Neue jüdische Presse
- Journal
- Neue jüdische Presse
- Volume
- 10 (1912)
- Issue
- Heft 49 (13.12.1912)
- Date
- 1912-12-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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I Ausruf I au die jüdische Jugend Frankfurts. I In Diesen Dagen ist von weitsichtigen Männern In Werk von historischer Bedeutung geschaffen' Morden, dessen segensreiche Früchte erst späte Enkel Inten werden. Unter Führung der bedeutendsten «eaunim aller Länder rmd tätiger Mitarbeit der »erufenen Vertreter des in der Tauroh geeinten «dischen Volkes ist die Sammlung aller bewußt- «dischen Kräfte zu einer I Agudas-Jisroel Ils die dringendste Gegenwartsaufgabe Anerkannt und damit die jüdische Bewegung oat soeben geschaffen worden, als das Organ, das die vielgestaltigen Aufgaben Israels zu lösen berufen ist. I Wie im alten Israel der weite Blick unserer Weisen zu einer Zeit, da die anderen Völker der «ntike ihre „Astyanaxe" die „Sperre werfen" lehr- «n, in liebevoller Fürsorge allgemeine Volksschulen, Botsi Seiffer, und Jedem zugängliche Akademien, Botei Midroschaus, für die Heranwachsende Generation erstehen ließ, so haben auch die Führer »er Agudah im Geiste jener Ahnen, getreu der Tradition, erkannt, daß durch Zusammenschluß, Heranziehung und Erziehung der jüdischen Jugend in Inner Jugendorganisation die kontinuierliche Fortsetzung ihrer großen Ideen für die Zukunft gewährleistet wird. I Aber es bedurfte garnicht der Anregung von Iliußen7 I Wie viele begeisterte Kundgebungen aus jugendlichen Kreisen beweisen es, daß der Gedanke »er Agudah in für Tauroh und Jisroel feurig «chlagenden jugendlichen Hörzen nachhaltigsten Eindruck hervorgerufen und sie zum freudigen . Bekenntnis zur großen Sache und eifervollem Rufe Iiiach arbeitsreicher Betätigung im Dienste der Bewegung angespornt hat. I Von den gleichen Gefühlen getragen, sieht sich [das Unterzeichnete Komitee veranlaßt, die Gründung [einer- IZugendgrnppe der Agudas-Jis.oel in I Frankfurt a. M. lanzuregen und in lveiten Kreisen jüdischer junger ILeute in unserer Stadt zur Mitarbeit aufzusordern. I Es gilt einer großen Sache! Mit bänger <Ä>rge müssen wir uns fragen, und diese Frage kann und darf uns nicht gleichgültig sein: Wer wird das Erbe der Väter dereinst antreten, um mit gleichem Eifer und eben solcher «Energie wie sie die Fahne des gesetzestreuen IJudentums voranzutragen!? Hier hat eine Jugendgruppe eine doppelte Aufgabe. I * Sie wird int Allgemeinen in weiten IKreisen der gesützestreuen Juden das Interesse [für alle jüdischen Fragen wach zu halten Ihaben nnd im Be sonderen die tätigen Mitarbeiter für die Zukunft, den ewig frischen Nachwuchs, auszubilden suchen. Demgemäß wird unsere Arbeit in erster Linie eine umfassende Lehrtätigkeit sein. Stehen wir doch in Bezug auf die Wertung der Tauroh in Westeuropa G. l. im Zeichen einer neuen Aera, die begriffen hat, daß das Hirsch'sche Prinzip „Talmud Tauroh im Derech Erez," im Sinne des großen Meisters vor Allem bedingt, daß wir wieder in Gesinnung und Tat in den Geist unserer Gesetzöslehrer .hineinwachsen und demzufolge Im Talmud Tauroh, dem intensiven Studium der jüdischen Lehre und Gesetze, die eigentliche Fordeirung des Tages erkennen. ~ Gemeinsam mit den zahlreichen Institutionen, die in unserer Stadt bereits erfteulicher Weise der Thorapflege obliegen, wird es unsere Aufgabe sein, die uns znströmende Jugend dem fleißigen Thorastudium zuzuführen. Unser Ideal ist> eine Art jungjüdischon Seminars im Sinne der Tauroh erstehen zu lassen, und wir zweifeln nicht, däß es uns gelingen wird, alle jugendlichen Herzen, in denen noch das Feuer des Mischen Gottesgesetzes seine erwärmende, heiligende Kraft ausströmt, zur eifrigen Mitarbeit für unsere Kurse in Gentoroh, Tefilloh, Tenach heranzuziehen. ~ Wir glauben ferner, daß das Selbstbewußtsein,. der Stolz aus die geschichtlichen Leistungen der jüdischen Vergangenheit ein weiteres Mittel ist, um die jüdische Jugend mit flammender Begeisterung für den Beruf Israels zu erfüllen und den zukunftsftischen Eifer unserer jugendlichen Genossen zrt vervielfachen. Das Studium der jüdischen Geschichte wird daher einen zweiten wichtigen Punkt unseres Programms bilden. Wenn wir an einer Belebung der jüdischen Jugend arbeiten wollen, so dürfen wir nicht an jenem gewaltigen Aufschwung achtlos vorübergehen, den gerade in unseren Tagen die Kenntnis der hebräischen Sprache „Loschaun hakaudesch" genommen hat; die Erlernung und das Hineinfühlen in den Geist der hebräischen Sprache wird uns eine Verinnerlichuirg auch der jüdischen Begriffe gewährleisten, weshalb wir einem hebräischen Sprachkurse eine wahre Bedeutung beimessen und in der systematischen Erlernung unserer Sprache der jüdischen Jugend des Westens die im Osten selbstverständliche Vertrautheit mit derselben zu übermitteln suchen werden. Selbstverständlich darf im Programm einer bewußt-jüdischen Gruppe die Erörterung aller jüdischen Tagesfragen, die Beschäftigung mit Apologetik usw. nicht fehlen, und auch diese Punkte werden in unserem Arbeitspläne entsprechenden Raum einnehmeit. Denken wir also, auf diese Weise an einer Renaissance der jüdischen Jugend Frankfurts mitschaffen zu helfen, so sind wir Uns andererseits der Pflicht bewußt, auch in körperlicher Beziehung regenerierend zu wirken und der uns angeschlossenen Jugend auch hier ein Betätigungsfeld zu bieten. „Lau Hamidrasch ikkor ello hamaasseh". Wohlan denn mitjugendlichemMute und jugendlichem Feuer zur Arbeit! An Euch, jüdische Jügend Frankfurts, ist es jetzt, die von uns geplanten Ideen zur Verwirklichung zu bringen und durch arbeitsfrohes Mitschaffen die zu gründende Jügendgruppe in den Stand zu setzen, ersprießliche Leistungen aufzuweisen. An Euch richten wir daher unsere Bitte, für die Verbreitung unseres Vorhabens eifrig tätig zu sein und in der Propaganda-Versammlung, die wir in nächster Zeit veranstalten werden, in Vollzähligkeit zu erscheinen. Ist erst einmal der Grundstein für eine großzügige Jugendarbeit gelegt, dannwird es nicht schwer fallen, auch die große Masse der heute den jüdischen Fragen leider noch indifferent Gegenübersteherwen zu uns heranzuziehen und sie auch für die Verwirklichung unserer hohen Ideale, Lehoröim Keren Hatauroh Wehajiroh", zu begeistern. Sei die Jugendgruppe in Frankfurt der erste Stein im großen Gebäude der Weltorganisation der gesetzestreueu jüdischen Jugend, das die Agudos-Jisroel zu errichten beabsichtigt, und möge sie durch ihre geschlossene jüdische Arbeit auch in jüdischer Hinsicht einen Grundpfeiler i« der Bewegung bilden, in Gemeinsamkeit mit den in der großen Organisation tätigen Männern wirkend, damit das Wort unseres größten Führers sich erfttlle: „Binoreinu uskÄnöinu nöilöich!" Das vorbereitende Komitee. Frankfurter Berichte. Die Chauukafeier des Vereins „Tiferes Bachurim" überraschte das Publikum, das den Saal des „Montefiore"-Bereins bis zum letzten Platz füllte, mit einem sehr reichhaltigen -Programm. Den Mittelpunkt der Veranstaltung bildete die von t:rrn Dr. B. May gehaltene Festrede. In wuchtigen orten, auf die Verhältnisse der Gegenwart dabei exemplifizierend, zeichnete der Redner den historischen Hintergrund des Chanukafestes, den Kampf des Judentums mit den Aisimilationsbestrebungo» in seinen eignen Reihen, die damals dem Hellenismus galten. Bon den Gesangs-, Rezitations- und Biolinvorträgen boten besonders die gesanglichen Darbietungen des Herrn David .Wallach einen hohen künstlerischen Genuß. Älber auch sämtliche andere Darbietungen ernteten lebhaften Beifall und gaben Gutes. Wir nennen rühmend Frl. Schulhans ,md die Herren Salti Cramer, Julius und Sigmund Neuhaus, Levy, Selig und Th. Rosenthal. Die Klavierbegleitung lag in den Händen von Frl. Sidda Goitein und Herren Scheidt und Ludwig Mayer. Der Abend zeigte, daß der Verein in Herrn Willy Müller einen umsichtigen,"regvn Präsidenten hat. Wie alljährlich fand im G um p e r tzs che n S i e ch enhaus Minka vo n G olds ch m id t-Ro thschild- Stiftung am Mauzoeh - Schabbos eine hübsche CHann ka°Feier für die Insasse» der Anstalt statt. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Gottesdienst. Entzünden. der Lichter und Moauszur-Gesang. Hierauf hielt das Vorstandsmitglied Joseph Wisloch eine gehaltvolle Ansprache unter Hinweis auf das segensreiche Wirken der Anstalt; insbesondere dankte der verehrte Redner der Stisterin des Neubaues, Freifrau v. Rothschild, die stets ihr hochherziges Interesse für die Anstalt. bekundet. Es folgten nun humoristische Berschen für jeden einzelnen der Patienten, die in liebevoller Weise von der Ehrendame Frau Joseph Wisloch verfaßt waren. Alsdann wurde von Patienten ein kleines Festspiel aufgeführt; hierin schilderten die Kranken das unermüdliche Wirken des Vorstandes und die Fürsorge des Chefarztes Dr- Jak. Meyer und der Schwester- Oberin. Zum Schlüsse hielt eine Patientin eine Ansprache. Bon Seiten der Familie Rothschild waren bei der Feier zugegen: Herr Baron und Frau Baronin von Schey und Baroneß Lucie von Goldschmidt-Rothschild. Leider waren der Präsident der Anstalt. Herr Julius Äoldsch.midt und seine Frau Gemahlin, die beide das Jahr über die Kranken so oft erfreuen, dieses Mal am Erscheinen verhindert. Die h e b r. U n t e r r i ch t s a n st a l t, die von Herren Rabbiner Dr. Lazarus nnd Dr. Salzberger geleitet wird, veranstaltete Sonntag in der Aula des Philanthropins eine Chanuka-Feier. Orgelpräludium eröfsnete die Feier. Darauf folgte ein schöner, nett vorgetragener Prolog, und nach Absingen einer stimmungsvollen Chanukahymne wurden sodann die Chanukalichter in altjüdischer Weise von einem Schüler angezündet. Die Festrede hielt Fräulein B e h r e n d, Tochter des Justizrates Behrend - Danzig- Ihre gehaltvollen, religiös empfundenen Worte klangen aus in eine Mahnung au die Jugend, in deren Adern Makkabäerblut fließe» den Makkabäern im Kampfe um das Judentum zufolgen, da zum Makkabäer-Blut Makkabäer-Geist erforderlich ist. Vertiefung im Judentum nnd Erwerbung von jüdischen' Kenntnissen ist von nöten. Es folgten einige reizvolle, gut vorgetraaene Deklamationen'— „Die Menorah" von Herzl, „Judas Tod" und „Chanuka" — und dann einige Theaterstücke. Von privater Seite wurde der Synagoge an der U n t e r l i n d a u ein in vergoldetem Silber gearbeitetes Ner-Tomid gespendet. Das Kunstwerk ist aus dem kunstgewerblichen Atelier der Firma Felix H o r o v i tz, hier, hervorgegangen. Der Frankfurter Hausfrauenbund hat auf Anregung und durch materielle Unterstützung der Frau FloraSchwarzschild eine Prämie für Dienstmädchen ausgesetzt. Eine solche Prämie erhalten die Mädchen, die ein Jahr lang in einer vonc Bunde vermittelte» Stelle tätig sind. Die Prämie steigt von Jahr zu Jahr. Die neue Einrichtung dürfte bei den Hausfrauen wie bei den Mädchen große Anerkennung sinden. Die Darlehenskasse des Vereins selbstständiger israelit. Handwerker und Gewerbetreibender fordert die jüdische Bürgerschaft Frankfurts zu Beiträgen auf. Eine Förderung dieser so wichtigen Institution kann nur aufs wärmste empfohlen werden. Die gegenwärtig. stattfindende Sammlung wird daher von Herren Rabb. Dr. Horovitz, Rabb. Dr. Lazaruch Kommerzienrat Feist, Dr. Büding, Dr. Max Mainzer, Julius Sommer, Mich. Mos. Mainz, M. Tannenbaum, Dr. Königsberger, Bernh. Heimann» Jul. Goldschmidt i. Fa. I. u. S. Goldschmidt, Dr. Wilh. Hanauer usw. befürwortet. Spenden werden auf das Scheckkonto 7010 erbeten. Der Zentralverein israelitischer Gc7 meindemitglieder wird in einer öffentliche» Versammlung, zu welcher alle Mitglieder der Gemeinde eingeladen werden, zu den „Richtlinien" Stellung nehmen. Die Versammlung findet am Samstag, den 2l. Dezbr., abends 8y» Uhr. im großen Saal der Börse statt. Es find hervorragende Redner als Referenten gewonnen worden. Dem Frankfurter Verein für Satistik nnd Demographie der Juden ist es gelungen, Regierungsrat Dr. Knöpfel, den Vorstand der großh. hessischen Zentralstelle für Landesstatistik in Darmstadt .zu einem Vorträge? zu gewinnen. 'Herr Knöpfel gilt als Autorität auf dem Gebiete der Konfesfionsstatistik und ist ein warmer Förderer der Statistik der Juden. Er wird über dieBewegungder jüdischen Bevölkerung in H'efsen sprechen. Der Bortrag findet Mittwoch, den 18. Dezbr., abends 7*/a Uhr, in der Frankfurt-Loge statt und ist für jedermann zugänglich. Eine recht schöne Feier wurde am letzten Sonntag im Beth Hamidrasch Schel Chewrah Tehillim (Psalm-Verein) abgehalten, ein Sium Hatauroh, die Fertigstellung eines Sefers Hautauroh. Nach dem Minchah-Gebet wurde mit bem Treiben 4780