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Neue jüdische Presse · 1913-07-18 · Heft 28 (18.7.1913) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
11 (1913)
Issue
Heft 28 (18.7.1913)
Date
1913-07-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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m ilc. 28 des #fcan6fttrfet IfmckWm famiMtaftes. Aus der ziouistischeu Beweg»«-. Köln. Die Einnahmen des Jüd. Nationalfonds während des ersten Halbjahres 1913 betrugen Jk 344 217 (gegenüber Jk 241045 im ersten Halbjahr 1912). Hiervon entfielen ■ auf Rußland: Jk 112 408 (t. V. Jk 59 766), Nordamerika: Jk 60 345 (i. V. Jk 37 294), Oesterreich: Jk 60 241 (i. V. Jk 59 791), Deutschland: Jk 43 272 (i. V. Jk 25 705). Montreal. Die Zion. Föderation von Kanada hat an Dr. Max Nordau-Paris eine Depesche gesandt, in der sie ihn ersucht, sich am Wiener Kongreß zu beteiligen. New-Aork. Die 8. Jahrcsversammluug der „Texas Z i v n i st A s s o c i a t i o u" fand am 22. bis 24. Juni in Galvestou statt. Dr. Samuel Burg-Sau Antonio wurde' zum Präsidenten gcivnhlt. Aus der Lehrerwelt. Neustadt a. Hardt. Dr. Hermann Oppenheimer ist zum Professor an der Realschule Zweibrücken ernannt worden. Kolberg. Rabbiner Dr. S. G o l d s ch m i d t feierte dieser Tage sein 50jähriges Amtsjubilänm. Myölowitz. Unter großer Beteiligung fand für den nach! Homburg v. d. Hohe scheidenden Rabb. Dr. Winter eine Abschiedsfeier statt. Wien. Rabb. M. F l e s ch ist zum Rabbiner des orthod. Bethausvereins im 6. Bezirk gewählt worden. Budapest. Der Landes-Rabbinerverein hielt unter dem Vorsitz Rabbiners Dr. Eduard Reumann- Nagykanizsa seine Generalversammlung ab. Oberrabb. Dr. Armin Schnitzer-Komarom, der Präses, erstattete den Jahresbericht. Professor Dr. Ludwig Blau hielt einen Vortrag über das Gesetzbuch des Maiinonides. Es wurden Standes-, rituelle und pädagogische Fragen besprochen, und es wurde beschlossen, anläßlich des 100. Geburtstages Barons Josef Eötvös einen Hilfsfonds zu gründen und den Tag in den Gemeinden zu feiern. Philadelphia. Eine Sitzung des Exekutiv-Komiters der „United Orthodox Rabbis of America" fand hier im Heim von Rabb. B. L. Lesvinthal statt. Es waren erschienen: S. E. Joffe, I. W. Benderofsky-Newyork, H. Hirchinsou-Hobokeu, D. G i n s b n r g - Wilkes Barre, I. Segal - Bayonne, A. N. Schwärtz-Baltimore und - I. Großmann-Philadelphia. Es wurde n. a. das' Programm für die nächste .Hmlptversammlung, die am 22. Tamns in Avon (N.-P.) stattfinden soll, festgesetzt. Frauksurter Berichte. Vereinslokal der Frankfurter Zion. Vereinigung. Der Vorstand der Franks. Zion. Vereinigung hat den Blauen Saal des Kaufmännischen Vereinshauses am Eschenheimer-Tor als Vereinslokal gemietet. Es sollen dort allwöchentlich die Zusammenkünfte der Mitglieder stattsinden. In diesen Versammlungen sollen möglichst regelmäßig kurze. Referate gehalten werden, an die sich Anssprachen über die Fragen des Zionisnrus anknüpfen 'sollen; insbesondere sollen diese Versammlungen dazu dienen, sowohl Mitglieder wie auswärtige Zionisten, die sich gerade in Frankfurt befinden, einander näherzubringen, Wünsche und Anregungen der Mitglieder entgegenzunehmen und auch Nichtzionisten Gelegenheit zu geben. Näheres über den Zionismus zu erfahren. Die Zusammenkünfte sollen jeden Donnerstag stattsinden. Mit Rücksicht auf die Ferienzeit jedoch werden sie im August und September nur alle 14 Tage stattfinden, während im Oktober mit Rücksicht aus die Feiertage die Zusammenkünfte zwar wöchentlich, aber am Dienstag Abend stattsinden. Bereinsabende im August am 7. und 21., im September am 4. und 18., im Oktober an allen Dienstagen und von Noveinber ab an sämtlichen Donnerstagen. AuSschutz der Israelit. Gemeiude. Punkt 1' - der heutigen Sitzung betraf die Genehmigung einer Anzahl Ausgaben der Krankenhausbaukömmission. Von diesen Positionen dürfte besonders die von 1500 Mark für eine Festschrift anläßlich der Eröfftiung des neuen Krankenhauses die Allgemeinheit interessieren. Die Festschrift wird von Dr. med. Wilh. Hanauer und dem Architekten abgefaßt und bringt des ferneren einen Beitrag von Dr. med. Arnold Bärwald. Zu der am 9. Növbr. in Hamburg stattfindenden Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden, hat der Vorstand aus seiner Mitte fünf Herren (Dr. Blau, Epstein, Willi Th. Stern. Direktor Herzberg, Horkheimer) sowie Rabb. Dr. Nobel, Rabb. Dr. Seligmann und Syndikus Justizrat Dr. Bär delegiert. Der Ausschuß hätte demnach noch zwei Herren zu delegieren gehabt, delegierte aber drei (Hugo Fränkel. Dr. Merzbach, Schopslocher), nachdem Hugo Fränkel und Rechtsanw. Dr. Bä r w a l d es als nicht richtig erklärt hatten, daß der Vorstand dem Ausschüsse nur zwei Mandate überließ. Der letzte Punkt der sehr, kurzen Sitzung betraf die Annahme der Jgnaz-Änna Sichel'scheu Stiftung, die für die Erziehung von Schülern des 'Philanthropin bestimmt ist und nach dem Wieben der Frau Sichel in Wirksamkeit tritt. Der Erblasser hatte außerdem ber Gemeinde für Wohltätigkeitszwecke Mark 50000 .für jetzt und 50000 Mark nach Ableben seiner Frau. testiert. Verein „Jüdische Kultur." Der Verein „Indische Kultur" veranstaltete letzten Sonntag einen Unterhaltungsabend, der sehr gut besucht war. Im 1. Teile des Programms brachte Herr Forschner Rezitationen von Rosenfeld, Herr Gabrilowitsch solche von Schalem Weichem, Gin nicht endenwollender Applaus erschütterte den Saal nach dem Auftreten des 11jährigen BioLinvirtrwseu M. StrUmfeld, der Banne al mio bene von Berriot und Konzert in G-dur von Rieding mit feinem Verständnis und vollendeter Technik spielte. Der 2. Teil des Programms bestand aus dem vieraktigen Drama von I.' Gordin ,/Öer jüdische König Lear." Das Stiick versetzt uns in das Haus eines alten, russischen Jüden, der treu au den alten lleberlieferungen festhält und allen modernen Bestrebungen feindlich gegenübersteht, wogegen seine Tochter Tadele, ein Kind ihrer Zeit ist und einen Drang nach der modernen Wissenschaft in sich fühlt, dem sie auch folgt. Der Vater sÄuwid Mojscheles), der nach Jerusalem auswanderte, sieht sich zur Rückkehr gezwungen, da sein Vertrauen von seinem scheinbar ftommen Schwiegersöhne Charef und dessen Frau Ettele (seiner Tochter), schnöde mißbraucht wurde. Er .wird von Charef aus dem Hause gewiesen, wandert mit seinem treuen Diener Chase als Bettler durch die Welt, bis er erblindet in das Haus seiner modernen Tochter Tabele, di« inzwischen ihren ersten Lehrer Jafie geheiratet hat, geführt wird, diese ihn aufnimmt und in treuester Kindesliebe pflegt. Es wurde flott und mit richtigem Verständnis gespielt. Herr Forschner gab die Rolle des Duwid Mojscheles ganz vorzüglich wieder. Herr Gabrilowitsch verkörperte in seiner Rolle als Charef den richtigen „Assesponim." Wahre Lachsalven erregte Herr Weiß in der Rolle des alten, getreuen Dieners Chamaj, die er mit echt jüdischem Mutterwitz ausstattete. Den Lehrer Jäffe spielte Herr Fleischer mit guter Charakteristik. Die jüngste, .moderne Tochter Tabele wurde von Frl. Goldmann richtig aufgefatzt und anmutig verkörpert. Meisterhaft spielte Frl. Fürstenberger die undankbare, hartherzige Ettele. Auch die anderen Rollen, welche von Herrn Gutmann, Frl. Haas und Frl. Sander besetzt waren, wurden gut gespielt. Die Aufführung überragte das Maß des gewöhnlichen Dilletantismns und erzielte einen durchschlagenden Erfolg. Berel« selbst, jüü. Handwerker und Gewerbetreibender. Der.Verein versendet nächster Tage an das jüdische Publikum Frankfurts' ein Rundschreiben, das besonders an die Wresse des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens gerichtet ist. Der Zentralverein, diese ^größte jüdische Organisation Deutschlands, die die Gleichberechtigung der Inden nach außen zu erkämpfen sucht, wird aufgesordert, die gleiche Kraft für die Gleichberechtigung innerhalb der Judenheit aufzuwenden. Denn die jüdischen Handwerker machen häufig die Erfahrung, daß sie unter Vorurteilen und Zurücksetzungen in jüdischen Kreisen zu leiden haben. Kleine Notizen. Wie aus dem Prozeß gegen den Lotteriekollekteur Schäfer bekannt wurde, hatte der Notar Alexander Reichmann bei einer Gewinnziehung in amtlicher Eigenschaft auf eine Beschwerde gegen seine Nichtbeobachtung der Ziehung den Ausruf getan: „Wer hat das gerufen, das ist sicher ein Hebräer, Frankfurt ist ja 'jüdisch verseucht." Auf die von dem Frankfurter Bureau des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus unter dem 15. Mai erhobene Beschwerde ist folgender vom 5. JNli datierter Bescheid..des Präsidenten des Königl. Landgerichts eingegangen: „Ich habe den Sachverhalt geprüft und, da sich Ihre Angaben als zutreffend erwiesen haben, gegen den Notar das Erforderliche im Dienstaufsichtswege veranlaßt. gez. Colnot." Mugesaudt. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.) Hochgeschätzter Herr Redakteur! Ein in der letzten Nimmer Ihres gesch Blattes nach der „Allg. Jüd. Ztg." gebrachter Bericht über „Merkwürdige Zustände in Leutschau" zwingt mich, zur Steuer der Wahrheit, deren makelloser Verteidiger Ihr Organ ist, mein Wort zu ergreifen und Sie zu bitten, daß Sie rein „Leschem schomajim" mir die Spalten des Blattes öffnen, dort, wo die „Allg. Jüd. Ztg." nur für Geld und im „offenen Sprechsaal" mich zu Worte kommen lassen will. Verletzte Eitelkeit und unerfilllte persönliche Ambition f haben einen Bruchteil der Mstglieder unserer auf Basis des Schulchan Aruchs konstituierten, in allen Institutionen streng orthodoxen Gemeinde aus dieser hinausgeführt. Unter dem Vorwand, eine separierte orthodoxe Gemeinde bllden zu wollen, haben sich diese Männer, die fast ausnahmslos von der'Basis gesetzestreuer Jüdischkeit praktisch abgerückt sind, die Unterstützung der orth. Zentrale verschafft. Sie haben, solange sie in der einheitlichen Gemeinde waren, alles Hintertrieben, was ,Mmud Hatora" fördern und den Geist wahrer Jüdischkeit heben könnte. Mikwa, streng orthodoxe Schechita, Koscherbänke und Talmud Thora mußten ihrer Opposition abgerungen werden, und als durch das Wirken Rabbiners Dr. Gustav Lövy, eines Schülers Rabbiners Dr. Breuer, unsere Gemeiude nahe daran war, sich der orthodoxen Landesorganisation, in deren Geist sie lebt, de facto anzuschließen, waren es diese Herren, die das Werk vereitelten. Dieser ausgetretene Bruchteil, der als Betgenossenschast der Gemeindeleitung und dem Rabbinat untersteht, hat nun im Ausfluß eines grenzenlosen „Am Harazus" einen ] 80 jährigen Schochet angestellt, der den primitivsten An- \ forderungen eines Schochet nicht entspricht. Es fehlen > ihm die von der Statusgusgemeinde geforderten 3 orth. 1 Kabbolos, und er wurde, weil er zu alt war, schon ' - vor Jahren von seinem Amte als Schochet einer orth. j Gemeinde enthoben. Um nun die Kehilla vor „Achilas j Trefo unwelo" zu schützen, hat ihn Se. Ehrwürden Rabj bittet Dr. Lövy geassert, und da die Gemeinde j autonom über Koschrus zu wachen hat, wurde diese j von der Behörde unterstützt. - Di« „Allg. Jüd. Ztg." schreibt demnach eine Uni Wahrheit, wenn sie berichtet, daß hier mit Hilst der j Behörde das Ausüben der Schechita unmöglich gemacht J wurde. Wahr ist vielmehr, daß mit Hilst des konserj vativen Rabbiners das Trefoessen der Ortho- > doxisten im Prinzip und derer, die es j nicht wissen, unmöglich gemacht wurde.! Leutschau, 13. Juli 5673. Heinrich Pfeiffer. Buute Chronik. Muuuahf Der Direktor der Alliance-Schule in Kermanschah (Persien) richtete an das Zentralkomitee in Paris folgenden Bericht: Vor ungefähr zwei Monaten war die Bevölkerung von Kermanschah Zeuge eines ganz merkwürdigen Phänomens. Sie entdeckte in der unmittelbaren Umgebung der Stadt Körnchen in großen Mengen auf der Erde zerstreut liegen. Diese Körnchen, die eine bis dahin unbekannte Form hatten, besaßen eine rindenarttge Schäle von grauer Farve, während die Substanz weiß war und einen Geschmack ähnlich dem Mais hatte. Die Bevölkerung erblickte in dieser Erscheinung eine Offenbarung der Güte Gottes, dessen Mildtätigkeit sich der Bevölkerung von Kermanschah, die unter der ungeheuren Teuerung der Lebensmittel so schwer zu leiden hatte, kundtat. Für die Juden der Stadt war es eine ausgemachte Tatsache, daß diese Körnchen das Mannah war, das ihre Vorfahren bei ihrem Auszug« aus Aegypten in der Wüste gegessen hatten. Möglicherweise hatten sie recht, wie dies übrigens aus einer Mitteilung des Direktors der „Royal - Botanic - Gardens" in London au den englischen Konsul in unserer Stadt hervorgeht, der eine Anzahl dieser Körnchen nach England geschickt hatte. In diesem Gutachten heißt es: „Das Muster, das Sie uns eingeschickt haben, ist das unter dem Namen „Lecanora esculenka" bekannte „Mannah", welches in West- und Nordaftika vorzukommen pflegt. Diese Pflanze wächst in den gebirgigen Gegenden, doch pflegen sich Fragmente der Pflanze boszulösen, die dann iw großen Massen durch den Wind in die benachbarten Gegenden gettagen werden, wobei sie bei diesem Transporte ihren Umfang vergrößern.. Man nimmt an, daß diese Frucht mit dem Mannah der Israeliten identtsch fei. Un übrigen variiert ihre Form sowohl bezüglich ihres Aussehens als auch ihres Umfanges in ganz außerordentlichem Maße. Die Botaniker haben bereits eine große Anzahl Mannah-Spezies festgestellt. Ein erst jüngst erschienenes Werk behauptet jedoch, daß es sich bloß um verschiedene Formen der bekannten Familie Lecanora esculenta handle." Diesem Berichte war auch eine Sendung von dieser seltenen Frucht, beigelegt. Carl Grebenau, "2SS2L1 DAMMMimi. Telephon I, 6069. Auswahlsendungen gerne zu Diensten. Atelier für Neuu. Umarbeitungen und für Reparaturen. 4780

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