein Stadtgebiet von etwa 31/2 Hektar. Die Mauerdicke beträgt 2i/2 Meter. Die Zeit der Erbauung dieser Mauer dürfte etwa um 1400 v. Ehr. anzusetzen sein. Im 11. Jahrhundert fiel die kanaanittsche Stadt einer Eroberung, wahrscheinlich durch die Israeliten, zum Opfer, bei der sie durch Feuer zerstört wurde, lieber der überall bemerkbaren Brandschicht lag eine neue, unbefestigte Siedlung, die Stadt zur Zeit der jüdischen Könige. Während in der kanaanitischen Schicht die Keramik ägäisch-kyprischen Import Mundet, desgleichen auf Philister-Einfluß hindeuW (mykenische Bügellännen, kyprische HalsrinAannens und egypttsche Jinportstücke (Aläbastervase, Skärabäen, Jsisstatuetten) auf die Beziehungen zu Egypten verweisen, gibt es in der jüdischen- Schicht keinen ägäischen Import und keine Philister-Ware mehr. Im 6. Jahrhundert , scheint bte Stadt (wohl durch Nebukadnezars Eroberung) shr Ende gefunden zu haben, um dann erst nach einem Jahrtausend der Verödung in byzantinischer Zeit wieder aufgebaut zu werden, wovon ein großer chanähnlicher Ban zeugt. In der Mitte des alten Stadtgebietes kamen fünf ünrgestürzte Steinpfeiler zutage, offenbar das alte heidnische Sonnenheitigtum, nach dem die Stadt einst benannt war (Beth-Schemesch — Sonnenhams). _ Aus der Lehrerwelt. Berlin Kantoren-Fortbildungskursus. Zu einem sechswöchentlichen Kursus, der von dem „Allgemeinen deutschen Kantorenverdand" in Verbindung mit der „Hilfslassc für Kultiisbeamte" veranstaltet wnrde^ hatten sich jüngere Kantoren ans den verschiedensten Teilen Deutschlands eingefnilde». Getreu dem ideellen Prinzip der beiden Vereinigungen, dem Kantorat eine Bildungsstätte zu schassen, 'aus der Kantoren mit allem wissenschaftlichen und praktischen Rüstzeug versehen hcrvorgchrn sollen, war dieser Kursus als eine Vorarbeit sür das geplante Tildnngswerk gedacht. „Studien für de» Gottesdienst an den drei Wallsahrts,esten" waren zur Aufgabe gestellt. Daneben Einführung in die wichtigsten Kapitel der Stimmbildung und musikwissenschaftliche Vorlesungen. Der festgelegte Lehrplan enthielt ein großes Arbeitspensum, das'in turzer Zeit zu erledigen war. Mit vielem Eiser unterzogen sich die drei Hanptkantoren der Berliner jüdischen Gemeinde, Asch, D a v i d s 0 h n und Klein sowie der Musikhistoriker Luedtke der Aufgabe. Anregend und fruchtbar war diese Fvrtbilduggsarbeit. Jeder der Lehrer war bemüht, aus seiner reichen beruflichen Erfahrung dem jungen Kollegen praktische Lehren auf den Weg zu geben» wie auch sein Wissen zu bereichern. Mit 'Ausdauer und Fleiß folgten die Teilnehmer. Kein Teil des Pensums blieb unerörtert.. Die Abschlußprüfung, an der der Vorsitzende der Hilsskasse, Louis Jonas, und das AnSschußmitglicd des Kantoren-Verbandes, Hanptkantor Siegfried N e u st a d t als Delegierte ihrer Vereinigungen beiwohnten, ergab ein treffliches Resultat der geleisteten Arbeit. Hardhetm. Es sei hiermit öffentlich anerkennend dokumentiert, daß auch die hiesige Gemeinde in nobler Weise die sogenannten, dem Lehrer schon oft Unannehmlichkeiten bereitenden Mischeberachgelder — vulgo: R a ch - monusgaben — in ein entsprechendes Jahresaversum pauschaliert hat. Diese zeitgemäße'Aenderung ehrt den Lehrer und die Gemeinde. Des Lehrers Devise muß fortlaufend bleiben: „Aufwärts nicht »abwärts!" Basel. An Stelle des He rn Tr. vhil. Simon Adler, der einen Ruf an die isr. Realschule in Antwerpen angenommen hat, war ursprünglich als Lehrer des hiesigen Schoinre-Thora-Pereins cand. phil. A d l e r aus Düsseldorf in Aussicht genommen. Dieser Herr hat den Posten aus unbekannten Gründen nicht angetreten. Daher wurde fetzten Sonntag der Vizepräsident unseres' Vereins, M 0 f e s' Schwarz, einstimmig zum Lehrer bestimmt. Prag- Qberkantor I. Körnitz er ist zum Oberkantor der Tempelgemeindc in Hamburg gewählt worden. Rewdork. Bernärd Drachman, der Rabbiner der hiesigen „Auhew Zedek" - Synagoge, ist mit sehr hohem Gehalte zum Rabbiner der „Keneseß Jisrocl"-Synagogc in C l e v e l a n d gewählt worden und hat die Wahl angenommen. 'Jiabb. Drachmann ist 53 Jahre alt und einer unserer angesehensten orthodoxen Rabbiner. Er kam als Chief- Rabbi von England in Frage. Frankfurter Berichte. Frankfurter Zion. Bereinigung. Die D e le g i e r te n w a hl für den Kongreß ergab die Wahl der Herren S. H. G 0 l d m a n n, I. L. Goitein -Frankfurt und Aertram Stern -Wiesbaden, letzterer als Delegierter des Gruppenverbandes. Dr. A. F r i e d e m a n n-Wiesbäden, Mitglied des A.-C. der als Wähler anwesend war, benutzte die Gelegenheit, über die Leitung, die getan habe, was in ihrer Macht lag» und über die Aufgaben des Kongresses zu sprechen. Die Delegierten G 0 l d m a n n und Goitein schlossen sich den Ausführungen Dr. Friedemanns zustimmend an. In der Debatte sprachen W 0 d 0 w s k i - Offenbach, Rosenheimer, Dr. S z am e tz-Bilbel, Tachauer, Dr. Braun, I a n s s e n usw. Wandergruppe des „Monlefiore".Bereins., Die Wandergruppe des Vereins Montefiore veranstaltete am Sonntag, den 17. August, einen Familienausflug nach Buchschlag. Eine große Anzahl Teilnehmer hatte sich eingefunden, Damen und Herren. .War schon die Stimmung in der Waldbahn und auf den, kurzen Wege von Isenburg nach Buchschlag eine ganz vorzügliche, so wurde sic, am Bestimmungsorte angekommen, womöglich noch angeregter. Gesang, Borträge und Spiele wechselten in bunter Reihe ab; dazwischen ertönten die Klänge verführerischer Walzer, sodaß auch die Tanzlustigen auf ihre Kosten kamen. Alles in allem» es war wunderschön, und . aller Wunsch war es, bald wieder einen solch gemütlichen Nachmittag mit der Wandergruppe zu verleben. Um die Darbietungen hatten sich insbesondere Frl. S i m 0 n sowie die Herren Theodor Rosenthal, Heinrich Bachrach und Sigmund Selig verdient gemacht. Die ganze Veranstaltung stand unter der bewährten Leitung des Herrn I. Kahn, der auch dieses Mal wieder mit vielem Geschmack das Richtige zu treffen wußte. »leine Notizen. Geh. Sanitätsrat Dr. N e u b ü r g e r, ein hervorragender Arzt und edler Menschenfreund, feierte sein 60jähriges D 0 k t 0 r j u b i l ü n m. Kunst und Literatur. d 264 Deutsch-Israelit. Gemeindebundes. Wiederum eine wesentliche Erweiterung gegenüber dem letzten Vorgänger. Der Haupttext ist von 204 auf 231. Seiten angewachsen und die Zusammenstellung der wichtigsten Vereine und Institute um die Hälfte der bisherigen Seitenzahl vermehrt. Eine erwünschte Neuerung dürste die Angabe des prozentuale» Verhältnisses der jüdischen Bewohner zur Gesamtbevölkerung sein. Interessant ist die statistische Tabelle über die Bewegung der jüdischen Bevölkerung seit dein Jahre 1871. Die zahlreichen Angaben von Telefonnummern werden den Benützern willkommen sein. Es dürste hinsichtlich der statistischen Personal- und Besteuerungsfragen kaum noch ein wesentlicher Gesichtspunkt übergangen sei». Die Zuverlässigkeit der Namen- und Zahlenangaben hat zugenommen, wenn auch einzelne Jrrtümer unvermeidlicherweise mitunterlausen. Für den Statistiker, der die einzelnen Fragen zissernmäßig behandeln will, ist das Buch eine wahre Fmidgrube. Aber die praktische Brauchbarkeit des Werkes ist nur die eine Seite. Das scheinbar so trockene Nachschlagebuch hat noch einen idealen Wert. Indem das Werk wie in eineni Brennpunkt alles vereinigt, was die deutsche Judenheit für Zwecke des Gemeindewesens, für Wissenschaft und Humanität leistet, ist es die schlagendste Darstellung vom Wesen des Judentums und bietet zugleich einen Querschnitt der inner» historischen Entwicklung, die dieses genommen hat. Die Opferwilligkeit für ideale Zwecke, die sich aus den Namen und Zahlen ergibt, muß jedem gerecht Denkenden mit Ehrfurcht erfüllen und ist die augenfälligste Widerlegung aller Bezichttgnngen der materialistischen, oder, wie unsere Gegner gern sagen: mammvnistischen, Gesinnung der Juden. Spenden. Beim Frkf. Isr. Familienbl. gingen ein: Salomea Landau und Leopold Perlmutter, Palästinaspenden als 'Ablösung des „Empfangs" anläßlich ihrer, Verlobung M ä d ch e n f a r m K i n e r e t h des Frauenverbands für Kultararbeit in Palästina 25,— JL Palästinareisegescllschaft der Agudas Jisrocl-Jugendgruppc 25»— Jk Tachkemonischule Sclmar Geis gratuliert Joseph Oppenheimer zur Verlobung 0,50 Jt F. B. E. gratuliert seinem Freunde Leopold Perlmutter zur Verlobung mit Fräulein Salomea Landan, Warschau 5,— „ „S chaarei Zedek"- Spital, Jerusalem. Familie Selka, Berlin, und Bamberger, Frankfurt a. M.. gratulieren Rabb. Dr. Theodor, Boyanowo, zum 25jährrigen Amtsjubiläum 3,— M, Iüd. Nationalfonds. Herr und Frau Ben Bamberger gratulieren zur Hochzeit Lina Pintowitz/Leo Feinberg 0,50 „AL Bei I. Wodowsli, Ossenbach, gingen aus Nati0nalso n d s b ü ch s e n ein: W. Mydler 1,50 „ft S. Mydler 1,50 „ A. Rubinstein T,— ,, I. Wodowski 6,— „ I. Motschidlower 1,— „ Allgemeine Mitteilungen. Bon dem ständige» Wachsen der altbekannten Firma I. Hetzel Nachf. (Inh.: Carl Furck) legen ihre neuen Räume inr Hause Bleidenstr. 22 beredtes Zeugnis ab. Ein gewaltiger Verkaufsraum, durchweg in vornehmem? Weiß gehalten, im Parterre, große Warenlager im ersten Stock, Schneiüerwerkstätte usw. entsprechen dem großstädtischen Zuschnitte des Geschäftes. Man hat sofort beim Betreten des Ladens das Gefühl, daß man hier in reicher Auswahl und in gutem Geschinacke alles findet, was irgendwie zur Herrenkleidung gehört. - . Bereius-Kalender. Samstag. ,Montefiore"-Verein, ll1/* Uhr, Bleichstr. 70: Schiur (Dr. May); 5ty» Uhr: Schrifterklärung, Geschichte der Frankfurter Juden. — Verein „Mekor hajim", 4(4 Uhr, Langestraße 18: Mikro- Vortrag (Emanuel Donath). — A. J.-Jugendgruppe, Hanauerlandstr. 17, 10 Uhr: Doroth Horischaunim; 12 Uhr, 4(/t Uhr: Talmud; 11 Uhr: Mädchengrnppe gemütliche Zusammenkunft. Sonntag. „M0 ntef io re"-Verein: 8™ Uhr: Eschenheimer Tor, nach dem Taunus (Leiter: Dr. I. Heinemann). — A. I.-Jugend gruppe, vorm. 7 U^c: Talmud; 8-1 Uhr: Hauptbahnhof nach Cronberg (Treffpunkt: 810 Uhr vor dem Schumanntheater). — Verein selbst st. isr. Handwerker und Gewerbetreibender, 123/4 Uhr, Trambahnha.testelle Schauspielhaus: Famikienausflug Hohemark.

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