Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 11 (1913)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1913)
- Date
- 1913-03-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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" ' . z» Ir. 12 lies Icftufefnrtei; IfmckMm MMmklaites. Wünschen auS unserem Leserkreise Rechnung tragend, haben wir unS entschlossen, das DoriM lies Kerm Kommerzüilrat Eoms FH s. A. mit Fakfimlle und in modernem Holzrahmen anfertigen zu lassen. Den Reinertrag wollen wir dann zur Herausgabe eines „Louis Feist-SedSchtniSbuch" verwenden. Bestellungen — der Preis des Bildes stelltFich-auf Mk. 2.5V — erbitten umgehend. Die Besteller des Bildes erhalten später kostenlos das Gedächtnisbuch. Frankfurter Israelitisches Familieublatt. Friedrich Hebbel und die Juden. Zum 100. Geburtstag des Dichters. (18. März! 1913.) Bon Jda Kaufmann-Marx (Berlin). Wer sich eingehend mit Friedrich Hebbels Leben und Wirken beschäftigt, dem fällt in erster Linie auf, daß dieser urdeutscheste aller deutschen Dichter, der von der Kritik seiner Zeit angefeindet wurde wie kaum ein zweiter, daß dieser echte Germane, den auch ein Literaturhistoriker wie Adolf Bartels sich nicht deutscher wünscht und denken kann, daß dieser Dichter, so lange er lebte, Freundschaft, Anerkennung und.Verständnis für seine Eigenart fast nur von jüdischer Seite empfing. Nichts aber wäre verkehrter, als anzunehmen, daß diese .Erscheinung auf einer ursprünglichen Vorliebe Hebbels für die Juden basierte. Er scheint im Gegenteil anfänglich den Juden gegenüber eine wenn auch nicht feindliche, so doch ablehnende Haltung eingenommen zu haben. Die Gestalt des Juden Benjamin in dem Lustspiel: „Der Diamant".(18411 sowie eine Tagebuchnotiz aus späterer Zeit deuten darauf hin. Als der 30jährige Hebbel im Jahre 1843 in Paris die Bekanntschaft von Felix Bamberg machte, lernte er zunl ersten Male einen Juden seiner gesellschaftlichen Stellung kennen. Baniberg, der aus Posen stammte, war damals 23 Jahre alt, hatte Philosophie studiert und war in Paris zu seiner Ausbildung. Mit ihm konnte sich Hebbel über das Tiefste und Letzte, was ihn bewegte und seine Phantasie beschäftigte, allssprechen. Bei ihm fand er das liebevollste Eingehen auf seine künstlerische Eigenart 'und — wie Richard Maria Werner in feiner Hebbelbiographie betont — „jene Duldung, deren er in seinen leidenschaftlichen Ausbrüchen so häufig bedurfte, und jenes Verständnis ist für die Künstlerpsyche, ohne die ein Verkehr auf die Dauer unmöglich gewesen wäre." Es bildete sich ein auf gegenseitiger Wertschätzung beruhendes Freundschaftsverhältnis zwischen beiden, das bis an Hebbels Lebensende, ja, noch darüber hinaus vorhielt. Denn Bamberg gab 25 Jahre nach Hebbels Tode dessen Tagebücher und 5 Jahre später dessen Briefwechsel mit Freunden und berühmten Zeitgenossen heraus und trug so zum Verständnis und zur Verbreitung von Hebbels Lebensauffassung bei. Zu jener Zeit nun lebte Hebbel in den ärmlichsten äußeren Verhältnissen, und Felix Bamberg und Heinrich Heine, deir er gelegentlich kennen lernte, bildeten .fast ausschließlich seinen Verkehr. Heine war einer der ersten, die Hebbels große dramatische Begabung erkannten, und in begeisterten Worten sprach er Hebbel nach der Lektüre der Judith seine Anerkennung aus. Bamberg aber nahm sich Hebbels in allen Lebenslagen in aufopfernder Weise an. lieber ihn schreibt der Dichter am 13. Dezember 1843: „Gestern habe ich mein Trauerspiel „Maria Magdalene" an den guten alten Kistin abgesandt. Dr. Bamberg war mir hierbei, wie bei allem, was ich hier noch getan und vorgenommen habe, behilflich. Es ziemt sich wohl, es zu bemerken, denn ich würde ohne ihn in Paris bei meiner Unkenntnis der französischen Sprache wie verraten und verkauft gewesen sein. Er ist ein Jude, aber es ist ein Glück für seine Nation, daß ich mit ihm in Berührung gekommen bin, denn meine liberalen Ansichten über die Juden hatten sich im allgemeinen verändert und bedurften der Unterstützung durch die Bekanntschaft mit respektablen jüdischen Persönlichkeiten gar sehr." Als Hebbel dies niederschrieb, ahnte er sicherlich nicht, daß sein späterer „Hofstaat" fast ausschließlich aus Juden bestehen würde, wie er in einer humoristischen Einladung am 2. Jan. 1860 an Sigm. Engländer in London berichtete: „Er besteht fast aus lauter Juden, getauften wie ungotaustcn, die sehr Wohl mit Ihnen und Ihren Arbeiten bekannt sind und oft von Ihnen reden." Im Herbst 1845, als Hebbel krank und fieberschauernd, aller Subsistenzmittel bar, aus Italien in Wien eintraf, war es Sigmund Engländer, der sich des Dichters annahm" und die Oeffentlichkeit auf ihn aufmerksam machte. Im „Oesterreichischen Morgcnblatt" veröffentlichte er eine Charakteristik Hebbels, in der er diesen das bedeutendste dramatische Talent der Gegenwart nannte. Hebbel fand in diesem Aufsatz so viel Selbstgedachtes und Eigentümliches, daß er Engländer aufzusuchen beschloß. Eine herzliche Freundschaft, die sich in gegenseitiger geistiger Förderung äußerte, war die Folge, bis die Wirren von 1848 Engländer zwangen, ins Ausland zu flüchten. Engländer, der für einen der geistreichsten Journalisten des vormärzlichen Wien galt, war der Herausgeber eines Literaturblattes: „Der Salon", in dem auch Hebbels Gedicht: „Der Jude an den Christen" erscheinen sollte, das aber, trotzdem es nur den einfachen Humanitätsgedanken des Jahrhunderts aussprach, von der Zensur unterdrückt wurde. Seine Beziehung zu Engländer charakterisiert Hebbel in einem Briefe an Felix Bamberg folgendermaßen: „Engländer antwortet Ihnen im Beischluß. Ihr Urteil über ihn ist durchaus richtig. Er ist hier mein einziger Umgang iin buchstäblichsten Sinne. Uebrigens ist er Jude, wie Sie es sind und wie ich es bin." Hebbel bedurfte wie wenig andere eines Jüngers, eines Menschen, dem er seine Gedanken und Anschauungen darlegen konnte, und der geistreich genug war, den Resonnanzboden dafür abzugeben. Umso schmerzlicher traf ihn Engländers Flucht, und um so herzlicher schloß er sich einem anderen jungen Literaten jüdischer Herkunft an, der bald darauf, im Frühjahr 1849, durch Deinhardstcin in sein Haus eingeführt wurde. Emil Kuh, damals erst 20jährig, war jung genug, um sich dem .hochverehrten Dichter bedingungslos zu ergeben, und doch so weit gereift, um an Engländers Stelle treten zu können. Mit glänzender Bewunderung und einer ans Schwärmerische grenzenden Verehrung blickte er zu seinem Lehrer und Meister empor. „Ich war sein Jünger und sein Freund, sein Schüler und fein vertrauter Genosse, ja nicht selten sein Beichtkind und sein Beichtiger zu einer und derselben Zeit", sagt Kuh in seiner ausführlichen Hebbelbiographie. (Schluß folgt). Kaleudermerktvürdigkeiten. Bekanntlich wurde das bürgerliche Osterfest auf den ersten Sonntag nach Vollmond nach .Frühlingsanfang verlegt,. damit e>s niemals mit unserem Pessachfeste zusammenfalle. Der Zweck >vurde allerdings nicht ganz erreicht, denn das Zusammenfallen kam schon wiederholt vor und ivird 1923 und 1927 wieder Vorkommen. In diesem Jahre wurde der Zweck völlig erreicht, denn zwischen den bürgerlichen Ostern und dem Pessachfeste liegen 31 Tage. Ein solcher Zeitunterschied ist allerdings sehr selten, und in den jüngsten 80 Jahren fiel nur zweimal wie dieses Jahr Purim mit den bürgerlichen Ostern zusammen. Der Grund liegt zum Teil darin, daß einerseits der zur Bestimuiung des Osterfestes dienende Vollmond nicht der astronomische ist, andererseits bei uns Rausch Chaudesch, wie auch dieses Mal, häufig einige.Tage nach dem Mauled (Neumond) fällt. Purim kann allerdings auch noch auf ein späteres Kalenderdatum fallen. So beispielsweise 1929 auf den 26. März. Ein solch spätes Datum kaut allerdings seit Einführung des gregorianischen' Kalenders noch niemals vor. Es bleibt dies auch noch nicht das späteste, da alle 250 Jahre unsere Feiertage nur einen Tag im bürgerlichen Kalender weiterrücken. Die Befiirchtung, die in manchen jüdischere Kalenderschriften zum Ausdruck kommt, nämlich, daß einst das jüdische Pessachfest nicht mehr wie vorgeschrieben auf die Frühlingszeit falle, ist jedoch nicht begründet. Dieser Eventualfall könnte erst nach Tausenden von Jahren eintreten, zu einer Zeit, in welcher auch das Perichelium (Sonnennähe der Erde) wesentlich später fällt, was nach Ansicht mehrerer Astronomen auch eine Verschiebung unseres Frühlings zur Folge haben kann. Wie zu Anfang errvähnt, ist dieses Jahr Purim am ersten,Ostertag, und .da das jüdische Religionsgesetz nebst den Almosen an Arm« auch die gleichzeitige Beschenkimg (Lrchlach-Monmcs) vorschreibt, und gerade zu dieser Zeit die Geschäfte drei Tage geschlossen sein müssen, ist dies wieder eine drastische Illustration dafür, daß wir im Golus leben und die ftidischc Religion in Deutschland nur geduldet ist. L. L. Frankfurter Berichte. Frankfurter zionistische Vereinigung. Der Vorsitzende eröffnet« .die Versammlung, indem er dem vorige Woche verschiedenen Herrn Kommerzienrat Louis Feist, der seit Jahren Mitglied der'Bereinigung war, Worte des Gedenkens weihte. Der Heimgegangene habe den Zionismus auss aufmerksamste verfolgt und zu seiner Jnsormation einen der Baseler Kongresse besucht. Ein Segen wäre es für den Zionismus gewesen, wenn ein Mann wie Louis Feist seine geniale Begabung und seinen nie ermüdenden Idealismus in dessen Dienst gestellt hätte, ein zweiter Herzl wäre ihm dann erstanden; — aber Louis Feist war schon zu sehr nrit anderen großen jüdischen Ausgaben beschäftigt. Doch das', was er sür die Tradition des Jicdentums und die Einheit der Jndenheit gewirkt hat, das wird ihm auch von seiten des Zionismus dauernde Dankbarkeit sichern, denn Tradition des Judentums und Einheit der Jndenheit sie sind der Lebensnerv des Zionismus. Sodann hielt .Herr Juda Born ft e i n einen einstündigen vorzüglichen Bortrag über den Einfluß des Zionismus auf die galizische Jndenheit. Redner skizzierte den 'Anteil der galizischen Juden ‘ an der österreichischen Politik. Bott 1867—1879 gehörten sie der deutschen Verfassungspartei an, dann führten sie'ihre sogenannten Führer ins polnische Lager. 1880 hat der damalige Ministerpräsident Taasse Galizien dem polnischen Adel ausgeliefert, wofür ihm dieser treue Gefolgschaft versprach, — und die jüdischen Führer waren dem polnischen Adel und dessen Interessen ergeben, denn von ihm hingen sie sozial und wirtschaftlich ab. Rur langsam würde die jüdische Masse wach. 1887 erschien von Alfred Rostig eine Broschüre („Ein Problem zur Lösung der Judenfrage"), die ein Vorbote des Erwachens war, sie verlief aber noch im Sande. 1890 gründete der jüngst verstorbene Rabb. Dr. Koback in Lemberg den Verein „Mikro Kodesch", aus' dem dann 1892 der erste zion. Verein Galiziens entstand. Kurz darauf erschien Herzls „Judenstaat", dessen unbeschreiblicher Eindruck aus die galizischen jüdischen Massen ja bekannt ist. <Deputationen galizischer Juden bei Herzh. Wie sehr die galizische jüdische Masse sich mit dem Zionismus verbunden hatte, zeigten die Jahre 1908 imb 1907, die unter denk Zeichen des' allgemeinen gleichen Wahlrechts standen. Trotz des stärksten Druckes der polnischen Machthaber pnd ihrer jüdischen Verbündeten konnten zum ersten Male vier jüdische Mgeordnete, die vom jiidischen Volke als Juden gewählt waren, in den Rcichsrat ziehen. Redner besprach die Leistungen dieser Abgeordneten, das „jüdischen Klubs", verweilte lange bei der durchs diesen Klub veranlaßten Enquete über die wirtschaftliche^ Lage der galizischen Jndenheit, die ein gradezn trostloses Bild dieser Lage entrollte und zeigte dann, was die zionistische Organisation bereits zur Besserung dieser Lage getan hat. Zum Schluß gab er einen lleberblick über die bei ihrer Armut so hervorragenden Leistungen der galizischen jüdischen Masse für den Zionismus. Philanthropin. Das Philanthropin. Realschule und Lyzeum .der israelitischen Gemeinde wurde am 1. Februar von 382 . Knaben und 384 Mädchen besucht. Am 1. April tritt Vorschnllehrer S a l o m on H e invin a n n, der dem Philanthropin länger als 40 Jahre seine Kraft widmete, in den Ruhestand. Der Schulrat setzt sich aus folgenden Herren zu- . sainmen: stadtrat a. D. Horkheim er (Bors.), I. Ed. Goldschmidt (2. Bors.), Ludwig Schifk. Massenführer), Prof. Dr. Apolant, Heinr. Emden, s. Epstein, Rudolf Kahn. Benny Oppenheimer und Dr. Richard Stern. Bon diese» Herren scheiden am 1. April Schiff, Kahn und Oppenheimer ans. 4780