Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 25 (27.6.1913)
- Date
- 1913-06-27
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 25. Eingesandt. (Ohne Verantwortlichkeit der Redaktion.);; Nürnber ge r B e r s a m m lh ng S n r G r ü n düng einer Ortsgruppe der A. I. War da eine Versammlung in Nürnberg, in der man sich zuni ersten Male nicht damit begnügte, zu all den schönen Worten des Referenten über das erhabene Ziel der Agndas Jisroel Ja und Amen zu sagen, in der zum ersten' Mal vor aller Welt den Führern klare, präzise Fragen über den Weg zu diesem Ziel gestellt wurden. Das Ziel, das sich die Agnda gestellt hat, ist wunderschön, — aber nicht neu. Neu ist bloß der Umstand, daß die Agudah den Weg zu diesem Ziel cinschlagen will; darum müssen wir uns vor allem mit dieseiu Wege beschäftigen; müssen frage», ob er schon genau sestgclegt ist, und Nor allem, wer die Führer aus demselben sein werde». Wir müssen die Gewißheit haben, daß nur solche Herren an die Spitze kommen können, die keine Seitenwege einschlagen, welche in die Irre führen. Uns darüber zu beruhigen, ist urnso nötiger, als für die Mitgliedschaft im Programm der 3(. I. nur die Forderung erhoben wird, daß man nicht zu einer anderen Religion übcrgcgangcn sei; denn etwas anderes bedeutet das „Glaubenstrcn", das von den Mitgliedern gefordert wird, nicht. Beweis: Nur von den Delegierten wird verlangt, das; sie in Gesinnung und Lebeussührung auf dem Boden des gesetzestreueu Judentums stehen. Wie nun, wenn in einer Ortsgruppe solche Mitglieder, die nicht ganz auf diesem Boden stehe», die Mehrheit haben — das kann ja leicht und oft der Fall sein — und nun einen Herren ihrer Meinung wühlen? - Wer wird der Delegierten Mandat prüfen? Vielleicht der rabbinischc Rat, das stabile Element in der Leitung der A. J-? Der dürfte wohl mit den Verhältnissen des betreffenden Ortes nicht genügend vertraut sein. Möchte wohl auch fürchten, der Ketzerriechcrei beschuldigt zu werden! Oder werden sich vielleicht die Delegierten — was wohl am einfachsten wäre — auf ein klarbcstimmtcs religiöses Programm durch ausdrückliche Erklärung scstlegc» müssen? I» zweiter Linie wäre es interessant zu erfahren, welches die Kompetenzen des rabbinischen Rates sein werden? Werden ihm alle Fragen vorgelegt werden? Das ist wohl bei den Entfernungen, die dessen Mitglieder von einander trennen, kaum möglich. Vor allem aber deshalb nicht, weil dem großen Rat mit Ausschuß — wenn anders er aktionsfähig sein soll — die Freiheit gewahrt bleiben muß, in dringenden Fällen auf eigene Faust zu handeln. In wie weit ist der Ausschuß für solche Fälle dem rabbinischen Rat gegenüber verantwortlich? Kann dieser erstcrem ein Mißtrauensvotum anssprechen, und mit welchem Erfolg? Hat, mit anderen Worten, der 'Ausschuß (den man sich, vielleicht als Exekntivorgan denken darf?) das Reck' selbständiger Exekution für dringende Fälle? Hat der rabbinischc Rat das Recht, die Auflösung des Ausschusses zu verfügen und Neuwahlen zu veranlassen? Die A n t w o r t von Her r n Rose n h e i m - Frankfurt war ein kleines Meisterwerk in der Kunst, unbequeme Fragen zu erledigen. Er wies darauf hin, daß die großartigen Fortschritte der Technik eine Verständigung des rabbinischen Rates unter sich in wenigen Stunden ermöglicht. Der rabbinischc Rat würde übrigens Mitglieder im Ausschuß haben, die ja, falls es nötig sei, die Verweisung der Fragen an den rabbinischen Rat veranlassen könnten. (Es würde uns interessieren zu erfahren, ob dieses Vetorecht des rabbinischen Rates schon programmatisch sestgclegt ist?) Uebrigens sei die bloße Tatsache, daß ein rabbinischer Rat geschaffen worden 'sei, in dem die Größen der Thora sich gegenseitig schätzen und gemeinsam große Fragen des praktischen Lebens cnt- Frantfurter JsraeMsches Familirnblatt. scheiden lernen könnten, ei» nicht zu unterschätzendes Verdienst der Aguda. Für die Mitgliedschaft werde verlangt, daß man zu den Schlaumei Emuno gehöre, daß man glanbenstrcu sei. Es bleibe den einzelnen Ländern überlassen, diesen Begriff genauer zu bestimmen. So z. B. könne der Belzer Rebbe nach seiner 'Auffassung von „Glaubenstrcn" alle diejenigen, die'ein Gymnasinin besucht hätten, von seinen Ortsgruppen ausschließen. (Man denke, welch ein angenehmes Gruseln unsere braven deutschen Juden überlief bei dem Gedanken, daß wir in unserer weitherzigeren Auffassung von „Glaubenstreu" über derartige Rückständigkeiten erhaben sind!) Die Delegierten müßten nach deniokratischer Weise durch die Mitglieder gewählt werden, und deren Wahl würde, wenn sie angefochten, gewissenhaft geprüft werden; — 'bodj sei zuzugeben, daß eine endgültige Lösung für diese Details-Fragen noch nicht gefunden sei. Auch sei es im 'Augenblick überhaupt unangebracht, auf derartige Details einzngehen. Die Agudah sei eine 'Notwendigkeit, Und wer nicht mit Liebe und ohne Mißtrauen an ihrem Gedeihen mitarbeite, begehe ein Verbrechen. Es gelte, der Agudah gegenüber das „Nnase wcnischma" wieder zu Ehren zu bringen. Der Herr, der jene Fragen gestellt hatte, wunderte sich darüber, daß man grundlegende Fragen für Details halten könne, erklärte, daß diese Fragen nicht genügend beantwortet seien und meinte, daß ,,Naäse wenischma" . nur gegenüber dem unfehlbaren Herrn der Welt zur Anwendung kommen dürfe. * Einige Bemerkungen zu oiesem Bericht! Es wäre ein armseliges Geschöpf, das keine Kritikvertragen könnte; doppelt arm, wenn es ans Furcht vor dem Gegner, ans Furcht vor der Schadenfreude des Gegners versäumen wollte, in seinen eigensten Angclegenheiten Klarheit zu schaffen. Ist die A. I. ein solch armes Wesen? Hoffentlich Nein! 'Aber man muß gestehen, daß das Verhalten einiger deutscher Führer der A. Igeeignet ist, diese Hoffnung als illnsosrisch erscheinen zun lassen. Die Darstellung, die im „Israelit" von der Nürnberger Versammlung gegeben wurde, war ebenso ungeeignet, ein Bild der Kritik zu geben, wie sie .geeignet war, die Tatsache der ungenügenden Antivort zu verschleiern. Doch der „Israelit" ist das Organ des Führers der Agudah. Sein Bericht ist verständlich. Etwas anderes ist es, wen» das jüdische Blatt", dem von Seiten der Kritik ein — na, sagen wir . mal: möglich st — objektiver Bericht zugesandt wurde, diesen Bericht nach den Angaben des „Israelit" verstümmelt und völlig unkenntlich wiedergibt. Dies zeigt in bedauerlicher Weise, daß deutsche Führer für die A. I. das Wörtchen: de' la discussion jaillt la lumiere nicht gelten lassen wollen. Die Herren scheinen sich von dem Gedanken, der auch in Nürnberg geäußert wurde, leiten zu lassen: „Ums Himmels Willen, keine Kritik! Die Bewegung ist nun einmal eingeleitet, wer sie hemmt, begeht ein Verbrechen." Dieser Gedanke kann nicht scharf genug zurückgewicsen werden. Für die Gesetzestreucn handelt es sich um Gottes Wort. Und es ist selbstverständlich, daß verschiedene Taktik und verschiedene Stellungnahme in göttlichen Fragen viel schwerer zu vereinigen sind als Differenzen über weltliche Angelegenheiten; denn an seiner Auffassung und Stellungnahme zu Gottes Wort kann man nicht markten und feilschen lassen. Auf diesein Gebiet ist jede diplomatische und politische Geschmeidigkeit, die sonst im Leben so empfehlenswert ist, verwerflich. „Nimnu wegomrn" nach offener, klarer Diskussion icnd langer Ueberlegung stellte die zahlenmäßige Abstimimkng der Halacha fest. 'Also sei es in der Agudah. Fort mit dem Gedanken, ohne klar umrissenes Programm die Massen zu vereinigen und nachher in einer Hauptversammlung ein Programm durchznpeitschen, das zuletzt nach reiflicher Ueberlegung vielleicht vielen, möglicherweise Seite 13. den meisten als unzweckmäßig erscheinen könnte, denn dann wäre es zu spät; denn ein . jeder würde sich scheuen — und dann vielleicht nicht so ganz mit Unrecht — als Kritiker aufzutreten. Darum: Kritik, weil es noch Zeit ist! Offene u n d ehrliche Diskussion, falls es nötig, in allen künftigen Versammlungen zur Gründung von Ortsgruppen der A. I.! D r. D e b r ö. Die Emigranten, die sich hier aufhalten, werden vom Israelit. H i l f s v e r e i n bei einem christlichen Logiswirt untergcbracht, wo sie auch auf Kosten des .Hilfsvereins Milch, Eier, Kaffee, Brot erhalten. 'Aber das Nachtlager in dieser Herberge ist alles andere eher als hygienisch cinwandsfrei, und dann gibt es Emigranten, die aus religiösen Gründen nur Brot und Tee nehmen. Die Vorstandsherrcn des.Hilfsvereins sollten doch mitunter persönlich kontrollieren. Auch sollte man die Beköstigung in die Hand eines religiös zuverlässigen Juden legen. Frankfurt a. M. _ K. Vereins-Kalender. Samstag. Verein „Mekor Chajim", 4(4 Uhr, Langestr. 18: Mikro-Vortrag (Joseph Sänger). — 3t. I.-Jugendgruppe, Hanauerkandstr. 17, 10 Uhr: Daraus horischaunim (Direktor Dr. Lange); 11 Uhr: Gemütliche Zusammenkicnft der Mädchengrnppe; 11—1 Uhr, 3—5 Uhr: Gemoroh-Kurse; 5 Uhr: Große gesellige Zusammenkunft im «aale der Suppenanstalt. — „M onteil o r e"- V e r e kBleichstr. 70, Frylk^llür: Lchiur (Dr. May); 53,4 Uhr: Schrifterklärnng, GeschiMe^mr Franks. Juden (Rechtsanwalt Horovitz). ' Sonntag. Zion. I u g e n d g r up p e: Tagesausflug. 3lbfahrt 8 Uhr 45 Min. nach Soden (Gäste willkommen). — A. I. - I u g e n d g r up p e, vorm. 7'/,. und 7(4 Uhr: Gemoroh-Kurse. — „Montefiore"-Verein: Tagesansflug: 3lbfahrt 8 Uhr: Oberursel (Dr. Höxter, Zerkowsly); 'Abfahrt 12 Uhr 44 Min.: Homburg, Zusammentreffen mit der Morgenabteiluug (A. Albrecht, F. Grünebaum). Mittwoch. „M o n t e s i o r e" - B e r e i u, 9 Uhr, - Geselliger 'Abend, a) Revue: Die Wandergruppe, wie sie leibt und lebt, b) Tanz. Montag—Donnerstag: -Allabendlich 0 Uhr: Veranstaltungen der 3l. I.-I u g e n d g r upp e. Kunst und Literatur. Daniel. Gespräche voir der Verwirklichung. Martin Bub er. 3.— JL, V- Leder 5.— JL 1913. Leipzig. Insel - Verlag. Der Titel fiat rein nicfitS mit dem Inhalt zu tun, — und doch wüßte ich für den Inhalt keinen Titel, der gleich geeignet wäre. Schon der Titel zeugt 5 für das unendlich feine Wortenrpfiuden Bubers. Es! sind philosophische Essays in ästhetischstem Wortgetvande, .! die uns Buber hier schenkt. Literarische Feinschmecker j werden sie nachdenklich und in Pausen genießen. j Allgemeine Mitteilauge». Als Lieferant für sämtliche Toilette-Artikel sei die j bekannte Firma Clara Lösfert, Kalbächergasse 4, empfohlen. Der Schluß des Berichtes über den „UI. Verbandstag des Zentral-Verb an des selbstst. j ü d. Handwerker Deutschlands" erscheint erst in der nächsten Nummer. Carl Grebenan, Mtöbitfioliilmico. m ’ ’ "— Aüswahlsendungen gerne zu Diensten. Telephon I, 6069. Atelier für Neuu. Umarbeitungen und für Reparaturen, AdolfKohn, Wiiii.llepa[iiit Samstags streng geschlossen. Spezialität: Gummiabsätze. Frankfurt a. 9E., Obermain-Anlage 20 (Laden). Tel. 9875.! > Lagen In allen Schuhen und Stiefel• =- ■_Dienstpersonal erhält Extra-Rabatt.__ Kgl. Preussische Klassen-Lotterie. Zur I. Klasse der 229. Lotterie (Ziehungsbeginn am 9. Juli habe ich noch abzugeben: Ganze> Halbe) Viertel und Achtel Lose 40.— 20.— 10— 5.- Mark. - ■ Telephon 4388. ------------------------- Fiankfurt ». 91. 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