Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 50 (20.12.1912)
- Date
- 1912-12-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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M- MM Frankfnrter Berichte. Der Verein „Nachlaß Zwi" veranstaltete vorigen Donnerstag in« Börse nsaal eine von vielen Hunderten besilchtc P r o testv e r sa in in ln ng gege» die Richtlinien. . Rabb. Dr.. W e i l l -Buchsweiler übte in seine»« Refrrate scharfe Kritik an den Richtlinien, die eine völlige Abkehr voin Judentum dedenten und eine neue, dein protestantischen Christentum verwandte Religiondarstellen,,, Ihre Anhänger können daher unmöglich als Richtung im Judentum angesehen werden. vSiii liberales Judentum, das sich auf Basis der Richtlinien/ organisiert hat, ist als Sekte zu betrachten, die weit schlimmer als die Karäer ift und aus dem Judentum ansgestoßeu werden mutz. Redner bringt zum Schluß eine Resolution ein, die folgendermaßen lautet: „Die am 12. Dezember inl Börsensaal abgehaltenc, zahlreich besuchte Versammlung erklärt, daß das aiif Grund der Richtlinien sich bildende, liberale, Judentum eine völ-' lige'Aossagung vom Judentum bedeutet, die. vollkommener ist als die durch die Karäer vollzogene. Die Versammlung protestiert gegen jeden Versuch, dieser Tatsache die Anerkeimung zu versagen. Insbesondere legt die Versammlung Verwahrung ein gegen die Erklärung der Vorstände Berlin und Frankfurt, die sich' unterfange», den Rabbinen das Recht abzusprechen, das liberale Judentum als eine Abkehr l vom Judentum zu kennzeichnen und daraus die unabweislichen Konsequenzen zu ziehen." ■ In der nun folgenden Diskussion sprach als erster Redner Bantier Jakob Wolfs. Er griff die Richtlinien heftig an, meinte ' aber, daß cs heilige Pflicht der Traditionellen sei, zu versuchen, ihre Zurückziehung zu . erzielen und so die Einheit des, deutschen Judentums zu retten. Martin Levigard polemisierte gleichfalls scharf gegen' die Richtlinien, erklärte es aber als Pflicht der Orthodoxie, für die Einheit des Judentums unter allen Umständen „einzutreten. Louis Kahn erklärte, das;l nach der Verösfentlichnng der Richtlinien die Orthodoxen nichtmehr in den Gemeinden verbleiben könnten und austreten müßten. Schon längst' hätten sie es tun sollen, aber die Richtlinien haben das Maß zum Ueberlaufen gebracht. Er griff daun in heftiger Weise eine „hiesige jüdische Zeitung" an, die die extreme Haltung gewisser Trennungsmänner gegeißelt hat. Ihm trat Herr Fritz Soirdheinier entgegen, der' in überzeugender,, sachlicher Form für die Sache der- Einheit eintrat und es als Pflicht der Trennungsorthodoxen bezeichnete, die Gemeindeorthodoxie in ihrem' schweren Kampfe zu unterstützen. Es wäre eine Feigheit, im, gegenwärtigen Moment die Fahne zu verlassen und auszutreten. Jakob R o s e n h e i in forderte gleichfalls zur Trennung;" die religiöse Gemeinschaft mit den Liberalen bestehe .nicht mehr; höchstens könnten die /Gemeinden ausschließlich als soziale Organisation lveiter existiere». , Bankier J ak. W o l s f erklärte, daß man gar nicht alle indie getrennten Gemeinden aufnehmen könnte, die einen hohen Beitrag fordern, de» die Minderbemittelten gar nicht leisten können. Rechtsanwalt Brin km anh meinte, wenn alle Orthodoxe, l sich den getrennten Gemeinden anschließen würden, . würden diese in der Lage sein, auch Arme aufzuuehmeli. . Es sprachen noch die Herren L L tue n t h a l, Fr ie dmann. Darauf wurde die Resolution angenommen - * ' Um Mißverständnisse, die übep unsere Haltung bestehen, zu beseitigen/ sehen wir uns genötigt, hier kurz auf die Angriffe des Herrn Louis Kahn zu erwidern. Wir müssen uns auf das Schärfste dagegen verwahren, daß man unsere Stellungnahme gegen gewisse extreme Trennungsmänncr, die es am liebsten sähen, wenn die Liberalen an den Richtlinien sesthalten würden, als eine Gegnerschaft gegen die Religionsgesellschaft erklärt. Unsere Meinung von dem jüd. Gefühl, und der Liebe zum Gesamtjudcnkum bei der weitaus überwiegenden Majorität der Religionsgesellschastsmitglieder ist viel zu hoch, als das; ivir diese mit den ivenige» Extremen, die sich als ihre maßgebenden Vertreter anfspielen und gegen die sich unsere 'Angriffe richteten, identifizieren wollten. Gerade im Interesse der Religionsgesellschaft, der das Wohl der Religion doch gewiß über alles geht, geißelten wir die unjüdische Haltung jener Extremen, da ivir nicht den Verdacht aufkommen lassen wollten, als ob die Religionsgesellschaft statt des tiefsten Bedauerns über die Veröffentlichung der Richtlinien etwa Schadenfreude empfinde. Aus Dienstag Abend 7 Uhr war eine Sitzung des Ausschusses der israelit. Gemeinde anberaumt, um Stellung zur Erklärung des Vorstandes zu nehmen. Bei Beginn der Sitzung entspann sich eine Geschäftsordnungsdebatt e. Die Konservativen beantragten Oeffentlichteit der Sitzung. Die Liberalen hielten den Gegenstand der Tagesordnung nicht zur Behandlung in öffentlicher Sitzung geeignet und machten ihre Teilnahme an der Sitzung' von dem Ausschluß der Oesfcntlichleit abhängig. Die Konservativen fanden keine Veranlassung, dieser Auffassung beizutreten, und so konnte die Sitzung nicht abgehalten werden.' Der Bortrag des Herrn Dr. Heinrich Löwe in der Franks. Zion. Bereinigung war einer der besten und interessantesten, den wir in den letzten Jahren gehört haben. Der Redner und das Thema („D i e jüdischen Interessen im nahen Ortent") .hatten ein zahlreiches Publikum angezogen, sodaß der Saal vollständig besetzt war. Der Redner führte aus: Bor den Türken herrschte Jahrhunderte hindurch das griechische Byzanz auf dem Balkan, dessen Kirche nicht nur, sondern auch dessen Politik das heutige Rußland geerbt hat. Die Vertreter der christlichen Liebe behandelten die Juden stets schlimmer als die Parias. Erst nachdem die wilden Türken Herren des Balkans wurden, ward ihnen Freiheit, und sie blieb ihnen. Als, die Juden 1492 aus dem christlichen Spanien vertrieben wurden, nahmen sie die Türken brüderlich auf. -Griechen sind es gewesen, die 1840 in Damaskus zum ersten Male wieder die Mär der Blutbeschuldigung wider die Juden aufbrachten und sie inzwischen öfters wiederholten. Der Grieche ist noch heute der Erbfeind des Juden. Kaum war jetzt Saloniki eingenommen, als griechische Soldaten sofort Pogrome gegen die Juden machten. Saloniki würde jetzt wahrscheinlich eine Freistadt werden, wenn liicht Juden das Gros seiner Bevölkerung stellten; — so dulden die christlichen Regierungen es nicht. Doch kommt Saloniki unter griechische Herrschaft, dann wehe seinen Juden! Dann wird sich die Zahl der entrechteten Juden um lveiter SO 000 vermehren. Gegenwärtig freilich buhlt Griechenland um die Gunst der Juden. Plötzlich sind in Griechenland zwei jüdische Wochenblätter erschienen, die den Saloniker Inden erzählen, wie gut es die Juden Griechenlands haben. Die anderen Balkanstaatcn haben auch- Juden. In Rumänien geht es ihnen am schlechtesten — noch schlechter als in Rußland —, denn Rumänien hat die meiste» Juden; in Bulgarien, wo bedeutend weniger Juden wohnen, geht's ihnen dementsprechend besser, und in Serbien, wo nur sehr ivenige Juden wohnen, geht'S ihnen am besten. Der türkische Bolkscharakter hat nie den Rassenhaß gekannt. Weil der Türke stets tolerant war und so auch seinen christlichen Völkern die Freiheit ihrer Entwicklung ließ, geht er heute zu Grunde. Palästina bleibt der Türkei. Doch sollte es eiilinal in christliche Hände kommen, so käme es nur unter die Herrschaft Englands, und der Engländer, der sehr pietätvoll i ist, hat von den christlichen Völkern stets am meisten Verständnis für das alte, pietätvolle Volk der Jude» gezeigt. Hatte doch der englische Premierminister Lord Pal-: mersron 1847 eine Koinnlission eingesetzt» die sich mit der Wiederansiedlung des jüdische» Volkes in Palästina beschäftigen sollte. Auch gibt es heute noch derartige christ- .. lichcn Vereine in England. Doch möge das Geschick, welches auch immer sein, — heute sind die Juden bereits die ausschlaggebende'.; Bevölkerung Palästinas noch etwa 5>fc,, heute 20* -j bis 25« o), uiiöseitdem Palästina jüdisch geworden ist. hat seine soziale uiid wirtschaftliche Entwicklung gewaltige Fortschritte gemacht. \ Redner schließt damit, daß Zionismus nicht nur das - Nationale bedeute, sondern gleichzeitig die Rückkehr zu - den Quellen des Judentums, — und das sei nur iw . Palästina zu verwirklichen. Das Stistungsfest des „Mo u te fiore"-Beri eins bildet schon seit einer Reihe von Jahren die glän- : zendste und größte Veranstaltung der Frauksurter Judeni heit. Daß der 1590 Personen fassende Saaldes Kaufmännischen Vereinshauses ausverkauft wird, ist schon selbstverständlich. 'Aber ebenso selbstverstääudlich ist es, daß-.! die Darbictungeir von ethischen und ästhetischen Gesichts^ 7 punkten nur Erstklassisches bieten T ie F e st a n s p r a ch e hielt diesmal Rechtsanwalt A. Horovi p. Wir lerirteu in ihm eine» Redner von hervorragendem oratorischen uud wortgestattenden Können kennen. Seine Worte warr» dem Chanuka als Berkörperungdes Sieges des Idealismus über deie rol)e Gewalt und-hem „Montefiore"-Verei«l als einer Stätte für die Pflege deS £ Ideals und besonders des jüdischen Ideals gewidmet. : Auch in dem nun folgenden künstlerischen Programm war dem Jüdischen möglichste Berücksichtigung gewährt. So rezitierten u. a. Frl. I» Koops vom Schauspiel-' Haus und Otto Bernstein vom Reuen Theater das ,Zohe Lied". Ein geradezu ivundervoller Meister des Pianos ist Kart Bernhard Philipsen aus Kap«u>. Hagen, lieber Hermann Schlamms Gesangeskunst brauch! mau bei diesem Liebling des Opernhauses in Frankfurt nichts zu sagen: mit tosendem Beifall wurde, er begrüßt, unter tosendem Beifall mutzte er sich zu Zugaben verstehen. Frl. Suse Ettlinger aus Karlsruhe^ trat in Frankfurt zum ersten Male auf» eine sympcckhische^ Erscheinung, deren Frische uud natürlicher Liebreiz angenehme Beigaben zu ihrer Stimme sind. " Nach der Pause folgte die Aufführung der Mozart»' scheu Oper ,/Der Schauspieldirrktor" unter der musikatischen Leitung von Arthur Holde und der Regie/ von Otto Bernstein. Die Dekorationen hatte das bekannte TeppirhHaus Rothschild und das Piano die bekannte Pianofirma Lichten st e i n gestellt. Wie uns von dem vorbereitenden Komitee/H derAgudaß-Jisrocl-Jugemdgruppe mitgchpilt.M wird, findet Sonntag, den 22. Dezember a. c. (12- ,a| Tcweth), abends 8«,<. Uhr, im großen Saale der Frank- M j f u r t - L o g.e, Eschershcinier Landstraße 27, eine öffent-./A liche Propaganda-Versammlung statt: -J| Das einleitende Referat hält Herr Martin Feist über-Z „Aufgaben der jüdischen Jugend": Hierauf schließen sich Ansprachen der Herren Dr. I. H einem anwi« und Jakob R o s e n h e i «n an. Es ist starke Beteiligung^« aus allen Kreisen der hiesigen jüdischen Bevölkerung zu.; erwarten. Damen und Herren willkommen. Auch die I s r. M ä d che n waiseua nstakt (Set- ,4. lerstraße 24) erfreute am letzten Abend des Chanukchestes H mit schönen Aufführungen eine große Anzahl Gönner-uuhtM Freunde. Die 'Anwesenheit der Freifrau Baronin Willi;'"' von Rothschild, die dem Waisenhaus jederzeit warme h Teilnahme und Fürsorge entgegenbrachte, verlieh dem Feste// besonderen Glanz, und mit Freude Und Interesse folgte-, Ä sie den Darbietungen der Zöglinge. Es war ein reines/I Vergnügen, dem Gesang der Kinder zu lauschen, die «*- ßenfitzet 2ti SlfiduDünsc&en Telegramm-ft&tösungsformulare der Ke&räisc&eu Mittetscfole Tac&fceraome m Jaffa. , - ■ Stflck a Mk. 0.50. Blocks za 10 Stück ä Mk. 5.— in allen hebräischen Bachbandlangen sowie in der Redaktion za haben. und Kammerpkotograph & KM» - wm Bosch Atelier: 34 Kaiserstrasse 34, I. Etage. Telephon 814. Ehe Sie sich photographieren lassen, betrachten Sie die umfangreiche Ausstellung der künstlerischen Ausführungen meiner Aufnahmen. Grosse Portraitur billige Preise. Photo-Spezial-Artikel. A®/ Entwicklungs- und Copier-Artikel für sämtliche Amateur-Arbeiten unter fachmännischer Leitung. Apparate in grosser -nswakl. - iasiscWnste Veiknaektsgesckenk. Neu! Neu.! Zeit 29 «w« Zell 2» gegenüber dem Polizeipräsidium. Kettle nieder eröffnet in früherer altbekannter Mrnng als Jaraita-Cafe. Hoch achtungsvoll Josef, Ha Obst- Tel. 1 8823. 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