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Neue jüdische Presse · 1912-07-19 · Heft 28 (19.7.1912) · page 9

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Journal
Neue jüdische Presse
Volume
10 (1912)
Issue
Heft 28 (19.7.1912)
Date
1912-07-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Frankfnrter Berichte. Dem Privatdozenten an der Großherzoglichen Technische» Hochschule zn Darmstadt Professor Dr. Phil. Julins Hülsen, Architekten und Maler zu Frankfurt a. M., wurde auf Beschluß des hessischen Ministeriums des Innern ein dem letzteren von der Peter Wilhelm Müller-Stiftung zn Frankfurt zur Verfügung gestelltes Stipendium als Anerkennung für wissenschaftliche Leistungen überwiesen. Aus de« vereine«. Ragv-Tapolesany (Ungarn). Mit dem Zwecke, die jüdische Jugend unserer Stadt, die noch vor. nicht langen Jahren ein starkes Kontingent von Talmudjüngern stellte, ihrer jüdischen Renaissance zuzuführen, ist hier dieser Tage ein Verein „Tiferis Bachurim" gegründet worden. Den .Vorstand des neuen Vereins. bilden folgende Herren: Oberrabbiner Nathan Schlesinger, Prokurist A. Liebermann, N. Graus und Fürst. S. Schlesinger-Silinski. Ans der Lehrerwett. Frankfurt «. M. Rabbiner Dr. Bloch Vorsitzender des Elsaß-Lothringischen Rabbinerverbandes, teilt' uns mit, daß auf der Generalversammlung dieses Verbandes die „Agudaß Jisroel"-Frage nicht behandelt worden ist. Wir hatten unsere Mitteilung nicht von dein Berichterstatter über die Generalversammlung; sie war diesem Berichte nur angefügt. Wie sich jetzt herausstellt, ist die Anfügung irrtümlich geschehen. Es handelt sich hier um das Rundschreiben, das'die Herren Rabbiner Dr. Cohn-JchenMusen, Dr. Mannheimer- Oldenburg und Dr. Munk-Marburg an die Mitglieder der Bereinigung .traditionell gesetzestreuer Rabbiner Deutschlands" erlassen haben. In diesem Rundschreiben wird gegen die Aeußerung des Herrn Jacob Rosenhe i m, des Geschäftsführers der Agudaß Jisroel, er werde bei.der Wahl eines der beiden orthodoxen Rabbiner der Frankfurter Gemeinde in die ^Leitung der Agudaß Jisroel Mr seine Person die Konsequenzen ziehen und aus der Leitung austreten, protestiert, da die Agudoh die Gesamtorthodoxie umfassen soll, und es ErMtimM aus JißeC und Talmud. Moses Tod. Moses hatte die Zahl seiner Jahre ansgelebt, und die Zeit seiner Heimkehr zur ewigen Heimat war gekommen. Da versammelte der Herr alle seine Engelsscharen um sich und sprach zu den beiden Engeln Gabriel und Michael, die seinem Throne am nächsten standen: „Die Stunde ist nunmehr gekommen, da die Seele meines treuen Dieners Moses vor mir erscheinen soll. Gehet hin und holet sie." Aber Gabriel schlug traurig sein Angesicht nieder und sprach: „Herr aller Zeiten und. aller Wesen! Nicht möge es Dein Wille sein, mich zum Sendboten dieser Trauerkunde zu machen, da doch 'Moses mein Schüler gewesen ist; er lernte von mir die ewigen Wahrheiten, mit denen er die Menschenherzen für alle Zeiten beglückt hat." In ähnliche Klage brach auch der Engel Michael aus: „Allmächtiger Weltenherr!- Ich' war sein Führer und ständiger Begleiter, als er vierzig Tage in Deiner Nähe weilte, und darum fällt es mir ungemein schwer, meinen Schützling durch diese traurige Kunde zu betrüben." Da trat Saniaäl, der Schreckliche, vor, der den Menschen Tod und Verderben bringt, und rief frohlockend: „Herr, schicke mich. Ich werde Deine Befehle vollziehen." ' Und SamMl breitete seine schwarzen, blutgetränkten Fittige aus und schwebte zur Erde nieder. Moses hatte gerade das heilige Buch beendet und den Namen des Allheiligen zum letzten Male niedergeschrieben, den Namen dessen, der da war, der da ist und der da sein wird' in aller Ewigkeit. Moses Herz aber war schwer und seine Seele betrübt, weil' er noch die große Aufgabe zu erfüllen hatte, für seine bald verwaiste Herde einen treuen Hirten zu bestellen. Aufblickend sah er den Todesboten herannahen, und er rief: „Wer bist Du denn, den ich "unter den Himmelsscharen nie vorher sah?" Samaäl aber erwiderte: „Ich bin Gottes Schnitter auf den Gefilden des Lebens. Ich sammele die Lebensfrucht, die reifen als auch die unreifen, die willigen und auch die unwilligen. Jetzt aber bin ich hier, nm auch Dich mit meiner Sense zu fällen." Doch Moses rief zornig: „Schnitter bist Du wohl für gewöhnliche Gewächse und Pflanzen, nicht aber für mich, der ich schon vor der Geburt zum Dienste des Herrn geheiligt wurde, um die Gesetze der Liebe und der Wahrheit aller Welt zu verkünden." Jetzt erst bemerkte Samaäl den Strahlenglanz, der 'Moses Antlitz verklärte, seitdem er vom Berge niedergestiegen war; — da fiel ihm das flammende Schwert aus der bebenden Hand, und beschämt floh er von dannen, ohne das traurige Werk vollbracht, zu haben, dessen Ausführung er so prahlerisch unternommen hatte. . Aber Moses wußte dennoch, daß seine Scheidestunde geschlagen hatte, und eine Träne glänzte in seinem Auge >,Moses, mein Gatte!" rief Zipporah, sein Weib, als sieseinen Kummer wahrnahm. „Was bedrückt Dein Gemüt? Warum ist Tein Angesicht so niedergeschlagen und bleich?" Moses antwortete: „Ich habe jetzt mein Lebensziel erreicht. Ich muß nun dem Rufe des Höchsten folgen und von Euch scheiden." , Zipporah rief laut jammernd: „Was! Ein Mann, der mit Gott geredet, den die Engel als ihresgleichen geliebt, er sollte wie ein gewöhnlicher Mensch den Tod erleiden?" „Ich Muß. Alle Erdenwesen müssen sterben; dann nur Gott allein dauert ewig. Wo sind unsere Kinder;?" „Sie Pflegen der Nachtruhe." „Wecke sie, damit ich sie segne, bevor ich sterbe." lind Zipporah weinte und wehklagte: „Wachst auf, Ihr Waisen! Eures Vaters letzter Tag auf Erden ist gekommen!" Sie erwachten mit Schrecken und sprachen traurig: „Wer wird Mitleid mit uns haben, da wir bald yüteölos sind?" „Ja, wer wird in Zukunft Müleid mit ihnen haben?" stimmte auch Zipporah klagend ein. Auch Moses konnte seine Tränen nicht zurückhalten.' Gott aber rief: „Fürchtest Du denn den Tod? Verläßt Du so ungern diese Erde?" „Nein! Ich fürchte nicht den Tod, und ich verlasse nicht ungern diese Erde. Aber ich beweine das Schicksal meiner Kinder, die bereits den Großvater und Onkel verloren und' nun auch den Vater verlieren sollen." Ta hörte er wieder die Gottesstimme: „Moses! Moses!. Auf wen hatte Deine Mutter ihr Vertrauen gesetzt, als sie Dich in einem gebrechlichen Kästlein in den Nilstrom gelegt hatte? Wer hat Dir Macht über Pharao und seine Diener gegeben, daß Du mein Voll aus Egypten führen konntest, und wer hat Dir den Stab gegeben, mit dem Du die Wellen des Meeres teiltest?. Warum zögerst Du, Deine Kinder mir anzuvertranen, ..da ich doch ein Vater den Waisen bin? Gehe hin und hebe den Stab über den Jordan, dann wirst Du ein Zeichen sehen, das Dein geschwächtes Vertrauen wieder heben und beleben wird." Moses gehorchte. Mit dem Gottesstab in der Hand ging er zum Jordan, und kaum hatte er den Stab emporgehoben, als die Gewässer sich teilten, — wie einst das Rote Meer —, und auf dem Grunde desselben erschien ein schwarzer Felsen. Moses trat näher. Wieder ertönte die göttliche Stimme; sie befahl chm, auf den Felsen zu schlagen. Kaum war es geschehen, da spaltete sich dieser in zwei Telle, und in dem Spalt erblickte Moses ein lleines Würmchen, Las ein grünes Blatt benagle und mit schwacher Stimme sprach: „Dank und Preis dem Barmherzigen, der auch mich in. der engen Finsternis auf dem Meeresgründe nicht vergißt und mir meine Nahrung bereitet!" Ms. die Stimme des Wurmes verhallt war, sprach der Herr weiter: . „Du siehst nun,, daß ich nicht' nur der Ernährer der Menschen, sondern auch der Versorger des lleinsten Lebewesens bin, daß jedes, ob in den Höhen über den Wolken schwebend- oder im Schoße der Erde weilend, alles zu seinem Gedeihen Erforderliche durch mich findet. Sollte ich da Deine Kinder' vergessen?" Darauf beschwichtigte Moses seine Frau und seine Kinder und machte sich zum Sterben fertig. Da hörte er abermals die göttliche Stimme: „Moses, fürchtest Du noch immer den Tod?" wird daher aufs energischste gefordert, daß einer von; diesen beiden Herren Rabbmen gewählt werde. < Würzburg. SämtU Abiturienten der hiesigen Lehrer-! bildungsanstalt —. Adolf Aufsesser-Anfseß. Friedrich i Kohn-Großkarben, Simon Katz-Rhina, Alfred Kaufmann- Hainstadt, Leo Schloß-Urspringen —> haben die AL- -; gangsprüfnng mit Anszeichnung befanden. : Fürth- Die Jsraeltt. Realschule seierlmitdem : Llblauf dieses Schuljahres ihr öOjähriges Bestehen.; Es hat sich ein Jubiläumskomitee gebildet. * Dieses hat zunächst eine Sammlung für einen Penfions- I und Reliktenfonds eingeleitet und für diesen Zweck bei reits 19000 Jk erhalten. ' \ Münster. Seminarlehrer Rektor Plaut iftals Lehrer l an die Mädchenmittelschule der jüdischen Gemeinde j Berlin berufen worden. Das ist innerhalb eines i Jahres der 3. Seminarlehrer, welcher von Münster nach! Berlin berufen wurde. ' t Aus der zionistische» Bewegrmg.; Köln «. «h. Die Spendensammlungenfür den Jüd. Nationalfonds ergäben im ersten Halbjahr Ls. Js. 250000 Jk gegenüber 230000 JÜL im i Moses erwiderte demütig: „Herr des Weltalls!;; Ich weiß es ja, daß Du der mächtige Herrscher bist: - über alle Geister und über alle Wesen, daß die Toten ' und Lebenden gleich sind in 'Deiner Hand. Ich er- ■; kannte Dich schon im flammenden Dornenbusch; um- ] gürtet mit Deiner Macht, habe ich den Palast deseghptischen Königs betreten; durch Deine Wunder riß ich dem stolzen Pharao die Krone vom Haupte, und ourch j Deinen Beistand vollbrachte ich all die Zeichen in fei*! nem Lande. Später führte ich auf Dein Geheiß Dein Volk aus dem Sklavenhaufe und' teilte fiir esi die I Meereswogen, daß es sicher und ungefährdet das jenseitige rettende User erreichen konnte. Sodann empfing ich Deine heilige Thora aus Deiner Hand, um Deine Gesetze und Gebote den Völkern der Erde kundzutun. Mich hast Du begnadigt, in Deiner Nähe im Himmel zu wellen. In der Wüste wiederum hast "Tu uns Schutz- Hütten unter der Wolkensäule bei Tag und unter der Feuersäule bei Nacht bereüet. 'Mit keinem Sterblich«», außer nur, hast Du von Angesicht zu Angesicht gesprochen. Sollten all diese Beweise Deiner Liebe und ' Gnade mir noch nicht aus Erden genügen? Herr, empfange mich, ich bin bereit, vor Dir zu erscheinen und meine Seele Dir zu übergeben." Da stieg der Heer, unsichtbar wie ein Gedanke, zur Erde nieder, und in seinem Gefolge waren die beiden Engel Gabriel und Michael, die die irdische Hülle, wenn der Gottesgeist sie verlassen, behüten und nach der Stätte tragen sollten, die noch Lines Menscheu Wrge gesehen. Ans dem Berge Nebo war eine Bahre, errichtet, auf die Moses schweigend sich hinlegte. Ter eine Engel sprach: „Schließe Deine Augen." Moses tat so. Der andere sprach: „Strecke Deine Füße aus." 'Moses gehorchte. Dann kam der Herr; selbst und sprach: „sD, Seele! Tochter meiner Schöpfung! Einhundert- - undzwanzig Jahre hast Du in dem Körper aus Staub : und Lehm gewellt; jetzt aber sollst Du von diesem befreit werden. Komm, ich trage Dich selbst zn meine» Himmelshöhen empor." Mit einem sanften Hauch berührte der Herr dann Moses Lippen, und seine Pilgerfahrt auf Erden war beend«. Eine klagende Stimme erhob sich' jetzt' im Osten r „Moses ist tot! Wer wird die Menschen das Gute und Rechte lehren?" Und vom Westen erklang dieTrauer: „Kein Prophet Witt» je wieder erstehen, Ler Moses gleicht!" Und in -den Regionen des Südens tönte es klagend: „Er allein .war der Vertraute im Haufe Gottes!" . Und vom Norden hallte es als Echo: „Moses, der Liebling des Herrn, der Segen der Mensthhest, er ist zu dem himmlischen Vater znrückgekehrt!" Die Gemeinde Israels blickte nach dem Berge Nebo und wartete ans die Rückkehr des treuen Führers. Ta sprachen die Aeltesten: „Moses ist 'nicht mehr und seine Grabstätte bleibt jedem Menschen verborgen. Inder . Ferne sahen wir, wie die Engel seinen Leichnam forttrngen, der in der Umgebung der Sterne selbst wie ein Stern leucht««." Da stand das Volk starr vor Schmerz und blickte trauernd zum Himmel empor, bis eine geheimnisvolle Stimme ihm zurief: „Moses Körper wellt nicht wehr bei Euch, Loch sein Geist lebt so« in Eurer Mitte.; Lurch die ewige, unvergängliche Lehre, die er Euch '< gegeben." , 4780

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